Zur Erinnerung: der Völkermord in Ruanda

Es gibt, soweit ich weiß, kein besonderes Ereignis, warum ich dieses Thema jetzt aufgreife. Aber warum muss es das geben? Wenn wir Blogger uns an das Agenda Setting der bürgerlichen Mainstream-Medien halten, bestimmen sie zumindest die Themen mit, die auch wir Blogger angehen. Und das kann nicht in unserem Interesse sein. Auch wir sollten eigene Themen einbringen. In diesem Sinne ist der folgende Beitrag eine kurze, knappe Zusammenfassung zum Völkermord in Ruanda im Jahre 1994 anhand der W-Fragen.

Wann war der Völkermord?

Von April bis Juni 1994. Knappe 3 Monate.

Wo hat er stattgefunden?

In Ruanda, Ostafrika.

Wer war daran beteiligt?

Angehörige der Hutu-Mehrheit (85–90% der Bevölkerung, 10–15% waren Tutsi), organisiert in Milizen (Interahamwe, Impuzamugambi), ruandische Armee, Präsidentengarde, Hutu-Zivilbevölkerung, Anhänger der radikalen »Hutu-Power«, die mit Organisationen der Tutsis nicht verhandeln wollten (wie. Z.B. der Tutsi-Rebellenbewegung »RPF«).

Warum fand er statt?

  • Ein langjähriger Konflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen der Hutus und der Tutsis entlud sich in der Vergangenheit schon mehrmals.
  • In der Kolonialzeit der Deutschen (1899−1919) und der Belgier wurden die Tutsis, die ursprünglich Viehzüchter waren, wegen ihrer vermeintlich helleren Haut, zu Aufsehern über die Hutus gemacht. Dadurch entstand ein gegenseitiger Rassenhass, ein ethnischer Konflikt wurde geschürt.
  • Die Bevölkerungsgruppe der Hutus waren ursprünglich Bauern, die jedoch mit den Tutsis früher in Frieden lebten.
  • Außerdem hatten viele Hutus Angst vor Repressalien extremistischer Hutus oder vor der Gewalt der Tutsis. Diese wurden als Komplizen der Tutsi-Rebellenbewegung RPF angesehen.
  • Als Auslöser wird heute gesehen: Am 6.April 1994 wurde das Flugzeug des Hutu-Staatspräsidenten Habyarimana, in dem auch der burundische Staatspräsident saß, von zwei Raketen abgeschossen.
  • Bis heute ist nicht geklärt, ob es die Tutsi-Rebellenbewegung RPF war, da sie mit den Friedensverhandlungen nicht einverstanden waren oder ob es Hutu-Extremisten waren, um so den Konflikt zu verschärfen.
  • Daraufhin begannen extremistische Hutu-Milizen und die Präsidentengarde mit den Ermordungen an gemäßigte Hutus und Tutsi-Prominenten.

Wie wurde er durchgeführt?

  • Hutu-Milizien  errichteten Strassensperren, die Hutu-Zivilbevölkerung metzelte Tutsis mit Macheten, Gewehren, Nagelkeulen und primitiven Waffen nieder. Auch gemäßigte Hutus wurden umgebracht, da sie als Verräter angesehen wurden.
  • Als politischer und militärischer Drahtzieher der Hutu-Extremisten wird Oberst Bagasora gesehen, der vom Internationalen Straftribunal in Arusha (Tansania) im Dezember 2008 zu einer lebenslangen Haft verurteilt wurde
  • Anhand von vorbereiteten Listen und Ausweisen wurden Tutsis aufgespürt und ermordet. Auch gemäßigte Hutus wurden umgebracht.
  • Verbreitung der radikalen Hutu-Ideologie, dass Tutsis keine Menschen, sondern Ungeziefer (Kakerlaken »inyenzi«) sind und ausgerottet werden müssten.
  • Hier spielte das Radio (Sender »Radio-Télévision Libre des Mille Collines«) eine zentrale Rolle, in dem diese Botschaften verkündet wurden. Viele Hutus waren nämlich Analphabeten.
  • Verwaltungsangehörige gaben Weisungen an die Zivilbevölkerungen auf, Tutsis zu ermorden.
  • Die Täter warfen die Leichen in Flüsse oder Seen, beseitigten sie in Massengräbern, stapelten sie am Straßenrand oder ließen sie am Tatort liegen.
  • Tutsis suchten Flucht in Schulen, Kirchen, Krankenhäusern etc.

Was waren die Folgen?

  • 500.000−1 Millionen Tutsis verloren bei dem Genozid ihr Leben. Damit fielen 75–90% aller Tutsis in Ruanda dem Völkermord zum Opfer. Auch ca. 50.000 gemäßigte Hutus starben.
  • Aus Angst vor der Rache der Tutsis flohen daraufhin ca. 2 Millionen Hutus in die Nachbarländer. Erst diese Bilder erregten weltweit Aufsehen und Mitgefühl.
  • Es ist heute verboten, von Tutsis und Hutus zu sprechen. Im Juni 2008 wurde in Ruanda ein Gesetz verabschiedet das »Genozid-Ideologie« verbietet und unter Strafe stellt.
  • Die juristische Aufarbeitung gestaltet sich bis heute als schwierig. Zumindest wurden viele führende Köpfe der Hutu-Extremisten gerichtlich verurteilt. Eine  juristische Aufarbeitung gibt es heute auf drei Ebenen: dem internationalen Strafgerichtshof für Ruanda, der nationalen Gerichtsbarkeit in Ruanda und seit 2005 gibt es in Ruanda landesweit sog. »Gacaca-Gerichte«, die nicht nur urteilen, sondern den Völkermord rekonstruieren und zur Versöhnung beitragen sollen.

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Eine Antwort zu »Zur Erinnerung: der Völkermord in Ruanda«

  1. FreshD sagt:

    Eine traurige geschichte, an die viel stärker erinnert werden sollte. Da es sich ja nur in einem kleinen afrikanischen Bauernstaat ereignet hat, interessiert es ja doch nicht.

    Traurig auch die Rolle der UN bei diesem Genozid. Das wäre auch einmal einen Artikel wert.

    Wo keine wirtschaftlichen Interessen gewahrt werden müssen, werden auch keine Menschenleben geschützt.

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