Game of Thrones

Alle Welt redet, spricht und empört sich -völlig zurecht‐ über die 8. Staffel von »Game of Thrones« (GoT). Ich möchte an dieser Stelle gar nicht groß in die Diskussion über mieses Writing, schlechte Drehbücher, Kitsch und unglaubwürdige Charaktere einsteigen, das haben andere schon sehr gut und ausführlich beispielsweise hier (serienjunkies.de, mehr als 150 Kommentare) und hier (gamestar.de, mehr als 400 Kommentare) getan. Für mich bringt allein ein kurzer Satz im Serienfinale von Tyrion Lannister das ganze Dilemma hervorragend auf den Punkt (ca. 23. Minute):

»Mein Vater war ein böser Mann. Meine Schwester war eine böse Frau.«

Das ist Marvel‐, Disney‐ und Kinderbuch‐Niveau. Sechs Jahre lang wurden in GoT Geschichten, Handlungen und Charaktere aufgebaut, die nie nur böse oder nur gut waren. Jeder Charakter hat gute und auch böse Taten vollbracht. Handlungen und Entscheidungen hatten vielmehr (auch und vor allem komplett überraschende) Konsequenzen, die sich schwer in moralisch totalitäre Kategorien wie gut und böse einordnen ließen. Genau diese Betrachtung unterscheidet eine infantil‐banale Weltsicht, von einer reifen und erwachsenen Analyse.

Die intelligente Perspektive, dass die Welt mit all ihren Ereignissen und Charakteren grau und differenziert betrachtet werden sollte (Oder besser gesagt: »Jeder hat eine Leiche im Keller!«), haben Serien wie »Breaking Bad«, »die Sopranos« und auch »Game of Thrones« so erfolgreich gemacht. Es gibt eben Interessen, Bedürfnisse und Ziele, die entsprechende Handlungen und Entscheidungen erfordern und damit Konsequenzen hervorrufen. Allein der Begriff »böse« tauchte niemals in GoT in irgendeinem Dialog auf. Und das aus gutem Grund.

5 Gedanken zu “Game of Thrones

  1. Ich mache, als eine Person, die über Staffel 1 GoT zu den Büchern gefunden hat, einzig und allein George R. R. Martin für das Desaster der Staffeln 7 & 8 verantwortlich.
    Solange sich die Serie an der Buchvorlage entlang hangeln konnte, war sie hervorragend. Ich bin auch überzeugt, dass Martin den Showrunnern versprochen hat, die Bücher rechtzeitig fertig zu stellen, dann aber so viel Spaß an den Drehorten gefunden hat, daß er schlichtweg alles Andere vergessen hat.
    Seit 2011 warten die Fans auf ein weiteres Buch, ebenso wie Benioff und Weiss. Das lieblos zusammen getackerte Ende von GoT verstehe ich als bitterböse Revanche am Autor.
    Allein die vielen Fehler, Kaffeebecher, Plastikflasche usw. zeigen eindeutig, daß vom Regisseur bis zum Beleuchter alle die Schnauze voll hatten, auf weitere Ergüsse des großen Meisters zu hoffen.

  2. Deiner »intelligenten Perspektive« in Bezug auf GOT stimme ich zu. Des weiteren stimme ich zu, dass S8 ohne Not zu kurz war und relativ krasse Bugs hatte. Aus Zuschauersicht ist das so. Aus Sicht der einzelnen Charaktere stellt sich das aber öfters anders dar. Hier bei Tyrion zum Beispiel: Vater und insb. Schwester sah er glaube ich seit spätestens S2 als »böse« an. ICH sehe da übrigens noch ein paar weitere: Bolton Sen. und Jun., Waldar Frey, der Berg...
    However, in der großen Mehrzahl ist aber wohl die von Dir genannte Charakterklasse. Sandor ist da mein Paradebeispiel. »Gut« sind ungefähr nur Jon und Eddard.
    »Böse« hängt in GOT für mich an 2 notwendigen Bedingungen:
    — nur dem Eigennutz verpflichtet
    — Einsatz aller erdenklichen Mittel, um diesen Eigennutz zu realisieren

  3. Tyrion sagt aber auch:»Für Niedertracht gibt es keine Heilung«!
    Und in dieser Hinsicht muss ich ihm zustimmen... ;)

  4. Als Nicht‐Buchleser:

    Joa. Die Zusammenstreichung der letzten beiden Staffeln auf 13 Episoden ließ schon erahnen, dass das Ganze im Schnelldurchlauf an die Wand gefahren wird. Grade das, was GoT in den ersten Staffeln so besonders gemacht hat (die feinen Charakterzeichnungen, die Darstellung der Machtverhältnisse und der Politik), wurde in den letzten Staffeln komplett vernachlässigt. Und ja — für mich machte die Tatsache, dass die allermeisten Charaktere grau gezeichnet wurden, den Reiz an dieser Geschichte aus. Auch die tendenziell »böseren« Charaktere hatten durchaus Gründe für ihre Handlungen (Robb hielt bspw. seine Abmachung mit den Freys nicht ein). Und selbst Figuren wie Joffrey oder auch Ramsey Bolton hatten irgendwas für sich.

    Tyrion: Ich habe meine Geliebte mit meinen eigenen Händen erdrosselt und meinen eigenen Vater auf dem Abort mit der Armbrust getötet...
    Varys: Ich habe nie behauptet, ihr seiet perfekt. ;)

    Am persönlich eindrucksvollsten war für mich der Handlungsbogen von Theon Graufreud (mit schwachem Ende). Sandor Clegane war ebenfalls einer meiner Lieblings‐Charaktere.

    Mit dem Ende kann ich größtenteils leben (dass Danaerys dann doch durchknallt, wurde ja seit Staffel 1 immer wieder andedeutet); der Weg dahin war aber halt dieser Serie nicht wirklich würdig. Grade, weil die Charakterentwicklung kaum mehr dargestellt wurde und es nur noch um Krach‐Bumm‐Peng ging. Im Gegenteil wirkten viele bedeutende Charaktere deshalb mit der Zeit immer dümmer und dümmer (insb. Tyrion und Jon).

    Achja — ich empfand es durchaus als mutig, dass die beiden Haupt‐Bösewichte zur Abwechslung mal Frauen waren (Cercei und Danaerys). ;)

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