
Wir sollten wieder mehr analoge Bücher lesen. Viele Ereignisse und Probleme, die wir heute haben, wurden schon in der Vergangenheit von klugen Köpfen thematisiert. Die Sozialtechniken der Macht. Die Verdrehung der Sprache. Die Manipulation der Bevölkerung durch die Massenmedien. Der menschenverachtende Kapitalismus. Nichts davon ist neu.
Der amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman beispielsweise, versuchte in all seinen Büchern zu verdeutlichen, dass eine neue Technologie nichts verbessert oder verschlechtert, sondern vielmehr alles verändert. Unsere Denkweise, unsere Wahrnehmung und Bewertung der Welt sowie auch unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen.
»Das Technopol«
Neil Postman starb am 5.Oktober 2003 im Alter von 72 Jahren in New York. Er kämpfte ständig gegen eine große Armee von Menschen, die jedwede neue Technologie bedingungslos befürworteten und nicht hinterfragten, welche Folgen sie kulturell, gesellschaftlich und auch politisch haben könnte. Aus diesem Grund war er bei vielen »Fortschrittsfreunden« sehr unbeliebt.
Dabei war Postman weder ein Technikfeind, noch ein Kulturpessimist, als was er oft beschimpft wurde. Er plädierte lediglich für einen verantwortungsvollen Umgang mit den neuen Medien und Technologien. Er wollte stets wissen, welche Probleme bei einer neuen Technologie wirklich gelöst werden und wer bei einer neuen Technologie am meisten profitieren und auch verlieren würde?
Die meisten Technologien dienen dem Zweck der Geschwindigkeit, der Information, der Profitmaximierung und/oder der Bequemlichkeit. Nur unsere wirklich wichtigen Probleme werden damit kaum gelöst. Weder der Fernseher, der Computer, das Internet, noch das Smartphone (oder die KI) haben dazu beigetragen, dass es weniger Scheidungen, weniger Verbrechen, weniger Kriege, weniger Einsamkeit oder weniger Umweltverschmutzung gibt.
Stattdessen haben sie vielmehr neue Herausforderungen geschaffen. Diese neu geschaffenen Probleme, bei denen wir dann wieder krampfhaft »nach Lösungen suchen«, lenken uns von unseren elementaren Bedürfnissen ab, so Postman in »das Technopol«.
»Wir amüsieren uns zu Tode«
Sein wohl bekanntestes Werk dürfte »Wir amüsieren uns zu Tode« aus dem Jahr 1985 sein. Das Grundübel sei, dass das Fernsehen jedes Thema als Unterhaltung präsentieren würde. Seien es Nachrichten, die Politik, die Religion, der Sport, persönliche Erfahrungen oder die Erziehung — alles wird in ein Unterhaltungsformat gequetscht, welches minimale Anforderungen an den Zuschauer stellt. Was gesagt oder gesprochen wird, sei fast immer zweitrangig, wichtig sei es, Emotionen zu bedienen. Und das mache das Fernsehen mit allerlei Arten von Bildern.
Im Fernsehen muss und wird häufig nicht argumentiert, analysiert, abgewogen oder interpretiert. Die Bilder, die das Fernsehen zeige, dienen als Selbstzweck und bedürfen keinerlei Erklärungen oder Analysen. Die »Argumente«, die das Fernsehen zeige, lauten: Prominenz, gutes Aussehen und Werbeslogan.
Die Vermittlung von Wahrheit und Wissen, wie es das Fernsehen betreibe, propagiere eine Gesellschaft, welche die Zerstreuung und Oberflächlichkeit, der Ernsthaftigkeit vorzieht. Die Bilder statt Wörter präferiert und Denken als anstrengend und wenig unterhaltsam empfindet.
Im Jahr 1985 gab es noch kein Internet, kein Smartphone, kein TikTok, kein Facebook, kein YouTube und kein Instagram. Seine Analysen dürften im Jahr 2026 von der Realität weit eingeholt worden sein.
Fazit
Vom Telefon zum Fernseher zum Internet und nun — zur künstlichen Intelligenz (KI). Neil Postman würde heute, im Jahr 2026 vermutlich sagen, dass die KI nichts ergänzt, verbessert oder ersetzt, sondern vielmehr das gesamte gesellschaftliche Leben verändern wird. Wie wir denken, handeln und die Welt betrachten.
- Der Taschenrechner verdrängt das Kopfrechnen.
- Das Fernsehen ersetzt die bildhafte Wahrnehmung der Welt.
- Das Internet, Google und Wikipedia, lassen die eigene Recherchefähigkeit verkümmern.
- Das Smartphone infantilisiert die zwischenmenschliche Kommunikation.
- Die Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt das selbstständige Denken.
Auch heute finden wir bei allen Beiträgen und Kommentaren zum Thema KI kaum die Fragestellung, ob wir die KI wirklich brauchen? Welche echten Probleme wird sie lösen und welche neuen Probleme wird sie erzeugen? Welche Fähigkeiten werden uns verloren gehen?
Weitere Buch-Empfehlungen:
- »Propaganda« von Edward Bernays
- »Waffenhandel« von Andrew Feinstein
- »Menschenjagd« von Richard Bachman
- »Schöne Neue Welt« von Aldous Huxley
Du wolltest ja nichts von Theodore Kaczynski wissen: https://archive.org/details/Kaczynski-Die_Industrielle_Gesellschaft_Und_Ihre_Zukunft
Zu »Wir amüsieren uns zu Tode« gehört auch das Schlagwort Infotainment¹.
Soweit ich mich erinnere, hatte Postman mehrfach betont, dass er nichts gegen ›Amüsieren‹ an sich hat, sondern es nur an den falschen² Stellen für schädlich hält.
Der Strom kommt aus der Steckdose
Die Lebensmittel kommen aus dem Supermarkt
Die Intelligenz kommt aus dem Smartphone
Die Respektabilität des Staates kommt aus dem Mund des Bundespräsidenten...
¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Infotainment mit vielen Abwandlungen, z.B. Tittytainment oder auf einem besonders großen Misthaufen gewachsen: Dschungel- bzw. Jungle-Tainment
² Schwierig, wo man da die Grenzen ziehen sollte. Beispielsweise, wenn ein Nachrichtensprecher über seinen eigenen (freudschen) Versprecher lacht!? Man erinnere sich an den Hofnarren, der einzelne Perlen der Kritik in einem Haufen Blödsinn verpackte.
Der Knackpunkt bei allen neuen Informationstechnologien ist der, dass dumm dumm bleibt und schlau noch schlauer wird. Wenige profitieren, die Masse bleibt dumm. Letzteres bedeutet nicht, dass neue Technologie nicht genutzt würde, sondern sie eben nur »dumm« genutzt wird.
Man kann alles was neu dazu kommt als einen weiteren sozialen Filter bezeichnen, der die Schere der sozialen Ungleichheit nur weiter öffnet.
Ob man das nun gut oder schlecht finden soll? ... man sollte es vor allem realistisch betrachten und sich von einer neuen Technologie nicht zu viel (»Weltrevolution in 12 Monaten«) versprechen.
Je mehr solcher Sachbücher ich gelesen habe, desto weiter haben sie mich von den Menschen um mich herum entfernt.
Leider lassen sich die Inhalte dieser Bücher nicht auf halbminütige Videoschnippsel komprimieren, die man dann seinen Mitmenschen je nach Situation vorspielen kann.
Der Versuch, ihnen solcher Zusammenhänge zu erklären, führt erst zu Verwirrung und in der Folge zu Langeweile und Desinteresse. Anschließend steht man als seltsamer Freak da, der irgendetwas unbedingt schlechtreden will.
Zur besseren Einordnung wird man gerne auch in die Schublade »Verschwörungstheoretiker« gesteckt und als »nicht weiter beachten« abgehakt.
Nein, solche Bücher sind zwar interessant, führen bei mir aber hauptsächlich zu Frustration.
@orinoco
»Der Knackpunkt bei allen neuen Informationstechnologien ist der, dass dumm dumm bleibt und schlau noch schlauer wird.«
Sicher, man kann auch mit seinem Fazit: »Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn – weltweiter Wahnsinn« natürlich den Standpunkt einnehmen, dass man selbst nicht dazu beiträgt und ein nüchterner/neutraler Beobachter dabei wäre.
Ihrer Folgerung, was die sinnvolle Nutzung der neuen Techniken betrifft, teile ich zwar weitgehend, wobei das noch lange nicht bedeutet, dass das zum allgemeinen gesellschaftlichen Fortschritt beiträgt und nicht nur für letztlich profane persönliche Zwecke missbraucht wird.
Besser wäre es allerdings, einen Schritt zurückzutreten und sich selbst zu fragen, was denn wohl die eigentlichen Ursachen dafür sein könnten, dass es mir augenscheinlich besser gelingt, als es die von ›mir‹ (dis-)klassifizierte Masse.
Ist es mein ausschließliches Verdienst eigener Leistung oder war dazu ein günstiges Umfeld ausschlaggebend? Und falls das nicht der Fall war (also das günstige Umfeld), was befähigte mich dann dazu, was anderen offensichtlich nicht gelingt?
Waren es vielleicht ’nur‹ die Gene oder eher bloßer Zufall?
Wie auch immer, wenn man sich selbst schon das Erreichen dieser ›höhere Perspektive‹ zuschreibt, dann beinhaltet das auch eine höhere Verantwortung! Und die entledigt sich sicher nicht dadurch, dass man sich in einer kleinen ›Gemeinschaft‹ der digitalen Selbstvergewisserer identitätsstiftend bestätigt.
Aber selbstverständlich ist das ja auch alles keine Bewertung von mir, sondern die bloße Beschreibung objektiver Wahrnehmung. Und das entzieht sich natürlich einer Kritik.
@Paul
Wer ein bisschen in meinem Blogumfeld recherchiert findet auf die Fragen Antworten. Ja, man muss da schon ein bisschen schlauer als der Durchschnitt sein. Oder wie ich es auch mit den LLMs mitunter bitter erfahre: man muss eine bestimmte Relevanzschwelle des Wissens und der flüssigen Intelligenz überschritten haben um sich wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf des Unwissens herauszuziehen.
Um es kurz zu sagen: ich denke meiner Verantwortung den Umständen entsprechend gerecht zu werden, wobei wobei die Ursache stochastischer Natur ist und sich auf sehr viele Faktoren verteilt, und das Ergebnis alles andere als nur vorteilhaft ist. Im Gegenteil: ich zahle einen Preis dafür und den wird jeder früher oder später zahlen müssen, entweder in die eine oder andere Richtung. Noch kürzer in drei Buchstaben: dfg.
Großbritannien führt nationales KI-Überwachungsprogramm ein – Totalüberwachung droht.
This is what we get: https://transition-news.org/grossbritannien-fuhrt-nationales-ki-uberwachungsprogramm-ein-totaluberwachung
„»Menschenjagd« von Richard Bachman“
= Stephen King. Der gleichnamige Film ist Magerkost, jedoch wird der „Moderator“ passend und gut dargestellt.
Wo gibt es Nasenfilter zu kaufen?
Wenn ihr glaubt, die Impfpflicht wäre vom Tisch.
Nicht in der Schweiz:https://abfschweiz.ch/wp-content/uploads/Medienmitteilung-28.01.26_indd-.pdf
Nach der Pandemie ist vor der Pandemie!
@PV
Okay, reicht. Es ist kein Problem, mal ein Offtopic-Link zu posten. Mache ich auch gelegentlich. Aber das ständige Fluten der Kommentare mit OT-Einzeiler-Links ist unschön. Bitte unterlasse das! Danke.