Alltägliche Inklusion

Ein junger Mann mit Down‐Syndrom lächelt im Bus zwei junge Frauen an. Sie kichern, lachen und machen sich lustig über ihn. Ein Busfahrer legt eine Rampe aus, damit ein Mann im Rollstuhl in den Bus einsteigen kann. Die meisten Fahrgäste sind wegen der zusätzlichen Wartezeit genervt. Ein Obdachloser bettelt in einer Einkaufsmeile, ein paar Jugendliche schauen ihn abschätzig an und beschimpfen ihn. Ein Kleinkind weint in der U‐Bahn. Viele Fahrgäste verdrehen die Augen.

11 Gedanken zu “Alltägliche Inklusion

  1. In unserem dauernden Kampf nach Reichtum, zweifelhafter Ehre, und falscher Anerkennung, lassen wir jene liegen die es wohl nicht schaffen werden. Sie halten uns nur auf, sind uns ein Klotz am Bein, bestenfalls ein Wetzstein.
    Im Falle des schreienden Kindes zeigt sich etwas anderes sehr deutlich. Wir sind uns selbst zwar nicht genug, aber gegenseitig zuviel.

  2. Wenn man einer Gesellschaft den puren Materialismus als Ideal eintrichtert, wird das früher oder später im Sozialdarwinismus enden.
    Es hat sich nichts geändert.

  3. Zum Sozialdarwinismus paßt aber auch der uralte Rassismus, der sich hier wieder einmal gezeigt hat:

    »[...]Zu blond für ein Romakind?[...]«

    Quelle und kompletter Text:

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/155228

    ...kleiner Tipp, es geht um das uralte Vorurteil, dass mein Vater schon zu Lebzeiten beschrieb »Zigeuner klauen kleine Kinder und verkaufen diese« — so selbst gehört in den Zeiten als er aufwuchs (mein Vater war Jahrgang 1932)...und schon damals ein Vorurteil....

    ....irgendwo las ich mal, dass in Krisenzeiten eben die häßliche Seite der jeweiligen Gesellschaft zum Vorschein kommt....so hier eben auch....

    ....übrigens, als oberste Hetzpresse, was Rassismus angeht, glänzt mal wieder die Blöd‐Zeitung — ganz vorne mit dabei....

    Was den Telepolis‐Artikel angeht, da unterläuft dem Autor aber auch ein kleiner Fehler, denn er meint, dass alle Zigeuner Roma sind, was die NZZ aber anders sieht, und auch ich, da ich schon das Vergnügen mit irischen Zigeunern hatte, die sich selbst nicht Roma sondern Traveller nennen....ja es soll auch Cinti und Jenische geben, und das kann jeder wissen, der einmal ein Buch über Zigeuner gelesen hat, oder auch nur im Netz recherchiert hat....

    Meiner Familie wurde übrigens auch schon an den Kopf geworfen, von der verfeindeten Nachbarschaft, dass wir ja Jenische (=badisch‐schweizerische Zigeuner) wären, da meine Großmutter väterlicherseits von einer Korbmacherfamilie abstammt, die oft — des Handels wegen — nicht seßhaft war.....ein Klischee, da nicht alle Korbmacher Jenische sind.....na ja, auch egal.....

    Ich wollte nur mal darauf hinweisen, dass in neoliberalen Zeiten eben auch Rassimus gegen gesellschaftliche Randgruppen mit zum Sozialdarwinismus gehört — übrigens, die Zigeuner wurden im Dritten Reich verfolgt, wie man z.B. beim Autor Wolfgang Ayaß nachlesen kann, weil die eben »faul«, »arbeitsscheu« und »asozial« waren....

    Kommt einem das nicht bekannt vor?

    Das Klischee mit den kinderklauenden Zigeunern kann man übrigens auch anders herum aufrollen, da z.B. in der Schweiz Jenischen die Kinder als Verdingbuben, und -mädels entrissen wurden, und zu Bauern gesteckt wurden — ebenso wie arme Schweizer Kinder, die als »asozial«, »faul« und »arbeitsscheu« verschrien waren — da haben die Schweizer von den Nazis gelernt.....und leider diese Praxis sogar noch bis weit in die 1970 Jahre ausgeübt.....traurig, aber leider wahr....

    Sorry, für die Abschweifung, aber ich wollte es mal erwähnt haben, da es m.E. auch dazu gehört diese Seite der Ungerechtigkeit zu beschreiben....

    Trauriger Gruß
    Bernie

    PS: BIldblog weist hier

    »[...]4. »Blonde Roma‐Kinder«

    (nzz.ch)

    Zwei blonde Roma‐Kinder werden in Irland »vorübergehend in den Gewahrsam der staatlichen Gesundheitsbehörde« genommen und dann »wieder zu ihren rechtmässigen Eltern zurückgebracht«. »Archaische Klischees über die Gewohnheit der Fahrenden, die Kinder von Sesshaften zu rauben, schlugen sich in zahlreichen Online‐Kommentaren aus der Leserschaft nieder. Auch die irische Polizei scheint dieser toxischen Gedankenkette erlegen zu sein, als sie Familien leichtfertig auseinanderriss.«[...]«

    Quelle: http://www.bildblog.de

    ...auch darauf hin, ebenso mit einem Hinweis darauf, dass die irischen Kinder keine Roma sonder Traveller‐Kinder sind, wenn man dem Link folgt.....

  4. @Epikur
    Wer sehen kann, der sieht. Wer nicht, der nicht.

    @Bernie
    Danke für den kleinerem persönlichem geschichtlichen Exkurs zu dem Thema Traveler. Viele der Deatils zB zu den Jenischen, die ich eigentlich nur dem Namen nach kenne, sind sehr interessant.

    Ich habe auch den Artikel bei Telepolis gelesen. Am meisten hat mich dort folgender Ein‐Satz‐Kommentar

    »Komisch nur, dass es weltweit nicht einen einzigen blonden,
    blauäugigen Zigeuner gibt.«

    ungläubig staunen lassen, ob der Dummheit/Ignoranz, dann war ich schlicht irritiert, schlussendlich musste ich verzweifelt lachen. Dieser entgegen jeglocher Logik ‚vollkommen Irrationale, rassistische »Kommentar« wurde bis zum Anschlag »Grün« bewertet. Bestätigt meine Arbeitshypothese, dass die meisten Menschen nicht in der Realität leben, sondern in mythischen Kopfgeburten und absurd‐phantastischen Vorstellungswelten, abseits jeder Objektivität/Realität. Daraus ergeben sich paranoide Welten und manigfaltige Feinde, die man überall sieht. Dieses Verhalten betrifft jedoch nicht nur Rassisten, sondern auch viele andere hysterische »Kämpfer«.

    Dass die »Zigeuner« Kinder mitnehmen, entführen, wasauchimmer, ist eine besonders willkommene »Erklärung«, wenn die Kinder in der Familie misshandelt missbraucht und anschließend zB vomVater totgeschlagen werden. Übrigens ist es auch eine tolle Art den »Zigeunern« vorzuwerfen, sie würden ihre Kinder betteln schicken, das machen manche »Arche‐Eltern« auch.... aber viel perfider... sie selbst leben gut, entbehrt/gespart wird nur beim Kind, das rausgeschickt wird zum Freund essen, zur Arche oder zur Oma. Typische Projektion. Wie auch bei, die Anderen sind »faul«, »arbeitsscheu« und »asozial«. Man schließt sehr gerne von sich auf andere.

  5. Ich habe beruflich mit Behinderten und Kranken zu tun. Täglich und in der Öffentlichkeit. Und ich kann dem Eindruck des Artikels definitiv nicht zustimmen. Wenn es Gekichere oder Pöbeleien gibt dann vor allem von Kindern, die noch in der Pubertät stecken. Ansonsten sind negative Erlebnisse die absolute Ausnahme. Bis in die Siebziger Jahre hinein war das sicher noch anders.

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in der Schweiz arbeite. Andererseits: in der Schweiz war es in manchen Regionen in den Siebzigern noch üblich Hunde zu essen (war so :) und Frauen durften nicht wählen. Und es gab Gesetze, die für »genetisch Vorbelastete« Menschen die Zwangssterilisation vorsahen (Eugenik). So gesehen ist die Schweiz das Paradebeispiel dass sich eine Gesellschaft auch zum Positiven ändern kann.

    Leute, ich kann ja verstehen, dass ihr durch die Politik und die Massenmedien gefrustet seid. Aber glaubt bitte immer an die Menschen. Nur so läßt sich auch etwas ändern. Ein freundliches Lächeln in der U‐Bahn ist mehr wert als hundert gescheite Postings.

  6. @W.Buck.
    Was willst du uns eigentlich sagen? Machst du jetzt den Guru, — oder was?

    Mal unter uns. Ich glaube schon an die Menschen. An die Aktiven, — nicht an die Passiven, — die in die Schweiz flüchten.

  7. @W.Buck

    Keine Ahnung, wie es in der beschaulichen provinziellen Schweiz ist. In der Großstadt Berlin jedoch, ist es so, wie ich oben beschrieben habe. Und hier leben über 3 Millionen Menschen. Also die Masse.

  8. @W. Buck

    Schweizer?

    Ich habe beruflich mit Touristen zu tun — auch viel mit Touristen aus der Schweiz — und da machte ich die Erfahrung, dass in der seligen Schweiz der Sozialabbau in Deutschland ein Fremdwort ist — ebenso wie die komplette Agenda 2010 bzw. Hartz IV.

    Ja, viele Schweizer kopieren die medial verbreiteten Vorurteile über dt. Unterschichten, und meinen was man denn hätte wenn man denen von den sozialen Untaten der letzten 30 Jahre in Deutschland erzählt.

    Meines Erachtens liegt es daran, das die Schweizer Medien eben ein Deutschlandbild malen, dass die 1:1 von den neoliberalen Medien Deutschlands übernommen haben, und in anderen Ländern sieht es sicher auch nicht besser aus.

    Wäre doch sicher mal interessant zu sehen wie Resteuropa über die Verbrechen der Agenda 2010 denkt, so außerhalb Deutschlands.

    Ich bin sicher, dass hier viel eben auf ihre jeweiligen Medien angewiesen sind, und es ganz genau daher ein Kinderspiel ist — als Merkel — diese sozialen Grausamkeiten 1:1 auf andere Länder zu übertragen.

    Traurig, aber leider wohl wahr....die neoliberalen Medien überwiegen auch in anderen Ländern, und da hilft nur Aufklärung....über soziale Grausamkeiten, die vielleicht nicht Schweizern so schnell blühen, aber den Rest‐EU‐Staaten sicherlich.

    Trauriger Gruß
    Bernie

  9. @Epikur

    Siehe mein Hinweis auf meine Erfahrung mit Touristen aus der Schweiz die meinten, dass dt. Arbeitslose »zu faul« und »arbeitsscheu« wären, und deren Überraschung als ich darauf hinwies, mit Belegen, dass dies oft der neoliberalen Propaganda geschuldet ist was die in der Schweiz denken sollen — auch in ihrem Heimatland, dass viel 1:1 von dt. Mainstream‐Medien übernimmt.

    Gruß
    Bernie

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