Arbeit. Anpassung. Ausbeutung.

Die Menge an Euphemismen für einen Sachverhalt, kann als ein Indikator dafür dienen, wie unangenehm eine Wahrheit für die Herrschenden ist. Die Realität soll, im Dienste von Partikularinteressen, so zurecht gebogen, verdrängt, verharmlost und schöngefärbt werden, bis sie in die vorherrschende Ideologie passt. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Euphemismen, wenn es um die Kündigung von (Lohn-)Arbeitskräften geht, also wenn Menschen ihrer finanziellen Existenzgrundlage entzogen und zum Bittsteller beim Arbeitsamt gemacht werden:

  1. Den Mitarbeiter freistellen oder freisetzen.
  2. Umstrukturierungs‐ oder Restrukurierungsmaßnahmen.
  3. Das Unternehmen sanieren.
  4. Personalumbau.
  5. Gesundschrumpfung.
  6. Sich neu aufstellen.
  7. Sozial verträglicher Stellenabbau. Betriebsbedingte Kündigung.

Die Euphemismen sollen mit allen Mitteln verhindern, dass ein wirtschafts‐, unternehmens‐ oder gar kapitalismuskritisches Weltbild entstehen könnte. Außerdem sind sie stets aus der Position des Unternehmens formuliert, also beschreiben, was das Unternehmen will, ohne jedoch die Verantwortlichen beim Namen zu nennen. Dies verdeutlicht zum Einen, dass die Sprache immer die Sprache der Herrschenden ist und zum Anderen, dass Lohnarbeiter als reine Verfügungsmasse für den Profit betrachtet werden. Denn was Lohnarbeiter denken und fühlen, findet in unserer Sprache erst dann Berücksichtigung, wenn es zur »Depression« oder zum »Burnout‐Syndrom« kommt.

5 Gedanken zu “Arbeit. Anpassung. Ausbeutung.

  1. Genauso schlimm finde ich es dann aber, wenn die Freigesetzten dann vorm Werkstor demonstrieren und von Mißmanagement reden.
    Das ist kein Mißmanagement.
    Genau so funktioniert Management.
    Was man ja schon daran erkennt, dass alle Begriffe von der Perspektive des Unternehmens aus verfasst sind.

  2. Jep, so isses. Nicht zu vergessen: Fit machen für die Zukunft (was dann leider, leider — es tut uns mehr weh als Ihnen — mit gewissen Anpassungsmaßnahmen verbunden ist).
    Ich habe mir vor ein paar Jahren mal den Spaß gemacht, Herrschaftssprech aus der Kaiserzeit ins Heute zu übersetzen: Teil 1, Teil 2

  3. Immer wieder der Klassiker auf Demonstration ist: ›Wir wollen Arbeit!‹
    Ungleich weniger liest und hört man: ›Wir wollen ein existenzsicherndes Einkommen!‹

    Der Arbeitnehmer nimmt dankend die Arbeit an. Und der Arbeitgeber gibt sie großzügigerweise. Ganz selbstlos, selbstverständlich. Ohne Gewinninteressen.
    Wo fängt die Ausbeutung an, die dann noch als Gnade kommuniziert wird?

    Und der Staat, also unsere gewählte Exekutive, stärkt die Arbeitgeber und schwächt die Arbeitnehmer.

    Im Umsturz formulierten DDR Bürger: »Wir sind das Volk!«
    Sind sie das jetzt mehr als damals?

    Wer das Volk ist, und wer bestimmt (in einer vorgegebenen Demokratie) — darüber lässt sich trefflicb streiten.

    Letztendlich legitimiert das gemeine Volk über Wahlen seine eigene Ausbeutung.
    »Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten.«

    Grüße, Duderich

  4. Sprache ist Herrschaft. 1984 ist Realität; besonders deutlich auch im Zuge der »Ukraine‐Krise«. Mir wird ja immer gerne Pessimismus nachgesagt — aber ne derartig plumpe Propaganda serviert zu bekommen — hat selbst mich noch »überrascht«.

    Und Danke, Duderich. »Wir wollen Arbeit«. Zeigt an, welcher Schicht man angehört — die, die sonst nix hat, was man zu Geld machen könnte — außer die »Arbeit«. Ein (gar nicht so seltener) Erbe von Immobilien(fonds) oder Großgrund wünscht sich z. B. keine Arbeit, sondern: Mieter und Pächter. Ein Unternehmer oder ein Millionenschwerer Aktienbesitzer (kurzum Kapitalist) wünscht sich keine Arbeit, sondern Umsatz und Gewinn. Also auch Arbeiter, die wenn’s geht noch Geld mitbringen, damit sie »arbeiten« dürfen... aber ich bin mir sicher, so weit kommt’s bald auch noch.

    Aber dann schaut man sich die Wahlergebnisse (egal, ob Europa oder Kommunal) einmal mehr an — und erkennt: Der Michel will’s nicht anders — sonst würde er nicht mit 60–70 oder noch mehr Prozent CDU und SPD wählen... Idiocracy...

  5. »Also auch Arbeiter, die wenn’s geht noch Geld mitbringen, damit sie »arbeiten« dürfen... aber ich bin mir sicher, so weit kommt’s bald auch noch.«

    Diesen Zustand haben wir praktisch schon erreicht. Die Hartz4 Aufstocker lassen grüßen.

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