{"id":23460,"date":"2017-10-27T07:41:47","date_gmt":"2017-10-27T05:41:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=23460"},"modified":"2017-10-23T14:17:30","modified_gmt":"2017-10-23T12:17:30","slug":"reale-welten-vs-fiktive-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2017\/reale-welten-vs-fiktive-welten\/","title":{"rendered":"Reale Welten vs. Fiktive Welten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-23476\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel.jpg\" alt=\"digital_titel\" width=\"1040\" height=\"603\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel.jpg 1040w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel-150x87.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel-450x261.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel-768x445.jpg 768w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel-1024x594.jpg 1024w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/digital_titel-500x290.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 1040px) 100vw, 1040px\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wieder lese ich die akademische Grundannahme, es gebe hier die positiven, selbsterfahrenden, mit Sinneswahrnehmung ausgestalteten, realen Alltagswelten und dort die negativen, zerst\u00f6rerischen und suchterzeugenden, fiktiven Medienwelten. Diese bin\u00e4r-dual-polarisierende Wahrnehmung empfinde ich als unwissenschaftlich, weil sie wenig Differenzierung, also Graut\u00f6ne erlaubt. Ich w\u00fcrde sogar behaupten, dass es heute \u00fcberhaupt keine trennscharfe Linie \u2011zwischen vermeintlich realen und vermeintlich fiktiven Welten- mehr gibt. Es existiert hier l\u00e4ngst kein <em>entweder oder<\/em> mehr, sondern nur ein <em>sowohl als auch<\/em>.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Buch von J\u00fcrgen Fritz <em>\u00bbDas Spiel verstehen: eine Einf\u00fchrung in Theorie und Bedeutung\u00ab<\/em> hei\u00dft es beispielsweise:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Medien verweisen in der Regel auf Aspekte der realen Welt\u00ab (S. 189)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Dies deutet darauf hin, dass in der medialen Welt deutliche Verwebungen mit der mentalen Welt stattfinden\u00ab (S. 191)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in vielen anderen Texten und Beitr\u00e4gen zum Thema Medienkompetenz wird immer wieder der Kontrast zwischen beiden Polen aufgemacht. Dabei gibt es heute, im Jahr 2017 eine ganze F\u00fclle von digitalen, Online\u2011, Werkzeugen, Instrumenten und Angeboten, die eben <em>nicht<\/em> im Gegensatz zur realen Welt stehen, sondern f\u00fcr sehr viele Menschen schlicht Alltagsleben sind. Oder anders ausgedr\u00fcckt: es gibt keinen irgendwie messbaren und\/oder bedenklichen Einfluss von medialer, fiktiver und digitaler Symbole, <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/narrative-legenden\/\" target=\"_blank\">Narrative<\/a> und Zeichen mehr, die auf die Lebenswelten der Menschen einwirken \u2014 Sie sind die Lebenswelten! Folgende t\u00e4gliche Erfahrungswelten zeigen sehr deutlich auf, dass es keinerlei trennendes Ordnungsgef\u00fcge zwischen <em>real und digital<\/em> mehr gibt:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li style=\"text-align: justify;\">Smartphone-Junkies<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Amazon, Facebook, Google, Wikipedia<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Online-Banking<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">WhatsApp<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Pokemon Go<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">E\u2011Mail<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Virtual Reality<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Soziale Netzwerke<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Youtube-Stars\u00ab (oder: mit Youtube Geld verdienen)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">US-Drohnensteuerung \u00e4hnelt einem PC-Spiel<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Gamification<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Cybermobbing<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Das Web insgesamt als erweiterter Business-Raum<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">usw.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>digital ist sehr real<\/strong><br>\nSicher, noch werden nicht komplett alle Sinne gleichzeitig digital angesprochen. Und noch leben wir nicht in einem dystopischen Cyberpunk-Szenario. Nur weit entfernt davon sind wir auch nicht mehr. Oder wer konnte beispielsweise vor 15 Jahren ahnen, dass es im Jahr 2017 kaum noch m\u00f6glich ist, einen \u00f6ffentlichen Raum (Park, Konzert, Cafe, Bibliothek, Bus\/Bahn, Gesch\u00e4ft etc.) zu betreten, ohne dass man nicht st\u00e4ndig irgendwelchen Dummphone-Menschen \u00fcber den Weg l\u00e4uft, die wie hypnotisiert auf ihren Bildschirm starren, alles aufnehmen und fotografieren m\u00fcssen sowie kaum noch eine wirklich sinnliche Wahrnehmung f\u00fcr ihre Umgebung haben? Ist das etwa keine Dystopie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann mich beispielsweise an ein Erlebnis am See erinnern. Ich war dort den ganzen Tag zum Entspannen, schwimmen und sonnen. Dann kamen zwei junge Frauen, zogen sich bis auf ihre Badesachen aus, stellten sich ans Wasserufer und machten mit Ihren smartphones ein paar Selfies. Dann gingen sie wieder. Ich m\u00f6chte wetten, sie haben diese Bilder auf Facebook gepostet mit dem Satz: <em>\u00bbtoller tag am See\u00ab<\/em> oder so \u00e4hnlich. Die digitale Identit\u00e4t ist die reale Identit\u00e4t und umgekehrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt eine ganze Reihe von Filmen, die das Motiv der \u00bbrealen Fiktion\u00ab sehr eindringlich thematisiert haben:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li style=\"text-align: justify;\">Matrix<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Total Recall<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Transcendence<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Tron<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Der Rasenm\u00e4hermann<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">WarGames<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Cypher<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Virtuosity<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Wissenschaft scheint sich vielerorts aber die konservative Erz\u00e4hlung von \u00bbguter realer Alltagswelt\u00ab versus \u00bbb\u00f6ser fiktiver Medienwelt\u00ab streng zu halten. Wie immer man das am Ende f\u00fcr sich selbst bewerten mag: ich sehe beim besten Willen keinerlei Gegens\u00e4tze mehr! Erst recht nicht, wenn Busse und Bahnen zum \u00fcberwiegenden Teil mit Smartphone-Zombies bev\u00f6lkert sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder lese ich die akademische Grundannahme, es gebe hier die positiven, selbsterfahrenden, mit Sinneswahrnehmung ausgestalteten, realen Alltagswelten und dort die negativen, zerst\u00f6rerischen und suchterzeugenden, fiktiven Medienwelten. 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