{"id":3828,"date":"2010-01-02T02:28:55","date_gmt":"2010-01-02T00:28:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=3828"},"modified":"2010-07-09T16:47:45","modified_gmt":"2010-07-09T14:47:45","slug":"zahlenfetischismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/zahlenfetischismus\/","title":{"rendered":"Zahlenfetischismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-3835\" title=\"Zahlen erkl\u00e4ren uns die Welt?\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl-401x400.jpg\" alt width=\"254\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl-401x400.jpg 401w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl-150x149.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 254px) 100vw, 254px\"><\/a>Frisch zum neuen Jahr 2010 widme ich mich eines Themas, dass mir schon seit l\u00e4ngerem durch den Kopf schwebt: unsere Fixierung auf Zahlen. Alles wird gemessen, in eine Zahlen-Form gebracht, nach Zahlen bewertet und beurteilt, die <a title=\"ad sinistram\" href=\"http:\/\/ad-sinistram.blogspot.com\/2008\/08\/176-167-176-176-176-617.html\" target=\"_blank\">Welt wird vermessen<\/a>. Wir beten Zahlen an, wie G\u00f6tzen. Ja, die Zahl selbst wird zum Bestandteil der Lebenskultur: Geburtstage, Hochzeitstage, Silvester, Valentinstage, Muttertage, Vollj\u00e4hrigkeit usw. werden gefeiert. Zahlen bestimmen unser Leben: von wann ist der Film? Wann war dieses oder jenes Ereignis? Wieviele sind gestorben? Wieviel Lohn erhalte ich? Welche Note bekomme ich f\u00fcr die Klausur? Wie teuer ist die Zeitung? Wie schnell darf ich mit dem Auto fahren?<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im zwischenmenschlichen Bereich implizieren Fragen wie <em>\u00bbWielange seid ihr schon zusammen?\u00ab<\/em> h\u00e4ufig die Bewertung der Beziehung. Dabei gilt allgemein: je l\u00e4nger eine Beziehung ist, als desto wertvoller wird sie angesehen. Jahrestage werden gez\u00e4hlt und ggf. gefeiert. Auch die Zahl der bisherigen Sexualpartner haben die meisten kleinlich notiert oder sich gemerkt. Auch viele andere Dinge im zwischenmenschlichen Bereich, die gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen, werden auch gez\u00e4hlt. Das st\u00e4ndige Auge auf die Quantit\u00e4t, statt auf die Qualit\u00e4t \u2014 die mehr gef\u00fchlt als gemessen wird \u2014 ist allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">Schon lange stelle ich mir vor, wie es wohl w\u00e4re, wenn wir nicht w\u00fcssten wie alt wir seien? Einfach sein Leben leben ohne heuchlerische Geburtstage zu feiern. Es g\u00e4be keine Midlife-Crisis mehr. Keine Arbeitgeber, die \u00e4ltere Lohnarbeiter diskriminieren w\u00fcrden, blo\u00df weil sie die 50 \u00fcberschritten haben. Keine sozialen Verunsicherungen mehr, blo\u00df weil man 30, 40 oder 50 Jahre alt geworden ist. Keine heuchlerischen Beziehungen und Ehen mehr, blo\u00df weil die Jahres-Zahl des Zusammenlebens schon so hoch ist, so dass man von ihr gefangen ist und sich, der Familie und der sozialen Achtung wegen, nicht mehr traut, sich zu trennen. Einfach sein Leben leben ohne st\u00e4ndig den Blick aufs eigene Alter oder auf Zahlen zu haben. Irgendwann werden die Haare grauer, fallen aus, man wird eventuell kr\u00e4nker \u2014 aber was solls? Wenn man sein Leben, abseits des Jugendwahns und der Altersfixierung gelebt hat, sollte einem das nicht viel ausmachen. Es geh\u00f6rt zum Leben dazu, genauso wie der Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3852\" title=\"Die Welt vermessen?\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl1.jpg\" alt width=\"500\" height=\"332\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl1.jpg 1024w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl1-150x99.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/zahl1-450x299.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Abschluss noch ein passendes Zitat-Zitat von <a title=\"nebenbei bemerkt\" href=\"http:\/\/notatio.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">Kurt aka Roger Beathacker<\/a>, das er im oben verlinkten Artikel von Roberto am 29. August 2008 gemacht hat:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Man kann die Ideen, wie sie in unserem Geiste und in der Natur sich kundgeben, sehr treffend durch Zahlen bezeichnen; aber die Zahl bleibt doch immer das Zeichen der Idee, nicht die Idee selbst. Der Meister bleibt dieses Unterschieds noch bewu\u00dft, der Sch\u00fcler aber vergisst dessen und \u00fcberliefert seinen Nachsch\u00fclern nur eine Zahlenhieroglyphik, blo\u00dfe Chiffren, deren lebendige Bedeutung niemand mehr kennt und die man mit Schulstolz nachplappert. Dasselbe gilt von den \u00fcbrigen Elementen der mathematischen Form. Das Geistige in seiner ewigen Bewegung erlaubt kein Fixieren; ebensowenig wie durch die Zahl l\u00e4\u00dft es sich fixieren durch Linie, Dreieck, Viereck und Kreis. Der Gedanke kann weder gez\u00e4hlt werden noch gemessen\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Heinrich Heine. Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. Reclam Leipzig 1970. S.141f.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frisch zum neuen Jahr 2010 widme ich mich eines Themas, dass mir schon seit l\u00e4ngerem durch den Kopf schwebt: unsere Fixierung auf Zahlen. Alles wird gemessen, in eine Zahlen-Form gebracht, nach Zahlen bewertet und beurteilt, die Welt wird vermessen. 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