{"id":8343,"date":"2011-02-16T00:03:06","date_gmt":"2011-02-15T23:03:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=8343"},"modified":"2011-02-11T10:40:12","modified_gmt":"2011-02-11T09:40:12","slug":"neusprech-gehaltsvorstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2011\/neusprech-gehaltsvorstellung\/","title":{"rendered":"Neusprech: Gehaltsvorstellung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #993300;\"><em><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung\u00ab<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- eine h\u00e4ufige Formulierung in Stellenanzeigen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/neusprech\/orwell.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-525\" title=\"ZG-Artikel: Neusprech Heute\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/orwell_neusprech.jpg\" alt width=\"70\" height=\"90\"><\/a>Die Formulierung im Zitat stellt die Frage nach der eigenen finanziellen Wertigkeit. Die Phrase unterst\u00fctzt die Vorstellung, nach einer vermeintlich leistungsgerechten Bezahlung. Dazu m\u00fcsste man aber Leistung seri\u00f6s messen k\u00f6nnen. Leistet ein Manager mehr, als eine Putzfrau? Eine Krankenschwester weniger, als ein Banker? Wie misst man Leistung? An der Bezahlung? Dann dreht man sich im Kreis: Leistung ist gleich Bezahlung und Bezahlung ist gleich Leistung.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gibt man eine zu hohe Summe als Gehaltsvorstellung an, wird man im Bewerbungsverfahren vermutlich gleich ausgesiebt. Will sich die Mensch-Ware vermeintlich g\u00fcnstig \u00bbanbieten\u00ab, um an den Job zu kommen, sieht das beim Unternehmen und beim Personaler nach einem verzweifelten, sprich eher ungeeigneten Bewerber aus. Dennoch ist es offensichtlich, dass Unternehmen, die Verantwortung f\u00fcr die Lohndr\u00fcckerei, von Anfang an gleich auf den Lohnarbeiter abw\u00e4lzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Transparenz und Offenlegung von Geh\u00e4ltern hat in Deutschland keine Tradition. Viele Branchen, Unternehmen und Organisationen wehren sich erbittert dagegen. Als im Jahre 2006 die Offenlegungspflicht Politiker zwang, ihre Geh\u00e4lter und Nebeneink\u00fcnfte der \u00d6ffentlichkeit mitzuteilen, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,441894,00.html\" target=\"_blank\">klagten<\/a> erstmal neun Abgeordnete beim Bundesverfassungsgericht dagegen. Heute werden Politiker-Eink\u00fcnfte in drei Einkommensstufen \u00f6ffentlich gemacht. Stufe eins erfasst monatliche Eink\u00fcnfte von 1.000 bis 3.500 Euro, Stufe zwei Eink\u00fcnfte bis 7.000 Euro und Stufe drei Eink\u00fcnfte \u00fcber 7.000 Euro.&nbsp; Hinzu kommt, dass viele Abgeordnete ihre Nebenjobs verschweigen. Von wirklicher Transparenz kann hier also keine Rede sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">In Deutschland wird um das Gehalt ein gro\u00dfes Geheimnis gemacht. Bei sehr wenigen Stellenanzeigen wird der&nbsp; zuk\u00fcnftige Lohn erw\u00e4hnt. Ja, man wird auch oft im Arbeitsvertrag dazu verpflichtet, mit den Kollegen und Mitarbeitern nicht \u00fcber das eigene Gehalt zu sprechen:<\/p>\n<blockquote><p><em><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>\u00dcber alle Gesch\u00e4fts- und Betriebsgeheimnisse einschlie\u00dflich des Inhalts der Gehaltsregelung ist Stillschweigen zu bewahren\u00ab<\/em><\/p>\n<p>- eine h\u00e4ufige Formulierung in Arbeitsvertr\u00e4gen<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Menschen reden auch nicht privat \u00fcber ihr Gehalt: \u00bb\u00fcber Geld spricht man nicht\u00ab, sagt der Volksmund.&nbsp; So als w\u00fcrde es der breiten Masse gar nicht um die blanken Scheinchen gehen. Die Geheimnistuerei um das liebe Geld offenbart den materialistisch verlogenen Zeitgeist in Deutschland. Aus Angst vor einem sozialen Unfrieden, vor Neid und Missgunst werden Geh\u00e4lter weitestgehend geheim gehalten. Die \u00bbGehaltsvorstellung\u00ab wird somit zum Synonym f\u00fcr den <a title=\"Neusprech\" href=\"..\/2010\/neusprech-sozialstatus\/\" target=\"_blank\">Sozialstatus<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00fcrde offen gelegt werden, wie ungerecht und unfair die Menschen eigentlich bezahlt werden.&nbsp; Und dass&nbsp; es Verteilungs- und Lohngerechtigkeit in Deutschland nicht gibt. Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit? Mindestlohn?&nbsp; Bezahlung, von der man leben und seine Familie ern\u00e4hren kann? In vielen Branchen und Berufen Fehlanzeige. Stattdessen wird das Gehalt \u00bbausgehandelt\u00ab oder folgt g\u00e4nzlich anderen Kriterien. Vertragskultur, nennt man das. Nur wie so oft, sind die Vertragspartner selten auf Augenh\u00f6he. Der Lohngeber kann sich bei der derzeitigen Massenarbeitslosigkeit mehr erlauben und rausnehmen, als der Lohnarbeiter, der nur seine Arbeitskraft, also sich selbst verkaufen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><br>\n<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung\u00ab \u2014 eine h\u00e4ufige Formulierung in Stellenanzeigen Die Formulierung im Zitat stellt die Frage nach der eigenen finanziellen Wertigkeit. Die Phrase unterst\u00fctzt die Vorstellung, nach einer vermeintlich leistungsgerechten Bezahlung. 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