{"id":7443,"date":"2010-12-08T00:27:11","date_gmt":"2010-12-07T23:27:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=7443"},"modified":"2010-12-01T13:38:58","modified_gmt":"2010-12-01T12:38:58","slug":"neusprech-faulheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/neusprech-faulheit\/","title":{"rendered":"Neusprech: Faulheit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #993300;\"><em><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Die Arbeit ist  etwas Unnat\u00fcrliches. Die Faulheit allein ist g\u00f6ttlich\u00ab.<\/em><\/span><\/p>\n<p>- Anatole France<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/neusprech\/orwell.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-525\" title=\"ZG-Artikel: Neusprech Heute\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/orwell_neusprech.jpg\" alt width=\"70\" height=\"90\"><\/a>Faulheit bezeichnet im Sinne von faul und F\u00e4ulnis, dass Verderben und das Verwesen von Obst und von Tieren. Im Zeitalter von Arbeitsfetischismus, Sklavenmoral, Arbeitssucht und vorauseilendem Arbeitsgehorsam ist der Vorwurf der Faulheit eine schlimme S\u00fcnde. Wer als faul bezeichnet wird, sei tr\u00e4ge, arbeitsscheu, unn\u00fctz, wertlos und letztlich gar \u00fcberfl\u00fcssig. Der Begriff ist im Kapitalismus negativ konnotiert und wird als Waffe gegen all jene verwendet, die sich nicht dem Hamsterrad der ewigen Selbstverwertung unterwerfen k\u00f6nnen oder wollen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Antike galt Faulheit im Sinne von M\u00fc\u00dfiggang als wichtige Charaktereigenschaft. Heute muss sich das Recht auf Faulheit erkauft und quasi erarbeitet werden. Nur wer hart und viel schuftet, der darf auch langsam gehen. Nur wer einen vermeintlich anstrengenden Arbeitstag&nbsp; hatte, darf die Beine hochlegen und faul sein. Nur wer das ganze Jahr \u00fcber in der Lohnarbeit geackert hat, darf in den Urlaub fahren. Faulheit als Gut, dass es zu erwerben gilt. Motivation, Flei\u00df, Leistung und Produktivit\u00e4t sind die gro\u00dfen Gegenspieler der Faulheit. Wobei Faulheit auch ein Wirtschaftsfaktor ist. Der Taschenrechner, die  Fernbedienung, Rolltreppen und viele andere Wirtschaftsg\u00fcter wurden erfunden, weil  Menschen faul waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indes ist Faulheit weder f\u00fcr den Klimawandel, f\u00fcr Kriege noch f\u00fcr die Unzufriedenheit der Menschen verantwortlich. Von Faulheit wird die Welt nicht untergehen. Das kann man getrost der grenzenlosen Produktion und dem kapitalistischen Irrsinn zuschreiben. Oder wie der franz\u00f6sische Sozialist Paul Lafargue schreibt:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arbeitet, arbeitet, Proletarier, vermehrt den     Nationalreichtum und damit euer pers\u00f6nliches Elend.     Arbeitet, arbeitet, um, immer \u00e4rmer geworden, noch mehr     Ursache zu haben, zu arbeiten und elend zu sein. Das ist das     unerbittliche Gesetz der kapitalistischen Produktion.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Mensch der respektiert werden will, muss ehrgeizig, flei\u00dfig, arbeitss\u00fcchtig und leistungsorientiert sein. Dieses Menschenbild ist in den K\u00f6pfen der Menschen tief verankert. So auch in Politik und Wirtschaft. So entstehen Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen, Bewerbungstrainingskurse und Umschulungen, damit die Arbeitslosen auf eine Lohnarbeit vorbereitet werden, die es f\u00fcr sie nicht gibt. Aber Hauptsache sie sind nicht faul.&nbsp; Arbeit als Selbstzweck. Denn wer nicht arbeitet, ist ein Sozialschmarotzer, ein Parasit, ein fauler Sack, wertloser Ballast. Erwerbslose haben kein Recht auf Faulheit und demnach auch kein Recht auf gesellschaftliche Anerkennung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Zukunft werden immer mehr T\u00e4tigkeiten auf Maschinen und Technologien \u00fcbertragen werden. Die Automatisierung bringt es mit sich, dass immer weniger Lohnarbeiter gebraucht werden. Massenarbeitslosigkeit wird demnach weiterhin ein fester Bestandteil der Arbeitswelt sein. Erwerbslose werden so zum nicht-lohnarbeiten gebracht. Statt sie als faule S\u00e4cke zu diffamieren, sollte man die Faulheit des Denkens ablegen und begreifen, dass die Befreiung von Sklavenmoral, Arbeitssucht, Mobbing, Abh\u00e4ngigkeit und Schufterei ein Segen ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Die Arbeit ist etwas Unnat\u00fcrliches. 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