{"id":8705,"date":"2011-03-14T05:43:03","date_gmt":"2011-03-14T04:43:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=8705"},"modified":"2025-09-15T19:05:53","modified_gmt":"2025-09-15T17:05:53","slug":"selbstbestimmt-ist-wer-lohnarbeitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2011\/selbstbestimmt-ist-wer-lohnarbeitet\/","title":{"rendered":"Selbstbestimmt ist, wer lohnarbeitet"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Innerhalb der Linken ist die Kritik am Feminismus nicht selten ein Stich ins Wespennest. Es gibt einige, die bei Kritik an feministischer Ideologie, mit P\u00f6belei und Unsachlichkeit reagieren. Wohl auch ein Grund daf\u00fcr, warum Feminismuskritik innerhalb der Linken, verp\u00f6nt ist und tabuisiert wird. Ich bin das Thema, ehrlich gesagt, so langsam auch leid. Mit Verbitterung, Zorn, Opferhaltung, st\u00e4ndigen Forderungen, Borniertheit und Schaum vor dem Mund, werden die Menschen (also Frauen <em>und<\/em> M\u00e4nner) weder&nbsp; gl\u00fccklicher, noch zufriedener.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem ich vor einiger Zeit einen Beitrag von Bascha Mika, der ehemaligen Chefredakteurin der TAZ, in der Bl\u00e4tter-Ausgabe vom M\u00e4rz 2011 gelesen habe, komme ich leider nicht umhin, mal wieder im feministischen Sumpf zu w\u00fchlen. Ihr k\u00f6nnt gerne mit Dreck nach mir werfen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Frau Mika wirft in ihrem Beitrag Frauen, die sich f\u00fcr Haushalt und Kinder entschieden haben, pauschal vor, sie seien feige. Sie geht sogar noch weiter und behauptet, sie w\u00fcrden sich freiwillig dem Manne unterwerfen, ihre Selbstbestimmung verlieren:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrenddessen versickert ihre Selbstbestimmung zwischen Ehepflichten und Sandkasten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Bascha Mika, Die Feigheit der Frauen, Bl\u00e4tter-Ausgabe M\u00e4rz 2011, Seite 76<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weshalb handeln Frauen nur dann selbstbestimmt, wenn sie einer Lohnarbeit nachgehen?&nbsp; Nach der gleichen Argumentation werden seit Jahren ALG2-Empf\u00e4nger als wertlose Sozialschmarotzer diffamiert. Selbstbestimmung, jenseits von \u00f6konomischer Selbstverwertung zu definieren, kommt Frau Mika nicht in den Sinn? Selbstbestimmung schlie\u00dft Faktoren wie Familie, Kinder, Beziehungen, Freunde, Hobbys, Leidenschaften, ehrenamtliches Engagement und Interessen mit ein, oder etwa nicht Frau Mika?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie schreibt, viele dieser Frauen, seien gut gebildet, waren in der Jugend hochmotiviert, emanzipiert und k\u00f6nnten demzufolge einer Erwerbst\u00e4tigkeit nachgehen, w\u00fcrden es aus lauter Feigheit und Bequemlichkeit aber nicht machen.&nbsp; Sie suchen sich einen Gutverdiener und bleiben freiwillig zuhause, w\u00e4hrend er arbeiten gehe. Selbst wenn es so w\u00e4re, sieht Selbstbestimmung doch gerade so aus, dass Frau sich ihren Lebensweg selbst aussuchen kann, oder etwa nicht? Entscheidungsfreiheit ist der zentrale Kern der Selbstbestimmung. Mich nervt es ehrlich gesagt, dass Feministinnen, Frauen und auch M\u00e4nner, st\u00e4ndig vorschreiben wollen, wie sie sich zu verhalten und wie sie zu leben haben. Echte Selbstbestimmung von Frauen und M\u00e4nnern bedeutet, dass M\u00e4nner und Frauen <em>selbst<\/em> entscheiden, wer lohnarbeiten geht und wer zuhause bleibt. Alle Optionen m\u00fcssen erlaubt sein und akzeptiert werden. Ob nun beide arbeiten, beide zuhause bleiben oder nur einer lohnarbeitet, sollte jeder\/jedem selbst \u00fcberlassen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">S\u00e4tze wie...<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Er zahlt bar, sie mit Lebenszeit und Eigenst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">...zeigen auf, dass Frau Mika die Lohnarbeit als Segen Gottes preist. Mir will nicht in den Sinn, warum der Mann, wenn er lohnarbeiten geht, nicht mit Lebenszeit \u00bbzahlt\u00ab? Aber nein, f\u00fcr Frau Mika ist wertvolle Lebenszeit, nur Lohnarbeitszeit. Jede Nicht-Lohnarbeitszeit ist somit verlorene Zeit f\u00fcr die Frauen dieser Welt. Keine Lebenszeit, sondern tote, wertlose, verschwendete Zeit. Noch neoliberaler und frauenverachtender geht es kaum noch. Nur weibliche Lohnarbeiter sind wertvolle und eigenst\u00e4ndige&nbsp; Menschen \u2014 was Frau Mika wohl \u00fcber erwerbslose Frauen (und \u00fcber erwerbslose M\u00e4nner) denkt?<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun sind Alphafrauen aber kaum dazu bereit, ihren Mann finanziell zu unterst\u00fctzen, das erscheint ihnen unattraktiv. Und das f\u00e4ngt nicht erst da an, wo die Luft angeblich so d\u00fcnn ist, das sieht man auch in der Mittelschicht. Wie viele Frauen leben langfristig mit einem finanziell schlechtergestellten Mann zusammen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Sarah Schmidt, Jungle World vom 3. M\u00e4rz 2011<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn sich eine Frau heute bewusst und freiwillig f\u00fcr ein Kopftuch entscheidet, Hausfrau, Model oder Krankenschwester werden m\u00f6chte, muss sie sich gegen\u00fcber den Feministinnen verteidigen und rechtfertigen, warum sie denn im&nbsp; \u00bbpatriarchalen Spiel\u00ab mitmache? M\u00f6chte sie sich selbstst\u00e4ndig&nbsp; machen oder ist im Management, dann ist sie emanzipiert und modern. Feministische Fremdbestimmung als Deckmantel f\u00fcr weibliche Selbstbestimmung. Es gibt nicht umsonst eine ganze Reihe von Frauen, die den Feminismus rundweg ablehnen, weil sie sich von ihm bevormundet und geg\u00e4ngelt f\u00fchlen. Sie m\u00f6chten&nbsp; ihren Lebensweg individuell entscheiden. Ob mit oder ohne Lohnarbeit, mit oder ohne Kinder und Familie, mit oder ohne Mann usw. Letztlich sollte es immer um ein Miteinander gehen (in&nbsp; welcher Form auch immer) \u2014 genau dieses Motiv kann ich bei vielen Feministinnen aber nicht erkennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcbrigens ist ihr neues Buch im Bertelsmann-Verlag erschienen. Ideologisch scheint Frau Mika ein warmes Nest gefunden zu haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nachtrag:<\/strong> In der TAZ ist am 11. M\u00e4rz <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/politik\/deutschland\/artikel\/1\/lieber-klassenfahrt-als-pille\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Artikel<\/a> erschienen, der sich daf\u00fcr aussprach, erwerbslosen oder prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten Frauen die Verh\u00fctungsmittel zu subventionieren. Ein Schelm, der denkt, es gehe eigentlich nur darum, dass sich diese Schicht von Menschen nicht vermehren solle. Interessant ist, wie der Artikel endet:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit M\u00e4rz hat sie f\u00fcr ihre dreij\u00e4hrige Tochter endlich einen Kitaplatz, der sechsj\u00e4hrige Sohn geht in die Schule. \u00bbJetzt such ich mir Arbeit, egal was. Ich war lange genug nur Mama.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbstbestimmt ist, wer lohnarbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innerhalb der Linken ist die Kritik am Feminismus nicht selten ein Stich ins Wespennest. Es gibt einige, die bei Kritik an feministischer Ideologie, mit P\u00f6belei und Unsachlichkeit reagieren. 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