Unser Flughafen BER

Da die ZG‐Redaktion bei dem Thema BER nur ein unverständliches Grunzen herausbringt, sind wir sehr froh, dass worteschrauber uns einen Gastartikel geschickt hat.

Ein Plädoyer zur Stärkung des Standortes Deutschland

In diesen Tagen wird allerorten die erneute Verschiebung des Eröffnungstermins für den Flughafen BER hitzig diskutiert. Es scheint Einigkeit darüber  zu bestehen, dass dieses Ereignis eine Blamage, ja gar ein Skandal sei. Dabei wird übersehen dass sich gerade beim Bau dieses neuen Flughafens die Gründe für den langanhaltenden wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes in aller Deutlichkeit zeigen. Ich möchte daher, im Dienste der Sache, das Blickfeld auf dieses Thema erweitern.

Auf ausdrucksvolle Weise gibt uns der Prozess der Flughafenneueröffnung in Berlin‐Brandenburg Auskunft über  die langjährige Erfahrung und hohe Kompetenz bei der Umsetzung von technischen Großprojekten am Standort Deutschland. Auch zeigen sich hier einmal mehr die positiven Seiten  unserer typisch deutschen Gründlichkeit: traditionell wird hier eine Technologie zuerst im Heimatland zur Perfektion entwickelt, bevor sie dann erfolgreich ins Ausland exportiert wird. Die Kompetenzen in der Technologieentwicklung, die unser  Land z.B. bei der Entwicklung der atomaren Reaktortechnik erwerben konnte, wendet es somit nun auf dem neuen Feld des Flughafenbaus erfolgreich an.

Hier ist leider(?) schon zu. Foto: jtheripper

So kann dem Zukunftsland Deutschland ein Fehler nicht passieren, der leider dem Schwellenland Indonesien unterlaufen ist: Während des Ausbaus des balinesischen Hafens Benoa zur zentralen Anlaufstelle für Kreuzfahrtschiffe wurde hier leider übersehen, dass das Meer an dieser Stelle nicht die erforderliche Tiefe für eine Einfahrt  der Schiffe aufweist. Als Folge dessen müssen die Kreuzfahrtschiffe seit Eröffnung des Hafens nun mehrere hundert Meter vom Ufer entfernt anlegen und die Passagiere auf Boote umsteigen um ans Ufer zu gelangen. Ein Dilemma in das Deutschland nie geraten könnte!

Völlig undenkbar beispielsweise, dass das erste Flugzeug auf dem Flughafen BER gelandet und erst dann festgestellt worden wäre, dass beispielweise keine Türen installiert wurden, um den Passagieren den Zugang zur Empfangshalle zu ermöglichen. Völlig undenkbar! Nicht in Deutschland! Nein, es wird erst bis ins letzte gefeilt und probiert bis eine Technologie oder eben ein bauliches Großprojekt perfektioniert und damit reif für die Eröffnung ist. Im Nachgang folgt dann der erfolgreiche Export des erworbenen Knowhows.
Jedoch, so hat es den Anschein, gehört der Flughafenbau bisher nicht zu den Kernkompetenzen der Deutschen und speziell Berlin‐Brandenburger. Der Berlin‐Brandenburger scheint vor allem gut Hauptbahnhof zu können, aber weniger Flughafen.

Die Lösung für diese etwas verfahrene Situation liegt in einem deutschen Binnenkompetenz‐transfer. Beim Hauptbahnhofbau tun sich offensichtlich die Stuttgarter schwer, hier könnte ein Transfer Berliner Erfahrung helfen. Gleichzeitig könnten sich die Stuttgarter mit fachlicher Unterstützung beim Flughafenprojekt revanchieren. Auch die Stadt Stuttgart blickt ja auf eine traditionsreiche Flughafengeschichte zurück. Vielleicht befindet sich das Potential für Deutschlands Flughafenbaukompetenzzentrum  bisher unerkannt in Stuttgart. Ein Versuch zur Erschließung dieser möglichen Ressourcen sollte unternommen werden!

Deutschland muss seine Binnenpotenziale erkennen und nutzen lernen, um auch in Zukunft seiner richtungsweisenden Rolle im weltweiten Wirtschaftsgeschehen gerecht werden zu können. Effiziente Nutzung der Binnenpotenziale wird sich in Zukunft als DIE Schlüsselkompetenz erweisen mit der unser Land sich erfolgreich und nachhaltig am Markt positioniert. Wollen wir alle gut aufgestellt in das neue Wirtschaftsjahr 2013 starten, sollten wir diese Einsicht beherzigen!

Die Entwicklungen im Zuge der Flughafeneröffnung sollten so auch im rechten Licht betrachtet werden. Ist das Großprojekt BER erst einmal zu Ende gebracht wird die ausländische Nachfrage unseres Knowhows immens sein. Der Flughafen BER wird so mittelfristig zu einem doppelten Jobmotor werden. Exportqualität »Made in Germany«!

6 Gedanken zu “Unser Flughafen BER

  1. Irgendwowi und irgendplatzeck wird das Ding schon stehen ;) Mal wieder eines dieser völlig überteuerten und überflüssigen Polit‐Prestige‐Projekte (Berliner Hauptbahnhof, Potsdamer Platz etc.), das Millionen Euro versumpfen lässt. Der Flughafen Tegel funktioniert. Genauso wie damals Bahnhof Zoo. Und dann rumjammern, dass kein Geld für Kitas, Schulen und Universitäten da ist. Aber wer braucht das schon...

  2. ..man könnte das Teeren und Federn wieder einführen ..so für die Verantwortlichen .. Statt Boni, lebenslanger Überversorgung und leckerer Vorstandspöstchen.....

    ..nur ma‹ so ne Idee ..

  3. Warum? Ich finde das knorke. Die gesamte Wirtschafts‐ und Politelite Deutschlands macht sich international komplett lächerlich. Das ist begrüßenswert.

  4. Eike ... die leben in einem Paralleluniversum, in dem machen sich die totgesparten Idioten lächerlich die genüsslich mitansehen wie eine Mio Steuergelder nach der andern verdampft oder in dubiosen Kanälen verschwindet ohne das es ein fortkommen gibt....

    ....davon abgesehen befinden sich unsere Taugenichtse international in guter Gesellschaft ( von den Engländern mal abgesehen die ihre Olypischen im Budget und Zeit fertig bekommen haben ;) )

  5. Nun...gesammelte Karikaturen habe ich in meiner Soup festgehalten. :d
    Mir sind jedenfalls aus anderen Ländern derzeit keine Prestigebauten bekannt, die sich ähnlich katastrophal machen. BER ist ja nur eine. Wir hätten da noch die Elbphilharmonie HH, den Kopfbahnhof S21 und vielleicht noch ein paar mehr, über die ich jetzt gar nicht so im bilde bin. Vielleicht liegt ja auch hier ein System zugrunde: Sozusagen geplante Investmentruinen. Schließlich verdienen »richtige« Zocker nicht nur an erfolgreichen Produkten.

  6. Ach so..hatte noch ein paar hierzulande vergessen, listet aber brav fefe auf: https://blog.fefe.de/?ts=affffc94 Und wenn mich das nicht täuscht, sind das nur Projekte innerhalb Berlins. Das gleiche Pensum dürfte also für fast jede andere Deutsche Großstadt mit Führeranspruch gelten. Wie gesagt -> Prima -> Aussichten, wenn man wie ich überhaupt keinen Bock auf das bisherige System hat. Doof für den Rest und für die, die noch nicht in Rente sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.