{"id":3020,"date":"2009-10-07T01:02:17","date_gmt":"2009-10-06T23:02:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=3020"},"modified":"2009-10-07T01:02:17","modified_gmt":"2009-10-06T23:02:17","slug":"zum-thema-obdachlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2009\/zum-thema-obdachlosigkeit\/","title":{"rendered":"Zum Thema Obdachlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vor kurzem sa\u00df ich in der Berliner U\u2011Bahn und \u00bbg\u00f6nnte\u00ab mir mal wieder die Obdachlosen-Zeitung <a href=\"http:\/\/www.strassenfeger.org\/\" target=\"_blank\">\u00bbder Strassenfeger\u00ab.<\/a> Auf Seite 20 der aktuellen Ausgabe Nr. 20 vom September 2009 gab es ein Verk\u00e4uferportrait von <!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21 <\/xml><![endif]--><!--  -->Ren\u00e9 Soltysik. In diesem Portrait wird ausf\u00fchrlich geschildert, wie er zur Obdachlosigkeit gekommen ist. Da es leider immer noch sehr viele Menschen gibt, die der Auffassung sind, \u00bbdie sind ja alle selbst schuld\u00ab und die sich nicht mit den Hintergr\u00fcnden von Obdachlosigkeit auseinandersetzen, ist hier im folgenden das Verk\u00e4uferportrait mit Einverst\u00e4ndnis der Strassenfeger-Redaktion zu lesen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21 <\/xml><![endif]--><!--  --><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verk\u00e4uferportr\u00e4t Ren\u00e9 Soltysik<br>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vom Abst\u00fcrzen und Wiederaufstehen<\/strong><br>\n<a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/rene-soltysik.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-3026\" title=\"Rene Soltysik\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/rene-soltysik.jpg\" alt width=\"165\" height=\"219\"><\/a>Ich wurde vor 41 Jahren in Berlin geboren und bin somit eine echte Berliner Pflanze. Meine Kindheit und meine Jugend waren nicht gerade einfach, da ich meinen Vater nicht kannte und meine Mutter krank war. So kam ich mit sieben Jahren in ein Kinderheim. Der Kontakt zu meiner Mutter ist aber auch in dieser Zeit nicht abgerissen. Einen tiefen Einschnitt in mein Leben erfuhr ich, als meine Mutter nach einer langen und schweren Krankheit starb. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade 14 Jahre alt. Bei der Beerdigung traf ich meinen \u00e4lteren Bruder wieder und unser Verh\u00e4ltnis wurde mit der Zeit so stark, dass ich mit 17 Jahren bei ihm einzog. Zu dieser Zeit habe ich dann eine G\u00e4rtnerlehre angefangen. Mein \u00bbLehrherr\u00ab bekam aber heraus, dass ich ein Heimkind bin. Da fing das Mobbing so richtig an. Ich war an allem schuld, was auf der Arbeit schief ging. Aus psychischen Gr\u00fcnden brach ich ab, obwohl ich diesen Beruf liebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21 <\/xml><![endif]--><!--  --><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mein Absturz und das Wiederaufstehen<\/strong><br>\nDa ich keine abgeschlossene Ausbildung habe, konnte ich keine Arbeit finden. Durch die Arbeitslosigkeit habe ich erst meine Wohnung&nbsp; und dann den Halt im Leben verloren. So geriet ich ins Abseits der Gesellschaft und kehrte Berlin den R\u00fccken, um mein Gl\u00fcck in einer anderen Stadt zu suchen. Doch das Einzige, was ich fand, war ein Platz unter der Br\u00fccke, in Bahnh\u00f6fen oder irgendwelchen Obdachlosenheimen. Das einzig Positive in dieser Zeit war, dass ich Deutschland kennengelernt habe. Diese Zeit umfasste sechs Jahre. Als mein Bruder mich dann wiederfand, kam ich nach Berlin zur\u00fcck. Hier habe ich einige Zeit wieder bei ihm leben d\u00fcrfen und mein Leben ordnen k\u00f6nnen. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Denn ohne den Halt, den er mir zu dieser Zeit gab und gibt, w\u00e4re ich wahrscheinlich heute noch auf der Stra\u00dfe. Doch wirkliche Freunde konnte ich in dieser Zeit nicht finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was daraus wurde<\/strong><br>\nSeit ungef\u00e4hr zehn Jahren habe ich eine eigene Wohnung und bestreite trotz meiner Diabetes mein Leben, so gut es geht, alleine. Durch diese Krankheit habe ich 2006 mein linkes Bein verloren. Seit dieser Zeit sitze ich im Rollstuhl. Ich versuche ja wieder arbeiten zu gehen. Doch das Einzige, was mir bleibt, ist eine Behindertenwerkstatt. Aber die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt stellt sich als sehr schwierig heraus. Somit habe ich immer noch keine Arbeit gefunden, obwohl ich mich seit zwei Jahren intensiv darum k\u00fcmmere. Seit Mai diesen Jahres bin ich jeden Tag bei mob e.V. und verbringe meine Freizeit \u00fcberwiegend hier. Das liegt zum einen daran, dass ich hier einen sehr guten Halt und gute Freunde, die mich so akzeptieren, wie ich bin, gefunden habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ehrenamtliche Arbeit<\/strong><br>\nSeit Juli habe ich auch eine vertrauensvolle ehrenamtliche Aufgabe \u00fcbernommen. Ich arbeite im Team unseres Verk\u00e4uferkoordinators. Mein Aufgabengebiet erstreckt sich darin, dass ich mich um die Probleme und Belange unserer Verk\u00e4ufer, die im Umland von Berlin t\u00e4tig sind, so weit es in meiner Macht steht, k\u00fcmmere. Eine dieser Aufgaben, an der ich auch sehr viel Spa\u00df habe, ist das Informieren \u00fcber unseren Verein. Deshalb nehme ich auch an Aktionen teil, die von anderen Vereinen bzw. Organisationen oder von unserem Verein organisiert werden. Und genau hier werden Sie mich an St\u00e4nden mit dem Hinweis <em>strassenfeger<\/em> oder <em>mob e.V.<\/em> antreffen. Unter unseren Verk\u00e4ufern hat sich um unseren Koordinator eine kleine Gruppe gebildet, in der jeder f\u00fcr jeden in jeder Lebenslage da ist. Ich bin dankbar, dieser Gruppe anzugeh\u00f6ren, denn durch die Aufgaben und den Zusammenhalt, ist mein Selbstbewusstsein sehr gewachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Notiert von Thomas Neumann.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Dank an die Strassenfeger-Redaktion!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem sa\u00df ich in der Berliner U\u2011Bahn und \u00bbg\u00f6nnte\u00ab mir mal wieder die Obdachlosen-Zeitung \u00bbder Strassenfeger\u00ab. Auf Seite 20 der aktuellen Ausgabe Nr. 20 vom September 2009 gab es ein Verk\u00e4uferportrait von Ren\u00e9 Soltysik. 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