Die Destruktivität des Blöden

ArendtIm Zuge des Eichmann‐Prozesses im Jahre 1961 stellte die Philosophin Hannah Arendt, die Theorie auf, dass der wahrhaftig Böse nicht der Überzeugungstäter, sondern der Mensch sei, der kein Individuum mehr sein möchte und sich weigere selbständig zu denken. Sie bezeichnete den SS‐Mann Adolf Eichmann eben nicht als triebgesteuertes Monster, sondern als einen durchschnittlichen Hanswurst, der stur und ohne eigenes Denken der Ideologie des Nationalsozialismus gefolgt sei. In der Negation der Individualität, der Weigerung seine Vernunft zu gebrauchen und in der dogmatischen Gesetzestreue, liege laut Arendt, die Banalität des Bösen. Der Schreibtischtäter und Befehlsempfänger, der keinerlei Interesse an Moral, Vernunft und Menschlichkeit mehr habe und sich nur der pragmatisch‐bürokratischen Sachlichkeit (»Ich habe nur getan, was mir befohlen wurde!«) verpflichtet fühle, sei das wirklich Böse. Für diese Behauptung wurde und wird sie bis heute weltweit kritisiert. Dabei ist ihre These aktueller denn je.

Es ist leichter, den Nationalsozialismus als eine Einmaligkeit der Geschichte und alle Nazis als Monster zu kategorisieren, als die Psychologie der Massen und die Ursachen für das millionenfache Mitmachen ernsthaft zu analysieren. Denn heute weigert sich wieder ein Großteil der deutschen Bevölkerung beharrlich seinen eigenen Verstand zu benutzen. Sie lassen sich von ihren smartphones 24 Stunden am Tag verblödspaßen, plappern unreflektiert nach, was sie ihnen RTL, BILD und vermeintliche Experten einflüstern, finden die Pegida‐Bewegung, Thilo Sarrazin, den Politically Incorrect — Blog sowie die NPD ganz toll und unterhalten sich lieber stundenlang über das Dschungelcamp, DSDS oder über andere Pseudo‐Doku‐Verdummungs‐Soaps, als beispielsweise darüber, wie eine alternative, gerechte Gesellschaft aussehen könnte. Solche Themen werden nicht nur im öffentlichen Diskurs, sondern auch im Privaten vehement abgelehnt. Man will nicht (Nach-)Denken und seinen Verstand gebrauchen.

Profitgetriebene Denkdemenz
Denn während uns die NSA total‐überwacht und unsere intimsten Daten und Geheimnisse gewinnbringend verscherbelt werden, Konzerne mit TTIP und CETA einen Putsch gegen die Weltbevölkerung und die internationale Politik durchdrücken wollen, der nächste Weltkrieg gegen Russland bereits geplant und vorbereitet wird, die Politik die massenhafte Altersarmut verfestigt, Nazi‐Banden in Deutschland ungehindert morden, die Banken die Weltbevölkerung enteignen, fast eine Milliarde Menschen an Hunger leiden — machen wir uns Sorgen über unseren Lieblings‐Fußballverein, darüber, ob wir auch genug Facebook‐Profilbild‐Likes bekommen, ob unser Chef uns auch mag, wir genug Muskeln haben und das Make‐Up nicht verschmiert, was wer über wen und wann in der Familie erzählt haben soll, ob wir auch genug Punkte bei unserem neuen smartphone‐Spiel machen und ob es morgen regnet. Bedingen oder befördern Resignation und Fatalismus die Infantilität des Geistes?

Ob bestimmte Suchbegriffe ungesetzlich sein könnten, »war mir egal«, sagt Zeuge R.U. »Ich habe Weisungen empfangen.«

- Zeugen‐Aussage zur BND‐Affäre im NSA Ausschuss

Nicht zu vergessen: die Wieder‐Schreibtischtäter in den Behörden, Ministerien und Jobcentern, welche die Menschen in die absolute Armut und sogar in die Obdachlosigkeit sanktionieren. Sie sind es nicht gewesen, das Gesetz ist es gewesen! Sie fühlen keine Verantwortung, keine Schuld – es ist eben eine dienstliche Anweisung. »Bitte nehmen Sie es nicht persönlich! Ich habe doch nichts gegen Sie!« So argumentieren heute wieder regelmäßig Anwälte, Richter, Polizisten und Gerichtsvollzieher, die Zwangsräumungen vollstrecken. Ohne den Kadavergehorsam der Mitmach‐Massen hätte es die Vernichtungs‐Diktatur unter Hitler niemals geben können. Die eigenen Handlungen werden quasi entäußert, man sei nur die ausführende Hand und mache nur das, was der Chef, das Gesetz und die Herrschenden befehlen und anordnen. Die strikte Weigerung der Mehrheit in Deutschland, freidenkende und individuelle Menschen zu sein, welche eigene Entscheidungen treffen und Verantwortung für ihr Leben übernehmen, ist heute wieder in jeder Pore des Alltags zu spüren.

14 Gedanken zu “Die Destruktivität des Blöden

  1. Im Kopf bin ich beim Lesen beim »Menschenfresser« von Rio Reiser. Kann ich nicht für, passiert automatisch.

    Menschenfressermenschen sind normal und meist sehr fleißig.
    Menschenfressermenschen gibt’s nicht erst seit Dreiunddreißig.
    Menschenfressermenschen sind oft ganz liebe Väter.
    Menschenfressermenschen sind meist Überzeugungstäter.

    Menschenfressermenschen fressen Menschen selten selber.
    Menschenfressermenschen haben ihre tausend Helfer.
    Menschenfressermenschen dürfen niemals ruh’n.
    Menschenfressermenschen haben schrecklich viel zu tun.

    (Zweite Strophe)

    und Refrain:

    Und wenn Menschenfresser weinen
    tut ihnen alles schrecklich leid.
    Doch sie können’s ja nicht ändern,
    es ist halt ›ne harte Zeit.

    Um 1985 als das Lied gemacht wurde (der Text könnte noch älter sein, meine ich) hieß noch nicht kurz und griffig »T.I.N.A.«...

  2. Eugen Kogon, Autor des Bestsellers “Der SS‐Staat” schreibt über den deutschen Beamten:
    “Mutig ist er nur in der Gemeinschaft. Seine stark ausgeprägten bürgerlichen Tugenden — Fleiß, Treue, Loyalität, Sparsamkeit, Ordnungsliebe — könne er am besten in einem engen Raum entfalten, wenn ihm klare Anweisungen gegeben werden. Durch die Angst vor Verantwortung und Eigeninitiative spielt die Frage der Zuständigkeit in Deutschland eine vorrangige Rolle, auch in Fällen, wo unmittelbare Abhilfe Not täte. Dem deutschen Beamten ist Unterlassungssünde kein konkreter Begriff, Befehlsverweigerung dagegen eine Untat — er tut, was man ihm sagt, nicht mehr, aber auch nicht weniger, Befehl ist Befehl!”

  3. Die »Banalität des Bösen« ist in der Tat eine treffende Analyse. Und strukturell ist es heute genauso bzw. war es nie anders — die große Mehrheit der Menschen besteht immer aus weitgehend wertfreien Opportunisten — und passt sich den gegebenen gesellschaftlichen Umständen an, so schlecht und brutal sie auch sein mögen. Diese Einstellung kommt immer ans Tageslicht, wenn man mit solchen Menschen diskutiert und ganz ketzerische, grundsätzliche Fragen stellt. Ergebnis: »Das ist halt so« (mit dem Fuß aufstampfend)...

    Aber auch wegen der »Banalität des Bösen« tue ich mir schwer damit, denjenigen, die diese Masse mit gedanklichen Scheuklappen versehen, die alleinige Schuld an den Umständen zu geben. Denn der Mensch als vermeintlich vernunft begabtes Wesen hat auch ein eigenes Gehirn und eine eigene Verantwortung ggüb. der Gesellschaft. Dann verfällt aber immer alles schnell in die klassischen Narrative von links, mitte und rechts. Gut sehen konnte man das m. M. n. in Sachen Ukraine — da werden auch heute, auch aus Sicht kritischer Linker jene, die sich der Drecksarbeit überzeugter Nazis ganz hemmungslos »bedienen« (EU, USA, deutsche Bundesregierung, deutsche Medien) trotzdem noch irgendwie in der »Mitte« verortet. Streng genommen sind solche Menschen aber noch abscheulicher, noch skrupelloser — weil sie genau wissen, was sie da andere tun lassen. Die Leute in den feinen Anzügen lassen die Drecksarbeit halt jene machen, die sie ansonsten nebenbei brauchen, um das Narrativ rechts‐mitte‐links aufrecht zu erhalten und sich mit gespielter Abscheu als »besser« darzustellen. Dabei stehen diese eiskalten Menschenverächter im Grunde noch weiter rechts als die tumben Nazi‐Schlägertruppen, derer man sich bedient. Die man in gewisser Weise ja auch »missbraucht«. Man kann sich ja durchaus auch mal die Frage stellen, warum so manch abgehängter Loser irgendwann die Schuld in allem nur noch beim Fremden sucht...

    Ich halte die moderne deutsche Gesellschaft (gilt aber auch für im Grunde alle anderen im »Westen«) im Kern heute für (also auch: immer noch) strukturell faschistisch. Das kann man gut an der ganz alltäglichen Stigmatisierung von jenen, die sich der spießigen mein‐Haus‐Auto‐Boot‐Gartenzwergydille, dem Karrierismus, Statussymbolen verweigern, Arbeitslosen, Armen und Ausländern usw. sehen. Und diese ausgegrenzten Gruppen wachsen. Genau jene banal‐böse Masse ist es, die einfach wie damals funktioniert und Befehle ausführt. Und alles so akzeptiert, wie es ist, alles so geschehen lässt. Und regelm. in großer Mehrheit SPD und CDU (die wohlige Heimat der extremistischen, sich für leistungstragend haltenden Mitte) wählt... ohne diese Alles abnickende Masse hätte weder das 3. Reich noch die heutige neoliberale, marktradikale Gesellschaft (wenn man dass, was wir heute haben noch als »Gesellschaft« bezeichnen kann)... funktionieren können.

    Passend dazu: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45008/1.html

  4. Ja, ja, die dummen »Rechtsdralligen«. Von denen kommt das ganze Unheil. Ach, wenn wir dem ganzen Volk nur einen Linksdrall verpassen könnten, dann gäbe es TTIP,TISA, CETA,ESM,NSA, alles nicht, auch keine demokratiebringenden Überfälle auf verschiedene Völker, oder von außen gesteuerte Zündler wie die NGOs.

    Kann mir einer sagen, was Linke, außer Maulhelden spielen, zustande bringen? Kann mir einer sagen, wieso die linke , also die lizensierte Friedensbewegung den Arsch nicht hoch kriegt? Wo kann sich denn eine vielleicht gar nicht so verblödete Bevölkerung , anschließen und die Stimme erheben? Bei den babbelnden Linken? Ei, wo sind sie denn alle? Ach, auf den Gegendemos. Wenn es keine Rechten gäbe, hätten Linke gar nichts zu tun, denn eines tun sie nicht, wirklich gegen die Versklavungsinstrumente kämpfen. Falls es schon jemand bemerkt hat: Die kommen von oben, nicht von rechts. Allerdings freut sich das Oben, dass die Linken jeden Widerstand neutralisieren.
    Sie sind halt die GUTEN und garantiert auf der richtigen Seite. Bravo!

  5. Herlmuth: Ein Volkssport geradezu, das Linken‐, Demonstranen‐ und Antifabashing von denjenigen, die selber den Arsch noch nie hochbekommen haben oder irgendwo in sozialen Bewegungen eingebunden sind, ja nicht einmal als Zuschauer beobachtet haben, wie die Polizei regelmäßig den Nazis Ihre Marschroute von Antifas freiknüppelt. Nie wieder Faschismus????????

    »Wir halten für Euch die Köpfe hin!«

  6. »Kann mir einer sagen, wieso die linke , also die lizensierte Friedensbewegung den Arsch nicht hoch kriegt?«

    Alternativlosigkeit. Divide et impera. Zersetzung. ;) Sobald sich eine solche »Friedensbewegung« etabliert, wird ein Haar in der Suppe gesucht. Dann bildet sich aus besonders »linken« (also jenen, die die alleinige »Lizenz« für dieses Label innehaben) und der politisch korrekten Mitte (insb. der gleichgeschalteten Mainstream‐Medien) eine »Querfront«, die die »Gesinnung« derer peinlich genau untersucht, die sich dort versammeln. Je größer die Bewegung, desto mehr mischen sich zwangsläufig Menschen mit nicht völlig »reiner« Gesinnung darunter. Dann spricht man von »Unterwanderung durch Rechte« und diskreditiert somit die gesamte Veranstaltung — und hält die »braven« Bürger davon ab, mit den Schmuddelkindern zu spielen bzw. sich in »so einem Umfeld« sehen zu lassen. So wurde damals den Teilnehmern der Montagsdemos anlässlich der anstehenden Hartz‐Reformen vorwiegend im Osten unterstellt, sie wollen die DDR (samt Mauer und Schießbefehl) wieder haben. Bei der Neuauflage in Sachen Ukraine wurde die Bewegung dann von den gleichen Medien (auch bspw. unter Bezeugung besonders »linker«, verarmter adliger Ex‐Grüninnen) als »rechts« diffamiert, die auf der anderen Seite in der Ukraine keinerlei »rechte« Machenschaften erkennen konnten / wollten...

    »Wenn es keine Rechten gäbe, hätten Linke gar nichts zu tun, denn eines tun sie nicht, wirklich gegen die Versklavungsinstrumente kämpfen.«

    Dies stimmt insb. bei der volkstümlichen »Antifa« — ihre Existenz als simpler Antagonist macht sie selbst ja von den Faschisten abhängig. Man braucht jene, sonst wäre man ja Niemand. Sie hat in dem Sinne keine offensiven, eigenen Werte — sondern ist »nur« gegen etwas... Folklore eben. Sie sind in der Summe (auch wenn der Einzelne da durchaus idealistische Ziele haben mag), als Gegenpol zu den besonders tumben Rechten als nützliche Idioten in diesem Spiel mit einkalkuliert, um den Widerstand zu spalten... Da der Blick eben (also schon Identitätsbedingt) primär immer nur auf die ganz Rechts gerichtet ist, gerät das eigentliche Übel »oben« (bzw. in der »Mitte« wo die eigentlich gefährlichen »Faschisten« hocken, an deren Fäden die »rechten« hampeln, siehe NSU) völlig aus den Augen...

  7. @Helmuth

    Es gibt schon einige linkspolitische Organisationen und Bewegungen mit eigenen Werten und Zielvorstellungen: Attac, ProAsyl, Occupy, die Linkspartei, die Friedensaktivisten, um nur einige zu nennen. Für die fehlende politische Schlagkraft würde ich -unter anderem‐ folgende Sachverhalte verantwortlich machen:

    - die Massenmedien gehören vermögenden Clans und da die Linke »meistens« für Umverteilung ist, wird sie auch traditionell niedergeschrieben und diffamiert.

    - viele linke Bewegungen sind nicht streng autoritär aufgebaut. Demzufolge gibt es eben, wie Dennis82 gut beschrieben hat, auch immer wieder Differenzen, Spaltungstendenzen, Konflikte etc. untereinander.

    - die Finanzmafia, der Geldadel und die Superbonzen haben mittlerweile alles aufgekauft und ideologisch durchtränkt: Medien, Unternehmen, Politik. Es ist der Kampf David gegen Goliath.

    - Divide Et Impera hat wohl noch nie so gut funktioniert wie heute. Es wird auf alle möglichen Gruppen losgegangen: Raucher, Fleischesser, Männer, Ausländer, Flüchtlinge, Erwerbslose und so weiter. Nur nicht auf die Mächtigen und Herrschenden.

    Die Verantwortung für all das allein auf Linke abzuwälzen, ist eine mehr als unangebrachte Komplexitätsreduzierung.

  8. @ Dennis 82

    Du hast es begriffen!

    @altautonomer
    »Wir halten für Euch die Köpfe hin!«

    Wo? Im Netz? Aber dort dafür an vorderster Front?

    Vielleicht seid ihr genau diejenigen, denen ein bestimmtes Gelenk im Genick fehlt, das ermöglicht in verschiedene Richtungen zu schauen , z.B. nach oben oder unten, auch mal nach hinten.

    Dass ihr vermeintlich den Kopf für andere hinhaltet mit solch lächerlichen Ergebnissen, liegt vielleicht auch daran, dass sich der wahre »Feind« ganz auf euch eingestellt hat. Vielleicht seid ihr ja so versessen darauf, alles was nicht in den Kram passt als rechts zu bezeichnen, weil ihr immer nur auf ein hässliches und überholtes Spiegelbild reagiert.

    Als der »Friedenswinter« von linken Bloggern in der Luft verrissen wurde, ohne ein echtes Gegenangebot auf die Beine zu stellen, stand ich am Grab von links. Ich habe der Leiche noch eine Blume mit auf den Weg gegeben und Erde darauf geschüttet. »Ruhe in Frieden! Mit dieser virtuell »widerstandigen« Linken, geistig unflexibel bis zur Erstarrung, ist kein Blumentopf zu gewinnen.

    Amen!

  9. @ epikur

    Ich bin definitiv kein verblödeter Depp. Ich habe mich immer links verortet und bin sogar NOCH attac — Mitglied. Bei vielen Demos war ich dabei, was ja auch immer mit ziemlichem Aufwand verbunden war.

    Ich hatte ein kleines Netzwerk mit Infos versorgt, was ebenfalls mit Arbeit verbunden ist. Dann kamen verstärkt die rechts‐links Debatten ins Spiel, die verschärfte Gangart mit der Einführung des Ditfurth’schen Gehirnscans, ja sogar die Aufforderung, das und jenes nicht mehr zu verlinken, weil in der Sache zwar richtig, aber von einem »rechten« Autor. Nur linkes Richtig ist richtig, alles andere muss man ausblenden. Da war mir klar, dieses Land wird sich genauso entwickeln, wie es einer starken, für uns nicht sichtbaren Elite, passt . Egal ob linke oder rechte Kasperl uns das Demokratietheater vorspielen.
    Dem ‚was über Medienkonzentration , Finanzmafia oder Konzernherrschaft gesagt wurde, stimme ich zu. David gegen Goliath stimmt nicht, denn David ist intelligent und hat eine clevere Strategie erfolgreich umgesetzt. Die von sich überzeugte Linke ( ich rede nicht von der Partei) ist dazu unfähig, weil besessen von der eigenen Überlegen — und Gutheit, von ihrem Antifa‐Ross auf die Niederungen herabsehend, kommt sie auch nicht in die Nähe von David’scher Intelligenz.

    Was die Linke versäumt, ist statt in der Mitte Verbündete zu gewinnen und so auch auf der Staße wirklich sichtbar zu werden, grenzt sie permanent und völlig verblödet, alles aus, was in »ihren Augen»rechts ist und rechts fängt schon bei dem ‚der rechts neben mir steht, an. Wie sehr die Linken ihre Demonstrationen aus dem Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit ausgeschaltet erleben muss, hat damit zu tun, dass man sie irgendwie als Kraft nicht wahr‐ nimmt, nehmen muss. PEGIDA war da schon ein völlig anderes Kaliber. Alle Aufmerksamkeit hat man denen geschenkt. Jeder politische Volksverkäufer ‚egal welcher Couleur , hat sein Pfui‐Bä dazu abgegeben. Man hat die Gegendemonstranten erwähnt, aber nur als Reaktion. Für die Bevölkerung spielen linke Ideen als kräftemobilisierender Input, wegen Erfolglosigkeit kaum eine Rolle.
    Demo ist gefährlich, also wegbleiben! Ist ja eigentlich immer falsch.

    Ich fand das Attac‐Bankentribunal eine gelungene Veranstaltung, weil ich auch Ahnung von der Materie habe. Sie war mit großem Aufwand verbunden. Und? Frag die Leute auf der Straße, auch sogenannte Linke, ob sie sich daran erinnern können oder überhaupt etwas mitbekommen haben. Warum sollen die Medien, bis auf einen kleinen Phönixbeitrag darüber berichten, also Fehlanzeige! Ein Erfolg war es allenfalls für die, die das als Aufklärung gar nicht bräuchten.

    Wer Leute wie mich in die rechte Ecke schieben will, darf das, denn dass es die Die Destruktivität des Blöden gibt, ist unbestritten. Nur sind die Blöden nicht nur im Außen zu verorten.

  10. Ahrendts Analyse ist nur zum Teil richtig , in Bezug auf die Eichmänner aber falsch.
    Das sind Initiatoren , die in ihrem Aufstieg durchaus was riskiert und eine klare Position bezogen haben , konturlose Mitläufer sind keine Nazis , sondern sie laufen halt da mit , wos grad angesagt ist.

    Ahrendt hat natürlich völlig recht , daß diese Mitläufer unabdingbare Voraussetzung sind für jedwede Form der Diktatur , vor allem für deren Umsetzung vor Ort , der Hass der Nazis aber ist schon wieder viel zuviel Weltbild , zuviel eigene Kontur , der kommt von ganz woanders her.
    Einer der Hauptgründe ist das , was im letzten Absatz beschrieben wird , die faschistiode deutsche Glecihmacherei.
    Diese versteckte , aber hocheffektive Form der strukturellen Gewalt produziert einfach zuviele Ausgegrenzte , auch und gerade in der Mitte , und werden sie zuviele und tragen sie zuviel Hass mit sich herum , kann es zu Phänomenen wie dem NS‐Staat kommen , deshalb ist es auch falsch , den Nationalsozialismus als Faschismus zu bezeichnen.
    Heute halten Viele die Nazis für urdeutsch , aber das stimmt nicht , sie waren das Ergebnis urdeutschen Verhaltens , selber aber waren sie meist krasse Außenseiter , was die Überzeugten angeht , erst später kammen die Mitläufer dazu.

  11. Darauf einen Weizsäcker...

    Der Deutsche: »absolut obrigkeitshörig, des Denkens entwöhnt, typischer Befehlsempfänger, ein Held vor dem Feind, aber ein totaler Mangel an Zivilcourage!«

    Die Vorstellung von den Unwissenden betäubten Schafen die nur auf jemanden warten der ihnen die Augen öffnet ist schlicht falsch, Sisyphos kann’s bleiben lassen..Die Leute wollen ihre Ruhe statt geweckt zu werden, sie finden das System geil nur ihren Platz darin nicht, sie wollen Millionär werden und „andere“ für sich schuften lassen oder zumindest die Peitsche halten dürfen um ein paar Vorteile zu kassieren , drum kann man nur Gesichter austauschen,das Ausbeutungssystem bleibt. Das ist die Gesellschaft die zu deiner Hinrichtung noch applaudiert wenn du dich für sie einsetzt.. Das Volk vom Tyrannen befreien, das sollst du am Kreuze bereuen [Schiller]

  12. Übrigens @ Dennis 82 wie schon einpaarmal von mir geschrieben ist selber denken und eine eigene Meinung haben wohl eher eine Art Gen‐Defekt von dem aber nur eine absolute Minderheit befallen ist.

    @ epikur .. echt guter Text !!

  13. Also, bezüglich der fehlenden politischen Schlagkraft, kann ich Helmuth leider nicht ganz wiedersprechen.
    Zwischen den Umständen, dass Theorie eine feine Sache ist, — weil man sich dabei nicht die Finger schmutzig macht und den Fehlern, die so beim praktischen Aufbauen, Zersägen und wieder Zerstören eben auch passieren, denke ich doch hoffentlich nicht, dass hier links komplett so was wie eine eigene gemeinsame Orientierung verloren hat. Ich meine, — eine, die auch außerhalb des Dunstkreises der Dachkammerdiskutanten und Intelligenzbolzen des besonders veredelten Niveaus auf der Suche nach Perfektion, irgendwie für alle noch nachvollziehbar wäre. Das die Hygieniker i.d.R. geringere Leichenberge zurück lassen wie die Eugeniker, mag ja eine Sache sein, aber wenn erstere vollkommen paranoid gleich die ganzen Schränke zersägen, weil darin braune Socken stinken, dann ist das nicht nur sinnlos und alles andere als konstruktiv, sondern geradezu ein Freibrief für rechts. N‹ bissken desillusioniert, bin ich da durchaus auch und dies schon länger. Ungefähr seit dem Zeitpunkt, wo ich mal als Wahlkämpfer für die Linke meine blauen Augen noch blauer schlagen lassen durfte, — Bauarbeiter Werner nach dem zehnten Bier endlich davon überzeugt hatte, dass HARTZ‐IV‐Empfänger keine Sozialschmarotzer‐ sondern Menschen wie er und ich sind, und einer der großen Theoretiker (ganz hinten aus diesen finsteren Ecken der heißen Diskutanten) an den Tresen trat, — und mit seinem »Maaarx — sagt«, — Bauarbeiter Werner in die Flucht schlägt. Kann ja sein, dass der Angst davor hatte, dass gleich die Sovjets einmarschieren, (die kalte Sachlichkeit der Mitläufer, hat der allerdings problemlos verstanden), — und dass ihm da ein wenig Background für solcherlei Annahmen fehlt, — aber die Reaktion vom großen Denker, dass er mit so Blödmännern gar nicht erst redet, — fand ich auch nicht besser. Nix gegen Marx, ist ne feine Sache (bei mir schimmelt das seitdem auf’m Speicher rum), — aber mir dünkt doch über die Jahre zunehmend, dass links ein wenig arg das Gefühl dafür verliert, was ihm als Praxis überhaupt erst das Leben geben könnte.

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