Kinder in Deutschland; Teil 28: Alleinerziehend

Alleinerziehend zu sein, gilt in Deutschland, nach wie vor, als großer Makel. Immer steht die Frage im Raum, was die Gründe dafür seien, wie man das finanziell schaffe und ob man überhaupt lohnarbeiten könne, ohne das Kind zu vernachlässigen. Und sollte man nicht lohnarbeiten, was man seinem Kind denn dann vorleben würde. Schließlich bräuchten Kinder Mutter und Vater, eine intakte Familie sowie gute Vorbilder. Das Thema ist hochgradig emotional aufgeladen. Machtkämpfe beherrschen das Schlachtfeld. Sorgerechts‐, Unterhalts‐ und Psychokriege sind häufige Begleiterscheinungen der Alleinerziehenden. Und nicht selten sollen sich Beteiligte und Familienangehörige für eine Seite entscheiden. Bei all dem wird stets übersehen, dass vor allem eine Partei am wenigstens zu entscheiden, aber am meisten darunter zu leiden hat: die Kinder.

Ursachen
Wenn von Alleinerziehenden gesprochen wird, dann wird in aller Regel davon ausgegangen, dass dies vor allem Mütter seien. Dabei gibt es in Deutschland auch alleinerziehende Väter, selbst wenn diese deutlich in der Minderheit sind. Sie spielen in der Berichterstattung der Massenmedien eine untergeordnete Rolle. Häufig wird von der Doppelbelastung Kind und Lohnarbeit sowie über das Armutsrisiko von alleinerziehenden Müttern berichtet. Hierbei wird selten differenziert. Unter alleinerziehend subsumiert sich dann alles was irgendwie zu »alleinstehende Mutter mit Kind« passt. Die unterschiedlichen Motive, Beweg‐ und Hintergründe werden selten näher beleuchtet.

Im Jahr 2009 lebten 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern in Deutschland. Fast jede fünfte davon (19%) war eine Familie einer alleinerziehenden Mutter oder eines alleinerziehenden Vaters. [...] Im Jahresdurchschnitt 2008 bezogen laut Bundesagentur für Arbeit von allen Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern 41,6% Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende, im Vergleich zu 8,7% bei Paaren mit Kindern.

- statistisches Bundesamt 2009

Ich wage hier die These, dass alleinerziehende Mütter eben nicht immer nur Opfer der Umstände sind, sondern auch eine Verantwortung zu ihrer Situation haben. Angefangen bei Teenie‐Müttern, die nicht aufgepasst haben, bis hin zu Frauen, die einen starken Kinderwunsch verspüren und dabei nicht so sehr auf die Partnerwahl achten, aber hinterher immer behaupten, er sei ein Arschloch, kümmere sich nicht, aber dennoch gerne die Unterhaltszahlungen entgegen nehmen. Dennoch gibt es natürlich auch männliche Arschlöcher, die sich ihrer väterlichen Verantwortung entziehen. Das dies jedoch die alleinige Ursache der alleinerziehenden Mütter in Deutschland sei, wage ich zu bezweifeln. Die Gründe sind vielschichtig, haben ihren Kern aber fast immer in zwischenmenschlichen Konflikten, an denen Väter und Mütter beteiligt sind.

Gemeinsamerziehend?
Während vom Attribut »alleinerziehend« massenweise Artikel, Bücher und TV‐Berichte veröffentlicht werden, wird vom Gegenteil, das gemeinsame Aufziehen der Kinder, kaum gesprochen. Ist es nicht so, provokant formuliert, dass in den meisten Fällen die Mütter so oder so die Kinder alleine erziehen? Sei es, weil der Vater den ganzen Tag lohnarbeitet und sich vor allem am Wochenende oder bei gelegentlichen Grenzsetzungen bemerkbar macht. Sei es, weil sich der Vater bei der Erziehung freiwillig zurückzieht und dass lieber der Mutter überlässt. Oder sei es, weil die meisten Mütter das Pädagogik‐Thema gerne für sich alleine in Anspruch nehmen, ungern die Kontrolle abgeben wollen und es als naturhafte Frauen‐Domäne betrachten. Eine gemeinsame klare Pädagogik‐Linie wird eher in den seltensten Fällen vorhanden sein. Die kindliche Redewendung »wenn Papa nein sagt, frag ich Mama« (und umgekehrt) verdeutlicht das. Vielmehr ist das Erziehungsthema innerhalb der Familie häufig sehr konfliktgeladen. Und das zwischen allen relevanten Bezugspersonen. Vor allem auch mit den Großeltern, die ihre Enkel häufig materiell und emotional verwöhnen, bewusst  gegen die Erziehungsmethoden der Eltern verstoßen, um Konflikten mit den Enkeln aus dem Weg zu gehen und um sich damit der Liebe der Enkel zu versichern.

Auffällig, wie so oft wenn über Alleinerziehende, Mütter, Väter, Kitas, Schule und Erziehung gesprochen wird, ist, dass es bei der Berichterstattung über Alleinerziehende selten um die Kinder selbst geht. Im Vordergrund stehen immer die Bedürfnisse der Erwachsenen, auch wenn das natürlich nie offen gesagt wird. Es geht um Geld, Ansehen und Anerkennung, Status, Lohnarbeit, verletzte Gefühle und Stolz. Alle glauben zu wissen, was gut für Kinder sei, ohne sie jemals gefragt zu haben.

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Eine Zusammenfassung der ersten zehn Teile der Kinderserie ist auf www.zeitgeistlos.de zu finden. Alle bisherigen 27 Folgen können im ZG‐Blog in der Rubrik Kindheit gefunden werden.

2 Gedanken zu “Kinder in Deutschland; Teil 28: Alleinerziehend

  1. Kinder sollen ja auch in Normen und Regeln gepresst werden, damit die Lebenslüge offener Vollzug immer noch System bleiben kann.

  2. »Dennoch gibt es natürlich auch männliche Arschlöcher, die sich ihrer väterlichen Verantwortung entziehen«.

    Welche Verantwortung?
    Wenn der Mann das Kind gezeugt hat, ist für ihn die Sache erledigt.
    Der Rest ist reine Frauensache.
    Schliesslich muss sich der Mann ja wieder der erneuten Suche nach einer gebährfreudigen Dame umsehen.
    Das ist genug Arbeit.

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