Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (17)

Die libertäre Jasmin Kosubek hat den fast schon sozialistisch anmutenden Kriegsdienstverweigerer, Ole Nymoen, zu einem Gespräch eingeladen. Es ging, unter Anderem, auch um unsere Arbeitswelt. Er kritisiert kapitalistische Selbstverständlichkeiten, die es in Deutschland in keinen Beitrag der Altmedien und in keine ÖRR-Talkshow mehr schaffen.

Ausbeutung. Umverteilung von unten nach oben. Parasitärer Reichtum. Eigentumsprivilegien. Armut als Herrschaftsinstrument. Westlicher Imperialismus. Profitorientierung. Selbstverwirklichung auch ohne Lohnarbeit. Und einiges mehr.


Profitmaximierung
Als es um Lohnarbeit, Profitmaximierung und Ausbeutung geht, haut Frau Kosubek die übliche neoliberale Formel raus, dass sich ja »jeder selbstständig machen« könne. Und da die Unternehmer ja »ein größeres Risiko« eingehen würden, hätten sie am Ende auch »ihren Gewinn verdient«. Diesen neoliberal-kapitalistischen Topos hören wir seit Jahrzehnten. Unterschlagen wird dabei jedesmal, dass es eben nicht Jedem möglich ist, sich selbstständig zu machen.

Wer kein Vermögen hat oder erbt, bekommt auch keinen Kredit von der Bank. Wer keine familiären und einflußreichen »Netzwerke« hat, wird es überall sehr schwer haben. Kaum Jemand der reich ist, hat es sich »hart erarbeitet«, sondern ist durch Erbschaft, Mieten, Beziehungen, (Finanzmarkt-)Glücksspiel, kriminelle Handlungen oder Zinsen reich geworden. Die wenigen Ausnahmen scheucht man seit Jahrzehnten durch die Massenmedien, um den kulturimperialistischen US-Mythos »vom Tellerwäscher zum Millionär« aufrecht zu erhalten.


Eigenverantwortung
Als Ole Nymoen behauptet, dass ein Großteil der Menschen nur deshalb arbeiten geht, um andere reicher zu machen, wirkt Frau Kosubek sichtlich überfordert (Minute 31). Denn er stellt indirekt die Eigentumsfrage, die in Deutschland im Jahr 2026 von Niemanden mehr thematisiert wird. Alles ist systematisch darauf ausgelegt, die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen.

Wo Arbeitskräfte keinen Profit erwirtschaften, werden sie auch nicht eingestellt. Diese simple, kapitalistische Logik ist für die libertäre Moderatorin ausserhalb ihrer Wahrnehmungsschwelle. Schließlich bemüht sie dann wieder die »Eigenverantwortungsrhetorik«, die schon immer als Rechtfertigung für die extrem ungleiche Verteilung gesellschaftlicher Reichtümer herhalten musste


»Da gibt es Herren und Knechte; denn da muss Geld verdient werden, da muss die Hazienda ertragreich gemacht werden, damit sie mit tausend Prozent Gewinn verkauft werden kann.«

- B. Traven. »Die weiße Rose«. Universitas Verlag. Berlin 1962. S. 12


Bürgergeld
Ab Minute 34 geht es dann um das Bürgergeld. Frau Kosubek redet wörtlich von »Sozialschmarotzern«. Ich vermute, sie hat ein Jobcenter noch nie von innen gesehen. Denn dann wüsste sie, wie stark dort die systematisch fest verankerte und gewollte Willkür, die Armenverachtung und die Schikanen gegenüber arbeitslosen Menschen in Deutschland ist. Es ist ein Hohn, ständig zu behaupten, ein Großteil der Erwerbslosen wolle gar nicht arbeiten. Von chronisch kranken Menschen oder Alleinerziehenden ganz zu schweigen.

Ole Nymoen entgegnet, ob es nun wirklich »das große Problem« sei, dass es sich ein paar Leute vermeintlich bequem machen würden? Außerdem könne man es auch aus der Perspektive betrachten, dass ein überbordender Sozialstaat auch bedeuten könnte, dass viele Menschen von ihrer Lohnarbeit und ihrer Rente nicht mehr (über-)leben können?


Fazit
Es sei »maximal asozial, wenn man Andere für sich arbeiten lässt«, so Frau Kosubek zum Thema der »Bürgergeld-Totalverweigerer«. Das jeder Unternehmer und Kapitalist das jeden Tag auf der ganzen Welt millionenfach genau so macht, fällt der Jasmin leider so gar nicht auf. Auf der anderen Seite zeigt sich im Gespräch, dass der gute Ole (wie viele Linke) auf die »C‑Solidaritätsrhetorik« hereingefallen ist, weil er bis heute einige C‑Maßnahmen verteidigt.

Ich schätze es sehr, dass Jasmin Kosubek aufgeschlossen und interessiert ist und deshalb auch Menschen aus allen politischen und ideologischen Lagern zu einem Gespräch einlädt. Ihrer libertären FDP-Einstellung kann ich leider wenig abgewinnen. Ole Nymoen hat ihr hier in diesem Interview klar ihre ideologischen Denklücken aufgezeigt.

Andererseits scheint Ole bis heute nicht verstehen zu wollen, dass Regierungen auf der ganzen Welt nichts anderes gemacht haben, als aggressives Impf-Marketing für »Big Pharma«. Er sollte als Linker wissen, dass Regierungen auch bei anderen Themen mit »Solidarität« und »Nächstenliebe« wenig, aber mit dem Bedienen von Konzerninteressen sehr viel am Hut haben. C war und ist hier keine Ausnahme, auch wenn sich das viele Linke gewünscht haben. Es wurden Milliardenprofite gemacht. Mit der »Solidarität« der Impfwilligen.


»Aber mein Chef braucht mich!«
»Der tägliche Lohnarbeitswahnnsinn 1–16«

7 Gedanken zu „Der tägliche Lohnarbeitswahnsinn (17)

  1. Reichtum ist die leiseste Sache der Welt. Nur Angeber und Maulhelden hauen mit der Hand auf die Brieftasche, dass man die Tausender knistern hört
    — Baron de Lefouet

    Es wird massenmedial systematisch der eigentliche Sozialkonflikt arm vs. reich durch das Schüren von Sozialneiddebatten unter den Armen oder Fast-Armen vertuscht und die Reichen aus der Schußlinie genommen. Daran wird auch dieses Interview nicht viel ändern, so wie dieser und andere kleine Blogs, die es zum Thema machen. Bedauerlich, aber der Teufel scheißt nun mal auf den größten Haufen.
    Andererseits hat das was Nymoen sagt dann auch wieder den Charakter von seinerseits links-populistischen Fensterreden wie sie auch von den Abgeordneten der Linken im Bundestag und etwas mehr rechts von Vertretern des BSW außerhalb gehalten werden. Denn sie stellen zwar die Sozialfrage, aber nicht die Machtfrage. Doch für das erste gibt es ohne das zweite keine Lösung. Und da ist es dann nur konsequent, dass er C‑unkritisch ist, denn da nähern wir uns der Machtfrage im Staate Dänemark. Noch zu weit weg vom Kern des Problems und der Lösung nach meiner Meinung, aber das ist dann noch eine andere Geschichte.

    P.S. im Sinne einer Richtig-Dichtung hätte ich den Titel »Lohnsklavenwahnsinn« bezeichnet, frei nach den besten drei Minuten von George Carlin:

    They own you ...

    der sich nebenbei bemerkt schon in den 2000ern über fear of germs lustig gemacht hat.

  2. @orinoco

    Wer heute Machtkritik übt oder nach »follow the money« fragt — der betreibt eine Verschwörungserzählung oder delegitimiert den Staat. Wenn man bei Banken, Vermögensverwaltern oder der Finanzindustrie landet, ist man darüber hinaus auch ein Antisemit.

  3. Bei dem Thema stehe ich irgendwo dazwischen.

    Man kann sich diesen Sozialstaat nur leisten, wenn genug ausbeuterische Kapitalisten hier ihre Unternehmen ansiedeln.
    Man sollte den Kapitalisten die Ausbeutung also nicht verunmöglichen, weil sie sonst woanders ausbeuten und der hiesige Sozialstaat in sich zusammen fällt.
    Das sollte aber auch kein Freibrief sein.

    Arbeiten gehen sollte sich lohnen.
    Ein genügend großes Lohnabstandsgebot sollte dafür eingehalten werden.
    https://www.buerger-geld.org/news/buergergeld/lohnabstand-beim-buergergeld-was-bedeutet-das-fuer-arbeit-und-sozialleistungen/
    500€ mehr verdienen als der Bürgergeldempfänger, dafür 140 Stunden mehr Arbeit... klingt nicht fair. Zumal der Arbeiter mit seinen erarbeiteten Steuern dem Nichtarbeiter auch noch das nichtarbeiten finanzieren muss.

    Natürlich sollte man kranken Arbeitslosen nicht das Leben zur Hölle machen. Aber man sollte es gesunden Arbeitsunwilligen auch nicht zu leicht, bzw. schmackhaft machen, sich mit der Arbeitslosigkeit zu arrangieren. Der nach mir von meiner Mutter Geborene war/ist nämlich so ein Exemplar.

    Andererseits möchte ich es aber auch nicht unterstützen, daß dieses Schweinesystem die Menschen mit Gewalt in Niedriglohnjobs drückt.

    Zwischen all dem die Waage zu finden scheint mir ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, und ich habe selber keine Vorstellung, wie man das wenigstens halbwegs bewerkstelligen könnte.
    Vielleicht sollte man zu erst einmal dem Staatsapparat einfach mal kräftig auf die Eier treten, damit er sparsam mit den Steuereinnahmen umgeht, und die Steuergelder der eigenen Bevölkerung nicht für Ideologieprojekte in aller Welt veruntreut.
    Aber das ist Wunschdenken.

    Von einem bin ich jedoch ziemlich überzeugt: Wenn unser Sozialsystem in Bälde zusammenbricht, weil einfach zu viele Leistungsnehmer und zu wenige Einzahler vorhanden sind, dann werden wir die ganz hässliche Fratze der Regierung zu sehen bekommen. Notstandsgesetze und die Abschaffung liebgewonnener Arbeitgeberschutzgesetze zum anlocken und wiederansiedeln von Firmen z.B.
    Ich persönlich hoffe, daß dies dann noch unter einer Rot/Grün/Schwarz/Linken Regierung passiert: Denn die Blockparteien werden bei ihrem Rauswurf nur verbrannte Erde hinterlassen, und der hirnlose Bürger wird dann für die schmerzhaften Rettungsversuche die für eben diese Rettungsversuche verantwortliche Regierung verantwortlich machen.
    Das wünsche ich der AfD nicht.

  4. Sehr guter Artikel. Gerade die spalterische Rhetorik ermöglicht die Ausbeutung erst.
    Die politische Linke sollte viel selbstbewußter thematisieren daß es einen marktwirtschaftlichen Zusammenhang gibt zwischen der Drangsalierung von Arbeitslosen und der Marktmacht der Arbeitnehmer.
    Mit dem Mißbrauch des Staates zur Druckausübung auf Jobsuchende werden auch die meisten Arbeitnehmer und kleinen Selbstständigen erpressbar, weil sie damit ein schlechteres Standing haben gegenüber Arbeitgebern und viel schlechter für gute Arbeitsbedingungen einstehen können, und genau das ist auch das Ziel.
    Und vielleicht gibts dann auch »Totalverweigerer«, mein Gott, was sind die schon gegen die parasitären Reichen.
    Solange Arbeitnehmer nach unten treten und nicht nach oben kämpfen, wird sich die Situation nicht bessern.

  5. Wäre das denn nicht was für Dich sekbständiger Grundschullehrer, auf 300 € / h Basis? Elterngespräche auf Augenhöhe, statt Elternabende und dazu beschulbare Kids?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_bye.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_good.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_negative.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_scratch.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wacko.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yahoo.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cool.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_heart.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_rose.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_smile.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_whistle3.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_yes.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_cry.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_mail.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_sad.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_unsure.gif 
https://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/wpml_wink.gif 
 

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..