Der tägliche Irrsinn

irrsinn_titel

Unser Alltag ist bestimmt von kafkaesken Absurditäten. Für die meisten ist das alles völlig normal. Es werden beispielsweise berufliche, gesellschaftliche und private Rahmenbedingungen (finanziell, personell, strukturell) immer und immer weiter verschlechtert. Die Wände kommen von allen Seiten auf uns zu, drohen uns zu zerquetschen. Und dann fängt man an, von »Eigenverantwortung« und »Resilienz« zu reden. Achtet nicht auf die Strukturen (sie sind doch Schicksal)! Achtet nur auf euch selbst, lautet überall die Devise.

Vermeintlich schlaue Geister lassen dann gern mal (intern oder extern) Konzepte oder Gutachten erarbeiten, wie man mit der gottgegebenen Situation am besten umgehen könne. Wenn es dann nicht geklappt hat, war das Konzept oder die Umsetzung mangelhaft. Die Rahmenbedingungen und Strukturen selbst, dürfen aber nicht nie niemals Gegenstand der Diskussion sein. Diese Vorgehensweise kann man überall beobachten.

Mit aller wirtschaftlicher und politischer Macht sowie allen journalistischen Methoden, werden effektive Diskurse über strukturelle Gegebenheiten, Probleme und Gewalten effektiv verhindert. Es gibt nur Einzelfälle, unglückselige Zufälle und individuelle Schicksale. In so einem Diskursrahmen wird es niemals echte Veränderungen geben können.


» »Die Einzelfalltheorie«
» »Bullshit-Bingo-Begründungen«
» »Affären. Lügen. Skandale.«

9 Gedanken zu “Der tägliche Irrsinn

  1. feynsinn-flatter hat vor kurzem auch Deine Meinung vertreten: »Es hat in der Geschichte der Menschheit noch kein Land gegeben, keine Gesellschaft und keinen Staat, deren Form, Wohl und Wehe von irgendeinem menschlichen Willen abhing. So etwas wird es auch niemals geben.«

    Dann frage ich, welche Strukturen namentlich am Tisch der Wannseekonferenz gesessen haben. Und wie hießen nochmal die verantwortlichen Strukturen, die im Nürnberger Prozess abgeurteilt wurden?

    Putin, Assad, Erdogan, Trump....alles nur fleischgewordene Rahmenbedingungen.http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/wp-content/plugins/wp-smiley/tinymce/1.gif

  2. @altautonomer

    Boah, sorry, aber soll das jetzt ein Troll-Kommentar sein? Diese binäre und polarisierende Wahrnehmung nervt langsam. Es gibt kein entweder oder, sondern nur ein sowohl als auch! Natürlich gibt es verantwortliche und mächtige Einzelpersonen. Kein Mensch bestreitet das!

    Nur leider wird der gesamte Medienfokus eben nur auf einzelne Personen gelegt, weil Journalisten Geschichten über Menschen lieben, man sie besser bebildern kann etc. etc. Über ungerechte Strukturen und Rahmenbedingungen, Gesetze, Arbeitsbedingungen, systemische und ökonomische Sachzwänge und Abhängigkeitsverhältnisse wird eben kaum gesprochen.

    Die gesamte Medienwelt schreibt lieber den 500. Trump-Bashing-Artikel, als den industriell-militärischen-Komplex in den USA, die Methoden der CIA, die bürgerrechtsfeindlichen Gesetze und Verordnungen oder die Auswirkungen des Heuschrecken-Kapitalismus zu thematisieren.

  3. @altautonomer
    Ich stelle mir gerade Frau Merkel als fleischgewordene Struktur vor — auch nicht schön.
    Alle von dir genannten Personen können ausgetauscht werden, ohne dass sich etwas für die Bevölkerung ändert. Ein neuer Herrscher muss willens und in der Lage sein; Strukturen zu ändern, ansonsten ist ein Regimewechsel wertlos. So wie auch der Wechsel eines Busfahrers nicht dazu führt, dass der Bus schneller fahren kann, mehr Sitzplätze hat oder die Verkehrsregeln sich ändern.

  4. Es ist eine Frage der Freiheit. Wer auf seine Freiheit verzichtet und Verantwortung für Denken und Handeln freiwillig auf andere überträgt, die natürlicherweise ebenfalls ein Eigeninteresse besitzen, muss von diesem Augenblick an fremdbestimmt leben.
    Er wird vom Subjekt zum Objekt. So entstehende Strukturen (Hierarchien) sind nichts anderes als die Basis zur Fremdbestimmung. Die Art und Weise ihrer Enstehung verdeutlicht, dass sie nicht zur Zufriedenheit aller Objekte funktionieren können. Menschliche Lebenswünsche lassen sich nicht zentralisieren.
    Sind solche Strukturen erst installiert, erhalten sie ihre »Stabilität« durch einfache Erpressung. Am besten eignen sich dafür Schuldverhältnisse. Vom göttlichen Urzins über Abgaben und Steuern bis hin zum modernen Bankkredit und Staatsverschuldung oder dem Handelsrecht zur Versklavung anderer Staaten.
    Menschengemachte Strukturen/Systeme/Zwänge, älter als der Kapitalismus (»Neoliberalismus«) können von Menschen zu jeder Zeit verändert werden, wenn sie erkennen, wo der Schuh drückt und wie man sich davon befreit.

  5. Kakapo3: Deine Beispiele leuchten mir in gewisser Weise ein. Nur das mit dem Busfahrer passt nicht (es ist nicht alles ein Beispiel. das hinkt). Denn dessen Aufgabe ist es nicht, die Fahrgäste als Geiseln zu nehmen, oder mit dem Bus in ein Stauende zu fahren. Sobald der Busfahrer jedoch durch einen heimlichen Soziopathen ersetzt wird ( ‑Andreas Lubitz, der Co-Pilot, der im erweiterten Suizid die German-Wings-Maschine abstürzen ließ -) sind wir wieder bei der Einzelperson.

    Ein besseres Beispiel für menschenunabhängig funktionierende Strukturen wäre das Abwassersystem. Es bedarf im Alltagsbetrieb keiner menschlichen Handlung, bis vom Verschwinden meines Urins aus der Pinkelrinne wieder Trinkwasser aus der Leitung fließt. Da ich in der Mitte des Ruhrgebiets wohne und das Trinkwasser der Anliegerstädte überwiegend aus der Ruhr gewonnen wird, ist mein Morgenkaffee bereits 5 mal durch einen anderen menschlichen Organismus gewandert.

    Wenn wir über strukturelle Gewalt reden, dann gehört dazu die ärztliche Unterversorgung, die Hungersnot und der extreme Trinkwassermangel in den Ländern des Trikont, die objektiv nicht sein müßten (Jean Ziegler).

    Aber vermutlich meint epikur etwas ganz anderes.

  6. @altautonomer,

    diese Diskussion ist schon ziemlich alt und hat sich wieder einmal an den Extremen festgebissen, am automatischen Subjekt, was der abstrakten Herrschaft des Marktes bedingungslos ausgeliefert ist, weil die personale Herrschaft über den Menschen eben Resultat der abstrakten Herrschaft des Marktes über den Menschen ist.

    Der Gegenstandpunkt hat dagegen vor ziemlich langer Zeit mal in einer Diskussionsrunde eingewendet, dass es in der bürgerlich kapitalistischen Gesellschaft doch so etwas wie Entscheidungsfreiheit geben würde. Das es doch jedem Unternehmer freistehen würde, ein Unternehmen zu führen oder sich zu sagen, ich habe keinen Bock darauf, macht das ohne mir.

    Aber das werden sie in der Regel nicht, weil sie genau wissen, dass nur die Lohnarbeit Profite bringt. Wenn das für das Kapital immer mehr prekär wird und reaktionäre Lösungsversuche angestrebt werden, ist es unbedingt notwendig auch die Personen in den Fokus zu nehmen, welche die gesellschaftlichen Zustände in einen neuen Faschismus treiben wollen.
    Und dabei ist es für mich ziemlich unerheblich, ob diese Personen austauschbar sind oder nicht.
    Mal anders gefragt: Wenn man mich in einen Verbrennungsofen oder in eine Gaskammer schicken würde, würde ich mir noch Gedanken darüber machen, ob es das System war oder eine Person?

  7. Der selbsternannte Klimaschutz-Vorreiter Deutschland bekommt schlechte Noten: Einer Studie zufolge hat Deutschland in den ersten drei Monaten sein gesamtes Jahresbudget 2018 an CO2-Emissionen bereits verbraucht. Auch in den kommenden Jahren ist keine Besserung in Sicht.

    Deutschland hat in den ersten drei Monaten bereits so viel Kohlendioxid ausgestoßen wie es im gesamten Jahr 2017 freisetzen dürfte, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten.

    Die Energie-Infrastruktur kann dagegen leider keine Braunkohledreckschleudern stilllegen. Das hätte die GroKo tun müssen. Alternativ; der Widerstand vor Ort ist so massiv und wirksam, dass die Braunkohlebagger und damit ein wichtiger Teil der Strukturen zerstört werden.

    Politische Verantwortlichkeit hat immer Namen und Gesichter. Beisp. Ramelow/Maut, Schmidt (CDU) Glyphosat.

  8. @altautonomer
    »Ein besseres Beispiel für menschenunabhängig funktionierende Strukturen wäre das Abwassersystem. Es bedarf im Alltagsbetrieb keiner menschlichen Handlung, bis vom Verschwinden meines Urins aus der Pinkelrinne wieder Trinkwasser aus der Leitung fließt.«
    Nö. Das ist genauso menschenabhängig, wie jedes andere System auch. Es könnte bspw. jeder statt es zu nutzen in den Busch pinkeln.

  9. Naja, — bleibt friedlich, Jungs. Es ist ja auch nicht so, dass die Verschwörungstheoretiker selbst frei von von recht gewaltig kafkaesken Absurditäten sind. (Um zum Thema zurück zu kommen) Und mittlerweile weiß man eben auch nicht mehr so richtig, was wessen Vorbild ist. (Selbst die Generalverdachtsmentalität dieser Agenda, hat was von einer Verschwörungstheorie an sich) Warum man den Raketenmann da nicht als Beispiel nehmen darf, ist mir allerdings fraglich. Der agiert eindeutig nach; »there ist no biz like showbiz« und das auch noch unter Einsatz seines Lebens, und hat eine andere Geldquelle aufgetan, als ausgerechnet den, der seine Show am meisten benötigt. Ob der selber an das Zeugs glaubt oder nicht, spielt da überhaupt keine Rolle mehr. Also, — mich erinnert das an vieles.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.