10 Gedanken zu “Was ist Wahrheit?

  1. Netter Spruch. Erinnert mich an einen ähnlichen, den ich vor kurzen irgendweo gelesen hatte.
    Ging sinngemäß darum, dass eine offene Gesellschaft immer mehrere Wahrheiten nebeneinander ertragen kann. Eine, in der es immer nur EINE Wahrheit geben darf, ist prinzipiell totalitär.

  2. ...und ein Teil der Beherrschten sabbernd danach schreit , diesbezüglich von den Herrschenden bedient zu werden.

  3. Was wäre eine solche Wahrheit?
    Eine längerhin währende Wahrheit und zugleich jüngst relaunchte Wahrheit dieser Art kann wohl sein, dass klassensegregierte Lebensformen Folge zufälliger indiviudeller Handlungen sind.
    Mit großem Erfolg wurde ja der ganze Gedankenkomplex um den Begriff Klasse abgeführt. In jeder Hinsicht und zwar nach der Art eines epistemologischen Dekrets. Die entstandene Leere wurde mit einem ›man denkt heute nicht mehr so‹ gekittet.
    Die wahrheit (klein) wäre also: aufgrund der Klassenzugehörigkeit erfahre ich Nachteile in der Lebensgestaltung. Die Wahrheit (groß) wäre: ich habe individuell ungünstig gehandelt in Situationen, für die bessere Handlungsalternativen vorliegen würden und erfahre deshalb Nachteile.
    Der Beherrschte, ich und du, werden angesprochen und beherrschaftet (so wie bewirtschaftet). Danach sehen wir den sozialen Raum anders: überall sehen wir den individuellen Leistungswillen, der die Positionen erzeugt. Wir schauen in die Realität und nehmen größer werdende Klüfte in jeder Kapitalhinsicht wahr. Und überall haben wir jene Erklärung: Der Raum ist herrschaftsfrei, neutral, voller gleich‐gültiger Punkte. Setzen diese sich in Bewegung, ensteht eine natürliche Anordnung gemäß dem Leistungswillen der einzelnen Punkte. Ist die Anordnung eine Kluft, so mag sie eine Kluft sein. Der Vollzug des Leistungswillens durch die Zerklüfteten könnte dies gleich wieder verändern. Nur, da Menschen, wollen sie vermutlich nicht. Du bist arm? Du willst arm sein. Er ist reich? Weil er reich sein will.
    Dies ist die Wahrheit.
    Die wahrheit lautet natürlich anders. Der Wille ist zwar überall da, aber überall anders. Nicht jeder Mensch hat ihn eingeübt bekommen wie einer an einem katholischen Kollegium (wie hinterfotzig übrigens: das Christentum, Nächstenliebe und Mitleid predigend, ist immer noch Bildungsbrutstätte von leistungsgtrimmten Kindern).
    Aber abgesehen davon, lebt es sich natürlich anders, wenn man zwei Doktoreneltern hat, wenn die Familie 470000 Euro auf der hohen Kante hat inklusive Ferienhaus im Grünen, wenn wöchentliche 1–2000 Euro den volatilen Arbeitsspeicher ausmachen ohne Arbeitsaufwand und nicht etwa 100–150 Euro mit Arbeitsaufwand. Da schießt man förmlich durch den Bildungssektor hinauf bis zum krönenden Abschluß. Während jener herumrätselt, wie er mit der Frau Professor darüber spricht, geht jener locker hinein, da derengleichen ohnehin regelmäßig bei ihm zu Hause zum Abendessen kommt. Dieser wird an 7 Praktikumsstellen abgewiesen, jener hat vier zur Auswahl: 3 von Vaters Seite, 1 von Mutters Seite. Jener fährt nach Absolvierung der Ausbildung drei Monate durch Südamerika und macht danach im Kulturverein einen geschätzten Vortrag, bevor er nach einer Akklimatisierungszeit von zwei Wochen befreit und zuversichtlich im bekanntschaftlichen Umfeld zu arbeiten beginnt, ziemlich weit oben gleich. Dieser ist hingegen schon müde, die Ausbildung ist zu Ende, aber die Lohnarbeit muss unabhängig der eigenen Präferenzen ausgewählt werden, sofern überhaupt eine gefunden werden kann. Ansonsten muss die bisher ausgeführte fortgeführt werden. So tragen beide unterschiedlich die Wahrheit in sich: der eine beschaut sich voller Stolz selbst: der typische eigene, nicht übermäßig Unlust fördernde Anstrengungsaufwand hat zu Wohlstand, Sorglosigkeit und einem schönen Leben geführt. Allseitig gesättigt und in guter Balance mit sich und der Umwelt öffnet sich die Zukunft als holde Weide. Bei jenem hingegen scheint es so, als wäre eine Fehlentscheidung auf die andere gefolgt wie überhaupt das Energetisierungslevel zu nieder war und ist, obwohl er fast täglich sehr sehr erschöpft war und ist. Das Leben erscheint ihm als fortdauernd Kraft und Aufzehrung abverlangendes Schicksal, dem er mit allem Aufwand nicht habhaft zu werden scheint.
    Es ist der Irrsinn unserer Zeit, die ungleiche Zuteilung an materiellen Ressourcen als Gerechtigkeit anzusehen. Es ist geradezu erschreckend, wie eingängig diese Ansicht in den meisten Teilen der Gesellschaft akzeptiert wird, wie blind geglaubt wird, Ungleichheit fördere die Anhebung des insgesamten Niveaus. Was für ein metaphysischer Humbug. Dies letztes ist zweifellos auch eine dieser Wahrheiten, die die Beungleichten zu glauben angehalten sind. Damit hätten wir schon zwei.

  4. @ flavo

    Mein spontaner Gedanke zu Ihren Wahrheiten :
    Das Tor des »kybernetischen Kosmos« öffnet sich spaltbreit.

  5. Tja , mit der Wahrheit hab ich mich mein Leben lang beschäftigt und muß sagen , dass ich immer wieder auf Max Frisch, Andorra, das wir als Schüler, Ende der sechziger lasen zurückkomme. Das Motto dieses Dramas lautet:

    »Einmal werd ich die Wahrheit sagen, das meint man, aber die Lüge ist wie ein Egel, sie hat die Wahrheit ausgesaugt.«

  6. Wahrheit liegt immer im Sinne des Betrachters. Das Beispiel von flavo zeigt das auf umständliche Art und Weise. Beide Lebensarten sind unterschiedlich und dennoch wird auch das Kind der reichen Eltern seinen Erfolg als erarbeitet ansehen. Sein Umfeld besteht nur aus Menschen mit ähnlichem Hintergrund. Man lebt in seiner Welt in der man eine Wahrheit zu kennen glaubt.

  7. Wahrheit ist eine gute Sache. Das Problem ist nur, dass wir erzogen werden, dass eine Vermutung, eine Meinung, das Glauben an was mit Wahrheit zu tun hätte.

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