Angst und Macht

Eine dunkle Gasse...

Der Zusammenhang zwischen Angst und Macht wurde schon vielfach untersucht. Beispielsweise von Rainer Mausfeld, der die modernen Herrschaftstechniken hervorragend aufzeigt. Wie stark die Ängste der Menschen in den letzten 30 Jahren gestiegen sind, kann man besonders gut an den Eltern beobachten. Die gefühlten Elternängste steigen von Jahr zu Jahr. Sie haben mit den tatsächlichen Gefahren meist wenig zu tun, denn kaum ein Elternteil lässt sich mit Kriminalstatistiken oder rationalen Argumenten überzeugen. Da herrschen oft die pure Panik und die ungebändigte Hysterie, die via whatsapp, facebook, BILD, RTL sowie Boulevard‐ und Skandalpresse -zum Zwecke der Aufmerksamkeitsgenerierung‐ ordentlich angeheizt und aufgeputscht werden. Am Ende verkriechen sich immer mehr in ihre weltverleugnenden Komfortzonen‐Wohlfühlbunker.

Ängste werden bewusst und unbewusst geschürt und angeheizt. Von der Politik, den Massenmedien, von Denkfabriken oder Lobbygruppen. Denn es gibt einige Interessengruppen, die sich viele Vorteile von unsicheren und ängstlichen Menschen versprechen. Sie konsumieren mehr. Sie glauben mehr. Sind leichter zu steuern und zu manipulieren. Sie nehmen die Einschränkung von Bürgerrechten leichter hin. Sie lassen sich besser auf Feindbilder und Kriege einschwören. Sind im Lohnarbeitsleben gefügiger. Sie leisten weniger Widerstand. Und sie halten generell stärker am gegenwärtigen Zustand fest, auch wenn er ihnen Unglück bringt. Insofern haben die Reichen und Mächtigen absolut kein Interesse daran, dass die Bevölkerung sorglos, ausgeglichen, angstfrei, bescheiden und selbstsicher ist.


Herrschaftsprinzipien
Probleme schaffen. Lösungen anbieten.

15 Gedanken zu “Angst und Macht

  1. Alles richtig.
    ABER: Was ist mit der Angst vor dem sozialen Abstieg? Was mit der Angst die eigenen Kinder könnten es mal schlechter haben als man selbst? Die Angst vor Einschränkungen der Menschenrechte? Die Angst vor einer Klimakatastrophe? Die Angst vor einer Militarisierung der Gesellschaft? Die Angst vor einer faschistischen Regierung?

  2. @Kakapo3

    Mir ging es jetzt erstmal nur darum, aufzuzeigen, dass die Ängste der Menschen insgesamt stark angestiegen sind und was das für Folgen haben bzw. wie das auch ausgenutzt werden kann. Natürlich gibt es auch nachvollziehbare Sorgen und Nöte. Die können im alltäglichen Panik‐Hype schnell untergehen und/oder relativiert werden.

  3. Der Text besteht nur aus pauschalen Behauptungen. Es fehlen jegliche Beispiele, die das untermauern, wie z. B. die momentan noch irrationale Angst vor dem Corona‐Virus, oder früher vor EHEC und BSE.

    Ein wenig mehr Mühe geben und das Kommentariat verstehts so, wie es gemeint ist.

  4. @altautonomer

    Danke Papa! Wenn ich mir »mehr Mühe« gebe, bekomme ich dann auch eine Süßigkeit? ;)

    Rainer Mausfeld sagt im verlinkten Video alles Wichtige zum Thema.

  5. Dieter Duhm: »Angst im Kapitalsimus«, erschienen 1984. Für son alten Hut gibts höchstens einen Lolli.

  6. Was ist mit der Angst vor dem sozialen Abstieg? Was mit der Angst die eigenen Kinder könnten es mal schlechter haben als man selbst?
    Neoliberale Entkräftung: »Eigenverantwortung«

    Die Angst vor Einschränkungen der Menschenrechte?
    Neoliberale Entkräftung: »Sicherheit«

    Die Angst vor einer Klimakatastrophe?
    Neoliberale Entkräftung: »Konsumverhalten«, »Flugscham«, »Dieselverbot«, »Fleischverzicht«

    Die Angst vor einer Militarisierung der Gesellschaft?
    Neoliberale Entkräftung: »Mehr Verantwortung«

    Die Angst vor einer faschistischen Regierung?
    Neoliberale Entkräftung: »Grün wählen«

  7. @Musil
    Das macht mir jetzt Angst.
    @epikur
    Es erscheint mir tatsächlich wichtig, vor den richtigen Dingen Angst zu haben, bzw. zu lernen, seine diffusen Ängste einzuordnen.

  8. Eines der Probleme von Prof. Mausfeld ist, dass er zwar die Zustände recht gut analysiert wie etliche vor ihm auch. Das hat sehr tautologische Züge, wie es vom Altautonomen bereits erwähnt wurde.

    Was ihm in der Konsequenz fehlt, ist das Stellen der Systemfrage. Stattdessen eiert er um den Begriff Demokratie und suggeriert, dass über demokratische Lösungen die offensichtlichen Fehler des Kapitalismus zu lösen seien. Wie das aussehen soll, darüber bleibt er im Diffusen und eine friedliche Lösung gibt es dafür eben nicht.

    Die vermeintlich demokratische Nachkriegszeit des Westens, auf die er m.E. abzielt, ist ein Plazebo und kein zu erreichender demokratischer und ggf. idealer Zustand einer Gesellschaft.

    Genau an diesem Punkt endet oder scheitert er.

    Was die suggestiv erzeugten Ängste betrifft, ist doch klar, dass man mit derlei Gespenstern die Menschheit gut beschäftigen kann. Darüber dann aus eigenem Erkennen aus der erzeugten Spirale herauszukommen im Alltag ist nicht so einfach.

    Muss man sich halt erstmal eingestehen, dass der eigene »Wohlfühlbunker« tatsächlich nur ideell ist und man den erarbeiteten »Wohlstand« sofort einbüsst, wenn man arbeitslos oder krank oder durch private Probleme wie Scheidung zum gesellschaftlichen Unterhaus gehört.

    Und genau diesen Punkt greifen diese Suggestivängste an, nämlich die Furcht vor dem sozialen Abstieg, der einen dann schneller zu den Menschen bringt, über die man sich dank mein Haus, mein Boot, mein Auto erhaben glaubt.

    Ob diese tatsächlich mehr geworden sind oder ähnlich der Zahl der erzeugten Ängste nur so suggeriert werden...?

  9. @Siewurdengelesen

    Sorry, aber ich muss das jetzt mal so deutlich sagen: diese linke kleingeistige Besser‐ und Klugscheißerei geht mir manchmal echt tierisch auf die Nüsse! »Ja, inhaltlich ganz okay, aber er sagt das und das nicht! Er lässt das und das weg! Oder er stellt die Systemfrage nicht! Er will keine Weltrevolution! Ist mir doch schon alles bekannt!«

    Es ist ja schön, dass Ihr so gebildet seid (»tautologische Züge«), aber ich glaube, Mausfeld hat mit diesem Vortrag auch Menschen erreicht, die sich mit dem ganzen Thema noch gar nicht beschäftigt haben!

    Immer noch und nach dem Salz in der Suppe suchen, anstatt auch mal das Engagement und den Mut zu loben! Mausfeld hätte (genauso wie Daniele Ganser) mit so einem Vortrag auch schlicht seinen Job verlieren können! Er hätte genauso wie tausende seiner Akademiker‐Kollegen einfach seine Schnauze halten und Karriere machen können.

    Hinzu kommt, dass Mausfeld es wunderbar versteht, schwierige Sachverhalte gut erklärlich auf den Punkt zu bringen. Aber da war ja noch was...Oh ja...ach ja, er wurde von KenFM interviewt und groß gemacht! Das geht ja mal gar nicht! :NENE:

  10. Oje eine Diskussion so alt wie manche Linke.
    Ein paar historische Beispiele:
    Franz Josef Degenhardt:
    »Einen Scheißhaufen zu malen, das bringt gar nichts. Der muss weg.«
    Oder aus der Anhörung zu den Notstandsgesetzen (1968):
    « Wer hier die Alles oder Nichts Strategie verfolgt, sollte wissen.: Wer alles oder nichts fordert, erhält in der Regel am Ende nichts.«
    Natürlich ist eine Stärke dieser diffusen chaotischen Linken, dass ständig diskutiert und hinterfragt wird, neue Konzepte können gar nicht anders entwickelt werden.
    Aber es sollte konstruktiv sein und nicht in Begriffsfetischismus versinken.
    Daher habe ich Probleme mit der Aussage: »Man muss die Systemfrage stellen!«
    Was soll das sein? Dieser Satz ist völlig inhaltslehr. Welches System eigentlich (Kapitalismus, Patriachat, NATO, Demokratie, Parkleitsystem?) Soll es ersetzt (mit Kommunismus, Sozialismus, Buddhismus?) oder verbessert werden (Menschenrechte, Sozialdemokratie, Keynes, freier Markt, Britain first?)
    Oder ist das gemeint, was Marxisten mit »Klassenkampf« umschreiben oder die Erkenntnis der (besseren) liberalen Soziologen und Philosophen, dass die einzelnen Menschen und Objekte unserer Gesellschaft sehr unterschiedliche Möglichkeiten des Einflusses haben (Stichwort: Macht). Gerade die letzten beiden finden sich sehr breit diskutiert bei Prof. Mausfeld, der übrigens selbst schreibt, dass Veränderungsstrategien erst noch entwickelt werden müssen. Er sieht sich da eher als Anreger weniger als Heilsverkünder.
    Die Systemfrage stellen? Die Formulierung könnte auch von rechts kommen, ob grünlinksversifft oder jüdisch‐ bolschewikisch (veraltet).
    @Epikur: Sorry dass ich deinen Blog zum Ausk@tzen nutze, wenn’s stört bitte löschen.

  11. Ach Gottchen...

    ...Mausfeld riskiert gar nix, der ist nämlich im Rentenalter und profitiert neben seinen Vorträgen noch von seinen Büchern.

    Ob er die Schichten tatsächlich erreicht, wie hier behauptet? Viel ist davon jedenfalls nicht zu merken.

    Systemfrage?

    Abschaffen dieses Kapitalismus/Neoliberalismus oder wie auch immer man das Kind tauft und so a lá Thüringen eines durch politische Spielchen gegen eine linke Regierung verzapften Faschismus...

    ...das ganze andere Zeug ist halt auch Begleiterscheinung des Kapitalismus und wenn man´s wieder in grossen Worten ausdrückt, dann führt ein Sozialismus oder später Kommunismus auch zu wirklicher Emanzipation.

    Gesellschaftliche vermeintliche Macht wie die von Mausfeld angeführte ändert vielleicht Nuancen, aber wenn man Sch..... anmalt, ist es immer noch welche.

    Warum eigentlich Klassenkampf in Anführungszeichen? Nur weil sich die Umstände gegenüber dem Manchester‐Kapitalismus etwas geändert haben, ist es immer noch Klassenkampf. Da braucht´s keine noch zu definierenden Veränderungsstrategien, die gibt es und heissen eben Klassenkampf und Systemfrage.

    Aber passt scho...

  12. Apropos Mausfeld: Das trifft es ziemlich.

    Zu Ganser und den ganzen anderen Verstrahlten, Friedenswichteln und Querfrontlern spare ich mir die Worte.

    Da brauche ich mir nur die Preisverleihung des Vereins »Bautzner Frieden« an Ganser anzusehen und wer da so in diesem Verein mitmurkst und ich bin wieder im Bilde. Weit weg vom Winterhilfswerk sind die auch nicht mehr.

    Das kotzt jeder echten Friedensbewegung wie »Schwerter zu Pflugscharen«, den Ostermärschen und was es so alles gibt, die Knochen vor die Füsse.

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