Am Samstag, den 21. März 2026 spielte Knorkator (Alf Ator, Stumpen, Buzz Dee) in der Berliner Columbiahalle. Sie feierten ihr 30-jähriges Jubiläum. Knorkator-Konzerte sind immer etwas ganz Besonderes. Authentisch. Selbstironisch. Überdreht. Mit einem Gespür für das Wesentliche. Obwohl alle Bandmitglieder mittlerweile rund 60 Jahre alt sind, haben sie viel Ausdauer bewiesen und mehr als Zwei Stunden die Bühne gerockt.
»Buchstabe«
Im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten hielten sich hier die Vorbands in Grenzen. Eigentlich gab es nur eine Vorband: »Guca meets Wacken«. Der Lead-Sänger ist hier Niemand Anderes, als der Sohn von Alf Ator mit Namen Tim Tom. Leider nimmt er sich deutlich ernster als sein Vater. Hat mir musikalisch (Balkan Metal) auch nicht so gefallen. Dennoch: er macht sein Ding, ohne sich an den Mainstream anzubiedern.
Auch die Tochter von Stumpen (Nethi) war anwesend. Sie hat Lieder wie »Weg nach unten« oder »Ding inne Schnauze« gesungen und machte, meiner Meinung nach, eine etwas bessere Figur, wobei Tim Tom »böse« auch gut performt hat. Insgesamt war die Stimmung dadurch fast schon familiär. Stumpen hat derweil für derbe Unterhaltung gesorgt.
»Wir werden alle sterben«
Knorkator sind und bleiben ein einzigartiges Phänomen. Wer sie nur als Quatschmachband abtut, verkennt ihre wahren Werte. Sie haben es nicht nur musikalisch und stimmlich drauf, sondern schreiben bisweilen auch echt gute Texte. Feinfühlig. Subtil. Kritisch. Aber immer mit einer fast schon legendären Leichtigkeit und Selbstironie, die heute sehr selten geworden ist.
Im Social-Media-Zeitalter nehmen sich viel zu viele sehr ernst und sehr wichtig. Narzissmus, Selbstdarstellung und Dünnhäutigkeit, wohin man schaut. »Ich lass mich klonen«, war hier vor rund 15 Jahren geradezu prophetisch. Gerade in der Musikbranche sind Überheblichkeit und Selbstverliebtheit weit verbreitet. Hier nach über 30 Jahren und bei mehr als 1.000 gespielten Konzerten, noch die Bodenhaftung zu behalten und immer noch Qualität abzuliefern, schafft kaum Jemand.
»Alter Mann«
Das letzte Album »Weltherrschaft für Alle« aus dem Jahr 2025, war eine Woche auf Platz Sieben der deutschen Charts. Sie hatten damit die höchste Chartplatzierung ihrer Karriere. Bei den meisten Metal-Bands ist es eher umgekehrt. Da sind in aller Regel immer die ersten oder frühen Alben sehr gut und werden über die Jahre hinweg immer schlechter. Knorkator hingegen sind und bleiben ihrer Zeit immer ein Stück voraus.
Knorkator haben schon immer ihr komplett eigenes Ding durchgezogen. Stimme, Gesang, Metal, überdrehter Humor, Gedicht-Lied-Texte, Chor-Gesang, Höhen, Tiefen, Sozialkritik und vieles mehr. Trends, Hypes oder Zeitgeist haben sie noch nie interessiert. Genau das macht sie so authentisch und einzigartig. Die Fans lieben sie dafür. Mich eingeschlossen! ![]()
Das die Trends nicht mitnehmen, halte ich für ein Gerücht. Es gibt ja auch die legendären Videos Knorkator vs. Rammstein, bzw. ihr Video »Du nich« & so.
War das bei »Ding inne Schnauze«, wo der Keyboarder das Keyboard mit Wucht in die Menge schmiss? Das war natürlich eine Schaumstoffattrappe. Auf Schabernack stehe ich ja. Vorher dachte ich, ich muss jetzt wohl sterben. ;)
Ich wurde zu ihren Konzerten damals ja mitgeschleift, von daher hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet.
Metal ist ja sonst eher bedingt meins, aber mit Lustigem kann man mich ganz gut Ködern.
Wen gab es als Vorgruppe? Das Pack würde da vermutlich ganz gut passen.
zu Repression (2) Nachtrag 25.03.2026:
Nach dem UN-Konvention zur Vermeidung der Staatenlosigkeit, der auch Österreich beigetreten ist, sind nach Art. 9 politische, rassistische, ethnische und religiöse Ausbürgerungen verboten, wenn dadurch Staatenlosigkeit entstehen würde. Aber wer schert sich heutzutage noch einen Dreck um Völkerrecht ...
Diese Konvention war AFAIK auch eine Reaktion auf die reihenweise Ausbürgerung von Juden und Dissidenten in Nazi-(Groß-)Deutschland, die dann staatenlos waren und nirgends aufgenommen wurden oder nur sehr schwierig.
»Narzissmus, Selbstdarstellung und Dünnhäutigkeit, wohin man schaut. «
Ein bißchen davon brauchst du um dich überhaupt auf die Bühne zu trauen, aber stimme zu es ist viel schlechter geworden. Gerade diese »neue deutsche Jammermusik«, mit Pappnasen wie Tim Bendzko, Marc Foster, Sarah Connor usw usw, fürchterlich...
Auch bei Texten, gute gibts wenige aus verschiedenen Ecken, obwohl gerade unsere Zeiten viel hergeben würden, aber das ist wohl auch ein Teil des Problems.
Was gute Texte angeht, würden mir da »Muse« einfallen, oder »Solitary Experiments«, »Deichkind«, teilweise »TingTings«, Liste zwangsläufig unvollständig.
@Juri Nello
»Wen gab es als Vorgruppe? Das Pack würde da vermutlich ganz gut passen.«
Wie ich oben bereits schrieb: »Eigentlich gab es nur eine Vorband: »Guca meets Wacken«. Der Lead-Sänger ist hier Niemand Anderes, als der Sohn von Alf Ator mit Namen Tim Tom.«
»Obwohl alle Bandmitglieder mittlerweile rund 60 Jahre alt sind«
We are just another middle¹ age rebellion!
( http://www.plyrics.com/lyrics/angelcityoutcasts/youthrebellionrevisited.html )
¹Von Mick Jagger höchstpersönlich abgesegnet