{"id":7395,"date":"2010-12-04T00:47:57","date_gmt":"2010-12-03T23:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=7395"},"modified":"2014-06-26T10:08:07","modified_gmt":"2014-06-26T08:08:07","slug":"burger-bettelt-um-lohnarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/burger-bettelt-um-lohnarbeit\/","title":{"rendered":"<span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>B\u00fcrger, bettelt um Lohnarbeit!\u00ab"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/KZ.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-7414\" title=\"Bildquelle: morak faxe von flickr\" alt src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/KZ.jpg\" width=\"394\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/KZ.jpg 640w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/KZ-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/KZ-450x337.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 394px) 100vw, 394px\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im April 2010 schrieb ich einen Artikel mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/arbeitslose-durfen-nicht-glucklich-sein\/\" target=\"_blank\">\u00bbArbeitslose d\u00fcrfen nicht gl\u00fccklich sein!\u00ab<\/a>. Darin schrieb ich, dass es f\u00fcr viele Menschen eine Kausalit\u00e4t zwischen Lohnarbeit und Gl\u00fcck gebe. Ferner, dass wer erwerbslos ist, auch gar nicht gl\u00fccklich sein k\u00f6nne bzw. nicht gl\u00fccklich sein d\u00fcrfe! Wer erwerbslos ist und auch noch behaupte, er sei gar nicht so ungl\u00fccklich dar\u00fcber, wird als Parasit, Schmarotzer, ja als Unmensch gesehen. Wer erwerbslos ist, hat sich zu sch\u00e4men, zu ducken und sich st\u00e4ndig bei der Familie und bei Freunden zu rechtfertigen, warum er denn keine Lohnarbeit habe?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Frage, was Gl\u00fcck sei, werden wenige antworten: eine Lohnarbeit haben. Stattdessen werden die Familie, Beziehungen, Freunde, Hobbys, Leidenschaften usw. genannt. Immaterielle Dinge. Wenn nun jemand erwerbslos ist und f\u00fcr sich in Anspruch nimmt, dass ihn diese immateriellen Dinge gl\u00fccklich machen, wird mit den Augen gerollt: <em>\u00bbAber wie kannst Du ohne Arbeit gl\u00fccklich sein? Das geht doch nicht!\u00ab<\/em>. Der individuelle Verwertungshabitus ist derart tief in den K\u00f6pfen der Menschen verankert, dass f\u00fcr viele Selbstverwirklichung ohne Lohnarbeit ein Ding der Unm\u00f6glichkeit ist. Ohne den Sachzwang Lohnarbeit w\u00fcrden viele wohl das Leben f\u00fcrchten: die Furcht vor der Freiheit. Insofern betteln wir darum, <a title=\"ZG\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/nennen-wir-es-sklave\/\" target=\"_blank\">Sklaven sein zu d\u00fcrfen<\/a>. Schaut man sich Menschen an, wie sie t\u00e4glich zu ihrer Lohnarbeit schleifen, wie sie \u00e4chzen, st\u00f6hnen, klagen, jammern \u2013 sehen so gl\u00fcckliche Menschen aus?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder Erwerbslose steht unter Generalverdacht ein fauler Sack zu sein. Bei der Familie, bei Freunden, Bekannten und nat\u00fcrlich der Arbeitsagentur. Jeder Nicht-Lohnarbeiter muss sich erstmal ausf\u00fchrlich rechtfertigen, warum er denn erwerbslos sei. Das Argument, dass es mehr Arbeitslose als Stellen gibt \u2014 offiziell 3 Millionen Erwerbslose (In Wahrheit um die 6 Millionen) treffen auf ca. 500.000 freie Stellen \u2014 wird einfach ignoriert oder \u00fcbergangen. Da k\u00f6nnen der Lebenslauf, die Qualifikationen und die Bewerbung noch so gut sein \u2014 es gibt nicht genug Lohnarbeit f\u00fcr jeden! Und das ist sogar gewollt! <em>\u00bbJa, ich wei\u00df, es ist schwer heutzutage!\u00ab<\/em>, hei\u00dft es dann beschwichtigend. Verst\u00e4ndnis wird vorgeheuchelt, ohne die eigene Perspektive in Frage zu stellen. Eine Woche sp\u00e4ter hei\u00dft es dann wieder: <em>\u00bbUnd haste endlich Arbeit?\u00ab<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke manchmal, viele Lohnarbeiter sind ungl\u00fccklich mit sich und ihrem Leben. Eingebunden in Zw\u00e4nge, Handlungen und einer Selbstentfremdung durch Lohnarbeit, dass keine Sinnstiftung gibt. Der einzige Trost ist dann das Geld und die M\u00f6glichkeit zum Konsum sowie die Gewissheit, dass es anderen genauso ergeht wie einem selbst.&nbsp; Frei nach dem Motto: wenns mir dreckig geht, soll es den anderen nicht besser gehen! Deswegen unter anderem auch die gro\u00dfe Verachtung gegen\u00fcber Erwerbslosen und der gro\u00dfe soziale und gesellschaftliche Druck alle in \u2011die nicht vorhandene- Lohnarbeit zu pressen.<\/p>\n<blockquote><p>Der Hang zur Freude nennt sich bereits Bed\u00fcrfnis der Erholung und f\u00e4ngt an, sich vor sich selber zu sch\u00e4men. \u00bbMan ist es seiner Gesundheit schuldig\u00ab \u2014 so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja, es k\u00f6nnte bald so weit kommen, dass man einem Hange zur vita contemplativa (das heisst zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachg\u00e4be.<\/p>\n<p>- Friedrich Nietzsche<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Faulheit hie\u00df fr\u00fcher mal M\u00fc\u00dfiggang und war ein wichtiger Bestandteil des Lebens, um das innere Gleichgewicht zu halten. Heute ist Jeder, der nicht besch\u00e4ftigt ist, konsumiert oder lohnarbeitet, \u00fcberfl\u00fcssiger gesellschaftlicher Ballast. Schmarotzer, die alle anderen durchf\u00fcttern m\u00fcssen. Der <a title=\"ZG\" href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/moralfinger\/fetischarbeit.html\" target=\"_blank\">Arbeitsfetischismus<\/a> ist in Deutschland derart weit verbreitet, dass die Wiedereinf\u00fchrung der Zwangsarbeit ohne gro\u00dfe Probleme m\u00f6glich w\u00e4re. Sie w\u00fcrde dann nat\u00fcrlich anders hei\u00dfen. Zum Beispiel Ein-Euro-Job. W\u00e4re der Slogan \u00bbArbeit macht frei\u00ab nicht von den Nationalsozialisten besetzt, w\u00fcrde er heute eine neue Inflation erfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im April 2010 schrieb ich einen Artikel mit dem Titel \u00bbArbeitslose d\u00fcrfen nicht gl\u00fccklich sein!\u00ab. Darin schrieb ich, dass es f\u00fcr viele Menschen eine Kausalit\u00e4t zwischen Lohnarbeit und Gl\u00fcck gebe. 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