Mit zweierlei Maß

Die Unruhen und Proteste im Iran beherrschen seit längerer Zeit die Presse. Der moralische Zeigefinger und die Verärgerung des Westens über eine erneute Amtszeit Ahmadinedschads ist nicht zu überlesen. Allerdings wird sich auch, ohne jede Rücksicht auf die staatliche Souveränität des Iran, eingemischt und Stimmung gemacht. Wenn das Handelsblatt vom „Polizeistaat“ schreibt oder die Welt betont, der „Iran schotte sich von der Welt ab“, frage ich mich wieviel Heuchelei und Verlogenheit der Mainstream-Presse eigentlich noch ertragbar ist?

Zum Einen wird die Geschichte Irans, insbesondere das westliche Einwirken der USA, die das Mullah-Regime im Jahre 1979 mit herauf provoziert haben, konsequent verschwiegen. Die USA haben den Iran jahrezehntelang zu einer prowestlichen Diktatur umgebaut und als „Bollwerk gegen den Kommunismus“ benutzt, bis die Iraner die Schnauze voll hatten und im Jahre 1979 das Mullah-Regime installiert wurde. Die Geiselnahme von mehreren hundert US-Diplomaten im Jahre 1979 verdeutlicht das Platzen der aufgestauten Wut vieler Iraner gegen die USA. Ein Blick in die Geschichte würde so manchem Journalisten der bürgerlichen Medien die Augen öffnen.

Zum anderen werden die bürgerlichen Rechte und Freiheiten auch hierzulande immer weiter beschnitten. Man denke nur mal an die Internetzensur (die natürlich keine ist, sondern nur ein Vorgehen gegen Kinderpornographie), an die Justiz-Gebühr für Sozialklagen, insbesondere die von ALG2-Empfängern (die natürlich keine Beschneidung der Rechte ist, sondern nur die Klagen minimieren soll, auch wenn sich dann kaum noch ALG2-Empfänger sich diese Klagen leisten können) oder an das Vorhaben die Bundeswehr im Innern einsetzen zu wollen (auch das dient natürlich nur der Bekämpfung von Piraten in Küstennähe). Als die Bundeswehr beim G8-Treffen in Heiligendamm gegen die Demonstranten vorgegangen ist, sprach kein deutsches Medium vom „Polizeistaat“, denn sie diente natürlich nur der „technischen Amtshilfe“.

Es wäre eindeutig mutiger, wenn die deutsche Journaille mal den Finger in die deutsche Wunde legen würde, statt ihn moralisch gegen ein weit entferntes Land zu erheben. Aber da haben sicher die Verlagsbosse und Anzeigenkunden was dagegen.

3 Gedanken zu “Mit zweierlei Maß

  1. das einzige, was ich dazu anmerken möchte : das alles kann nicht oft genugt gesagt und wiederholt werden, denn es wird noch ewigkeiten dauern, bis es auch der allerletzte begriffen hat, was in dieser brd abgeht!!

  2. Tja, es ist immer einfacher mit dem Finger auf andere zu zeigen, als bei sich selber zu suchen.

    Ich kenne überwiegend nur Menschen, die Kritik austeilen, aber selber keine Kritik einstecken können. Sie nehmen sich das Recht heraus, über andere zu urteilen und lassen sich selbst immer außen vor. Denn sollte ihnen jemand ihr eigenes Verhalten zum Vorwurf machen, haben sie natürlich triftige Gründe so zu handeln. Sich darüber zu informieren und damit auseinanderzusetzen, worüber sie Urteil sprechen, dazu haben sie selbstverständlich keine Zeit. Selbstreflexion ist diesen Menschen unbekannt.

    Danke für die klaren Worte in Deinem Eintrag.

    Liebe Grüße
    Margitta

  3. Die offensichtliche Verlogenheit wird vor allem auch daran deutlich, dass die Demonstranten im Iran als „aufrechte Demokraten“ tituliert werden, die in Deutschland jedoch als „Krawall-Chaoten“ bezeichnet werden. Solange im Interesse des Kapitals demonstriert und protestiert wird, ist es immer eine „gute Sache“.

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