Offener Brief an die »Blätter«

Liebe Blätter‐Redaktion,

ich bin mittlerweile seit über einem Jahr begeisterter Abonnement und Leser eurer monatlichen Zeitschrift »Blätter für deutsche und internationale Politik«. Ihr beweist mit oft sehr guten und intelligenten Beiträgen, dass in einer durch und durch visualisierten Schönwetter‐Gesellschaft, es auf vor allem auf den Inhalt ankommt und eben nicht auf die Verpackung. Eure »Bleiwüsten« sind eine wahre Freude. Insofern bin ich erstaunt, dass ihr einen so großen Wert auf vermeintlich »namhafte Autoren« legt. Besteht für euch automatisch eine Kausalität zwischen einem akademischen Titel und einem guten Beitrag? Wie wäre es, wenn Ihr öfters auch mal nicht‐Akademiker zu Wort kommen lassen würdet? Ansonsten werde ich das Gefühl nicht los, ich habe es bei den »Blättern« vor allem mit sog. »Luxus‐Linken« zu tun.

Ein weiterer Punkt der mir übel aufstößt, ist euer Verbreiten einer einseitigen feministischen Ideologie. Wenn Ingrid Kurz‐Scherf in der Blätter‐Ausgabe 509 schreibt, dass »Konkurrenz, Kampf und Dominanz« moderne Männlichkeit bedeuten und die Wirtschaftskrise vor allem patriacharlen Strukturen zu verdanken sei, macht ihr euch zum Büttel radikaler Feministinnen. Frauen tragen den Kapitalismus genauso mit und aufrecht wie Männer, wie z.B. im starken Konsum von Kosmetik oder Textitilien zu sehen ist. Auch dass im Zuge der Wirtschaftskrise vor allem Männer ihren Arbeitsplatz verlieren, wie SpiegelOnline am 30. April 2009 berichtete, wird hier einfach ignoriert. Letztendlich verläuft jede Argumentation immer auf eines hinaus: die Männer sind schuld. Warum Ihr diesen Beitrag dann auch noch in der Rubrik »Debatte« verortet ist mir schleierhaft. Ich bezweifle, dass Frau Kurz‐Scherf andere Argumente gelten lässt. Das Patriarchat ist schuld und basta. In diesem Sinne würde ich mich freuen, wenn Ihr in eurer Zeitschrift auch mal Leserbriefe abdrucken würdet. Diese würden eine wirkliche Debatte und Diskussion vorantreiben.

Insgesamt bin ich jedoch ein zufriedener Leser, dem unkritisches Denken jedoch fern liegt.

Mit besten Grüßen

Markus Vollack

P:S: Dieser Brief wurde per mail am 2. Mai 2009 an die Blätter‐Redaktion gesandt. Sollte eine Antwort eintreffen werde ich sie hier abdrucken.

Ein Gedanke zu “Offener Brief an die »Blätter«

  1. Patriarchalische Strukturen haben nur sehr bedingt mit ›Männern‹ zu tun — Frauen können das, wie du ja auch selbst andeutest, im Zweifelsfall genauso gut. Und es gibt einen ›Feminismus‹, der im Grunde genommen gar nichts anderes will, als patriarchalische Strukturen für Frauen zu ›erobern‹...:

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/958553/

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