
-Fachkräftemangel-
Ariane Bemmer vom Tagesspiegel empört sich über den Fachkräftemangel in Kitas und Schulen. In der verqueren, aber leider mittlerweile üblichen Argumentation, werden Kinder zu Objekten, also zu Ressourcen gemacht. Die müsse man »hegen und pflegen«, weil sie doch »unsere Zukunft« seien. Von selbstbestimmten Subjekten mit eigenen Bedürfnissen, die auch in der Gegenwart ihre Daseinsberechtigung haben, ist ‑mal wieder- keine Rede.
Warum es überhaupt einen pädagogischen Fachkräftemangel gibt, was also die Ursachen sein könnten, wird überhaupt nicht thematisiert. Stattdessen glaubt die wohlbehütete Journalisten-Akademiker-Mittelschicht, man könne auch dieses Problem einfach mit Geld zuschütten. Weit gefehlt.
Menschliche Ursachen
Trotz Geburtenrückgang (Woher der kommt, will Niemand wissen), gibt es immer noch zu wenig Erzieher und Lehrer in Deutschland. Es fehlen bundesweit mindestens 30.000 Lehrer und mehr als 100.000 Erzieher. Von Sozialarbeitern, Schulhelfern und so weiter, ganz zu schweigen. Hierfür gibt es vielfache Gründe und Ursachen.
Eine hohe Lärmbelastung. Die vergleichsweise schlechte Bezahlung (Ausnahme: Lehrer). Ein hoher Stresspegel und eine hohe Arbeitsbelastung. Immer anspruchsvollere Kinder und Eltern, um es einmal euphemistisch zu formulieren. Kaum Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten. Zugleich hohe Anforderungen an Sozialkompetenzen, Empathie und Kommunikation.
Viele Erwachsene und Eltern sind, im Jahr 2025, schon mit ihrem eigenen Nachwuchs oder mit Kindern in der Familie komplett überfordert. Wie sollen sie da ganze Gruppen von Kindern begleiten, anleiten oder unterstützen können? Durch die systematische Zerstörung der Intuition, sind sehr viele beim Thema »Erziehung« stark verunsichert worden. Insofern trauen sie sich den Beruf des Lehrers oder Erziehers auch nicht mehr zu.
Strukturelle Ursachen
Hinzu kommen die strukturellen Gegebenheiten. Die sind politisch gewollt, könnten aber jederzeit verändert werden, wenn man denn wollen würde. Dazu zählt beispielsweise der Personalschlüssel. Es gibt noch viele weitere strukturelle Probleme, die man angehen könnte (Bürokratie, Arbeitsbedingungen etc.), aber heute belasse ich es beim Personalschlüssel.
Die Anzahl der Kinder gibt in der Regel das Personal vor, das eingestellt und bezahlt werden darf. Nach dem Berliner Kinderförderungsgesetz (KiFöG) ist das in der Kindertagesstätte (KITA):
Kinder unter 3 Jahren (U3): 1 Erzieher für maximal 6 Kinder. Kinder ab 3 Jahren bis zur Einschulung (Ü3): 1 Erzieher für maximal 9 Kinder.
In der Nachmittagsbetreuung in der Schule (Hort):
Für Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren (Grundschulkinder): 1 Erzieher für maximal 15 Kinder. Für Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren (Ältere Grundschulkinder): 1 Erzieher für maximal 20 Kinder.
Das Problem ist hierbei, dass überhaupt nicht differenziert wird, wie »anspruchsvoll« die Kinder sind. In der Regel genügen 1–2 »Systemsprenger-Kinder«, Flüchtlingskinder oder Integrationskinder, um die gesamte pädagogische Arbeit zu sabotieren und den Personalschlüssel Ad Absurdum zu führen.
»Integrationkskinder« brauchen zusätzliches Personal, um sie optimal unterstützen und fördern zu können. Und genau hier entpuppt sich die »Inklusion« als große Marketing-Lüge. Denn dieses Personal ist nicht nur sehr schwer zu finden, sondern soll oft noch zusätzlich Gruppenarbeit leisten und kommt gar nicht dazu, sich um die anspruchsvollen Kinder adäquat zu kümmern.
»Da muss eben, wenn es nicht anders geht, der milliardenschwere Bund mehr, dauerhafter und langfristiger Geld bereitstellen.« (Ariane Bemmer)
Der Fachkräftemangel hat insofern viele Facetten, liebe Frau Bemmer! Mit einem moralischen Empörungsfinger in Richtung Politik der nur nach »mehr Geld!« schreit, ohne die Ursachen zu thematisieren, ist aber leider Niemandem geholfen. So kann nur Jemand schreiben, der die vielfachen Ursachen entweder nicht kennt oder nicht benennen will.
Nichts Neues. Allerdings sind die Möchtegerneltern nicht mit ihren Gören überfordert, sondern mit ihren Handys. Kommen noch andere Drogen ins Spiel, wird es richtig krass.
Tagesspiegel ist für mich gefühlt »Berliner Zeitung auf Ecstasy«
Und wenn ich
lese, krieg ich Hautausschlag ... aus bekannten Gründen.
Bei Wörtern wie »niemand« oder »Wahrheit« setze ich aber immer ein ®™ dahinter, was andeuten soll, dass das immer relativ ist und nicht absolut zu verstehen ist. Man könnte auch ein »praktisch« davor setzen.
Zur demographischen Frage des Geburtenrückgangs habe ich mich gerade geäußert.
Ich habe vor Jahren das Buch von Philipp Möller »Isch geh Schulhof« grinsend, aber auch mit Bedauern, gelesen, worin ja die Zuständen damals schon in diese Richtung wiesen. Jahresverträge für junge Lehrkräfte und die ständige Ungewissheit über die eigene, berufliche Zukunft. Und dann musst du sich auch noch mit dem Status Quo erziehungs- und bildungsfehlgeleiteter Kids herumschlagen. Nicht deren Schuld, weil die wesentliche Prägung ja von anderen kommt.
Apropos: die Autorin steht eigentlich für nichts Konkretes. Hat also zu allem eine Meinung und sehr wenig zu sagen. Deswegen würde ich über dieses Stöckchen nicht springen wollen.
@Sascha
Ja, das sind die »Tagesspiegel-Muttis«, die sich gerne empören, ohne konkret zu werden oder zu analysieren, Kontexte und Strukturen aufzeigen etc. Die sind hier häufig mehr »Mutti« als »Journalistin«. Von diesen Beiträgen gibt es immer wieder welche.
Für mich ist das »happen-Futter«.