Wissen ist relativ VII

Back to the Roots, aber nicht im positiven Sinne. Die »Enzyklopädie des relativen Wissens« bekommt ein abgespecktes Update. Neu sind die Begriffe Hoffnung & Stolz, aber die vierte Definition lässt noch auf sich warten. Wir schreiben also weiter und schauen mal, was sich ergibt.

Wir hatten auch schon einen Bewerber, aber wir merkten im Prozess, dass sein Stil einen großen Bruch zu den bisherigen Definitionen bringen würde. Wir danken minimal trotzdem für seine Mühe und möchten seine hedonistischen Ansichten der beiden Begriffe mit euch teilen:

Hoffnung von minimal
Dem Armen ist nicht mehr gegeben, als gute Hoffnung, übles Leben.« (Freidank)
Hoffnung gibt mir das humorlose Gefühl, einmal in den Genuß dessen zu kommen, was sich mir nicht erschlossen hat, ohne daß ich selbst das Erschließen beeinflussen könnte. Sie betrachtet von außen, worin ich gerne wär'. In dieser grotesken Leblosigkeit sagt man mir am Sterbebett, ich führte ein zufriedenes Leben, weder daß es gelungen noch zufriedenstellend gewesen sein muß.
Sie ist im besten Falle bloßes »Fortschreiten von Begierde zu Begierde« (Hobbes), im schlechtesten verschleudere ich mein »Jetzt« für ein fiktives »Später«.
Ich hoffe also, weil ich nicht tue, was ich will. Sie ist Platzhalter für die Zeit vor dem Tod und opfert mich der Willkür eines »hoffentlich« existierenden Paradieses.
Zu allem Verdruß und Neid vernichtet der Moralisierende selbst das wenig Schöne in der Hoffnung, mit Helmut Kentler aus »Lebensgenuß« gesagt: »Und ich gestehe: jene Sozialisten (...), die den Leuten einen guten Schinken nicht gönnen, weil er sie vergessen lassen könnte, daß es um den Sieg der Moral geht, sind mir unheimlich und unsympathisch. Wie sehr hingegen (...) zu schätzen, der ein Schinkenbrötchen (...) zu genießen versteht, und der ein Revolutionär ist, weil er einen Vorgeschmack vom Besseren hat.« Hoffe nicht, lebe!

Stolz von minimal
Stolz bedeutet sowohl Überheblichkeit als auch berechtigte selbstbewußte Freude (über jemanden oder etwas) — Herkunft: »erhaben«.
Überheblichkeit: Meine Imperfektion soll übertüncht werden mit der Deperfektion des Gegenüber. Das nennt man Eierlosigkeit. »erhaben« setzt voraus, daß es auch ein »karg« gibt. Im Sinne von »Stolz« hieße das »Demut«, die widerum wie der Stolz in echte und falsche Demut zu unterteilen wäre. »erhaben« ist der falsche Stolz und »karg« die falsche Demut.
Mit Substanz wartet die berechtigte selbstbewußte Freude auf. Freude ist gut, gemessen am »Wodurch?« erweitert mit selbstbewußt. Hier wird es schwer, da genau hier wohl auch die Eierlosigkeit ihren Anfang nimmt. Ich bin also stolz, weil ich es weiß, und nicht, weil es mir jemand sagt. Wer aber will »berechtigt« beurteilen? Ein Gott in einer Zwischenwelt, der/die/das aber nicht zu uns spricht? Kant? Goethe? Hitler? »Du bist Deutschland« grunzt »das« Volk und freut sich schon, daß es wieder kollektiv stolz sein darf. Es braucht die Berechtigung nicht. Es liegt ausschließlich an mir und meiner Ehrlichkeit zu mir selbst.
Stolz ist die selbstbewußte und -ehrliche Freude (über jemanden oder etwas). Psycho‐Ästhetik.

Unsere Begriffe wie immer auf zeitgeistlos.de

6 Gedanken zu “Wissen ist relativ VII

  1. Ui. Das man jetzt aber Hedonismus für Sachliche? Man merkt deutlich die Betrachtungsweise von außen. ( Bei Hoffnung und Stolz ? — Da fehlt ein wenig Erotik für die Porschefahrer und Frauennachpfeifer ;)

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  3. @antiferengi

    Würde ich meiner Definition dogmatisch treu bleiben (müssen), müßte ich nun bei der potentiellen Eierlosigkeit genauer nachhaken. ^^

    Im Ernst: Diese Gedanken dazu wären mir nie gekommen, passen aber besser zum bisherigen Hedonisten. Der alte Hippi als Hedonist wäre allein genommen schon interessant.

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