Blogger bewirken nichts

BloggerDas Web 2.0 wird maßlos überschätzt. Auf Facebook werden Tier- und Babybilder gepostet, auf Twitter versuchen Möchtegern-Komiker uns mit lahmen Sprüchen zu beeindrucken und auf den Onlineseiten der bürgerlichen Massenmedien treiben sich in den Kommentarspalten Hasstrolle und Putinversteher herum. Am Schlimmsten aber, sind die sogenannten politischen Blogger, die sich für Redakteure oder gar Autoren halten und uns ständig ungefragt ihre Gesellschafts-, Medien- und Wirtschaftskritik ins Gesicht rotzen. Gleichzeitig wollen sie uns zu ihrer allumfassenden, alternativlosen und geschlossenen Wahrheit bekehren. Niemand braucht diese gefrusteten, verbitterten und ständig nörgelnden Querulanten. Sie sind so sinnlos wie Staub auf dem Vibrator.

Viele -zumeist auch linkspolitische- Blogger halten sich für relevant. Sie inszenieren sich als die großen Mahner, Aufklärer und Kritiker. Erheben ständig ihren moralischen Zeigefinger, bieten aber zumeist keine besseren Lösungen oder Alternativen an. Sie meckern nur, weil es ihnen Spaß macht und sie sich danach besser fühlen. Gieren aber zugleich nach lobenden und zustimmenden Kommentaren. Wenn sie jedoch kritisiert werden, reagieren sie nicht selten sehr empfindlich oder gar autokratisch-diktatorisch. Argumentieren dann mit ihrem Hausrecht als Blogger, (vor-)zensieren oder löschen die Äußerung. Sie inszenieren sich als Bessermenschen und moralisch erhabene Gutmenschen, kultivieren und verfestigen aber gleichzeitig die strukturell fest verankerte Bigotterie in Deutschland.

Sinnlose Mitbewerber
Auch wenn sich die klassischen Print- und Onlinemedien über schwindende Verkaufszahlen, Auflage und Reichweite beschweren -und dafür auch Blogs mit verantwortlich machen, ohne das offen zu sagen- so sind Blogger keine wirkliche Gefahr. Sie sind keine professionellen Redakteure. Viele haben nur eine geringe Relevanz und Reichweite. Und dann auch noch die vielen Rechtschreibung- und Grammatikfehler sowie die Reizwörter, mit denen sie sowieso nur die ohnehin schon Bekehrten, die Klugscheißer und Trolle erreichen.

Blogger haben keinen Chefredakteur oder Verlag, der ihnen die ideologische Linie vorgibt (Stichwort: Tendenzschutz), üben keine Selbstzensur, wegen ökonomischer Abhängigkeiten und schreiben den Anzeigenkunden (sofern sie überhaupt welche haben) nicht nach dem Mund. Sie skandalisieren und personalisieren viel zu wenig, lassen sich von PR-Agenturen eher selten vereinnahmen, fahren kaum gezielte Kampagnen und wissen nicht einmal, wie man mit Schlagwörtern Leser locken und mit SEO Klickzahlen generieren kann. Hinzu kommt, dass viele auch nicht gekonnt von Nachrichtenagentur-Tickern oder von Google News ab- und umschreiben, sondern es wagen, ihre eigene Meinung auch noch als Solche zu kennzeichnen. Wer nur aus Interesse und Leidenschaft schreibt, ohne damit Geld verdienen zu wollen, ist für die Leitmedien auch keine ernst zunehmende Konkurrenz.

Stürmen im Wasserglas
Solange Blogs nicht für Massendemonstrationen oder eine (Komplett-)Umwälzung unseres Gesellschafts- und Wirtschaftsystems sorgen oder seriöse Alternativen anbieten, ist alles, was sie von sich geben, nur heiße Luft und Egolotion. Soweit das Denken von resignierten Fatalisten.

Wenn beispielsweise Redakteure der BILD-Zeitung sich täglich den Bildblog reinziehen, um ihre Fehler korrigieren zu können, die Nachdenkseiten rund 50.000 Besucher pro Tag haben, das Blog Propagandaschau detaillierte Analysen bezüglich der einseitigen Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen Sender aufzeigt, Blogger von netzpolitik.org im Bundestag überwacht werden, dem Energieblogger Thorsten Zoerner nachgesagt werde, er habe entscheidende Impulse für Gabriels Kohleausstieg geliefert, Blogger, wie beispielsweise Jochen Hoff von Duckhome verklagt werden, weil sie über unbequeme Ereignisse berichten, der Technikblogger Jürgen Kroder Media Markt mit: »Ein Produkt und vier Preise: Will mich MediaMarkt eigentlich verarschen?« in Erklärungsnot bringt, immer mehr Marketing- und PR-Buden Blogs für ihre Zwecke einspannen wollen und große Konzerne durch Medien-Agenturen sämtliche, für sie relevante, Blogs täglich beobachten lassen und PR-Soldaten als User-Kommentatoren einsetzen — dann hat das alles keinerlei Bedeutung. Auch die dutzenden Anti-Atom- und Energieblogs, die inhaltlich oft wissenschaftlich sehr präzise Artikel abliefern, Lügen aufdecken und Proteste organisieren, interessieren keine Sau.

Bloggen ist sinnlos. Blogger bewirken nichts

23 Gedanken zu “Blogger bewirken nichts

  1. Blogger sind Wildwuchs, Unkraut in den Blumenrabatten des
    Meinungsanbaus. Also raus damit!

    Oder: jeder Blogger ein Don Quichote, ein Windmühlenbekämpfer.

  2. Ich denke mal, Blogger be-wirken, wirken, verwirken nicht mehr oder weniger, als der sonstige Umgang mit dem alltäglichen Gespräch, wie auch medialem Einfluss. Bis auf einige Netz-Abstinenzler auf’m Dorf, die das irgendwie noch ungewöhnlich bis sogar (für sie) belustigend finden, sind sie Teil eines Zeitgeistes geworden, der sich über sie nicht minder als Spiegel seiner selbst, mit auch allen gängigen Klischees betrachten lässt. Die vielen Markt- und Zeitungsblogs, inclusive Ratgeber übers richtige bloggen, wiedersprechen leider den (mir) sympathischen vorherigen Kommentaren. Auch das, sehe ich als Spiegel.

  3. @epikur

    Nicht nur »Bloggen« auch im Alltag bringt es nichts sich über die herrschenden Zustände aufzuregen, und schon gar nicht in der eigenen Familie — Die sind allesamt Untertanen geworden in .de?

    Nein, ich würde es mal so zitieren, denen ist alles egal in .de, und wenn du dich über heutige Zustände (z.B. globale politische Korrupition, Terrorismus gegen »Charlie Hebdo« und das Trittbrettfahren religiöser Fanatiker aus der katholischen Ecke damit — Stichwort: Verschärfung des Blasphemieparagraphen § 166 StGB usw. usf.), ganz egal ob im Internet oder nicht, aufregst dann »stimmt was nicht mit dir«.

    Merke:

    Neoliberale bzw. neokonservative Politik ist voll auf Linie, und dies eben auch im normalen Alltag....und wer etwas anderes ausdrückt, oder gar noch schlimmer sogar lebt, der ist ein Fall für das Irrenhaus....

    ...soweit haben wir es gebracht...

    ...wie meinte mal ein Tagesthemen-Moderatorn namens Ulrich Wickert: »Der Ehrliche ist der Dumme« — Heute würde er wohl sagen: »Der Ehrliche ist ein Fall für die psychiatrischen Kliniken dieser Merkel Demokratur«....

    Ganz zynische Grüße
    Bernie

  4. Klar, Bloggen erscheint wie Wände mit Butter beschmieren – aber ein Rest, ein Momentum an Wirkung bleibt vielleicht: man muss da fast asiatisch denken: nichts bleibt folgenlos, Karma eben, Beitrag zur Rauminformation (Akasha-Chronik). Was immer ich Fastnichts zu Lebzeiten tue oder lasse, hinterlässt eine Spur, einen Abdruck – infinitesimal, gewiss, aber viele Meinesgleichen bewirken unter unerwartet günstigen Bedingungen eine Winzigkeit, die einer Kursänderung des fatalen Laufes der Welt ins möglicherweise Bessere zur Folge haben kann. We are just candles in the dark …

  5. Die Charkterisierung des von sich selbst geblendetn Bloggers in den beiden ersten Absätzen könnt von mir sein, weil ich beim Lesen zwangsläufig an ein- zwei meier »Spezies« denken muss. Ich würde ja liebend gerne Namen nennen, lass es aber, um nicht als Mobber da zu stehen.

    Einer der auf vielen linken Blogs verlinkte Freizeitphilosoph und sich für einen begnadeten Semantiker und originellen Metaphoriker hält, veröffentlicht weder Kritik an seinen Texten, noch reagiert er auf Hinweise bezüglich seiner hanebüchenden Rechtschreibung noch äußert er sich in Kommentarspalten anderer Blogs. Diese intellektuelle Blendgranate beweist täglich seine Diskursunfähigkeit und genießt trotz allem eine relative Reputation bei seinen linken »Kollegen«.

    Allein wegen dieser bloggenden Laberbacke würde ich am liebsten einen ...........-watch aufmachen, schreibe aber lieber als Gastautor für andere Blogs, die sich der Kritik stellen wie ich dann auch. Mögen ihm seine sieben Zwerge, mit denen er um die Häuser zieht, das Ego bis zum Zerplatzen aufblasen. Ein Linker ist er nicht, denn Eitelkeit korrumpiert.

  6. @altautonomer

    Du kannst dazu gerne Deine Meinung haben und sie hier auch veröffentlichen. Aber bitte keine Spaltung und Aufstachelung vorantreiben. Danke!

    P:S: Gerade die ersten beiden Absätze sollten eher ironisch gemeint sein (mit einem zarten Hauch von Selbstreflexion) ;)

  7. Alles klar, @Altauto, Brücken-Bashing auf selbstentlarvend
    niedrigem Niveau. Klar hat »unser« stolzer Spanier einige
    Macken, aber mit Verlaub: seine Texte haben ein deutlich höheres Niveau als alles, was ich bisher von dir lesen musste. Natürlich ist er kein zweiter Nietzsche oder Schopenhauer 2.0 – aber wie sagte schon Kalle Kraus: »Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen Zwerge lange Schatten.« Kann auch heißen: in Zeiten wie diesen wären Riesen (nicht deine Liga!) gar nicht wahrnehmbar – aber die Wahrheit(?) wirkt vielleicht gerade dann in homöopathischen Dosen größere Wunder als irgendeine »neue« Offenbarung …
    Und bis du sein Level erreicht haben könntest, musst du noch kräftig üben. Sag ich dir als sein kritischer Rezipient (sein Groupie
    bin ich ebenso wenig wie das von sonst Jemand)!

  8. kevin-: Nur noch kurz fürs Protokoll: Hier tummeln sich also die Fans von einem Blogger, der absolut kritikresistent ist, keine Diskussion auf seinem Blog erlaubt, kritische Kommentare erst gar nicht veröffentlicht und sogar schwere Rechtschreibfehler nicht korrigiert, wenn man ihn darauf aufmerksam macht (anders dagegen flatter/Horst Horstmann).

    Das ist hier anscheinend Dein ganz spezielles Verständnis von Meinungsfreiheit!

    Daher mein »Soligruss« an den Pflichtverteidiger von LaPu denn zur Selbstvertreidigung hier und bei Bloggern, die ihn aus der Blogroll entfernt haben (Duderich und Narrenschiff-Charlie) ist er zu feige.

    Inhaltlich habe ich ihn hier kritisiert.
    http://narrenschiffsbruecke.blogspot.de/2015/02/ad-sinistram-auschwitz-das-waren-die.html
    Herzliche Einladung an meine Kritiker, die Gelegenheit wahrzunehmen, mein Niveau in die Tonne zu treten. Na los.!!

    Hier gehts nicht weiter.

  9. Och, Altauto – ich bin ebenso wenig sein Fan wie der irgendeines
    anderen Sterblichen. Und schon gar nicht sein »Pflichtverteidiger« – wieso sollte ich mich verpflichtet fühlen, irgendjemanden auf Deubel komm raus verteidigen zu müssen? Kann es sein, das
    Du hier eine narzisstische Kränkung ausleben bzw. ausschreiben willst? Ohne mich, über solche Stöckchen spring ich nicht.

  10. Pingback: Vermischtes | die Schrottpresse

  11. Da es dann doch zu Unstimmigkeiten und Missverständnisse geführt hat, fühle ich mich bemüßigt, die Intention meines Artikels kurz zu erläutern. Zunächst: er ist nicht zufällig mit »Satire« getaggt worden ;) Ich nehme vor allem eine ironische Position aus der Sicht von »resignierten Fatalisten« ein, mit den typischen Vorwürfen an uns Bloggern, bevor ich am Ende dann doch aufzähle, was Blogger alles »bewirken« können. Er ist also eher eine Hommage, als eine provokative Streitschrift ;)

  12. @ epikur – anders habe ich ihn auch nicht aufgefasst.

    Und meine Beiträge sind natürlich irony-powered:
    ganz abgesehen davon, dass ich in einer Gesellschaft
    wie dieser von Herzen gerne Unkraut und Ungeziefer
    bin und mit Ratten und Kakerlaken mehr gemeinsam
    habe und haben will als mit den »Leistungsträgern«
    dieser sozialen Fehlkonstruktion.

    P.S.: Wo diese Vorzeigemenschen kein Herz haben –
    Kakerlaken haben zwei aufzuweisen!

  13. Pingback: »wie Staub auf dem Vibrator« | Red Skies over Paradise

  14. Dem ersten Teil muss ich mal recht geben sogar im wörtlichen Sinne — und das sage ich als einer, der gelernt hat, auch in einer alternativen Szene nicht im Mainstraim mitzuschwimmen. Ob nun Alternativ-Mainstream oder der gewöhnliche Mainstream, der die heutigen Adligen verherrlicht — deine Stimme und dich verarschen wollen sie alle.
    Zudem, meckern und Fehler aufweisen kann jeder, Impulse geben wie es anders laufen könnte oder gar einen Weg aufzuzeigen, das kann nicht jeder und dabei kann man auch mal Fehler machen und scheitern, oder dafür muss man auch mal von allen Seiten einstecken können.
    Wenn man beim Meckern bleibt, dann bleibt man immer der strahlende Sieger seiner Realität.

  15. @matrixmann

    Impulse, Ideen und Alternativen gibt es mehr als genug. Grundeinkommen. Alternative Wirtschaftspolitik, die auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet ist. Regulierung der Finanzmärkte. Vermögenssteuer. Die Schließung sämtlicher Steuerschlupflöcher. Die gnadenlose Verfolgung und Verurteilung von Wirtschaftskriminellen und Steuerhinterziehern. Und und und. Warum denken immer alle, das Grundproblem wäre die vermeintlich nicht vorhandene Formulierung von Alternativen? Es gibt sie in Hülle und Fülle. Man muss nur zuhören wollen, ohne gleich das 800 Seiten Utopie-Manifest mit Glücksgarante zu erwarten.

    Die gesamtgesellschaftliche Vermachtung von ökonomischen Einzelinteressen, oder platter: die Macht von Banken, Konzernen und Milliardären: das ist das eigentliche Problem. Solange sich das nicht signifikant ändert, kann man noch soviel labern und theoretisieren.

  16. Kommt immer darauf an, was man unter »Alternativen« versteht... Ob man darunter Utopien, praktisch umsetzbare Sachen, Fortsetzungen des Systems in seinen bestehenden Regeln oder dem System ein Schnippchen schlagen versteht.

    Nehme mir jetzt einmal ein paar Beispiele heraus:

    Grundeinkommen. Gedanke ist nett — geht ein wenig zurück zur früheren Sozialhilfe, nur dass sie für alle gedacht sein soll, auch für die Arbeitenden, wenn ich das richtig verstanden habe und sich nicht darum ein paar Verfechtergruppen streiten -, muss aber sagen, sieh dir die Menschheit an, mit der du das realisieren wolltest. Neidisch bis ins Letzte, keiner gönnt dem anderen auch nur die Butter auf dem Brot, hintertrieben und grierig und bereit, für ein bisschen mehr und nutzlosen Krempel zu bescheißen und ihre Großmutter zu verkaufen. Denkst du, dass es den Anklang finden wird, den du dir gerne wünschen würdest?
    Gibt ja jetzt schon genügend, bei denen sich der Magen umdreht bei dem Gedanken, dass andere Geld dafür bekommen, nur weil sie da sind, nur weil sie geboren wurden. Und das wird auch noch eine gewisse Zeit so bleiben.
    Nebenbei, dass es eines mit dem Grundeinkommen nicht ändert: Die allgemeinen Preise.
    Jedes Jahr bist du am Erhöhen, wenn alles beim gleichen Standard bleiben soll, d. h. jedes Jahr musst du ein wenig mehr aus dem Hut vom Staat zaubern, der dieses Grundeinkommen zahlt. — Muss auch erst einmal besorgt sein.
    Wird also auf lange Sicht auch nicht das Allheilmittel werden — es sei denn, wenn du die Schuldenmaschinerie aufrecht erhältst. Irgendwoher muss es auch kommen.

    Würde in der Hinsicht also auch einmal ein ganz anderes Thema ansprechen: Den Giralgeld-Kreislauf.
    Denn so lang Geld aus dem Nichts gezaubert werden kann bzw. nicht verborgtes Geld doppelt und dreifach wieder in den Markt gepumpt werden kann, sodass am Ende mehr Summe in den Umlauf geraten ist als ursprünglich eine Bank einen Kredit von einer höheren Bank bekommen hat, so lang werden jedes Jahr weiter fleißig Nullen hinten an die Geldsummen rangeschrieben werden.
    Das ist der Kernpunkt allein schon warum stetig Preise schwanken, respektive steigen (meist ist es ja nur steigen, das Fallen kommt durch Ware verramschen).
    Für dein Grundeinkommen bedeutet das: Da kommt deine jährliche Erhöhung her, ja sogar die Höhe deiner Grundsumme, die du jedem geben willst, damit er anständig leben kann.
    Da kommen genausogut aber auch die steigenden Mieten und Preise für das Notwendige für alle anderen her, die arbeiten, sowohl in deinem als auch in fast allen anderen Ländern, die mit der gleichen Geldschöpfungsmethode arbeiten.
    Nebenbei bemerkt: Das BIP arbeitet auf keiner wirklich anderen Basis. Da wird sich auch nur auf die Schulter gehauen dafür, dass man für das laufende Jahr wieder 2% mehr Nullen hinter Summen schreiben kann und das nennt man dann »Wirtschaftswachstum«. Ob das Zeug verkauft wurde oder irgendwo vergammelt, interessiert dabei keinen mehr, das taucht nicht in den Zahlen auf. Ist für sie nicht relevant.

    Wenn es um die Steuersache geht — der Großteil der aktuellen Gesetze ist an und für sich schon ausreichend dafür, um eine juristische Verfolgung für Sünder durchzuführen. Woran es mangelt, ist das Backup für eine praktische Umsetzung: Erstens, du brauchst einen Geheimdienst von der Größe der NSA, oder besser noch von der Effektivität der Stasi, der es dir ermöglicht, an Daten deiner Sünder heranzukommen, auch bei Ländern, die diese nicht gern herausgeben aus Prinzip nicht (Stichwort Es Scha A), und der dir den Rücken freihält, wenn andere versuchen ihre Gesetzgebung auf den Territorium illegal auszuweiten (wieder Stichwort: Es Scha A); ein funktionierender einheimischer militärisch-industrieller Komplex wäre dafür auch hilfreich, denn mit Ländern, die bewaffnet sind, riskiert man keinen Krieg, nur um krumme Dinger zu drehen (siehe die Verhaftung von Herrn Kim-Dot-Com als Beispiel; oder das mit VW, obwohl alle Autohersteller schummeln).
    Und drittens, du benötigst eine Mafia als Schutzkraft für deine Ermittler, die sicherstellen, dass diese in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können, und nicht damit rechnen müssen, auf dem Nachhauseweg erschossen zu werden von jemandem, der deren Ermittlungen nicht will.
    Selbiges gilt auf für Richter und Leute, die im Justizapprat arbeiten, die sich mit dieserlei Art von Verbrechen mit größerem Ausmaß befassen.
    Kriegst du das annähernd hin, dürfte die praktische Umsetzung der Steuerfahndung schon eine ganz andere sein...
    Keine Großmächte mehr, die deiner Justiz vorschreiben können, welche Verbrechen sie von welchen Bürgern anderer Länder, die aber auf ihremBoden begangen wurden, zu verfolgen haben.
    Ebenso können die Reichen in deinem Land (insofern du noch welche in diesem Ausmaß hast, wie man sie aktuell kennt) es sich sparen, mit dreckigen Methode ihre Ermittlung loszuwerden.

    Dann kann man mal mit den Schlupflöchern weitermachen — was ohnehin auf eine grundlegende Neuausarbeitung des Steuersystems hinauslaufen würde. Diese deutsche Kleinligkeit, die hundert Fußnoten an einen Paragraphen ranhängt; es ist kein Wunder, dass man dazwischen immer ein Schlupfloch findet, oder zumindest etwas, was man ausnutzen kann, weil nicht einmal die Hälfte der gelernten Juristen sie verstehen.

    Falls man noch etwas globaleres hören von mir hören will: Wenn es um die Nahrungsmittel-Kette geht, um sich Emissionen zu sparen, und damit auch der Rest der Welt einmal etwas davon hat, was er anbaut, einfach mal darauf zuarbeiten, dass die eigenen Felder nicht als Objekt für Grundstücksspekulanten herhalten müssen, sondern zusehen, dass darauf wieder selbst Essen angebaut wird und Tiere weiden.
    Das brauch nicht um die halte Welt geschifft werden, zudem ist es noch nach den Standards angebaut, die man sich selber setzt in Hinsicht auf Pestizide oder ähnliches.
    Wenn es nicht reicht, oder man die Leute daran noch möglichst selbst beteiligen will, um die Kette am bestmöglichsten aufrecht zu erhalten, ihnen auch wieder erlauben, dass sie im Garten selbst angebautes normal in den Umlauf beim Laden bringen können ohne dafür amtliche Scheine wie ein Restaurant vorweisen zu müssen. — Falls da was passiert und es kommt heraus, dass du vergammelte Ware in Umlauf gebracht hast, stehst du trotzdem gerade dafür wie jeder mit Schein, der die Regeln missachtet hat.
    Weiß nicht, ob das eine Sache ist, die althergebracht war oder ob das die Osteuropäer und die Russen erfunden haben; jedenfalls haben das bis zur EU-Assoziierung in der Ukraine wohl dort noch so einige gemacht, auch um sich selbstständig die eigene Kasse etwas aufzubessern.
    Nebenbei war es eine gute Idee, mit deren Hilfe man die Nahrungsmittelgrundversorgung in der DDR soweit aufbessern und gewährleisten konnte, dass es nur einen Aufstand Berlin 1953 im Juni gab, der zu einem guten Teil durch hungernde Mägen befeuert wurde, und kein Dutzend. — Und das trotz dessen, dass wie in China heutzutage die Schweinehälften nach sonstwo verkauft wurden, aber nie die eigenen Leute gesehen haben.
    Falls einer dabei exorbitant hohe Preise drohen sieht — nun, wie wär‹ es damit, wenn die ganzen Subventionen für den Export von Nahrungsmittelgütern mal bei den Nahrungsmittelgütern landen, die selber gegessen werden sollen?
    Dass, in Geld bemessen, landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht mit Produkten aus der Schwerindustrie konkurieren können, das sollte wohl oder übel klar sein. Aber Nahrung wird gebraucht, sonst läuft das beste System nicht oder liegt in Asche. Am besten muss es so billig und erschwinglich wie möglich sein.
    Wenn man es nicht aus Ländern holt, deren Währungen in der eigenen nichts wert sind, und für die lange Transportwege notwendig sind, dann muss man zusehen, wie im eigenen Land die Preise herunterkommen.
    Sollte das mit lauteren Mitteln nicht möglich sein, bietet sich auch immer noch die Alternative mit den Subventionen — und ob man die dogmatisch nicht einsetzen will, sollte man sich gut überlegen, denn hungrige Mägen haben schon so einiges umgeworfen.
    Die Franzosen haben ihren König auch nur geköpft, weil in den Jahren Missernten waren und das gemeine Volk Hunger geschoben hat (während die Speicher der Reichen stets gefüllt waren).

    2 Cent für die Sparbüchse.

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