
Eine dunkle Gasse...
Es ist ein eher unbequemes Thema, das jedoch negative Folgen für die kindliche Entwicklung haben kann: die übertriebenen Ängste der Eltern. Um vorweg einem Missverständnis vorzubeugen: auch die Ängste der Eltern haben ihre Berechtigung und gehören zu einer gesunden Bindungs- und Erziehungsarbeit mit Kindern dazu.
In diesem Beitrag geht es jedoch um die übersteigerten und oft wenig zielführenden Panikreaktionen und Sorgen von Eltern, mit denen es, vor allem Lehrer, Erzieher, Therapeuten und Sozialpädagogen täglich zu tun haben.
Alltagsrealität
Ich übertreibe etwas, um es auf den Punkt zu bringen:
• Meine Kinder verhungern oder verdursten, wenn sie nicht alle zwei Stunden etwas essen oder trinken.
• Meine Kinder erfrieren im Winter, wenn sie nicht eine meterdicke Jacke tragen.
• In der Schule gibt es eine ungenügende Aufsicht. Lehrer und Erzieher sehen nicht, wenn Kinder gemobbt werden.
• Hinter jedem zweiten Baum lauert ein Kinderschänder oder Kinderentführer, der es auf mein Kind abgesehen hat.
• Autos und Fahrräder wollen meine Kinder überfahren.
• In der Schule wird mein Kind nicht ernst genommen.
• Das Essen in Kindergarten und Schule ist sehr schlecht und mein Kind bekommt nicht genügend Nährstoffe und Vitamine.
• Mein Kind wird von den Lehrkräften und Pädagogen ungerecht behandelt und bewertet.
• Mein Kind stößt oder verletzt sich an allen Ecken und Kanten.
• … und so weiter und so fort.
Es mag vereinzelte Fälle geben, wo der eine oder andere Punkt durchaus seine faktische Berechtigung hat. In der Regel ist das aber emotionale Panik und Hysterie, ohne eine reale Grundlage.
Medienrealität
Es ist insofern vielmehr eine gefühlte Medienrealität, als die tatsächliche Wirklichkeit. Die Empörungs- und Skandal-Gesellschaft trägt leider dazu bei, die eigene Wahrnehmung und den Blick primär nur darauf zu richten, was nicht funktioniert. Auf den eigenen Gefühlszauberwald, der als ultimatives Kriterium und als Non-Plus-Ultra-Bewertung aller Sachverhalte herangezogen wird.
Mit Eltern ist insofern ein totalitärer Kontroll- und Überwachungsstaat, der ihnen und ihren Kindern Sicherheit verspricht, sofort zu machen. Eine Schul-Anschlagsdrohung, ein Gerücht über einen Mann, der in Schul-Mädchentoiletten geht oder eine Amoklauf-Behauptung in den Sozialen Medien verteilt – und die Eltern würden am Liebsten die Bundeswehr einsetzen, Stacheldraht hochziehen, Kameras installieren und bewaffnetes Security-Personal einsetzen.
All das, und noch viel mehr, habe ich in rund zehn Jahren Schularbeit selbst erlebt. Nichts davon hat sich bewahrheitet. Bis auf die Hysterie der Eltern. Die war konstant immer da und hat sich in den letzten Jahren noch verstärkt.
Fazit
Das Problem ist, dass eine zu starke Sorge, Eltern dazu veranlasst, Methoden und Maßnahmen einzusetzen oder zuzustimmen, die vor allem die Entwicklung der Kinder deutlich hemmen. Sie lernen weder Gefahren kennen, noch, wie sie damit altersgerecht umgehen können. Die Entwicklung der kindlichen Selbstwirksamkeit kann dadurch stark eingeschränkt oder verlangsamt werden.
Wenn sie beispielsweise ständig mit dem Auto zur Schule gefahren werden, anstatt den Weg einmal selbst zu gehen, lernen sie die Gefahren des Verkehrs nicht selbst oder erst im hohen Alter kennen. Wenn sie bei jedem Streit sofort die Hilfe von Erwachsenen suchen, lernen sie nicht, wie sie Konflikte selbstständig lösen können.
Wenn Kinder einen Misserfolg oder eine Niederlage nicht einmal in ihrer Gänze selbst erlebt haben (weil sie stets vorher aufgefangen werden), werden sie kaum Ehrgeiz im Leben entwickeln. Wenn sie für nichts Verantwortung übernehmen müssen, werden sie als Erwachsene auch wenig Selbstreflexion entwickelt haben.
Meine Wahrnehmung ist, dass wir bereits eine dieser Generation im Erwachenenalter vor uns haben. Jeder kann mittlerweile sehen, wie kritikfähig, reflektiert und verantwortungsbewusst diese Generation ist.
Am besten gar keine Kinder haben, denn man wird durch sie nur angreifbar.
Das bekunde ich schon seit 1974, mal ganz abgesehen von der grassierenden Überbevölkerung, denn schließlich ist das ja auch der Grund, warum die herrschende Klasse den ganzen Bohei veranstaltet.
Junge Menschen, die sich zusammen für ein Kind entscheiden, haben sicherlich die besten Absichten.
Aber in die heutige schwer gestörte Gesellschaft ein Kind zu setzen, grenzt schon an Selbstsucht und Grausamkeit.
Würde ich heute vor die Wahl gestellt, ob ich weiterhin um die 50 bliebe und das Ende absehbar ist, oder in ein 10 jähriges Kind (ohne das Wissen von heute) mit einer vermutlich noch langen Lebensspanne verwandelt würde, dann bliebe ich lieber 50.
»Wenn Kinder einen Misserfolg oder eine Niederlage nicht einmal in ihrer Gänze selbst erlebt haben (weil sie stets vorher aufgefangen werden), werden sie kaum Ehrgeiz im Leben entwickeln. Wenn sie für nichts Verantwortung übernehmen müssen, werden sie als Erwachsene auch wenig Selbstreflexion entwickelt haben.«
Trifft zu 100% auf meinen jüngeren Bruder (44) zu. An allem was nicht klappt (Freundschaften, Jobs, Ehe), sind immer die anderen Schuld gewesen.
Den hat meine Mutter gründlich verkackt.
Die sog. „westliche Zivilisation“ ist ein Konstrukt aus Willfährigkeit, Arschkriecherei, Engstirnigkeit, Selbstherrlichkeit, Lüge, Betrug, Mord, Korruption und noch ein paar ähnlich gelagerten Eigenschaften.
Und wie in einem Supersäure-Bad löst sich das alles nun unwiederbringlich in seine Bestandteile auf.
Ja, man kann’s nicht mehr hören, aber es stimmt eben so oft:
Die Dosis macht das Gift!
Es ist nicht leicht, das Bild eines quengelnden und schreienden kleinen Kindes, das nicht das kriegt, was es will, beim Blick auf das Verhalten „der Guten™“ aus dem Kopf zu bekommen.
Gerade heute wieder von einer Mutter in einer Schule gehört: »Mein Kind ist neurodivergent.«....
Jo, und irgendwas mit ADHS und Co. denkt man sich einfach dazu, weil die auf TikTok das so gesagt haben. Behaupte ich jetzt mal. Offenbar soll das Kind irgendwie besonders sein, und wenn es keine guten Noten heim bringt geschweige denn das Abi mit 11 macht, ist es halt »neurodivergent« oder was weiß ich. Dass das aber im Grunde nur bedeutet »andere Denkweise« (was ich mir übrigens auch zuschreibe), macht sie halt eben nicht besonders, nur anders. Könnte man verstehen und akzeptieren, wenn man will...
„Autos und Fahrräder wollen meine Kinder überfahren.“
Realitätsverweigerung. Man beobachte, wie Autofahrer blitzschnell ihr Verhalten ändern, wenn der Kleine ins Blickfeld kommt, auf jeden Fall dann, wenn er auf einem Fahrrad sitzt. Plötzlich kennt die Geduld kein Ende mehr. Plötzlich nur noch 1⁄3 Geschwindigkeit. Plötzlich warten, wo sonst durchgefahren wird. Eher ist anzunehmen, das diese Eltern ihr eigenes Autofahrertum auf andere projezieren.
Es fehlt der Punkt,
*Hilfe, mein Kind könnte umfallen! Her mit Helm und Wahnweste!**
Resultat: Pudelmütze auf den Kopf, darauf die Kapuze der genannten meterdicken Jacke, darauf der Helm. Man kann ihm dessen so erzwungene Unwirksamkeit ansehen.
„dass eine zu starke Sorge, Eltern dazu veranlasst“
Wer sich sorgt, befaßt per sich per Definition mit der Ursache der Sorge. Das passiert aber gerade nicht. „Sorge“ ist hier also das falsche Wort.
„dass wir bereits eine dieser Generation im Erwachenenalter vor uns haben“
Wie ich bereits sagte, die Eltern verstehen sich auf dem Fahrrad, und nur dann, nicht mehr als Verkehrsteilnehmer, verhalten sich nicht entsprechend, und wollen das auch gar nicht. Sie wollen sich im Straßenverkehr wie in einem Laufstall bewegen und bringen genau das auch ihren Kindern bei. Dächten sie mal nach, täten sie das nicht.
Mich interessiert durchaus, ob und wie diese Beobachtungen und Schlußfolgerungen in das Erfahrungsmodell eines Erziehers paßt.
Holger, „haben sicherlich die besten Absichten.“
Das bezweifle ich längst. Was ich hier sagte, ist ein Beispiel dafür.
„Den hat meine Mutter gründlich verkackt.“
Oi joi joi, Knüppel auf Kopf. Ich habe mich quasi selbst aus dem Sumpf gezogen. Das ist möglich.
**Grundschulphysik: Die vertikale Komponente ist auch auf dem Fahrrad die Maßgebende. Wenn es zu Fuß keinen Helm braucht, dann auch auf dem Fahrrad nicht. Wer in Physik durchgefallen ist: Das kann man sehen.