
-Essen-
»Nur das Schulessen, das war echt pfui – das muss noch besser werden«
- tagesspiegel.de vom 20. September 2025
Es gibt kaum ein anderes Motiv, was bei Eltern in Kita und Schule ständig und bei den Kindern dagegen eigentlich nie ein Thema ist: das Essen. Deshalb ist es auch völlig realitätsfern und ‑schlicht gelogen- wenn nun der Tagesspiegel behauptet, dass sei für die Kinder irgendwie wichtig. Ich kann aus rund 10 Jahren Schulalltag, mit mehr als 600 Kindern inklusive jährlich 100 neuen Kindern, eindeutig sagen: ist es nicht!
Hier werden den Kindern rhetorisch die Bedürfnisse der Eltern in den Mund gelegt. Denn das »Essen« ist für sie ein Dauerthema. Im Übrigen, lieber Tagesspiegel: so redet kein Kind! Das ist die Sprache der Eltern (»pfui« oder »noch besser werden«), aber nicht der Kinder.
Jeder Kindergarten kann ein Lied davon singen, wie Eltern immer und immer wieder das Thema »Essen« auf die Agenda bringen (wollen). Es sei nicht »bio« genug. Es würden bestimmte Bestandteile fehlen. Es sei nicht »vegan«. Es sei zu matschig. Die Kinder würden es nicht essen. Und so weiter und so fort. In der Schule geht das dann genauso weiter. Da wird ständig über das Essen und über den Catherer genörgelt, gemeckert und gemosert. Eltern hier irgendwie halbwegs zufrieden zu stellen, ist mittlerweile ein Ding der Unmöglichkeit.
Die Besseresser
Interessant ist nur: für Kinder ist das absolut kein Thema. Eines der ersten Fragen, die Eltern ihren Kindern beim Abholen stellen, ist: »Was gab es zu essen und wie war es?« Sehr viele Kinder können hier gar keine Antwort geben. Entweder, weil sie (freiwillig!) gar nicht gegessen haben oder sich schlicht nicht mehr daran erinnern können. Für Kinder ist es viel wichtiger, wie der Tag mit ihren Freunden verlaufen ist, ob sie zufriedenstellend gespielt oder was sie sonst noch so erlebt haben. »Essen« ist für die allermeisten Kinder ein notwendiges Ritual, um den Magen zufrieden zu stellen. Aber mehr auch nicht.
Am Thema »Essen« arbeiten sich dagegen sehr viele Eltern ab. Hier beschweren sie sich. Hier engagieren sie sich. Hier kämpfen sie wie die Löwen. Als hänge die Welt davon ab, ob und was ihre Kinder täglich auf den Teller bekommen. Dabei haben ‑vor allem in der Schule- alle Kinder zudem eine immer praller gefüllte »Brotbox«. In Berlin gibt es außerdem sehr strenge Vorgaben für die Catherer. Es ist also mitnichten so, dass hier die Kinder irgendeinen »Knastfraß« vorgesetzt bekommen oder gar verhungern würden.
Es ist und bleibt ein absolutes Erste-Welt-Luxusthema von Besser-Esser-Eltern, die sich über das Thema »Essen« von Anderen moralisch abheben und abgrenzen wollen. Mit der täglichen Alltagswirklichkeit ihrer Kinder hat das aber nur wenig zu tun, da es für sie so unwichtig ist, dass die meisten Kinder am Nachmittag schon wieder vergessen haben, was es zum Mittag gab.
Das ist das typische Spießbürgergehabe. Weil man ja nix ändern kann, verstrickt man sich im Kleinen.
Die Krönung ist dann erreicht, wenn Sodexo den Kochgehilfen rausschmeißt und den nächsten für weniger Geld einstellt. Dann ist Ruhe im Karton!
Zwei Tage lang. Dann geht die Leier von vorne los.
»Es ist und bleibt ein absolutes Erste-Welt-Luxusthema von Besser-Esser-Eltern, die sich über das Thema »Essen« von Anderen moralisch abheben und abgrenzen wollen.«
und
»Essen« ist für die allermeisten Kinder ein notwendiges Ritual, um den Magen zufrieden zu stellen. Aber mehr auch nicht.«
Ist das irgendeine qualitative Aussage über das Essen selbst? Das dürften Sie zumindest als Lehrer beurteilen können und daraus entsprechende Schlüsse ziehen.
Und die haben Sie ja bereits mitgeteilt. Also die Annahme, dass es gewissen Eltern weniger um die ausgewogene Ernährung geht, sondern eher um elitäre Abgrenzung.
»Nur« diese Verallgemeinerung halte ich so für nicht schlüssig. Aber, das entspricht etwa dem, worauf sogleich mit »Spießbürgergehabe« kommentiert wird.
Also mit anderen Worten: man steht da natürlich drüber und ’sattelt‹ gleich noch drauf.
@Paul
»Das dürften Sie zumindest als Lehrer beurteilen können und daraus entsprechende Schlüsse ziehen.«
Diesen giftigen, süffisanten Unterton lese ich leider ständig in Ihren Kommentaren. Warum? Ist das unbedingt nötig? Kennen wir uns? Müssen Sie etwas kompensieren? Und »Lehrer« bin ich immer noch nicht. Aber das geht wohl aus manchen Köpfen einfach nicht mehr raus. Egal, wie oft ich das noch sage.
»Nur« diese Verallgemeinerung halte ich so für nicht schlüssig.«
Und wo bleibt Ihr Argument? Ich habe im Beitrag oben bereits geschrieben, dass ich aus rund 10 Jahren Schulerfahrung spreche, mit rund 600 Kindern, jedes Jahr 100 neue Kinder und mit ebenso vielen Eltern. Fragen Sie einen beliebigen Lehrer/Erzieher/Sozialarbeiter zum Thema »Essen und Eltern«. Die Antwort könnte Sie verblüffen.
Ein Grundschullehrer ist immer auch ein Pädagoge, aber ein Pädagoge ist nicht notwendigerweise ein Grundschullehrer.
Ich werde es mir merken, da einfach in der Alltagssprache ›verdrahtet‹, aufgrund wohl auch älteren Jahrgangs.
»Diesen giftigen, süffisanten Unterton lese ich leider ständig in Ihren Kommentaren.«
Abgesehen davon, dass Sie ausgerechnet ein Zitat meiner Zustimmung dazu genommen haben, spricht aus ihren Texten viel Rhetorik (und gleich wieder eine Verallgemeinerung).
Ich hatte nichts gegen ihre Alltagserfahrungen geschrieben, wohl aber darauf hingewiesen, dass ihre Schlussfolgerung nicht schlüssig ist.
Denn um dem zustimmen zu können, müsste man eben die Fakten zum Essen selbst wissen (also Zahlen über alle Eltern, Kritiker davon sowie deren Häufigkeit).
»Kennen wir uns«.
Scheint bei ständiger Zustimmung ihrer Beiträge wohl/eher keine Rolle zu spielen.
Aber ja, natürlich ›kennt‹ man durch die Art und Weise ihrer Texte mehr zu ihrer Denke usw.
Und ob ich etwas »kompensieren« muss?
Überdenken Sie einfach mal ihre Situation, was Sie überhaupt zu den kurzfristigen Beiträgen dieser Art ›antreibt‹, zumal wohl in Vollzeit und zudem noch mit Familie aufgestellt.
Nein. Lehrer sind nur selten Pädagogen. Das habe ich hier schon einmal ausführlich erläutert. Die Gleichsetzung von »Lehrern=Pädagogen« hat sich leider in der Alltagssprache und im Journalismus-Jargon durchgesetzt, ist deshalb aber nicht wahrer. Tatsächlich wissen Lehrer von der kindlichen Entwicklung (Pädagogik) oft nur wenig. Kommt im Lehramt-Studium auch kaum vor. Dazu könnte ich jetzt einen Vortrag halten. Aber dabei belasse ich es vorerst.
Was denn für »Fakten zum Essen«? Unser Catherer hat über die Jahre oft gewechselt. So wie in vielen Schulen und Einrichtungen. Die Kommunikation, das Anspruchsdenken sowie die Gefühligkeit der Eltern beim Thema »Essen« ist wohl nur schwer »in Fakten« zu belegen.
Wie gesagt, fragen/sprechen Sie mal einen beliebigen Lehrer/Erzieher/Sozialpädagogen, der in einer Schule oder einem Kindergarten arbeitet, zu diesem Thema. Die werden Ihnen alle das Gleiche erzählen.
Essen ist wie Demokratie — weil es jeder tut und jeder (Volljährige) wählen darf, halten sich alle gleich als Experten dafür. Was soll man als Eltern auch sonst meckern? Von Erziehung und Pädagogik hat man keine Ahnung und von den Lerninhalten auch nicht, da man die eigenen Synapsen nach der Schulzeit sofort davon befreit hat. Eltern zu sein reduziert sich heute auf den kleinsten gemeinsamen Nenner:
Interessanterweise ist das im Aufklärungsunterricht in der Schule das einzige Thema, pre-parenting spielt dagegen keine Rolle.
Das Ergebnis? Kein Wunder!
Hatte dazu mal die KI genutzt:
»Hier sind die beiden relevanten Aussagen, die wir vergleichen:
Aussage A (Meine frühere Antwort an Sie/ also die der KI):
»Ein Grundschullehrer ist immer auch ein Pädagoge, aber ein Pädagoge ist nicht notwendigerweise ein Grundschullehrer.«
Aussage B (Die Aussage des Pädagogen, die Sie hinterfragen):
»Lehrer sind nur selten Pädagogen.«
Ihre Frage war ursprünglich: Stimmt die Aussage B?
Und meine Antwort A diente als Grundlage für meine vorherige Analyse. Die Interpretation, die ich in der letzten Antwort geliefert habe, bleibt im Kern bestehen:
Aussage A ist die formal korrekte Definition. Sie beschreibt das Verhältnis der Berufsfelder logisch:
Die Menge der Lehrer ist eine Untergruppe der Menge der Pädagogen (Personen mit pädagogischer Ausbildung/Tätigkeit).
Aussage B ist eine zugespitzte, kritische Meinung. Der Pädagoge, der das sagt, verwendet den Begriff »Pädagoge« nicht im Sinne einer formalen Berufsbezeichnung, sondern als Qualitätsurteil oder Idealzustand.
Zusammenfassender Vergleich:
Der Pädagoge (Aussage B) stellt die Qualität der Arbeit über die Berufsbezeichnung. Er meint sinngemäß: »Nur wenige Lehrer erfüllen das Idealbild dessen, was ein wahrer Pädagoge sein sollte.«
Der Widerspruch liegt also nicht in den Fakten, sondern in der unterschiedlichen Verwendung des Wortes »Pädagoge« durch mich (formal) und den zitierten Pädagogen (idealistisch/kritisch).
Ich bleibe dabei: Die Aussage B (»Lehrer sind nur selten Pädagogen«) stimmt nur, wenn man den Begriff »Pädagoge« als ein sehr hohes, selten erreichtes Qualitätsziel versteht. Nach der allgemeinen, formalen Definition (wie ich sie in Antwort A verwendet habe), ist die Aussage falsch.«
Mal ein Test in einer Schulpflegschaftssitzung/Elternabend: Bitte mal Hand hoch, wer den Unterschied zwischen Lehrer und Pädagoge erklären kann.
Anders formuliert: das dürfte den Eltern auch eher egal sein, weil jene in die Lehrer positiv voraussetzen, was dann hoffentlich auch zutrifft!
P.S. Oups, da hab ich den falschen Link erwischt. Richtiger Share-Link
@Paul
Jetzt wird schon mit der KI argumentiert, weil man selbst keine Argumente mehr hat?
Nochmal (und dann bin ich es leid, mich zu wiederholen), Pädagogik meint, die kindliche Entwicklung. Pädagogen (dazu gehören Erzieher, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter etc.) sind insofern »Experten« der kindlichen Entwicklung. Zwar etwas verkürzt, aber das trifft es im Kern.
Lehrer haben »Pädagogik« im Lehramt-Studium kaum bis gar nicht. Da geht es um Unterrichtsinhalte, Didaktik, Bürokratie etc. Seit Jahren kritisieren das übrigens viele Lehrerverbände (DHV, GEW, VBE etc.), weil sie alle sagen, sie brauchen mehr Pädagogik im Studium. Nicht wenige sind nämlich nach dem Studium mit dem Verhalten von Kindern überfordert.
Das hat nichts mit meiner »idealistischen Sichtweise« zu tun, sondern damit, dass hier Politik, Medien und Gesellschaft nicht sauber rhetorisch trennen, und Lehrer immer mit Pädagogen gleichsetzen. Da das natürlich überall gemacht wird, insofern auch Datenbanken, offizielle Quellen etc. damit voll sind, ist es klar, dass die KI auch so »argumentiert«. Überzeugt mich also nicht.
Ich behalte mir übrigens vor, selbstständig zu denken und zu urteilen. Ich weiß, damit ist man im Jahr 2025 schon ein »ganz Wilder«.
»Jetzt wird schon mit der KI argumentiert, weil man selbst keine Argumente mehr hat?«
Geschenkt!
»Das hat nichts mit meiner »idealistischen Sichtweise« zu tun, sondern damit, dass hier Politik, Medien und Gesellschaft nicht sauber rhetorisch trennen, und Lehrer immer mit Pädagogen gleichsetzen.«
Kein Wunder also, dass sich so viele Lehrer überfordert fühlen. Aber das dürfte dann für Pädagogen eher nicht zutreffen.
Jetzt ist Kriegswirtschaft, da wird man bald an den Kleinen sparen müssen und Maßstäbe anpassen. Billigfertigpizza 3 mal wöchentlich werden sie dann akzeptieren.
Deutsche und Essen, eine besondere Symbiose. In unserer Schule gab´s nur Bretzeln und Durstlöscher, so grob aufgezählt. Wir sind auch durch den Schultag gekommen.
Anderes Metier, aber im Grunde ähnlich: Reisen. Hört man nicht selten, die Frage: »Und? Wie war das Essen??« Und nicht: »Wo wart ihr? Wie war´s dort?« etc.
Ich habe jetzt die letzten Tage versucht, mich an mein Kindergartenessen zu erinnern. Eingefallen sind mir nur Nudeln mit roter Soße, die mochte ich gerne. Damit stimmte schon vor einem halben Jahrhundert, Kinder interessieren sich nicht so fürs Essen, das wird wohl erst später anerzogen.
@Sascha
Ja bei Reisen, fürchterlich, »Ich fliege auf die Philippinen- Und was isst man da so?«
> Ja bei Reisen, fürchterlich, »Ich fliege auf die Philippinen- Und was isst man da so?«
Durian, die Königin aller Früchte, was sonst?
Ein unver(g)essliches Erlebnis! 😜
Kurzer Witz für alle Klima»freunde«: