
-Sitzenbleiber-
Ein weiteres Thema, dass vielen unbequem ist ‑und ja nur der AfD nützt- ist nicht nur die steigende Quote der Klassen-Wiederholer in den Grundschulen, sondern auch die immer schlechter werdenden Kompetenzen der Erstklässler.
Immer mehr Kinder, die eingeschult werden, können nicht mehr ihren eigenen Namen schreiben, kennen weder Monate oder Wochentage, können die Zahlen von 1–20 nicht fehlerfrei aufsagen oder fließend deutsch sprechen.
Überfrachtet
Wie schon öfters, und an anderer Stelle betont, werden die Schulen gnadenlos überfrachtet. Die Lehrpläne werden nicht nur von Jahr zu Jahr voller, Lehrer sollen gleichzeitig nicht nur Therapeuten, Magier und Sozialarbeiter sein — jetzt sollen Grundschulen auch sämtliche familiäre, gesellschaftliche und weltpolitische Verwerfungen auffangen und »reparieren«. Das kann nur scheitern.
Es kommen immer mehr Schüler in die Schule, die weder kognitive noch sozial-emotionale Grundlagen mitbringen. Es fand weder eine Werterziehung, noch eine minimale Bildungserziehung in der Familie statt. Die Folge ist, dass hier Lehrer und Erzieher täglich Kinder erleben, die weder dem Unterricht folgen können (und wollen), noch einen konfliktfreien Tag mit ihren Mitschülern hinbekommen.
In aller Regel sind das dann auch Kinder, die in der Schulanfangsphase (SAPH, 1.–3. Klasse) die Klasse mindestens einmal wiederholen müssen, um sich überhaupt altersgerecht entwickeln zu können.
Überfüllt
Dabei sagt die Wiederholquote leider wenig aus. Denn immer mehr Schulen gehen dazu über, die Kinder regelrecht »mitzuziehen«. Sie müssten von ihren Leistungen bzw. wegen ihrer sozial-emotionalen Entwicklungsverzögerung, eigentlich die Klasse wiederholen — aber dafür sind weder Platz, Raum noch Lehrkräfte vorhanden.
Unsere Schule hat beispielsweise jedes Jahr vier neue erste Klassen mit jeweils rund 25 neuen Kindern (vierzügig). Wenn man nun aus der ersten Klasse viele Kinder wiederholen lassen würde, werden die neuen ersten Klassen noch voller. Dabei sind Schulklassen mit 25 Kindern jetzt schon zu viel.
Hier allen Kindern gerecht zu werden und wenn man dann noch mehr als drei »herausfordernde Kinder« pro Klasse hat — ist ein Ding der Unmöglichkeit. Aber ja, es gibt »magische Methoden«, mit denen alles ganz wunderbar klappt. Das erzählen uns doch immer Menschen, die nicht in der Schule arbeiten, sondern in ihren Elfenbeintürmen sitzen, tolle Reden halten oder Bücher schreiben?
Überfordert
Ich kann mich hier nur wiederholen: man erwartet von Lehrern, Sozialarbeitern, Therapeuten und Erziehern magische Zauberkräfte. Es hat schon einen Grund, warum die Lehrer seit Jahren kleinere Klassen fordern und reihenweise ihren Beruf aufgeben. Über den Elefanten im Raum will selbstverständlich auch Niemand sprechen: Migration und Flüchtlinge.
Interessiert alles in der Regel weder die Politik, noch die Eltern. Die Schulen sollen einfach mal machen und nicht soviel nörgeln. Wenn etwas schief geht oder die astronomischen Erwartungen nicht erfüllt werden, sind wenigstens die Schuldigen sofort gefunden: Lehrer und Erzieher.
So sieht’s aus.
Und nicht nur in der queer-woken BunTeshauptstadt Berlin.
Mit vergleichbaren Problemen muss sich meine Bekannte an einer Münchner Grundschule herumplagen.
Sie hatte sog. »Elterngespräche«, in deren Verlauf sie damit konfrontiert wurde, dass sie — als Lehrerin — »für die Kindererziehung zuständig wäre«.
Ihr Argument, dass sie nicht die grundsätzlichen Erziehungsaufgaben jedes Elternhauses ihrer bis zu 30 + x SchülerInnen übernehmen kann, sondern für die Wissensvermittlung gem. bayer. Lehrplan verantwortlich ist, stieß auf Unverständnis.
Davon abgesehen klagt sie über »x Nationen nicht oder schlecht deutsch sprechender SchülerInnen, die teilweise auch noch altersgemäß nicht in ein und dieselbe Klasse gehören«. Also von sechs- bis neunjährige Erstklässler, die in einer Klasse zusammengefasst wurden.
Meine Bekannte ist maximal frustriert, ausgepowert und fühlt sich vollkommen alleingelassen, da es die vorgesetzten Stellen kaum interessiert, ob und wie sie diese Probleme bewältigen kann. Für die Pensionierung ist sie noch zu jung, überlegt sich jedoch ernsthaft, wegen psychischer Probleme vom Arzt (längerfristig) krankgeschrieben zu werden.
Ja, das ist nur ein Aspekt »im besten Deutschland, das es jemals gab« und ein wenig erfreulicher Ausblick in eine düstere Zukunft, die uns bereits jetzt mit all ihren Begleiterscheinungen begegnet.
Und ja, es gibt auch fleißige, motivierte, wissbegierige Grundschüler, die sich nicht aufführen, als wären sie in einer geschlossenen Einrichtung besser aufgehoben.
Nur sind es leider die Einzelfälle, die uns in den »Qualitätsmedien« als »Erfolgsstory für gelungene Integration« verkauft werden, während der überwiegende Teil der Gescheiterten irgendwann als Bürgergeldempfänger unser sowieso schon zum Zerreißen gespanntes Sozialsystem belasten.
Das sind keine rechtsradikalen Schwurbel-Fantasien, sondern die knallharten Fakten im Jahr 2026.
Ich hab mal von Otfried Preussler, der ja zuerst auch und noch lange Zeit parallel zu seiner Karriere als Kinderbuchautor Lehrer war, in einem Interview gehört, dass ein damaliger Kollege ihm erzählt hatte, dass wenn er eine Klasse beruhigen wollte, er seine Geige nahm und der Klasse etwas vorspielte. Da Preussler nicht so musikalisch war überlegte er sich etwas anderes was er gut konnte: Geschichten erzählen. Das wirkte auch und irgendwann hat er sie dann aufgeschrieben. Der Rest ist Geschichte.
Ein Deutschlehrer von mir hat es mit uns ähnlich gemacht. Am Ende jeder Stunde, wenn wir einigermaßen brav waren (genau erinnere ich mich nicht mehr) hat er uns eine kurze Geschichte vorgelesen und an eine erinnere ich mich noch sehr gut: »Der Zug, der da zur Hölle fährt«. Später hab ich sie im Netz wiedergefunden.
Ein Hund in der Klasse soll ähnliche Wirkung haben.
Keine Ahnung ob das heute noch funktioniert oder ob die dysfunktionalen und nicht-deutsch-sprechenden Familien so überhand genommen haben, dass eine kritische Masse erreicht ist, wo das nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist. Und natürlich brauchen solche Methoden Zeit und Raum, der offenbar immer weniger zur Verfügung steht.
@tomandcherry
»Sie hatte sog. »Elterngespräche«, in deren Verlauf sie damit konfrontiert wurde, dass sie — als Lehrerin — »für die Kindererziehung zuständig wäre«.«
So direkt ausgesprochen habe ich das noch nicht erlebt, aber es schwingt subtil immer mit, ja. Wie bereits geschrieben, es findet ein zunehmendes Auslagern von Erziehungsverantwortung an Kitas und Schulen statt. Zuhause ist man einfach mit Instagram-Scrolling, Netflix-Binge-Watching und Amazon-Shopping, zu sehr beschäftigt. Dafür müssen Lehrer und Erzieher einfach Verständnis haben!
»da es die vorgesetzten Stellen kaum interessiert, ob und wie sie diese Probleme bewältigen kann«
Sie haben schlicht keine Lösungen, da sie selbst Getriebene der politischen Vorgaben sind. Was dann höchstens kommt ist: Resilienz stärken, Supervision und laber-laber-Rabarba.
»während der überwiegende Teil der Gescheiterten irgendwann als Bürgergeldempfänger unser sowieso schon zum Zerreißen gespanntes Sozialsystem belasten. Das sind keine rechtsradikalen Schwurbel-Fantasien, sondern die knallharten Fakten im Jahr 2026.«
Kinder sollen jede Hilfe bekommen, die sie benötigen, wenn aber Eltern und kulturelle Hintergründe ständig dagegen schießen (Zwangsheirat, Nicht-erscheinen bei Gesprächen, bei Elternabenden oder Schulhelfer-Konferenzen) und ein Großteil der Kinder am Ende dann doch beim Jobcenter landet — darf man sich dann schon Fragen stellen, oder?
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@orinoco
An Methoden mangelt es wahrlich nicht! Wäre aber ein eigenes Thema. Aber ja, die funktionieren bei immer weniger Kindern. Deshalb probieren Lehrer auch ständig neue Methoden aus und machen sich selbst fertig, weil sie glauben, man müsse nur endlich die eine magische Methode finden. Das frustriert. Nur: alle Methoden setzen ein Mindestmaß an Schulbereitschaft, Aufmerksamkeit und Konzentraton der Kinder voraus.
Und dann kommt noch der fehlende Respekt hinzu.
Etwas Neues entsteht allerdings nur durch Kampf gegen die Verhältnisse.
»?und ja nur der AfD nützt-«
An Dummheit bei den verantwortlichen Politikern glaube ich jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr.
Die AfD mag daraus (noch) politisches Kapital schlagen (können), aber wer auch immer im Hintergund beschlossen hat, die Sozial-und Gesundheitssysteme mit gegenleistungslosen Leistungsempfängern zuzumüllen, wird sich dabei schon etwas gedacht haben. Menschenfreundlichkeit wird es jedenfalls nicht sein.
Ich denke heutzutage immer wieder an das Buch »Schockstrategie« von Naomi Klein. Eine Ausnahmesituation schaffen — und dann mit Notstandsgesetzen all die Dinge umsetzen, die man auf demokratischen Weg nicht umsetzen könnte.
@Holger
Ja, es gibt durchaus die These, dass das alles gewollt ist, um dann Legitimationen und Rechtfertigungen, für radikale Spar- und Kürzungsvorhaben zu haben.
Am Ende verlieren alle Bürger, unabhängig von Herkunft. So weit denken aber weder viele »Rechte« noch »Linke«.
@ epikur
Dass einer der ehemals reichsten Staaten der Welt mittlerweile auf dem Weg in ein sog. »Dritte Welt Land« ist, wird niemand ernsthaft bestreiten, der noch halbwegs geradeaus denken kann.
Wenn ich mir die Infrastruktur in/um München anschaue, überkommt mich das kalte Grauen. Straßen erinnern mich an übelste DDR-Schlagloch-Pisten, der öffentliche Nahverkehr ist auch größtenteils marode (S- und U‑Bahnen, Bahnhöfe) und die Verwaltung teilweise ein schlechter Witz.
Alleine meine Erlebnisse für die digitale Terminvergabe bei meiner kürzlich erfolgten Wohnsitzanmeldung war nichts für Leute »mit kurzer Zündschnur«. Das Online-Portal für einen Termin im sog. »Bürgerbüro« kann einen in den Wahnsinn treiben. Von »Usability« hat man garantiert noch nichts gehört, als dieses Monstrum programmiert wurde.
Wenigstens war die Sachbearbeiterin freundlich und hilfsbereit, das ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.
Nochmal kurz zu meinem ersten Kommentar eine Aussage meiner Bekannten an der Grundschule:
Als sie noch an einer anderen GS — ebenfalls in M — arbeitete, erzählte sie mir, dass ein besonders »verhaltensorigineller Schüler« von der Polizei abgeholt werden musste. Den Grund weiß ich nicht mehr, aber wegen schwätzen im Unterricht wird’s nicht gewesen sein. Ein Grundschüler. Kein pubertierender Neunt- oder Zehntklässler.