Zerschlagt die Gewerkschaften!

Janko Tietz (Chef vom Dienst bei Spiegel Online), begrüßt das Tarifeinheitsgesetz mit den absurden Worten: »Das neue Gesetz privilegiert nicht die Großgewerkschaften — im Gegenteil: Es fördert den Wettbewerb.« In einem Kapitalismus, in dem ständig und unaufhörlich eine Marktverdichtung stattfindet und in dem Monopole/Oligopole regieren, ist der Begriff Wettbewerb ein zynischer Euphemismus. Heute gibt es eine Handvoll großer Gewerkschaften und Dachverbände: DGB, IG Metall, EVG, GEW und ver.di. So ist es für Unternehmen und Konzerne ein leichtes, die jeweiligen Gewerkschaftsvorstände zu korrumpieren oder zu kaufen. Die Junge Welt macht hier auf einen interessanten Punkt aufmerksam: »Es gibt das Gerücht, dass der »Deal« darin bestand, die Kapitalseite werde dem Mindestlohn zustimmen, wenn die Gewerkschaften das Tarifeinheitsgesetz befürworteten. Zumindest der DGB, die IG Metall und zunächst auch ver.di hatten ihre Zustimmung signalisiert.«

Werner Rügemer schreibt in den Blättern (Ausgabe Mai 2015) über ein in der Öffentlichkeit totgeschwiegenes Phänomen: »Union Busting« — Agenturen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Gewerkschaften zu zerschlagen, Betriebsräte zu verhindern und Arbeitsrechte zu unterminieren. In den USA hat die Branche eine lange Tradition und geht bis zum Jahr 1855 zurück:

»Die ersten Union Buster agierten als Privatpolizei und Söldnertrupps. Am bekanntesten ist die Pinkerton National Detective Agency, gegründet 1855 von Alan Pinkerton in Chicago. Pinkerton betrachtete Gewerkschaften als kriminell, unamerikanisch und als Vorstufe zum Kommunismus. Seine Privatpolizei – militärisch geführte Trupps von bis zu 300 Mann – verfügte in späteren Jahren über gepanzerte Autos, ausgestattet mit Maschinengewehren und Suchscheinwerfern. Man bekämpfte Streiks und schoss notfalls nicht nur auf Arbeiter, sondern auch auf Kinder und Frauen.«

Heute sind die Methoden natürlich subtiler. Zumindest in Deutschland. Denn in Kolumbien ermorden bezahlte Milizen auch weiterhin Gewerkschafter von Coca Cola und Nestle. Dennoch sollte niemand glauben, in Deutschland hätten es Gewerkschaften leicht: »Daneben hat sich eine vielfältige Szene von Union Bustern in Deutschland etabliert: kleine und mittelständische Arbeitsrechts‐ und Medienkanzleien, Wirtschaftsdetekteien, PR‐Agenturen.«

Allen jammernden und bequemen Biedermeier‐Sesselfurzern, welche die GDL und Weselsky als »machtgeil« beschimpft und rumgeheult haben, dass ihre Bahn nicht kommt, sei gesagt, dass es ihre Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ihren 8 Stunden Arbeitstag und viele andere Arbeitsrechte mehr, ohne den blutigen Kampf der Gewerkschaften niemals gegeben hätte. Erinnert sei hier exemplarisch an die Massaker an Gewerkschaftern in Ludlow im Jahre 1914 und in Catavi im Jahre 1967. Der Klassenkampf zwischen dem Volk und den reichen Bonzen hat nie aufgehört zu existieren, er hat nur seine Maske gewechselt.

4 Gedanken zu “Zerschlagt die Gewerkschaften!

  1. Niemand darf vergessen, dass dies erst der Anfang ist. Die korrumpierten Gewerkschaften glauben doch nicht im ernst, dass es dabei bleibt, die kleinen, kämpferischen Gewerkschaften auszubooten. Die Glieder der Kette wurden geschwächt und zerbrochen. Die Kette ist aber nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Die nächste Aufgabe der Arbeit»geber« wird die weitere Schwächung der großen Industriegewerkschaften sein, sie bis zur Bedeutungslosigkeit zu verstümmeln. Ich sehe die traute Gemeinsamkeit: Arbeitgeber‐SPD‐DGB. Und viele von uns Normalos geben dazu noch ihren Segen. Sie sind damit mitschuldig am weiteren Abbau von Arbeitnehmerrechten. Brav! So mögen dass die Bosse.

  2. @preussischer Widerstand..seit Jahren und unter verständigem Nicken möchte ich noch hinzufügen was uns wieder zur Massenverblödung ‚dem Stockholm‐Syndrom und der kultivierten Gleichgültigkeit solange nicht selbst betroffen führt ...

  3. Pingback: Der arrangierte Klassenkampf. | Red Skies over Paradise

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