Die Systemfalle

An Prinzipien festzuhalten und an Ideale zu glauben, ist in einer Welt des gelebten Eigennutzes ein schwieriges Unterfangen. »Wir sind hier nicht bei wünsch Dir was, sondern bei so isses!« — diese StudiVZ‐Gruppe predigt den Wendehals‐Pragmatismus als Lebensprinzip und schwört allen Träumen ab. Eigennutz als Religion und Lifestyle.

Für die Welt der Kinder bauen wir ein falsches Paradies. Ob in Comics, Kinderbüchern oder Zeichentrickserien — überall herrscht Frieden, Freundschaft, Liebe und Harmonie. Manch ein Kind entwickelt unter solchem Einfluss womöglich schon früh, zarte Pflänzchen einer Schönen Neuen Welt, in der Gerechtigkeit, Fairness und Liebe herrschen. Ich frage mich oft, wie schrecklich und furchtbar es für heranwachsende Kinder sein muss, wenn sie erfahren das sie von Illusionen und Trugbildern umgeben waren? Wenn Sie erkennen müssen, dass ihnen jahrelang etwas vorgetäuscht wurde und die tatsächliche Welt eben anders aussieht? Es keinen Weihnachtsmann gibt und alle Märchen dazu gedient haben, Kinder in Harmonie zu wiegen und sie moralisch zu erziehen?

In Schule, Ausbildung, Universität und Elternhaus wird ihnen dann nach und nach beigebracht, dass sie sich ökonomisch zu verwursten haben. Zwang und Unfreiheit werden dann die neuen Lebensbegleiter. Eigene Wünsche und Träume von Weltreisen, einem Leben in der Wildnis oder im Ausland? Ein Leben führen mit Kunst, Musik oder Sport ohne ökonomischen Ausverkauf? Das schaffen nur die Stärksten und Radikalsten. Es heisst: lohnarbeiten und Geld ranbringen. Alles andere wird als zweitrangig und bestenfalls als »Hobby« gewertet. Die Systemfalle zwingt irgendwann jeden Menschen zum korrupten Pragmatismus. Alle anderen, die das Kind in ihrem Herzen noch nicht aufgegeben haben, werden als Träumer, Idealisten oder Kindgebliebene diffamiert.

Nur was sind wir, ohne unsere Träume, Prinzipien und Ideale? Mechanische Roboter, die ihren Zweck im Systemgetriebe erfüllen. Die große Frage lautet: wie kann man ausbrechen?

11 Gedanken zu “Die Systemfalle

  1. Indem man sein Hobby zum Beruf macht. Zum Beispiel Schriftsteller, Sportler oder Cartoon Zeichner :) ! Oder nach Berufen im Leben suchen, in denen man das System verändern kann.

    Wenn das Talent fehlt? Dann hilft nur harte Arbeit.

    Ich finde, das es wichtig ist zu betonen, dass Prinzipien und Ideale zu haben keine Ausrede sein sollte um auf der Couch zu lümmeln. Das man in der eigenen Lethargie schwelgt, weil das System so schrecklich ist. Vielmehr sollte man aktiv an der Erfüllung seiner eigenen Träume arbeiten. Wie auch immer diese aussehen mögen.

    Ohne Fleiß ist leider Ausbrechen aus dem System möglich.(Leider)

    Deswegen wählen auch viele, die eigentlich dazu in der Lage wären, den einfachen Weg und werden ein Lohnarbeitsrädchen in der Gesellschaft(Vielleicht ich auch bald :( ). Sie betäuben ihr schlechtes Gewissen mit Iphones und überteuerten Restaurantbesuchen. Das System winkt ist wie Mephisto, säuselt ständig Wohlstandsversprechen in unser Ohr, will uns verführen uns selbst zu verraten.

    Auch darf man nicht die strukturellen Zwänge vergessen, was ist wenn man eine Familie gründen will? Wird man oft am Ende nicht doch dazu gezwungen seine Seele und Überzeugungen zu verkaufen um das Einkommen der eigenen Familie zu sichern. (Ausreden?)

    Am Ende habe ich auch keine Antwort, mal wieder scheint das System übermächtig.

    Salut, ich geh jetzt auf Amazon shoppen. Ein neuer Mac steht an :( !

  2. Ich habe schon vor langer Zeit meine Hobbies zum Beruf gemacht. Das hieß aber auch, daß ich auf die Sicherheit eines festen Arbeitsplatzes verzichtete. So kann es vorkommen, daß ich einige Zeit einen Haufen Geld verdiene und dann wieder lange Zeit so gut wie gar nichts. Zum Glück sind wir (jetzt) in der Situation, daß meine Frau Rentnerin ist und ihre — wenn auch bescheidene — Rente für eine entsprechende Grundsicherung sorgt. So sind wir nicht von irgendeinem staatlichen Tropf abhängig.
    Meine Frau hat jetzt eine Kapitalgesellschaft (ltd) in Deutschland gegründet. Dort ist sie die geschäftsführende Direktorin und ich bin der kleine (Teilzeit-)Angestellte. Das erlaubt es mir, meinen verschiedenen Hobbies nachzugehen, die langfristig oft auch Geld bringen.

    Eine meiner Zukunftsvisionen sind Rentnerfirmen, d.h. richtige Kapitalgesellschaften, die von Rentnern gegründet und geführt werden. Das persönliche Risiko ist relativ gering, so ein Unternehmen kann richtig Spaß machen und die Menschen verarmen geistig im Alter nicht. Gleichzeitig können sie etwas für die Allgemeinheit tun, indem sie Arbeitsplätze schaffen und ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung weitergeben. So kann man auch aus der üblichen Tretmühle austreten und ein sinnerfülltes Leben führen. Steuerlich haben solche Unternehmen auch noch einige Vorteile, die Gewinne werden als Dividenden ausgeschüttet und unterliegen so der Kapitalertragssteuer (Flattax). Wer also zu wenig Rente hat oder vor Langeweile geistig verarmt, dem empfehle ich, einfach ein Unternehmen zu gründen — eine englische Limited ist in 48Stunden gegründet. Die deutsche Handelsregistereintragung dauert bis zu einigen Monaten (deutsche Bürokratie eben).

  3. @algore85: Schon mal mitbekommen, dass es genug Autoren gibt? Dass auch Talent nichts nützt, wenn man nicht den gerade modischen Hype bedient, egal wie gut oder schlecht? Dass Veröffentlichungschancen an Geschlecht, Alter und von Hollywood vorgegebene Mustern hängen? Dass man irgendwie auch essen und sich kleiden muss? Ich kenne genügend Nischenverlegerinnen, die kaum über die Runden kämen, wenn sie nicht ein 2. Standbein hätten. Und es gibt besseres, als Rentnerfirmen zu gründen zu @gerhardq. Wieso wird nicht einfach akzeptiert, dass es Menschen gibt, die sich nicht in irgendwelche Mühlen einsperren lassen wollen. Wieso wird nicht einfach akzeptiert, dass Menschen sich auch den gängigen Rezepten verweigern und zwar bewusst. Wieso sollen Hobbys unbedingt Geld abwerfen müssen? Ein Hobby zum Beruf gemacht, verliert in meinen Augen an Bedeutung und hat einen schalen Geschmack. Wieso sollen Menschen im Alter geistig verarmen, wenn sie sich nicht Direktor von irgendeiner Schrottfirma nennen? Es tut mir leid, aber genau das will doch der ökonomisierte Mainstream.

  4. @PeWi

    Du hast Recht, ich habe das zu extrem formuliert. Nicht Fleiß und Talent sind entscheidend um mit seinem Hobby Gled zu verdienen. Meistens sind es Marktmechanismen oder die »Hollywood‐Gesetze«, die bestimmen ob man mit etwas erfolgreich ist oder nicht.

    Ich pflichte dir auch bei, dass man nicht Menschen kritisieren sollte, die sich nicht in irgendwelche Mühlen sperren lassen.

    Was ist die Alternative deiner Meinung nach? Wie können sich die Menschen »gängigen Rezepten« verweigern?

    Ich glaube, dass Menschen irgendein Ziel brauchen im Leben. Ich sehe sehr oft, dass Menschen mit enormen Potenzial sich der Gesellschaft verweigern. Zurecht! Unsere durchökonomisierte Welt ist auch mir ein Graus. Doch ihre Alternative schein ein dahinvegetieren mit Computerspielen, Gras und halbtags Arbeiten zu sein.

    Die Leute brauchen irgendwas in das sie ihre Energie stecken können, womit sie ihre individuellen Fähigkeiten zur Geltung bringen. Das kann alles mögliche sein:Schreiben, Handwerk oder der Umgang mit anderen Menschen.

    Ich glaube, dass hat wenig mit den ökonomisierten Mainstream zu tun. Eher mit dem wonach ich im Leben strebe, eine Sinn‐Suche!

  5. nur zwei punkte:

    ein liebevolles elternhaus stärkt das ich — dies ist voraussetzung dafür, sich in der von dir beschriebenen welt besser zurechtzufinden.

    und märchen sind keineswegs harmonisch. nicht nur harmonisch. man denke an die räuberbraut, die sich hinter einem fass versteckt, hinter das dann auch ein abgehackter finger rollt.

  6. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist doch eine ganz andere. Nämlich: Wie sehr wollen wir uns vom kapitalistischen System, vom Geld abhängig machen?

    Wenn wir auf das bequeme Leben mit all seinen Annehmlichkeiten nicht verzichten wollen, brauchen wir genug Geld. Selbst wenn dieses Geld mit den eigenen Hobbies, die ja dann keine mehr sind, verdient wurde: wir halten das Zahnrad des Kapitals am Laufen, wenn wir im Discounter bezahlen, das Handyguthaben aufladen, den Strom bezahlen etc. Man ist weiterhin Teil des Systems und reproduziert es damit. Vielleicht ist man in seiner Zeitgestaltung etwas flexibler, wenn man sich selbst aussuchen kann, wann man arbeitet, aber irgendwann holt es jeden wieder zur Lohnarbeit zurück.
    Wir können aber auch versuchen, Stück für Stück den Grad unserer Abhängigkeit zu verringern. Essen z.B. in Foodcoops zu besorgen, macht es auf Dauer billiger, wir geben weniger Geld aus. Oder wir bewahren essbare Nahrungsmittel vor dem Schredder, indem wir containern gehen. Auf Fleisch und anderes Tiergedöns zu verzichten, macht das Ganze gleich noch eine Ecke billiger, und vor allem humaner. Klamotten bekommt man auch im Umsonstladen. Leider ist dieses ›Geschäftsmodell‹ noch nicht sonderlich verbreitet. In den Urlaub fliegen? Für’n Arsch. Trampen und Fahrgemeinschaften machen gleich doppelt so viel Spaß. Es gibt viele Wege, sich Stück für Stück vom Geld unabhängiger zu machen.

    So mancher, ich rechne mich auch dazu, will das aber noch radikaler durchsetzen. Teil dieser Radikalität beinhaltet auch die Frage, ob und welche Luxusgüter wirklich vonnöten sind. Auf manches sollte man einfach mal gediegen verzichten. Handys beispielsweise.
    Ich bin ein großer Fan von alternativen Lebensformen: Hausprojekte, Wagenburgen, Ökodörfer etc. Sich selbst mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen, ist ein essentieller Teil der Emanzipation vom Kapitalismus.

    Das Problem, was sich hier auftut, ist ein räumliches. So gut wie alles um uns herum gehört jemandem. Kommunen, Konzernen, Privatpersonen. Für einen genügend großen Acker beispielsweise muss man sich die notwendige Fläche kaufen. Eignet man sie sich ›widerrechtlich‹ an, kommt irgendwann die Staatsmacht. Man kann sich schwer vom Kapitalismus abwenden, wenn man mit in direkter Nachbarschaft mit ihm lebt. Alles gehört irgendjemandem, so ist es auch gewünscht. »Es darf keinen rechtsfreien Raum geben« ist doch der Spruch des Jahrtausends, wenn es darum geht, Kapitalinteressen in ihrer Omnipräsenz zu stärken.
    Es braucht also, um wirklich Alternativen zu schaffen, Freiräume, diese auch auszuleben. Wie man an der Geschichte des letzten Jahrhunderts sieht, kam es oft zu solchen Versuchen. Denken wir nur an Machno in der Ukraine. Die damals entstandene Alternativgesellschaft ist nicht an sich selbst zu Grunde gegangen. (Was vielleicht daran liegen mag, dass die Zeit nicht dazu gereicht hat...) Bis jetzt sind es überwiegend (ich sage überwiegend, nicht ausschließlich) äußere Kräfte, die solche Versuche zunichte machten.

    Fest steht allerdings eines: Wenn wir wirklich Alternativen schaffen wollen, müssen wir aus unserer Isolation heraustreten, uns mit anderen Menschen vernetzen, die das gleiche wollen. Gerade das Internet als sich ständig erneuernde Kommunikationsform bietet hier so viele Möglichkeiten. (An dieser Stelle danke an dieses Blog!) Es ist wichtig, sich selbst erstmal als handlungsfähiges Individuum zu begreifen, dessen Handeln Auswirkungen auf die Realität hat. Passivität muss in Aktivität verwandelt werden. Nur darf es dabei nicht bleiben. Denn was nützt die größte Selbsterkenntnis, der größte Willen zur Veränderung, wenn wir auf ewig nur Einzelgänger bleiben?
    Wenn unsere Subsidiargemeinschaft groß genug ist, dann bleibt auch genug Zeit, seine Leidenschaften voll auszuleben und dabei trotzdem nicht vom Geld abhängig zu sein.

    Danke für die Geduld, wer das bis zum Ende gelesen hat. ^^

  7. @PeWi: Es geht im Grunde darum, daß Menschen ihr Potential einsetzen und dieses auch im Alter tun. Es gibt Menschen, die haben Freude daran, Unternehmer zu sein. Und es gibt Menschen, die machen lieber etwas anderes.

    Ein Rentner, der eine Firma gründet, widersetzt sich dem Mainstream — ein üblicher Rentner macht so etwas nicht. Übrigens hat die Limited nur in Deutschland das anrüchige Ansehen einer »Schrottfirma«, im Ausland ist sie bekannter und häufiger anzutreffen als die deutsche GmbH!

    Dann gebe ich Dir ein weiteres Beispiel. Ich kümmere mich ehrenamtlich um Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (z.B. Schlaganfall, Unfall, Krebs). Das macht mir einen Riesenspaß und hilft mir wie auch den kranken Menschen. Gleichzeitig sensibilisiert es mich für die Bedürfnisse anderer, gerade für die Bedürfnisse von Schwerbehinderten. Ich mache das, weil ich daran Freude habe, ohne Hintergedanken oder ökonomischen Überlegungen — einfach so.

    In meinen Berufen habe ich auch immer wieder die Erfahrung gemacht, daß getane Arbeit immer entlohnt wird. Manchmal geschieht das nicht sofort, manchmal wird man sogar um seinen Lohn betrogen — aber in der Summe, d.h. zum Schluß erhält man immer einen Lohn für seine Arbeit. Im letzten Jahr habe ich 6 Monate für jemanden gearbeitet, der mich dann nicht bezahlt hatte. Das war ärgerlich, gerade weil uns das Geld fehlte. Aber kurze Zeit später konnte ich die erarbeiteten Erfahrungen einsetzen und damit wieder Geld verdienen. Lohn besteht für mich immer aus mehreren Komponenten:
    — dem Geld: Geld brauchen wir, um in unserer Gesellschaft leben zu können
    — dem Gelernten = Lernerfolge: was habe ich neu durch die Tätigkeit gelernt
    — der Anerkennung = Fremdbestätigung, das, was andere meinen
    — der Befriedigung = Eigenbstätigung, das ein Sinn in der Tätigkeit besteht.
    So gehe ich an Arbeiten ran, bei Tätigkeiten ohne tieferen Sinn, Anerkennung oder Lernerfolgen muß eben der Lohn entsprechend hoch sein. Andererseits ist es möglich, daß der Lohn gering ist, dafür aber die anderen Anteile hoch sind. Meine ehrenamtliche Tätigkeit hat einen hohen Anteil an Befriedigung, einen Teil Anerkennung und einem Teil Lernerfolge, so daß der finanzielle Lohn entfallen kann.

    Meiner Meinung nach sind Märchen, also Geschichten, das Beste, was wir unseren Kindern antun können. Ich habe auf meinem Seminaren als Dozent grundsätzlich an langen Lehrtagen (ab 5 Stunden) morgens eine Geschichte vorgelesen. Und genau wie Kinder haben hier Erwachsene gebannt zugehört. Und wehe, ich wollte an so einem Tag mal keine Geschichte vorlesen! Gerade Märchen sind ziemlich brutal, sie geben einem Kind aber einen Handlungsrahmen und Optimismus. Und, Kinder sind sehr wohl in der Lage, zwischen Märchen und Realität zu unterscheiden! Und, was kann es für Eltern schöneres geben. als ein abentliches Ritual mit einem Märchen, das vorgelesen wird! Das Vorlesen ist nicht dasselbe wie ein Märchen in der Glotze sehen! Beim Vorlesen und auch beim Selbstlesen entsteht eine Phantasiewelt, die sich jeder individuell erschaffen kann, während die Glotze diese Welt vorgibt. Märchen, bzw. Geschichten werden beim Lesen oder Zuhören erst konstruiert, dieser schöpferische Akt sorgt für eine bleibende Lernerfahrung.

  8. Das ist zu kurz gedacht: Die ökonomische Verwurstungsnotwendigkeit hat ihren Ursprung darin, dass wir einerseits existenzielle Bedürftigkeiten im Sinne von Lebensnotwendigkeiten (und ein wenig mehr) erfüllen müssen, während andererseits unsere Träume, und Liebhabereien genau das nicht leisten können und sollen, oder nur in Ausnahmefällen tun. Der Zwiespalt zwischen den materiellen Bedürftigkeiten, und dem, was das Leben ausmacht, es erfüllt, ist nichts was dem Kapitalismus eigen wäre, sondern ist grundsätzlich in einer nichtparadiesischen Welt (d.h. in einer in der Überleben Anstrengung erfordert) angelegt.

    Das heißt nicht, dass es gut so ist wie es ist, und so sein muss, aber man kann es auf einer grundsätzlichen Ebene nicht dem Kapitalismus in die Schuhe schieben.

  9. Pingback: Mein Politikblog

  10. @algore85: Ich stimme dir völlig zu. Der Mensch braucht einen Sinn im Leben. Ohne dem, verkümmert er. Das heißt nicht, dass er diesen Sinn ökonomisieren sollte, weil m.E. dann dieser Sinn auch wieder verkümmert. Ich habe leider keine Rezepte. Und ich weiß, dass Menschen, die nicht das Glück haben wie ich, Rentner zu sein, malochen müssen, um ihren Lebensunterhalt erwirtschaften zu können. Und das immer weniger immer mehr. Das ist das Unsinnige an unserer ökonomisierten Welt. Ich habe eine Utopie, dass wir uns alle darüber unterhalten sollten, wie wir Arbeit definieren in einer Welt, die Überfluss schaffen kann. Ich habe eine Utopie, dass wir uns darüber unterhalten müssten, wie dieser Überfluss gerecht verteilt werden sollte. Da viele Menschen der Idee nach immer mehr Geld in der Hand nachrennen und andere nicht wissen, wie sie den Monat überstehen sollen, haben wir recht viel zu tun, die Diskussion über Arbeit im 21. Jhd. anzustoßen. Es kann nur ein Anstoßen sein, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse zur Zeit noch keine Änderungen zulassen. Aber diese Utopie sollte doch gestattet sein. Ich denke, dass Menschen gerade in dieser Zeit Utopien brauchen, um nicht innerlich zu vertrocknen, sich nicht in die Ecke zu verkriechen — es ändert sich ja eh nichts -, wie es heute allerorten geschieht. Ich bin vielleicht sehr naiv, aber ich bin gern blauäugig und diskutiere über eine neue Welt, sonst könnte ich diese nicht ertragen.

  11. @gerhardq: ja, dann hast du wirklich eine schöne Aufgabe. Und wirklich, man kann auch ohne Firma seinen Sinn im Leben finden. Das machen sehr viele Rentner — ohne Firma. Jeder sieht sein Feld auf einem anderen Sektor. Die meisten brauchen dazu sicherlich keinen Direktorposten, sondern nur ihren menschlichen Einsatz, wo auch immer.

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