{"id":8759,"date":"2011-04-13T00:04:35","date_gmt":"2011-04-12T23:04:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=8759"},"modified":"2011-04-13T00:50:50","modified_gmt":"2011-04-12T23:50:50","slug":"faul-unter-faulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2011\/faul-unter-faulen\/","title":{"rendered":"Von der Notwendigkeit der Faulheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a rel=\"lightbox\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/Cover2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-9098\" title=\"Cover\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/Cover2.jpg\" alt width=\"167\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/Cover2.jpg 278w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/Cover2-100x150.jpg 100w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/Cover2-268x400.jpg 268w\" sizes=\"(max-width: 167px) 100vw, 167px\"><\/a>Roberto J. De Lapuente (<a href=\"http:\/\/ad-sinistram.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">ad sinistram<\/a>) lag nun wieder monatelang auf der faulen Haut.  Seine Bequemlichkeit zur Tugend erhoben, hat er uns ein neues Buch mit dem Titel \u00bbAuf die faule Haut\u00ab beschert. Ich muss gestehen, dass ich sein Erstling <a title=\"ZG - Rezension\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/buchtip-unzugehorig\/\" target=\"_blank\">\u00bbunzugeh\u00f6rig\u00ab<\/a> als einen Tick spannender, runder und geschliffener empfunden habe. Dennoch ist sein zweites Werk durchaus empfehlens- und lesenswert. Eine durchweg verspielte Sprache, viele kritische Analysen sowie eine Auseinandersetzung mit vielen dunklen Flecken unserer Zeit, verspricht und h\u00e4lt Robertos zweites Werk.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Statt einer Einleitung beginnt Roberto sein Buch mit der Feststellung, dass er gerne und wahrhaftig weltfremd bleiben will (S.8). Den Vorwurf des Spinners, des ewigen N\u00f6rglers und Kritikers ist all jenen vertraut, die mit wachem Auge und scharfem Verstand beschreiben, was sie sehen. Man muss nicht besonders pessimistisch oder schwarzseherisch sein, um heutzutage als Miesmacher zu gelten (S.133). Wer offen kritisiert, der bringt die wohlige und heimelige Weltverleugnung allzu vieler Biedermeiers ins Wanken. Denn sie haben es sich im sch\u00f6nen Schein des alles-ist-toll-Prinzips gem\u00fctlich gemacht. Wer authentisch bleibt, dem tun sich Abgr\u00fcnde der vermeintlichen Normalit\u00e4t auf:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Jiddu Krishnamurti<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insofern sollte die Motivation sich der Mehrheit eben nicht zu beugen, eine Konstante des eigenen Denkens und Bewertens sein (S.113).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Anpassung und Konformit\u00e4t geh\u00f6rt eben auch die Aneignung einer Arbeitsmoral, die einer Sklavenmoral, in nichts nachsteht. Lohnarbeit als Sinn und Zweck des Lebens (S.108). Stolz sein, auf die Plackerei f\u00fcr den Reichtum der Verm\u00f6genden, heisst die Devise der Lohnarbeitsmoral im Jahre 2011 in Deutschland. Und obwohl die technologischen Errungenschaften mittlerweile so weit voran geschritten sind, dass viele Arbeiten von Maschinen verrichtet werden, so ist die Vorstellung eines lohnarbeitsfreien Paradies-Utopias, wie es in der Zeichentrickserie <a title=\"Wikipedia\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Jetsons\" target=\"_blank\">\u00bbdie Jetsons\u00ab<\/a> vom Jahre 1962 sch\u00f6n dargestellt wurde, f\u00fcr viele Menschen unvorstellbar. In gleichnamiger Serie musste der Vater der Familie, dank des technischen Fortschritts, nur noch&nbsp; dreimal drei Stunden in der Woche lohnarbeiten. Viele jammern und klagen zwar \u00fcber ihre Lohnarbeit (ja das geh\u00f6rt mittlerweile in vielen Stammtisch-Runden zum guten Ton), wissen aber gleichzeitig ohne den Zwang zur Lohnarbeit, wenig mit sich und ihrem Leben anzufangen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Faulheit den Fortschritt erkennen, es d\u00fcrfte wohl der einzige Weg sein, den Wahn unserer immer schneller, immer wilder werdenden Welt zu z\u00e4hmen (S.109).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Kapitel \u00bbIhr Kinderlein kommet blo\u00df nicht!\u00ab (S.123) schreibt Roberto eine Realsatire, in der klar wird, das Deutschlands Herrschende den feudalistischen Habitus nie wirklich abgelegt haben. Deutschland brauche mehr Kinder, aber blo\u00df keine Unterschichten-Kinder.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man will keine Ahmeds oder Kevins, man will R\u00fcdiger-Pascals (S.128).<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">ALG2-Empf\u00e4nger sollten die Verh\u00fctung oder gar die Sterilisation oder Kastration vom Amt bezahlt bekommen, schreibt Roberto ironisch. Am 11. M\u00e4rz 2011 schrieb Eva V\u00f6lpel in der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/lieber-klassenfahrt-als-pille\/\" target=\"_blank\">TAZ<\/a>, dass Flensburg ein Pilotprojekt gestartet hatte, in den M\u00e4nnern und Frauen, die Geringverdiener waren, drei Jahre lang die Verh\u00fctungsmittel vom Amt bezahlt wurden. Ein Schuft, der denkt, es ginge hier um die Senkung der Vermehrungsrate von Unerw\u00fcnschten und \u00dcberfl\u00fcssigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Robertos Zweitling warnt vor den Folgen eines neuen Marktradikalismus. Immer wenn an Diktaturen oder totalit\u00e4ren Herrschaftsformen gedacht wird, werden h\u00e4ufig die Bedingungen und Entwicklungen, die vorher waren und zur Totalit\u00e4t gef\u00fchrt haben, vernachl\u00e4ssigt und vergessen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber was davor geschah, die Schm\u00e4hung, die Beleidigung, der Rufmord an ganzen Gesellschaftsgruppen, die Verleumdung, die Treiberei, das Gehetze, die Berichte voller ehrabschneidender Unwahrheit, die Betonung der Fremd- und Andersartigkeit, der Faulheit und Verschlagenheit \u2014 all das, und noch mehr, das Vorspiel der Vernichtungslager (S.142)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Das Buch kann bei Amazon oder direkt beim Renneritz-Verlag zum Preis von 11 Euro erworben werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roberto J. De Lapuente (ad sinistram) lag nun wieder monatelang auf der faulen Haut. Seine Bequemlichkeit zur Tugend erhoben, hat er uns ein neues Buch mit dem Titel \u00bbAuf die faule Haut\u00ab beschert. 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