
-Schulpflicht-
Mittlerweile gibt es immer öfter Forderungen nach einer Abschaffung der Schulpflicht. Die Schulen seien zu ideologisch, zu konformistisch ausgelegt und sie würden die Schüler verdummen. Weitere Argumente sind, dass zu viel Unterricht ausfallen und es einen eklatanten Lehrermangel geben würde. Also könne man die Schulpflicht auch abschaffen und die Kinder Zuhause unterrichten.
All diese Phänomene mag es geben, sind in der Gesamtbetrachtung der kindlichen Entwicklung aber weniger relevant, als man denkt. Denn hier sprechen, wieder einmal, politisch-aktivistische Erwachsene aus ihren Elfenbeintürmen, die weder im Namen der Kindesentwicklung sprechen, noch den Schulalltag selbst erleben.
Soziales Lernen
Beginnen wir damit, dass der Schulalltag eben nicht nur aus Schulunterricht besteht. Gerade Grundschulkinder, verbringen deutlich mehr Zeit in den Pausen, in der verlässlichen Halbtagsgrundschule (VHG) oder im Hort. Dort passieren so wichtige Dinge, wie »Soziales Lernen«, dass selten ein Thema ist. Weder vom Mainstream, aber auch nicht von Rechten oder von Linken. Selbst in der pädagogischen Fachpresse wird darüber eher wenig geredet.
In der Schule lernen die Kinder eben nicht nur Deutsch und Mathe, sondern auch so Dinge wie Frustrationstoleranz, Bedürfnisaufschub sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung. In der Gruppe lernen sie, wie sich ihre eigene Gruppenrolle zu der Gruppenrolle verhält, welche die Anderen Kinder ihnen zuschreiben.
Zudem bekommen sie ein Gespür für Regelbewusstsein, strukturelles Denken und vieles mehr. Von Werten wie Gerechtigkeit, Fairness und Empathie ganz zu schweigen. All das ‑und noch viel mehr- lernen Kinder in der Schule, aber eben nicht zwingend im Unterricht. Nur darüber spricht leider kaum Jemand.
Astronomische Erwartungen
Viele würden das vereinfacht als »Soziale Kompetenzen« oder »Soft Skills« bezeichnen und damit die kindliche Entwicklung komplett reduzieren und simplifizieren. Denn ohne das »Leben-Können« in der Gruppe und in der Gemeinschaft, ist alles Andere nichts. Wir schulisches Fachpersonal erleben das jeden Tag. Kinder, ohne ein halbwegs stabiles sozial-emotionales Grundgerüst, sind kaum beschulbar.
Von Jahr zu Jahr gibt es mehr sog. »Systemsprenger-Kinder«, bei der alle an ihre Grenzen kommen. Da hilft es wenig von einer Abschaffung der Schulpflicht zu schwadronieren, die impliziert, dass das schulische Fachpersonal ja sowieso seinen Aufgaben nicht gerecht wird.
Das Problem sind weder das Personal, die »ideologische Schule«, noch die Kinder — sondern die astronomischen Erwartungen von Politik, Medien und »Elfenbeinturm-Experten«. Denn sämtliche, soziale und ökonomische Verwerfungen, werden mittlerweile an die Schulen ausgelagert. Die sollen dann einfach mal machen. Die Kinder quasi »reparieren«. Wenn, dann wären dafür die Therapeuten und nicht die Schulen zuständig. Nur die sind seid »Refugees Welcome!« hoffnungslos überlastet. Diesen Zusammenhang hören die Guten natürlich nicht gerne.
Lehrer und Pädagogen sollen heute die großen Magier sein. Und weil sie das nicht sind und auch nicht sein können, sind sie zu den Prügelknaben der Nation geworden. Läuft in der Erziehung oder in der kindlichen Entwicklung irgendetwas schief, ist der Sündenbock sofort gefunden.
In diesem Sinne sind insbesondere die vergleichsweise hohen Lehrer-Gehälter in Deutschland, als »Erschwerniszulage« zu sehen. Denn was Lehrer heute von allen Seiten (Politik, Eltern, Kinder) aushalten sollen und müssen, grenzt schon an Masochismus. Kein Wunder, dass selbst bei diesen hohen Gehältern und den vergleichsweise vielen freien Tagen — trotzdem so wenige Menschen den Lehrerberuf ausüben wollen.
Fazit
In diesem Sinne bin ich gegen eine Abschaffung der Schulpflicht. Und zwar nicht deshalb ‑wie Linksideologen sagen- damit Kinder mit Migrationshintergrund besser deutsch lernen können oder ‑wie Rechtsideologen sagen- damit die Kinder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden können, sondern weil die Kinder die Schule für ihre individuelle Entwicklung unbedingt brauchen. Ich sehe und erlebe das jeden Tag.
Man könnte ja mal die Kinder fragen, ob sie einer Abschaffung der Schulpflicht zustimmen würden? Ich glaube, das Ergebnis würde viele überraschen. Vor allem: mittlerweile sind sich lagerübergreifend alle einig, dass die Schulschließungen in der C‑Zeit ein großer Fehler und für die Kinder sehr schädlich waren. Und nun debattiert man ernsthaft über eine Abschaffung der Schulpflicht?
ich würde das durchaus anders sehen. Ich bin für Schulung der Kinder mit regelmäßigen Leistungsnachweisen, aber ohne Schulgebäude-Anwesenheitspflicht. Deutschland ist nahezu das einzige Land mit dieser Pflicht, bringt aber keine besser sozialisierten und informierten oder kreativeren Menschen ins Leben als der Rest der Welt.
Herausragende Eigenschaften scheinen Unterwürfigkeit, Gehorsam, Haltung und Moralismus, gepaart mit einer Portion Arroganz, zu sein.
Sozialverhalten kann man auch in kleinen Gruppen lernen und bei guten Lehrern und Eltern sogar als Einzelkind.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man den Stoff vom heutigen Abitur statt in 12 auch in 10 Jahren vermitteln kann, je nach Methode sogar deutlich intensiver und nachhaltiger und mit mehr Spaß am Lernen.
Gleichzeitig würde ich darauf achten, dass die Förderung mehr auf Wünsche und Fähigkeiten der Kinder Rücksicht nimmt und auf eine passende Berufswahl vorbereitet. Bislang ist es doch so, dass bis zum Ende ausschließlich auf das Abschlusszeugnis gelernt wird und dann steht da der junge Mensch und weiß nicht, was er werden soll.
Genau wie bei den Medien muss das Lernmaterial-Monopol gebrochen werden, damit nicht nur Inhalte vom Schulserver vermittelt werden, die oft sachlich falsch oder ideologisch stark gefärbt sind.
Es darf auch nicht sein, dass »eine Schule für alle« das Niveau auf das der Schwächsten absenkt, die Fähigen und Willigen aber nicht mehr ausreichend gefordert werden. besser wäre wieder ein abgestuftes System, das jeden nach seinen Möglichkeiten fördert, statt einen toll klingenden Abschluss für alle, aber ohne Wissensinhalte, vergibt. Ich kenne einige gute Handwerker und Meister, die »nur« Hauptschule haben und in ihrem Gebiet absolut klasse sind. Auch ihre Sozialkompetenz ist vielen Abiturienten überlegen. Was spricht gegen Sonderschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, wenn sie so gestaltet werden, dass sie den Kindern und jungen Erwachsenen bestmöglich entgegen kommen? Eine Vergleichbarkeit mit diesen Stufen würde sich auch für die private Beschulung ergeben durch die regelmäßigen Tests. Wer die Tests für Realschule sehr gut besteht und den Wunsch hat, zu studieren, kann ja dann die Tests fürs Abitur machen.
Dass es dorthin ein langer Weg mit diversen Korrekturen sein wird, ist mir bewusst, sehe aber dort mehr Zukunft als im jetzigen System.
Eine Abschaffung der Schulpflicht — w.t.f.!?! — würde meine Theorie der bewusst herbeigeführten systematischen Verblödung nachkommender Generationen untermauern.
Dass das „toitsche Schulsystem“ dringend reformbedürftig ist, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten?
Seit meiner „Laufbahn“ im bayerischen Grund- und Realschulsystem bin ich der Meinung, dass viel zu viel „unnützes Wissen“ vermittelt wird und so gut wie keine Fähigkeiten, mit denen die jungen Menschen später im „real life“ etwas anfangen/bewirken können.
Auch das Reduzieren von Anforderungen im schulischen Leistungsvergleich, um den Nachzüglern nicht das Gefühl zu vermitteln, dass sie „Versager“ sein könnten, ist m.E. ein völlig falscher Ansatz.
Im Endeffekt wirkt es wie ein weiteres Puzzlestück zur Infantilisierung der Gesellschaft, die ich beinahe jeden Tag wahrnehme.
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Haha, eins meiner Lieblingshaßobjekte: die (quasi) Ganztagsschule. Pfui!
Das »soziale Lernen« haben wir früher sicher auch in der Schule geschafft, aber noch mehr danach, im Freien. Und was waren wir frei! Selbstgestaltete Nachmittage, ohne Lehrer, Eltern, Mauern. Zumindest großteils. Schule oder Schulpflicht braucht man dafür nun wirklich nicht.
Nichtsdestoweniger habe ich mit der Schulpflicht prinzipiell gar keine so großen Probleme. Allerdings vor allem deshalb, weil ich die Alternative nicht sehen kann: wer, bitte schön, hat denn heutzutage die Zeit und das Wissen, seine Kinder ausreichend zu unterrichten? Es sind ja mittlerweile fast überall beide Eltern werktätig. Das einzige was man für diese Variante ins Feld führen könnte, wäre die Tatsache, daß in der Schule heutzutage auch kaum noch (sinnvolles) Wissen vermittelt wird. Hauptsache, irgendein Abschluß. Können muß man dafür nix.
Also, Probleme gibt es genug, ich hielte es für sinnvoller, sie anders anzugehen.
@tomandcherry
»so gut wie keine Fähigkeiten, mit denen die jungen Menschen später im „real life“ etwas anfangen/bewirken können«
Sehe ich völlig anders. Wir müssen mal langsam von der Konzentration rein auf »Schulwissen« wegkommen (ja, da gibts viel »unnützes« Zeug) und die kindliche Entwicklung als Ganzes in den Fokus nehmen!
Die Kinder lernen in der Schule sehr viel: Frustrationstoleranz, Bedürfnisaufschub, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Konfliktlösungskompetenzen, Eigenverantwortung, Regelbewusstsein etc. etc. Und nein @cr, das lernen sie nicht in einer kleinen privaten Gruppe oder auf einem Kindergeburtstag in der Familie.
Es gibt nach wie vor eine große Wahrnehmungslücke: der Blick auf Schule als individuelles Erlebnis, dass jeder in seiner Kindheit selbst hatte sowie der Blick auf Schule aus pädagogischer Persektive. Das sind zwei verschiedene Welten.
@Tiffany
Vor allem würde das die Spaltung der Gesellschaft weiter befeuern. Die reichen und gebildeten Eltern (hängt nicht immer zusammen) leisten sich dann die privaten Premium-Lehrer und der ganze Rest bekommt die Verblödung. Gibt es in Ansätzen jetzt schon, wird dann aber noch mal verschärft werden. Wollen wir das?
@epikur
Da hab‘ ich mich missverständlich ausgedrückt.
Was ich mit meiner Aussage über „unnützes Wissen“ eigentlich gemeint hatte:
Das Schulfächer-Wissen vermittelt m.M. nach kaum, wie junge Erwachsene sich mit Beginn der Volljährigkeit in der Lebensrealität halbwegs sicher zurechtfinden können.
U.a. solche grundlegenden Vorgänge wie man z.B. ein Bankkonto eröffnet, einen Mobilfunk- oder Versicherungsvertrag abschließt, ein Fahrzeug an-/ummeldet, eine Reise plant… Lässt sich beliebig ergänzen.
Vollkommen Deiner Meinung bin ich, dass Lernen ausschließlich in den engen Grenzen des Familienverbunds keine gemeinschaftliche Lern-/Erlebnisgruppe Schulklasse (oder Sportverein, Musikkapelle, Trachtenverein…) adäquat ersetzen kann.
In Schulklassen mit durchschnittlich 30+x SchülerInnen bilden sich fast zwangsläufig Grüppchen von Gleichgesinnten, die häufig über mehrere (Schul-)Jahre Bestand haben. Und teilweise auch im privaten Umfeld außerhalb des Schulalltags existieren.
Solche prägenden Erfahrungen können m.M. nach durch ausschließlich im heimischen Familienverbund unterrichtete Kinder und Jugendliche nicht nachvollzogen werden.
Meine Enkelin fragte mich, wen ich in Sachsen-Anhalt im September wählen werde und bat mich eindringlich, bei der AFD mein Kreuz zu machen, weil die die Gebäudeanwesenheitspflicht in der Schule abschaffen wollen.
Sie ist in der 5. Klasse und hat seit diesem Schuljahr keinen Bock mehr, weil sie nicht versteht, warum sie so viel sinnloses Zeug pauken soll. Sie war mal sehr wissbegierig in der Schule und ist es privat immer noch.
Vermutlich verstehen diese Kinder eher als die älteren Generationen, dass hier ein System untergeht und werden zunehmend »Systemsprenger«.
Sie spielt Volleyball, ist in einem Tanzclub und hat regen und intensiven Kontakt zu ihren zahlreichen Freunden, für die sie immer weniger Zeit findet, weil sie sinnlose Zeit mit Schulkram verbringen muss, der sie nicht interessiert.
Dieses veraltete Schulabrichtungssystem passt nicht zu den heutigen Kindern und gehört vollständig zerstört.
Es braucht dringend etwas Neues!
Es ist kein Zeichen von Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein. (wahrscheinlich Jiddu Krishnamurti)
@tomandcherry
»Das Schulfächer-Wissen vermittelt m.M. nach kaum, wie junge Erwachsene sich mit Beginn der Volljährigkeit in der Lebensrealität halbwegs sicher zurechtfinden können. U.a. solche grundlegenden Vorgänge wie man z.B. ein Bankkonto eröffnet, einen Mobilfunk- oder Versicherungsvertrag abschließt, ein Fahrzeug an-/ummeldet, eine Reise plant… Lässt sich beliebig ergänzen.
Ja, das könnte Schule teilweise vermitteln — aber das können auch gerne die Eltern ihren Kindern beibringen! Die Schule kann nicht für die gesamte Erziehung, Wertevermittlung und Lebensbildung verantwortlich sein. Da wären wir wieder bei meinem Punkt oben, der »astronomischen Erwartungen« und der »Auslagerung« sämtlicher Erziehung an die Schulen.
Der Schulalltag ist, auf pädagogischer Seite, leider auch noch mit 100 anderen Dingen vollgestopft. Bürokratie. Gremien. Elternarbeit. Inklusionskinder. Schulkonferenzen. Der Herstellung von »Unterrichtsfähigkeit« (Kinder, die den Unterricht massiv stören, sind heute die Regel, nicht mehr die Ausnahme). Und. Und. Und.
Beispiel: Sportunterricht. Was glaubt Ihr, wie viel Zeit am Ende (bei 2 Std. Sport) netto übrig bleibt, um hier effektiv Unterricht zu machen?
Genau. Weniger als 30 Minuten. Kinder haben ihre Sachen vergessen. Kommen zu spät zum Sport-Unterricht. Brauchen ewig um sich umzuziehen. Dann gibt es Streit/Konflikte in den Kabinen. Verletzungen. Kinder, die keinen Bock haben und stören. Dann muss das geklärt werden. Inklusionskinder, die besondere Aufmerksamkeit brauchen und viele Ressourcen ziehen. Etc. Etc.
Ich würde mir so gerne wünschen, dass alle mal einen Tag an einer Schule hospitieren, um aus pädagogischer Perspektive mal zu sehen, was da heute wirklich abgeht.
Ernsthaft wird man erst darüber diskutieren, wenn in einem Volksentscheid darüber abgestimmt wird:
Ansonsten mal wieder Sturm im Wasserglas, der morgen schon wieder vorbei ist.
Ich würde es auf einen Versuch ankommen lassen und die Schulgebäudeanwesenheitspflicht aussetzen, sobald Rahmenbedingungen und Tests oder Zwischenprüfungen für außerhalb geschulte Kinder geschaffen sind.
Es könnte sogar passieren, dass es dann fleißige, wissbegierige, selbst denkende, positiv eingestellte junge Leute gibt, die von den wenigen noch verbleibenden Arbeitgebern händeringend gesucht werden.
Man kann natürlich auch weitermachen wie bisher, den Abstieg im internationalen Vergleich und gegenüber der eigenen Vergangenheit beschleunigen und sich wundern, warum es nicht besser wird. Ein Schuldiger wird sich finden lassen.
Wenn wir es nicht ausprobieren, werden wir es nicht erfahren. Oder haben zuviele Lehrer aus dem jetzigen System Angst um ihre Zukunft?
@cr
Ob die »Schulgebäudeanwesenheitspflicht« wirklich das Problem im deutschen Bildungswesen ist, da habe ich so meine Zweifel. Die Probleme liegen ganz woanders und viel tiefer.
Zu große Klassen.
Ein vollgestopfter Rahmenlehrplan.
Keine Wertevermittlung mehr in der Familie.
Lehrermangel (der auch ohne »Schulgebäudeanwesenheitspflicht« nicht verschwinden wird).
Zu viel Bürokratie.
»Willkommensklassen«.
Durch digitalisierte Kinder.
Helikopter-und-U-Boot-Eltern.
Und. Und. Und.
Das AfD-Experiment der Abschaffung der Schulpflicht (Vorschlag in Sachsen-Anhalt) wird an den eigentlichen Problemen wenig ändern.
Die Lehrer haben davor sicher keine Angst. Die finden derzeit überall einen Job. Und nein, ich bin immer noch kein Lehrer.
Epikur, du steckst viel zu tief in diesem System fest und bist wahrscheinlich dadurch noch nicht in der Lage, die wirklichen Probleme der Bildung zu sehen und was es braucht, hier grundlegend Änderungen herbeizuführen, die für die Kinder und die Pädagogen fruchtbringend sind.
So wie du deinen Lesern die Augen öffnest zu den verschiedensten Themen und das machst du wirklich gut, so möchte ich dir gern einen Rat geben, der dir in deinem beruflichen Werdegang die Augen öffnen kann.
Beschäftige dich bitte mal ausführlich mit Ricardo Leppe, der wie kein anderer in der Lage ist, Kinder, Eltern und Pädagogen absolute Begeisterung für das Lernen zu vermitteln und das ganze ohne riesige Anstrengungen und Frust.
Und das Ergebnis seiner Methoden sind Kinder, die Spaß am Lernen haben und sich zu frei denkenden Menschen entwickeln.
Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt wären auch glückliche und zufriedene Eltern und Pädagogen.
Höre dir einfach nur einen seiner Vorträge an und wenn du dann kein Feuer gefangen hast, jammere einfach weiter über die verdorbenen Kinder und Eltern.
@Ruby
Ich jammere nicht, sondern beschreibe den Ist-Zustand.
Nichts für ungut, aber ein Ricardo Leppe ist für mich ein typischer »Elfenbeinturm-Experte«. Die Unis und die Fachschulen sind voll mit solchen Leuten. Die sagen alle ganz tolle Sachen, haben tolle Theorien und mitunter auch tolle Maßnahmen — das alles hat mit der Alltagswirklichkeit von Kindergärten und Schulen aber nur wenig zu tun.
Die leben in aller Regel in ihrer Super-Duper-Pädagogen-Welt und die findest Du nicht an »Problemschulen« oder in Kindergärten mit Erzieher-Mangel. Nein, die schreiben Bücher, geben »Coachings« und halten tolle Vorträge. Diese »Experten« lassen sich dort mit ihren »tollen Theorien« nie blicken, um sie mal in der Praxis anzuwenden. Komisch.
Sorry, deine Antwort beweist leider, dass du von Ricardo Leppe sehr oberflächliches Wissen hast.
Er geht in Schulen und arbeitet im Untergrund. Mit den Uni»experten« hat er rein gar nichts zu tun.
Schade, dass du Erwartungen, die du an andere stellst, selbst nicht erfüllen kannst.
Bei multipolar gab’s letztes Jahr ein Interview mit Ricardo Leppe.
Ich kenne Ricardo Leppe. Habe mir mehrere seiner Vorträge und das Interview bei Kosubek angesehen.
Wie gesagt, ich habe überhaupt nichts gegen Menschen, die tolle Ideen und Vorschläge haben, um Schulen und das Lernen besser zu machen. Das hilft den Pädagogen vor Ort aber leider rein gar nichts, die jeden Tag »an der Front« arbeiten müssen. Denen sollte man mehr zuhören.
Und damit meine ich sicher nicht mich, sondern beispielsweise die Tausende von Erzieherinnen in Kindergärten. Die wissen was täglich läuft, was besser gemacht werden kann usw. Stattdessen tingeln überall diese ominösen Pädagogik-Experten überall rum, die auch noch Vorträge und Bücher verkaufen wollen.
Das Problem liegt heutzutage möglicherweise auch in der nicht mehr konsequenten Umsetzung durchaus machbarer Ideen bzw. Reformvorschläge.
Vor 50 Jahren war eine Montessori-Einrichtung genau das: eine Einrichtung, die sich 100% an Maria Montessori gehalten hat, und das ist ein verdammt gutes Konzept.
Heutzutage sieht das leider anders aus: Freunde von mir hatten ihre Kinder 2018 oder 2019 (nach der Grundschule) in einer Montessorischule angemeldet. Die war nicht nur prinzipiell ziemlich fragwürdig, die hat dann auch bei Corona 100% mitgemacht. Maria Montessori hätte sich im Grabe herumgedreht. Jahrelang und immer wieder.
Es kommt halt immer drauf an, was man daraus macht. Wer aber schon bei der ersten Hürde klein beigibt bzw. das Handtuch wirft, der kann halt auch nur Systemkram beibringen.
Gute Lehrkräfte waren schon immer Oppositionelle.
Klar muß man sich durchkämpfen, das mußte z. B. auch A. S. Neill mit seiner Schule »Summerhill«. Aber da hat er dann eben auch was mit geschaffen, das viele Jahre Bestand hatte und viele freigeistige Menschen hervorgebracht hat. Um so etwas umzusetzen, braucht es allerdings Leute, denen das wichtig ist. Ob das überhaupt ganzflächig möglich ist? Nach Corona würde ich sagen: auf keinen Fall und nirgends. Da kann man nur nischenweise versuchen, Gutes zu tun.
So lange wir Kapitalismus haben, werden die Kinder weiterhin auch, oder gerade in der Schule zu konformen Weicheiern erzogen.
Das nennt sich dann »Political correctness«.
Weil die Gesellschaft den Menschen beibringt, das sie Schafe sind.
Wenn die Wölfe kommen, bekämpfe sie nicht, sondern hol den Schäfer.
So fühlen sie sich für etwas schuldig, was ihnen eigentlich Lob einbringen sollte.
Wie gesagt, würde ich den Rahmen für freie Schulen schaffen wollen und dann erstmal im kleinen Rahmen anfangen. Die Eltern oder Erwachsenen, die die Möglichkeit haben, sollen erstmal anfangen und dann schaut man, wie sich das entwickelt.
Wo sich Alternativen entwickeln, muss der Monopolist wieder anfangen, konkurrenzfähig zu werden.
Es werden auch nicht von einem Tag zum anderen 10 Mio Kinder zuhause bleiben und home schooling fordern.
Deshalb: Möglichkeiten schaffen und testen.
@cr
Freie Schulen gibt es in Berlin schon einige. Das erhoffte Ergebnis ist aber seit Jahrzehnten eher ernüchternd. Ich kenne auch Kollegen, die dort arbeiten.
Oft haben sie exorbitant hohe Gebühren/Schulgeld (plus etliche Zusatzkosten), so das sich das nur Gutverdiener-Haushalte überhaupt leisten können und wollen (trotz sozialer Staffelung). Dann sind dort auch nicht wenige »Problemkinder«, weil offensichtlich einige Eltern ihre Kinder auf diese Schulen schicken und hoffen, dass sie dort wieder »repariert« werden. Schließlich zahlen sie für die Schule ja hohe Gebühren und die haben dort doch so »Reform-Zauber-Konzepte«, so der Habitus.
Auch Montessori- und Waldorf-Schulen haben so ihre Problemchen (Tiffany hat berichtet).
Fazit: es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Wie funktioniert es denn in anderen Ländern? Gibt es da etwas, das man als Vorlage nehmen kann?
Dass viele Dinge zu ändern sind, vom Umgang mit Brennpunkten bis zu absurd schwer erfüllbaren Vorschriften, die erst überarbeitet werden müssten, ist klar.
Das, was mir vorschwebt, ist vor allem ein Lernplan, der abzuprüfen ist, ohne in einem Gebäude Wachdienste aufstellen zu müssen, weil ein 100 Jahre altes Treppengeländer nach neuester Norm 7cm zu niedrig ist. (In 100 Jahren ist niemand abgestürzt).
Wenn wir wie heute vor allem auf Diplome und Papiere der Dozenten achten, weniger auf deren Fähigkeiten und nicht auf den Lernerfolg bei den Kindern, bleibt alles wie es ist.
Das Problem der freien Schulen sind wohl auch nicht die freien Schulen an sich, sondern Anforderungen an Gebäude usw., die nur sehr indirekt Wirkung auf das Lernen haben. Oder täusche ich mich da?
Nur, wenn wir immer wieder betonen, dass es überhaupt nie gehen wird und man es nie versuchen brauche, wird es niemand versuchen.
Und wenn ich sehe, welche kaum gebildeten und kaum sozialisierten Leute aus Schulen mit Gebäudeanwesenheitspflicht in die Firma kommen, sehe ich ganz dringenden Bedarf lieber jetzt als gleich neue Wege zu suchen. Außer Gehorsam/Leichtgläubigkeit und Moralismus sehe ich da sehr wenig. Medien‑, Moral- und Sozialkompetenz vermisse ich bei fast allen fast vollständig. Handwerkliches Geschick, räumliches Denken, Folgenabschätzung, Recherchefähigkeiten sind selten wie ein Einhorn. Vor 50 Jahren konnte jeder 2. Jugendliche sein Fahrrad oder Mofa reparieren, heute rufen die Eltern den ADAC zum Reifenflicken. Da ist vieles verloren gegangen.
@cr
Diese ganzen Träumereien und Visionen sind für mich fast schon so etwas wie »Bildungsromantik«. Völlig losgelöst von realen Problemen, dem aktuellen Habitus vieler Eltern, den gesellschaftlichen Herausforderungen, den kindlichen Bedürfnissen usw.
Ich reagiere auf dieses Thema so allergisch, weil Tausende von Menschen in Deutschland, jeden Tag (Erzieher, Pädagogen, Lehrer, Sozialarbeiter, Therapeuten etc.) — mit realen Problemen kämpfen und für die Kinder da sind. Jeden Tag. »An der Front«. Und dann kommen so »Elfenbeinturm-Experten«, halten Vorträge, schreiben Bücher, lassen sich weder in den »Problemschulen« blicken, noch reden sie wirklich mit den Erziehern/Lehrern vor Ort und gehen auf ihre Probleme ein.
Nein. Sie bauen sich ein romantisches Bildungs-Wolkenkuckucksheim, in einem kleinen Habitat, und wollen den Fachkräften erklären, wie sie ihre Arbeit zu machen haben (»Coaching/Beratung« — ist klar!). Beispielsweise ein Herr Ricardo Leppe. Der soll erstmal 6 Monate an einer »Hardcore-Problemschule« oder in einer Kita mit Personalmangel als Erzieher arbeiten (täglich 6 Stunden!), bevor er durch die Welt reist und sich als großer Experte aufspielt.
Stattdessen lebt der in einer Wohlfühloase und spielt sich als großer Kinderversteher auf. Da bin ich einfach raus. Nichts fur ungut.
Deine Fachkräfte schlagen sich jetzt mit Problemen rum, die sie zum Teil selbst verschuldet haben.
99 % von denen bewiesen ab 2020 sehr eindrucksvoll, wie sehr ihnen die Kinder am Herzen liegen und wie wenig Interesse sie an ihren Bedürfnissen haben. Schwarze Pädagogik stand auf der Tagesordnung. Die Kinder wurden entgegen ihren natürlichen Veranlagungen auf Gehorsam getrillt. Sie ernten jetzt die Früchte, die sie gesät haben.
Hat nur einer von ihnen sich bei den Kindern für sein erbärmliches Verhalten entschuldigt? Haben sie diese Zeit mit den Kindern aufgearbeitet und ihnen erzählt, was wirklich gelaufen ist?
Das Vertrauen ist weg und damit auch die Grundlage für eine liebevolle Beziehungsarbeit, die eine Voraussetzung für gute Lernerfolge ist.
Ich finde es erstaunlich, dass du als Freigeist das so wenig reflektierst.
@Ruby
Stimmt, guter Punkt « Das Vertrauen ist weg« mit all genau diesen Lehrern, ist eine zielführende pädagogische Arbeit gar nicht mehr zu bewerkstelligen.
Dummerweise bleiben leider viel zu wenige übrig, da die Meisten von denen auch noch gespritzt sind.
@Ruby @PV
Das ist der Totalitarismus von der kritischen Seite.
Schwarz/Weiß. Ganz oder gar nicht. Gespritzt oder nicht gespritzt. Ohne C gebe es keine Helikopter-Eltern, keine Problemschulen, keine Migrationsproblematik, keine unterfinanzierten Schulen, keine Kinder, die »Diagnosen« haben etc. etc. Auch vor und ohne C gab und gibt es Probleme, die auch ein »Zauberpädagoge« mit seinen »Zauberkonzepten« nicht beheben wird.
Wenn das alles mal so einfach wäre.
Und dennoch bin ich inhaltlich bei der C‑Kritik ganz bei euch. Darüber habe ich hier schon viel geschrieben und auch auf Lohnarbeit viel Prügel kassiert. In der Analyse bin ich aber anderer Meinung. Auch ohne C hätten wir viel zu viele Kinder, die traumatisiert wären. C war und ist nicht die einzige Krise.
@cr (Kommentar von 21:40)
Vor 40, 50 Jahren waren das aber auch alles Leute, die aus einer Schule mit Anwesenheitspflicht kamen. Daran alleine kann es also wohl kaum liegen.
Aber Du hast ja Sonntag schon geschrieben, daß das alte Schulsystem (Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Sonderschule) an und für sich eine gute Sache war, was ich genauso sehe. Da hat Bologna (samt Folge»reformen«) sehr viel mehr kaputtgemacht als die Anwesenheitspflicht als solche je könnte...
Epikur, mir fällt auf, dass deine Kritik sich nie auf die pädagogischen Fachkräfte bezieht.
Auch vor der C‑Zeit waren genau diese auf die Kinder losgelassen und sind es bis heute. Diejenigen, die sahen, was mit den Kindern passierte, sind mehrheitlich gegangen, siehe Gunnar Kaiser. Meinst du wirklich, dass die »Fachkräfte« ihre Methoden geändert haben? Wohl nicht, sie konnten sie nur verschärfen, ohne bestraft zu werden. Dieses Sadogen ist in ihnen. Es sind allesamt Untertanen, nach oben buckeln, nach unten treten.
Die Helikoptereltern haben sich auch erst gebildet. Sie durften die gleichen »Fachkräfte« »genießen« wie ihre Kinder, nur ohne C‑Zeit. Selbstverantwortung haben sie oft nicht gelernt und können sie deshalb auch nicht weiter geben. Instinktiv wissen sie aber, dass diese Welt eine Gefahr für ihre Kinder ist und löst deswegen diesen überbordenden Beschützerinstinkt aus.
Es ist ein falsches Schulsystem und das zieht auch die, für das System passenden, Arbeitssklaven an. Leider sind die für die Kinder nur schädlich.
Hast du dich mal mit Hans-Joachim Maaz und Gerald Hüter beschäftigt oder sind das für dich auch nur Elfenbeinturm-Experten?
Die Migrationsproblematik kommt zu den anderen Themen noch hinzu. Das System war vorher schon kaputt.
@Ruby
Wie schon öfters erwähnt: die pädagogischen Fachkräfte sind jetzt schon die Prügelknaben der Nation. Von Eltern. Medien. Politik. »Elfenbeinturm-Experten«.
Gibt es gesellschaftliche und/oder ökonomische Verwerfungen jedweder Art, werden sie an die Schulen ausgelagert. Wenn dann dort keine »Zauberei« passiert — dürfen alle einmal auf die pädagogischen Fachkräfte draufschlagen. Ich muss nicht noch in den Chor derer einsteigen, die auf Lehrer, Erzieher etc. schimpfen. Das machen schon mehr als genug. Überall. Täglich.
Gleichzeitig leisten hier Tausende von päd. Fachkräften eine Hammer-Arbeit mit »Systemsprenger-Kindern«, »Problemschulen« etc., welche die allermeisten Menschen niemals machen würden, können und wollen.
Corona war nur der Indikator eines völlig verfehltem Schulsytems, an dem man schön sehen kann, mit welchen Leuten auch oder vielleicht auch gerade bei den Pädagogen man es zu tun hat.
Das es sicher Lehrer gibt, die Unglaubliches leisten ist mir bewußt, aber das ist und war selbst zu meiner Schulzeit eben nur die Ausnahme.
Denn mit echter »Bildung« hat nicht nur unser Schulsystem, eben nicht mehr viel zu tun.
Um noch mal auf das Reifenflicken zurückzukommen, was m.E. sehr signifikant für unsere Gesellschaft ist, ist es in der Realität noch viel schlimmer.
Die Kids sind meist ja nicht einmal mehr in der Lage, die Luft in den Reifen zu bekommen, geschweige denn einen Reifen gar zu flicken, oder schürsenkel binden oder einfach nur zu wissen wie man bei enem auto nach dem Öl schaut, geschweige denn ohne Navi nach Hause zu finden.
Auch erwachsene Menschen können diese Gerätschaften oft ebenfalls nicht bedienen.
Das sehe ich jeden Tag.
In meiner »romantischen« kleinen Welt gibt es einige Eltern, die selbst sehr geschickt und wissend sind, dieses an Kinder und deren Freunde weitergeben, selbstverständlich auch Nachwuchs in Sport und Hobby (Oldtimerschrauben, Gärtnern, Handwerken) fördern. Einige geben auch Nachhilfe und für mich wären das auch Kandidaten, die zuhause unterrichten könnten, wenn es erlaubt wäre. Dadurch könnten diese gut geförderten Kinder dem Schulgebäude oft fernbleiben, den Lehrern mehr Zeit geben, sich um die schwächeren Kinder zu kümmern, statt die bereits mit dem Stoff vertrauten in ihrer Langeweile zu beschäftigen. Ich will ja nichts abschaffen oder verbieten, sondern mehr Auswahl bieten, die vielen besser passen kann. Mit entweder-oder gibt es keine Veränderung, dann wird es nur schlimmer.
@cr
Genau!
Die es sich (finanziell und intellektuell) leisten können und wollen, unterrichten dann ihre Kinder Zuhause oder auf einer teuren Privatschule. Der »ganze Rest« an Kindern soll dann in der Schule unterrichtet werden. Damit die dortigen päd. Fachkräfte dann auch alle garantiert mit 50 im Burnout landen. Denn es ist ja klar, welche Kinder aus welchen Familien, dann noch in die Schule gehen werden.
Gut gemeint, mit der »Entlastung«, aber leider nicht zuende gedacht. Die Schule ist mitunter heute noch der einzige Ort, wo sich Kinder, also Menschen, aus völlig unterschiedlichen Milieus überhaupt noch begegnen. Das wäre dann auch vorbei.
Nach unten ist also noch viel Luft, wenn man das jetzige Schulsystem ständig verteufelt. Ein guter Anfang wäre, wenn man den Schulen endlich die Ressourcen gibt, die sie wirklich brauchen. Dann wäre schon viel gewonnen, bevor man mit utopischen, »Romantik-und-Zauber-Konzepten« kommt, die in der Breite sowieso nie umgesetzt werden.
Lieber epikur, mir siehst du das zu schwarz-weiß. Mag dran liegen, dass du mitten im Betrieb bist und es nicht von außen betrachtest. Ich sehe das Bildungssystem von außen, hab seit ein paar Jahren nur den Bezug dazu, dass ich Nachhilfe gebe. Die Schüler sind alle aus dem Bekanntenkreis und haben sehr unterschiedliche Gründe, warum sie in verschiedenen Fächern Unterstützung brauchen. Manchmal ist es auch generell der Zugang zum Lernen, der geschaffen werden muss. Dabei ist mein Vorteil natürlich, dass ich mir die Kinder (und Eltern) aussuchen kann. Somit ist das kein Abbild der gesamten Gesellschaft, sondern nur ein kleiner Anteil.
Zusammen mit den Erfahrungen, die ich in Betrieb und Freizeit sammle, also Berufseinsteiger und Nachwuchsförderung im Hobby, erlaubt es mir, viele Probleme und Ursachen zu erkennen. Die Schulgebäudeanwesenheitspflicht oder manchen Parteien unterstellte »Abschaffung der Schule« allein reicht nicht aus, die Gebäudeanwesenheitspflicht abschaffen ist aber ein erster richtiger Weg zu besserer Bildung.
Warum ein Lehrer mit 50 Burnout erleiden soll, wenn man unterforderte Schüler, die sich langweilen, aus der Klasse nimmt, erschließt sich mir nicht. In meiner Klasse waren das die Klassenkasper, die auf mehr oder weniger humorvolle Weise oft gestört haben.
Größtes Problem bei freier Beschulung und Erziehung ist vermutlich, dass nicht mehr alle Kinder ideologisierte Bücklinge werden, sondern manche einen starken selbstbewussten Charakter behalten und sich nicht jeden Sch... erzählen und mit angstporno kleinhalten lassen.
@cr
Gerade weil ich seit rund 10 Jahren den Schulbetrieb, inklusive Lehrer, Eltern und Kinder, sehr gut kenne, sollte man vielleicht auch mal ‑selbstbewusst ausgedrückt- meinen Analysen mehr Wertschätzung und Vertrauen entgegenbringen! Ich kann auch »von außen« auf ein Handwerksbetrieb blicken. Wie sehr das dann mit dem dortigen Real-Alltag wirklich etwas zu tun hat und wie sehr meine Handwerks-Analysen dann wirklich zutreffen, ist die andere Frage.
Also, wenn es nur noch eine »Schulunterrichtspflicht« gibt, werden als erstes alle »Bildungsbürger«, alle Reichen und alle, die es sich intellektuell und finanziell leisten können, ihre Kinder aus der Schule nehmen. Sie privat unterrichten oder auf eine teure Privatschule schicken. Übrig bleiben dann die Kinder, aus den Haushalten die große Probleme ‑jedweder Art- haben. Herausfordernde Kinder. Kinder, mit Diagnosen. Mit Migrationshintergrund. Und so weiter.
Die Schulen und die Klassen werden dann primär nur noch solche Kinder haben. Die dort angestellten Lehrer und päd. Fachkräfte haben dann noch viel mehr mit solchen Kindern und Familien zu tun, als jetzt schon. Das kostet Nerven, Energie und Ressourcen. 1–2 »Systemsprenger-Kinder« pro Klasse sind verkraftbar, sobald es aber 5 oder mehr sind, kommen alle an ihre Grenzen. Unterricht ist dann kaum möglich. Man wird ständige Eltern- und Konfliktgespräche haben. Schulkonferenzen. Und so weiter.
Die Folge: die päd. Fachkräfte werden vorzeitig den Beruf wechseln oder mit 50 im Burnout landen. Weil sich das auf Dauer Niemand antun will. Woher ich das weiß? Weil ich seit 10 Jahren »im Betrieb« bin. Die Gesundheit von päd. Fachkräften hat leider Niemand im Blick.
Deshalb das Thema:
»Sachsen-Anhalt und Thüringen: AfD will Schulpflicht abschaffen«
Im verlinkten Bericht zeigt sich, dass hier mit Polemik »gegen AfD« gearbeitet wird.Schulpflicht ist hier ein bewusst unscharf gewählter Bericht, so als könnten die Kinder wie Pippi Langstrumpf einfach zuhause bleiben. So wie ich die Aussagen lese, geht es um freie Wahl der Schulform und nicht um beliebiges Fernbleiben aller Unterrichtsformen. Also im Grunde wie ich es vorschlage, Aufhebung der Schulgebäudeanwesenheitspflicht, aber regelmäßiger Leistungsnachweis und bei Rückstand Wiederaufnahme in den Schulunterricht. Mir persönlich geht es nicht drum, einen Epikur zu überreden oder überzeugen (geht vermutlich garnicht), sondern darum, verschiedene Schulformen, die den Kindern bestmöglich entgegenkommen, anzubieten.
Solange das aber immer bewusst vermengt wird und reflexartig gekontert wird, ändert sich nichts. Die Dummen sind aber immer die Kinder, also die nachfolgenden Generationen. Wobei auch wir älteren unter den Folgen kollektiver Nicht-Bildung zu leiden haben. es bleibt dann wohl bei Auswendig und Gehorsam.