
-Beliebtheit-
Es gibt ein Thema, dass für Nicht-Pädagogen selten ein Problem darstellt, sondern ganz im Gegenteil, höchstens als ein Kavaliersdelikt empfunden wird. Wenn überhaupt. Und zwar, wenn Erzieher, Lehrer und Sozialarbeiter, in erster Linie daran interessiert sind, bei Kindern und Jugendlichen beliebt zu sein. Denn nicht selten kollidiert dieses subjektive Bedürfnis mit einer guten pädagogischen Praxis.
Beliebtheitswettbewrb
Jeder hat als Kind, oder in seiner Jugend, den coolen Lehrer gehabt, der nie Hausaufgaben gegeben, ständig Ausnahmen gemacht, immer lockere Sprüche auf Lager hatte oder die Kinder regelmäßig zu Irgendetwas eingeladen hat. Der nie streng, sondern immer locker war und über viele Dinge hinweg gesehen hat. Das waren, in aller Regel, die beliebten Lehrer. Ob sie deshalb gleichzeitig auch gute Pädagogen waren, ist fraglich.
Denn wer zu Kindern und Jugendlichen schwer »Nein!« sagen kann, wer von ihnen kaum Leistung verlangt, weil er sie nicht fordern und sich damit nicht unbeliebt machen will und wer Konfliktsituationen mit Kindern und Erwachsenen eher meidet, weil sie den eigenen Ruf beschädigen könnten — ist mehr Kumpel als Pädagoge.
Hinzu kommt das ständige Abschieben und Delegieren von Grenzsetzungen, Konsequenzen und Sanktionen bei Regelverstößen sowie schwierigen Elterngesprächen, an andere Kollegen im Team. Die machen sich dann bei Kindern und Eltern eher unbeliebt, weil sie die, zwar zwingend notwendigen, aber für den auf Beliebtheit bedachten Pädagogen eher unangenehmen Themenfelder beackern müssen.
Langfristige Entwicklung
Ich kenne das aus eigener Erfahrung aus meiner Jugend und mittlerweile aus rund 10 Jahren anekdotischer Evidenz an einer Berliner Grundschule. Bei meinem Abitur hatte ich die Leistungsfächer Deutsch und Biologie. In Deutsch hatten wir eine sehr strenge und fordernde Lehrerin, die von kaum Jemanden gemocht wurde. Sie gab viele Hausaufgaben, wir mussten viele Referate halten und viele Bücher lesen.
In Biologie war genau das Gegenteil der Fall. Es gab für drei Jahre Abiturvorbereitung nur ein Buch, keine Hausaufgaben und einen Lehrer, der mehr mit uns scherzte, als mit uns Unterricht zu machen. Damas liebten wir alle den Biologie-Lehrer und hassten die Deutsch-Lehrerin. Spätestens bei der Abschlussprüfung merkten aber alle, in welchem Fach wir wirklich etwas gelernt hatten und in welchem fast gar nichts.
Fazit
Heute sehe ich das als pädagogische Fachkraft an einer Berliner Grundschule zwar aus einer anderen Perspektive, aber die Kollegen, die primär soziale Anerkennung um jeden Preis erhalten wollen, hierbei kurzfristig an sich selbst und nicht an die langjährige Entwicklung der Kinder denken, gibt es nach wie vor.
Insbesondere Eltern sollten deshalb die vermeintliche Strenge vom pädagogischen Fachpersonal langfristiger und differenzierter betrachten, als es ihnen die Kinder, nach einem anstrengenden Schulalltag, übermitteln: »Lehrer X und Erzieher X meckern immer so viel und sind so streng!«
Ein Lehrer oder ein Erzieher, der nie konsequent ist, aber immer bei den Kindern beliebt sein will, denkt in erster Linie an seine soziale Bestätigung und weniger an die langfristige Entwicklung der Kinder. Natürlich gibt es bisweilsen auch ein »Sowohl als auch« sowie die Gratwanderung einer »liebevollen Strenge« — aber hier wird von den pädagogischen Fachkräften nicht selten wieder Übermenschliches erwartet.
Diese Art Wissen kann man heute einfach abrufen. Was weiß der Mensch 30 Jahre nach seiner Schulbildung noch davon? Was hat sich geändert, was ist heute obsolet?
@Juri Nello
Wie so oft, geht es in der Schule nicht immer nur um »reines Wissen«, sondern um die Soft Skills.
Das Lernen, wie man lernt. Wie man recherchiert. Das Wesentliche in einem Text zu erkennen. Inhaltsangaben schreiben. Verknüpfungen im Gehirn aktivieren. Und so weiter.
Das kann Dir keine Datenbank, kein Wikipedia und auch keine KI beibringen. Vom Sozialen Lernen ganz abgesehen.
Hat mit dem Thema oben aber leider gar nichts zu tun.