{"id":20278,"date":"2016-05-27T07:45:42","date_gmt":"2016-05-27T05:45:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=20278"},"modified":"2016-05-20T22:25:33","modified_gmt":"2016-05-20T20:25:33","slug":"arbeitsscheue-drueckeberger-faulenzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/arbeitsscheue-drueckeberger-faulenzer\/","title":{"rendered":"Arbeitsscheue. Dr\u00fcckeberger. Faulenzer."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-20279\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/faulenzer_titel.jpg\" alt=\"faulenzer_titel\" width=\"1000\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/faulenzer_titel.jpg 1000w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/faulenzer_titel-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/faulenzer_titel-450x338.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/faulenzer_titel-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/faulenzer_titel-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"><\/strong>Die <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/neusprech-faulheit\/\">Faulheit<\/a> gilt in westlichen, industrialisierten Breitengraden als moderne Tods\u00fcnde. Wer keine <em>Leistung<\/em> zeige, wenig motiviert und nicht <em>flei\u00dfig<\/em> sei, wer im M\u00fc\u00dfiggang oder in der Langsamkeit verharre, wer zu viel nachdenke, der sei nicht nur unmodern und unzeitgem\u00e4\u00df, sondern eine \u00fcberfl\u00fcssige, ja verachtenswerte Ballastexistenz. Die kapitalistische Wachstumsdynamik braucht Menschen, die sich dem Dogma des h\u00f6her, schneller, weiter \u2013 Prinzips unterwerfen. Denn f\u00fcr den Kapitalismus gibt es kein zur\u00fcckblicken und kein stehenbleiben,&nbsp; sondern nur den endlosen Zwang des \u00bbweiter so!\u00ab, der Rohstoffausbeutung und der Geldvermehrung. Nur wer <em>hart arbeite<\/em>, habe sich in seiner Freizeit einige Stunden Nichtstun verdient. Wobei auch alle Freizeitaktivit\u00e4ten als belangloses Ged\u00f6ns angesehen werden, die nicht \u00f6konomisch verwertbar seien oder der <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/selbstoptimierung\/\" target=\"_blank\">Selbstoptimierung<\/a> gewidmet werden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Balu, der B\u00e4r<br>\n<\/strong>W\u00e4hrend den Lohnarbeitern durch politische und mediale Kan\u00e4le eingeimpft wird, dass sie ihre gesamten k\u00f6rperlichen und geistigen Kr\u00e4fte dem Unternehmen zur Verf\u00fcgung stellen sollen (nat\u00fcrlich nur das, was dem Unternehmen nutzt), ist gleichzeitig die Inaktivit\u00e4t, Gem\u00fctlichkeit und Bequemlichkeit der Konsumenten, das absolute Verkaufsargument von G\u00fctern und Dienstleistungen. Sei es die Digitalisierung von Dienstleistungen, Online Shopping oder Online Banking. Die Inanspruchnahme von Haushaltshilfen, Babysittern oder Umzugshelfern. Autonomes Fahren, der All-Inclusive-Urlaub, die Fernbedienung technischer Ger\u00e4te, Rolltreppen oder auch die Suchmaschine Google: immer geht es um den pers\u00f6nlichen Komfort und um so wenig wie m\u00f6glich eigene k\u00f6rperliche oder geistige Anstrengungen. Amazon geh\u00f6rt nicht zuf\u00e4llig zu den \u00bbBig Five\u00ab des Online-Marktes. W\u00e4hrend also die Faulheit in der Arbeitswelt verachtet wird, ist sie f\u00fcr den privaten Konsum ein Innovations\u2013&nbsp; und Verkaufsargument.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Was f\u00fcr das Funktionieren des heutigen Wirtschaftssystems gut ist, erweist sich f\u00fcr den Erhalt der seelischen Gesundheit des Menschen als sch\u00e4dlich.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erich Fromm. \u00bbDie Pathologie der Normalit\u00e4t\u00ab. Ullstein Verlag 2012. S. 10<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferhalb der Lohnarbeit sind viele Menschen heute an vielem desinteressiert. Sie haben wenige oder gar keine Hobbys (wenn man von Glotze absieht), scheuen, so gut es geht, jegliche pers\u00f6nliche Anstrengungen, und nutzen alles und jeden, was M\u00fche, Kraft und Energien schont. Lange und ausf\u00fchrliche Texte werden selten gelesen. Bei Twitter, Facebook, via sms und WhatsApp spielt sich die <em>zwischenmenschliche Kommunikation <\/em>in wenigen, meist oberfl\u00e4chlichen (Smalltalk-)Zeilen ab. Wer Menschen und\/oder Beziehungspartner kennenlernen will, macht sich nicht mehr die M\u00fche selbst aktiv zu werden, sondern bedient sich der etlichen B\u00f6rsen, Anzeigen, Portalen oder Singlepartys. Die Faulheit des Selbstdenkens zeigt sich beispielsweise am inflation\u00e4ren und naiven Glauben daran, was vermeintliche Experten und Ratgeberb\u00fccher zu alle m\u00f6glichen Themen von sich geben, schreiben oder was Google ausspuckt. Wer protestieren will, schreibt einen Twitter-Einzeiler (<a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2013\/die-shitstorm-nichtbewegung\/\">Shitstorm<\/a>), f\u00fcllt eine Online-Petition aus, kauft Bio-Produkte oder schreibt eine E\u2011Mail an einen Bundestagsabgeordneten. Wer braucht schon Generalstreiks oder eine Belagerung des Bundestages von Millionen B\u00fcrgern? Das w\u00e4re ja anstrengend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlaraffenland ist abgebrannt<br>\n<\/strong>Was genau dieser innere Widerspruch \u2013aktiv bei der Lohnarbeit, passiv in der Freizeit- im Menschen bewirken kann, haben Erich Fromm, Karl Marx sowie die Denker der Frankfurter Schule schon vor Jahrzehnten festgehalten: die Selbstentfremdung des Menschen. Man sp\u00fcrt, dass etwas nicht stimmt, f\u00fchlt eine innere Leere, ist unausgeglichen. Heute spricht aber niemand mehr von der Selbstentfremdung des Menschen, davon, dass \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge, unsere Wahrnehmung tr\u00fcben, unsere Selbstentfaltung einschr\u00e4nken, unsere ureigenen Bed\u00fcrfnisse abt\u00f6ten und wir zu Lohndronen-Robotern geworden sind, die prim\u00e4r nur funktionieren sollen. Heute nennt man das Depression, Burnout-Syndrom oder mangelnde Belastbarkeit.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Es gibt kein Recht auf Faulheit.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Altbundeskanzler Gerhard Schr\u00f6der (SPD), Hauptverantwortlicher f\u00fcr die Agenda 2010 \u2013 Reformen,&nbsp; im Jahre 2001.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Indessen ist die Vokabel <em>Faulheit<\/em> ein arbeitsmarktpolitischer Kampfbegriff, der psychologischen Druck auf alle Erwerbst\u00e4tigen und Erwerbslosen aus\u00fcben soll. Ein gesellschaftliches und soziales Stigma, dass nicht nur mit der Schuldumkehr arbeitet (Stichwort: Eigenverantwortung), sondern l\u00e4ngst ein politisches Klima etabliert hat, um die vermeintlich Schw\u00e4chsten in der Gesellschaft zu g\u00e4ngeln, zu schikanieren und zu drangsalieren. Gleichzeitig wird suggeriert, dass wer sich nur ordentlich anstrengen w\u00fcrde und flei\u00dfig sei, alles erreichen k\u00f6nne. Strukturelle, ja neofeudale Ungleichheiten werden komplett negiert. Mit der weitverbreiteten und weiter zunehmenden Automatisierung vieler Arbeitsprozesse w\u00e4re ein Leben ohne schwere Arbeit heute schon deutlich vorstellbarer als noch vor 50 Jahren. Und dennoch klammern sich weiterhin sehr viele Menschen an den <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/mein-chef-braucht-mich\/\" target=\"_blank\">Arbeitsfetischismus<\/a> und an den Glauben von der <em>Selbstverwirklichung durch Lohnarbeit.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Faulheit gilt in westlichen, industrialisierten Breitengraden als moderne Tods\u00fcnde. Wer keine Leistung zeige, wenig motiviert und nicht flei\u00dfig sei, wer im M\u00fc\u00dfiggang oder in der Langsamkeit verharre, wer zu viel nachdenke, der sei nicht nur unmodern und unzeitgem\u00e4\u00df, sondern \u2026 <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/arbeitsscheue-drueckeberger-faulenzer\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":20280,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[291],"tags":[1646,162,358,1578,643,570,290],"class_list":["post-20278","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeit","tag-arbeit","tag-arbeitsfetischismus","tag-arbeitslosigkeit","tag-arbeitsmarkt","tag-eigenverantwortung","tag-faulheit","tag-lohnarbeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20278"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20278\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20348,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20278\/revisions\/20348"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}