So langsam nimmt die Bequemlichkeit und die Denkfaulheit immer größere Ausmaße an. Bei mir auf Lohnarbeit beispielsweise oder in diversen Gremien, heißt es mittlerweile immer öfter: »lass mal KI fragen!« Dabei geht es, gerade im pädagogisch-sozialen Bereich, sehr oft überhaupt nicht um die ergebnisorientierte Arbeit, sondern um den Prozess, um Bindungs- und Teamarbeit oder um kollegiale Fallberatung.
Ich habe ja überhaupt nichts dagegen, diverse KI’s als erweiterte Suchmaschinen zu verwenden, da sie den ganzen SEO-Google-Müll effektiv rausfiltern und sehr präzise Antworten liefern können (sofern man genauso präzise fragt) — aber wenn es um meine über Jahren erworbene und reflektierte (Berufs-)Expertise geht, dann will ich hier weder den Denk- noch den Erkenntnisprozess einer KI übergeben.
»Kinderschutz«
Das viel diskutierte Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, wurde in Deutschland vor allem mit dem Argument »Kinderschutz« geführt. Überall wurde damit argumentiert. Cybermobbing. Hassrede. Pornografie. Man wolle Kinder und Jugendliche vor »Verschwörungserzählungen« und bösen, rechten Rattenfängern im Netz »schützen«. Was auch sonst.
Die Kinder. Es geht in Deutschland bei dem Thema einzig und allein um die Kinder. Niemand hat die Absicht, Kinder zu instrumentalisieren, um eine digitale Überwachungs- und Kontroll-Infrastruktur schleichend einzuführen. Nun hat aber das türkische Parlament ein Social-Media-Verbot für unter 15 Jahren beschlossen. Und was berichtet die Tagesschau?
»Die Opposition wirft der Regierung vor, sie führe unter dem Deckmantel des Kinderschutzes neue Beschränkungen ein.«
Oder der »Spiegel«:
»Doch es gibt Zweifel, ob es der Regierung wirklich um Kinderschutz geht. Kritiker warnen vor einem Schritt zur Totalüberwachung im Netz.«
Was in Deutschland »Kinderschutz« und nichts als »Kinderschutz« ist — ist in der Türkei eine Hintertür für einen digitalen Überwachungsstaat.
Ich bin mir sicher, Tagesschau-und-Mainstream-Anhänger sehen darin auch absolut keinen Widerspruch. Denn die Guten bauen ein digitales Kontrollsystem nur aus guten Gründen auf, während die Bösen das nur aus bösen Gründen machen.
Ja, so infantil-bigott ist das Denken mittlerweile. Ich erlebe das genau so ‑und in ähnlicher Form- täglich auf Lohnarbeit und in meinem privaten Umfeld.

Das Land der Dichter und Denker. Deutschland. 2026.
Digitale Rest-Hirn-Verwertung
Seit einigen Jahren erleben wir einen systematischen intellektuellen Niveau-Abfall in digitalen Unterhaltungsprodukten (Filme, Serien, Games, Musikvideos etc.). Natürlich gibt es dafür viele Gründe. Man will eine möglichst große Zielgruppe erreichen. SEO belohnt keine außergewöhnliche Kreativität, sondern Einheitsbrei, der sich gut vergleichen und schubladisieren lässt (Algorithmen). Aber auch das »Second-Screen-Phänomen« trägt zur Verblödung bei.
Das besagt, dass kaum noch Jemand sich auf einen Film, ein Videospiel oder eine Serie komplett einlässt, sondern das nebenbei laufen lässt, während man gleichzeitig am Smartphone und/oder am Tablet, WhatsApp-Nachrichten schreibt oder in den Sozialen Medien unterwegs ist. Spiele-Hersteller und Film-Produzenten wissen darum und haben ihre Produkte dementsprechend »angepasst«.
Zentrale Botschaften, die der Zuschauer erfahren soll, werden nun dutzendfach wiederholt. Subtexte, Bildsprachen und viele andere kreative Elemente werden nur noch selten angewendet. Wenn ich beispielsweise die Dialoge, die Schauspielkunst, die Dramaturgie und die Bildsprache von »Breaking Bad«, »the Wire« oder von »Babylon 5« mit 90 Prozent der heutigen Serien vergleiche — dann liegen da dazwischen qualitative Welten.
Fun Fact
YouTube geht seit einiger Zeit massenhaft gegen Videos vor, die mithilfe von KI erzeugt wurden. Sie werden »demonetarisiert« und/oder erhalten einen »Strike«. Nun hat es aber auch viele Nicht-KI-Kanäle getroffen. Schreibt man als Creator/Influencer den YouTube-Kundensupport an, wird man von einer KI verwaltet.
Na, da ist jemand aber angesäuert.
Ob die Denkfaulheit, ich nenne es eher „Weltbilddenken“ tatsächlich zunimmt... Ich konnte das genau so schon vor 20 Jahren sehen, Radwege mal wieder. Womöglich wirds nur immer deutlicher zur Schau gestellt. KI ist ja modern und lädt so geradezu zu solcher selbstentblödung ein.
Nicht zu denken ist ein Erfolgsrezept der menschlichen Evolution, das sollte man berücksichtigen.
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Gestern habe ich das erste Mal eine KI sinnvoll einsetzen können (Extrahieren von Text aus einer Bilddatei). Das macht mir Angst, vor der KI hätte ich rumprobiert, bis ich ein Programm gefunden hätte, das Bilddateien in Textdateien umwandelt, hätte die Anwendung verstehen müssen und hätte über den Einzelfall hinaus etwas gelernt. Nun tat es die KI in wenigen Minuten mit der Folge, ich kann es nicht, mit der Folge ich bin abhängig von der KI.
Ob dies Denkfaulheit ist, weiß ich nicht, aber die Folge, Dinge können nur noch mit der KI gemacht werden, führt zur Abhängigkeit und Kontrollmöglichkeiten. Es ist also die direkte Weiterentwicklung des Smartphones (dort kann ich Office Dateien übrigens nur noch mit KI sehen (Android).
Vor vielen Jahren, jedenfalls vor dem Paradigmenwechsel haben mich ein paar nette recht junge Polizisten, mal des nächtens mit meinem 3er GTI im bergischen Raum angehalten und mich nach der Prüfung der Papiere und der Frage wo ich den hin wolle, ins Auto geschaut und mich erstaunt gefragt:»Sie fahren ja ohne Navi, wie finden sie denn den Weg nach..xyz..«?
Die Leute finden heutzutage schon ohne Navi nicht mehr nach hause... noch Fragen?
»mit 90 Prozent der heutigen Serien vergleiche — dann liegen da dazwischen qualitative Welten.«
Allerdings. Oft sind sie gar nicht mal so schlecht gemacht, aber früher oder später kommt die Propaganda gegen den Rechtsstaat, Verherrlichung von Folter, zuviel Zwangs-Diversity oder auch exzessives product placement (Two Broke Girls).
Elementary z.B. ist eigentlich keine schlechte Sherlock Holmes-Adaption, mit intelligenten Fällen, aber dann kommt unweigerlich das weibliche Opfer das tagelang in einem Keller festgehalten und nicht sehr freundlich behandelt wurde, wir haben alle irgendeinen Kerl in unserem Umfeld der sowas schon mal durchgezogen hat, und natürlich heißt Holmes die Selbstjustiz des Opfers für gut, was völlig vorbeigeht an der eigentlichen Figur.
Jüngere Serien die dennoch gut sind:
»Hustle«- eine Bande von Trickbetrügern zockt, sehr kreativ, hyperkapitalistische Ärsche ab. In der Tradition der »Gentleman-Gangster«-Filme.
Ganz ähnlich, mit gewissen Längen aber trotzdem gut, »Leverage«.
Mir gefällt auch »Burn Notice« ganz gut, ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache.