Smalltalk

Das kleine Sprechen, so sagt man mir oft, erleichtert den Zugang zu anderen Menschen. Ich solle mich auf der Oberfläche bewegen, keine tiefgründigen oder ernsten Themen ansprechen. Humorvoll sein, über Lohnarbeit und über mein unmittelbares Umfeld reden. Alles darüber hinaus werde als anstrengend empfunden. Diskurse aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Medien, Philosophie und Kunst würden die meisten Menschen eher abschrecken, ich solle sie daher meiden. Auch Kritik werde ungern gesehen.

Doch smalltalk wird schnell zum normaltalk. Ob bei Facebook, auf Partys, mit den Arbeitskollegen, selbst mit Freunden oder der Familie: die alltägliche Kommunikation bleibt nicht selten auf dem Niveau der Einstiegskommunikation. Wenn ich mich jedoch ständig mit meinen Mitmenschen über Dinge unterhalte, die mich nicht in die Welt werfen und in sie eintauchen, mich nicht berühren und empathisch aktiv werden lassen — so bleibt nicht nur die Beziehung zu meinen Mitmenschen oberflächlich, unverbindlich und belanglos, sondern auch das Verhältnis zu mir selbst.

5 Gedanken zu “Smalltalk

  1. Aber das ist doch die Agenda: Nicht‐ bzw. Minderleistungsträger sollen
    SPURLOS verschwinden. Irgendwie hat das System die Unzerstörbarkeit wahrhaft menschlicher und potentiell wertstiftender Worte (nur unterbewusst, aber umso eindringlicher) begriffen.
    Der Abwehrreflex parasitärer Organismen / Systeme eben …

  2. Systeme eben …
    Genau das.
    Empathie als Resultat von Sprache, ist genauso gültig, wie Sprache als Resultat von Empathie. Die ständige Überbewertung von Sprache, lenkt zudem vom Zustand ab, dass die möglichen Vorbilder in ihrer Logik selber hinken. Abstraktes Denken z.B. verleitet automatisch dazu, den Inhalt der Abstraktion nur noch oberflächlich zu betrachten. (Smalltalk und Oberfläche, sind begriffliche Abstraktionen.) Und es waren die »tiefen« Denker, welche die Abstraktion über alles hoch gejubelt haben, um die Tiefe selber zu abstrahieren. Und diese Oberfläche dann anderen vorzuwerfen. Spaltung zugunsten von Eliten, gegen ein soziales und humanes Miteinander.

    Meine ganz persönliche, und natürlich zu‐höchst niveaulose und triviale Empfehlung;
    Zwischen Marx und Adorno, passt noch’n Comic und’n Porno.
    (Anders rum, — natürlich auch ;)

  3. Nicht nur System , genauso auch das selbst gewollte Versinken in der eigenen Bräsigkeit , der gezielten und höchst freiwilligen Selbstverblödung eines Teils der »Masse«.
    Drei ganze Sätze werden da schon als Belästigung empfunden, als Störung der Friedhofsruihe und dem »Recht« auf Blödheit.

  4. @Eike
    Fussball hab ich keine Ahnung. (Ist mir zu kompliziert). Aber ich kann dir sagen wer Dart‐Weltmeister ist. Das, — noch’n echter Arbeiter‐ und Kneipensport ;) Hach, — geht leider auch unter. (Nebendran, läuft dann immer Fußball)

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