Was ist Glück?

»Glück hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast; es hängt nur davon ab, was du denkst.«

- Dale Carnegie

In letzter Zeit bekomme ich immer wieder zu hören, dass Glück bedeute, einen Lebenspartner, Haus, Geld, Kinder, Auto und einen Garten zu haben, zu besitzen. Ein »erfolgreiches« Leben ist für viele im Kapitalismus eben viel Besitz zu haben — abstrakte wie fassbare Dinge. Unsere Sprache ist derart marktwirtschaftlich korrumpiert, dass selbst das Streben nach Glück, kaum mehr mit wahrer Freude, Leben im Sein und schöpferischem Handeln identifiziert wird, sondern vor allem mit einem sozialen Status, mit Haben‐Denken. Kaum jemand hinterfragt, diese Glücksformel einmal — sie wird als natürlich gegeben angesehen.

Für den griechischen Philosophen Aristoteles gab es drei Wege zum Glück:

1.) Ein Leben der Lust und der Vergnügungen
2.) Ein Leben als freier Verantwortlicher Bürger
3.) Ein Leben als Forscher und Philosoph

In der Nikomachischen Ethik betonte er, dass alle drei Formen zur Erlangung des Glücks angestrebt und gleichmäßig erlebt werden müssten, denn ein gelebtes Extrem mache unglücklich. Aristoteles war davon überzeugt, dass ein glückliches Leben nur dann erreicht werden könne, wenn die Möglichkeiten gegeben seien, seine  eigenen Fähigkeiten voll zu entfalten. Heutzutage wird wohl meist nur die erste Variante als Glück angesehen.

Für den griechischen Philosophen Epikur ist Glück das Streben und Erleben von kreativer Lust: ein anregendes Gespräch, Kunst, Musik, Literatur, schöpferisches Tätigsein. Seelische und körperliche Unbeschwertheit sind die Vorrausetzungen für das Glücklichsein. Die Lust ist bei Epikur kein grenzenloses sich‐vergnügen, sondern wird von Tugenden geleitet.

Beide Philosophen zeigen mit ihrer jeweiligen Glücksdefinition auf, dass Glück mitnichten ein naturhaft‐materieller sozialer Status ist. Das kapitalistische Haben‐Denken, so hat es Erich Fromm schon vor guten 30 Jahren in »Haben oder Sein« formuliert, durchdringt sämtliche Lebensbereiche und Ansichten. Kein Wunder also, dass viele heutzutage Haus, Hof, Auto, Partner und Kinder mit individuellem Glück gleichsetzen.

Glück kann und darf jedoch kein dauerhafter Zustand oder ein Besitz sein, denn das würde das Glücksgefühl als solches entwerten. Glück kann nur in Augenblicken, in seltenen Momenten erfahren und erlebt werden. Der krampfhafte Versuch, sein Glück in Form von materiellen Gütern oder dem sozialen Status, festzuhalten, endet zweifellos im Unglücklichsein. Genauso wie der Gedanke, lässt sich auch das Glück nicht zählen oder messen.

10 Gedanken zu “Was ist Glück?

  1. Glück widerfährt einem, genau wie »Unglück«. Dieses Planenwollen ist Unfug. Und was Fromm betrifft: er hat ja auch auf den Zusammenhang hingewiesen, daß »Haben«-Ausrichtung nekrophil ist, lebensverneinend, und das »Sein«-Wollen zu Lebendigkeit und der Schätzung des Lebendigen führt. Da kann ich nur zustimmen. Meine glücklichsten Momente sind (früher :) neue Verliebtheit gewesen, die Entdeckung von etwas zuvor Unbekanntem (auch heute noch, auch wenns seltener geschieht), und das Eintauchen in das, was ich tue — da verliert sich das Ich und das macht glücklich, in der Tat. Und das Teilen solcher Zustände gehört unbedingt dazu, sonst ist es leider von geringerem Wert, auch wenn der Wert immer noch wesentlich höher ist als der ganze materielle Besitzstandskrempel.

  2. sicher, glück ist nicht an materielle dinge gebunden und wer das glaubt, der wird irgendwann an seine innerlichen leere stossen. allerdings setzt ein glückliches leben auch voraus, daß die mindestanforderungen an ein menschenwürdiges leben erfüllt sind, also nahrung, kleidung, obdach etc. und daß der mensch ohne repressionen oder ängste leben kann.
    sonst kommen wir zu der « arm aber glücklich« sichtweise mit der das gutmenschentum die bewohner der 3. welt gerne beschreibt.

  3. Pingback: Hier bin ich Mensch? Oder was ist Glück… « Geheimrätins Archiv

  4. Ein gut zusammenfassender Versuch über ein sehr altes Thema, der aber in dieser Kürze nur unzureichend sein kann. Ein direkter Sprung von der griechischen Philosphie, hin zu Fromm, ist m.E. deutlich zu kurz gegriffen.

    Auch begehst Du meiner Ansicht nach im Schlußabsatz zwei Denkfehler:
    1. Du setzt »Zustand« mit »Besitz« gleich
    2. Du postulierst, daß das »Glücksgefühl« durch Permanenz entwertet werden würde

    ad 1) »Zustand« und »Besitz« sind m.E. weitestgehend trennbar. Ich kann nichts »besitzen« — nicht einmal »Wissen oder Erfahrungen« und trotzdem glücklich sein. Andererseits kann ich aber durchaus wohlhabend und dennoch unglücklich sein.
    ad 2) Ein permanenter Glückszustand ist durchaus vorstellbar, sei es z.B. aus religiöser Sicht (z.B. Buddhismus, wo schon die Abwesenheit von Unglück Glück statuiert) oder auch aus epikuräischer Sicht ;) Persönlich halte ich es da mit einer »gesunden Mischung« aus beidem und versuche, Kunst, Musik und Gespräche zu pflegen.

    Beste Grüße
    Frank

    P.s.: Es würde mich freuen, wenn Du das noch ausarbeiten würdest, denn dies IST nun mal ein zentrales Thema, welches aber in Zeiten wie diesen leider kaum noch Beachtung findet.

  5. @Frank Benedikt

    Ich bin durchaus für konstruktive Kritik zu haben, möchte mir aber dennoch selbst einräumen, in wie weit und in welchem Rahmen ich bestimmte Themen behandle. Wir sind hier schließlich nicht in einem Uni‐Seminar oder in der Schule. Leistungsdruck sollte in Blogs nix zu suchen haben! ;)

    Ich habe vom sozialen Status (Zustand) als Besitz‐Denken (Besitz) gesprochen. Insofern ist eine Gleichsetzung hier durchaus zulässig und nachvollziehbar. Kleinbürgerliche Heimeligkeit mit Auto, Haus, Kinder, Hof und Garten, ist das was ich meine. Dieser Zustand, dieser Besitz wird heutzutage häufig als Glück definiert.

    Kein Mensch kann permanent glücklich sein! Auch ein Buddhist nicht. Wie bitte soll das gehen?

  6. Ich wusste nicht, dass Buddhisten die Abwesenheit von Unglück als Glück definieren. Ich glaube mich zu erinnern, dass es im Buddhismus darum geht weder großes Unglück, noch großes Glück zu empfinden, sondern eben den ausgeglichenen Mittelweg zu gehen. Denn etwas im großen Übermaß zu konsumieren, was einen Glücklich macht, kann wiederum Unglück bringen (z.B mit Schokolade überfressen bis einem schlecht wird)

    @epikur: Naja. könntest ja einen ausführlichen Artikel für die Hauptseite angehen^^

    @Frank: Das Plugin heßt »WP Ajax Edit Comments« und ist für WordPress. Müsste bei dir also eigentlich auch funzen.

  7. @ epikur:

    Selbstverständlich sind wir nicht in einer Vorlesung und »Leistungsdruck« gibbet auch nicht :) Es hätte mich nur gefreut, wenn Du es eben etwas vertieft hättest, da mich Dein diesbezüglicher Gedankengang interessiert hat.

    Daß Du sozialen (Zu)stand da mit Besitz gleichsetzt, sehe ich ja und halte es auch für »zulässig«, nur — vermagst Du Dir Frau und Kinder allein unter diesem Aspekt vorzustellen? Oder beziehst Du es spezifisch auf den vorliegenden Zusammenhang? Da ich früher selbst sehr »Fromm« war, habe ich einige Jahre nur noch gesagt, daß mir Freunde wären, nicht, daß ich welche »hätte2 ;)

    Permanent glücklich? Nun, wenn mir nicht gerade was weh tut oder Menschen in meiner Nähe leiden, bin ich es eigentlich schon. Es hat lange gedauert und auch viele Therapiestunden gekostet, aber ja — ich fühle mich nun die meiste Zeit glücklich. Manchmal auch nur, weil ich bewußt einen weiteren Atemzug machen kann und im Augenblick von Unglück verschont bin.

    @ jtheripper:

    Zunächst danke vielmals für den Hinweis. Da wir aber noch nicht auf einem eigenen Server sitzen, kann ich das PlugIn vermutlich nicht installieren. Falls Du da aber gegenteilige Informationen hast — nur her damit :)
    Nun, mit den Buddhisten habe ich wohl unsauber argumentiert/formuliert. Natürlich hast Du recht, wenn Du das Streben nach Ausgleich als zentrales Motiv anführst, nur stellt ja auch dieser balancierte Zustand eine Form des Glücks dar. Nix Exaltiertes halt :d Besser wär’s vielleicht gewesen, ich hätte den Satz dann doch an seinem »Erfinder« Schopenhauer festgemacht ;)

    Schönen Sonntag Euch Beiden

  8. Es gibt noch eine weitere Definition des Glückes.Sie entstammt dem hwaianischen Huna, der dort gelebten, traditionellen Religion. Dort heißt es u.a.: Zu lieben heißt glücklich zu sein :)

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