{"id":20062,"date":"2016-03-18T07:30:02","date_gmt":"2016-03-18T06:30:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=20062"},"modified":"2016-03-17T10:39:10","modified_gmt":"2016-03-17T09:39:10","slug":"haette-koennte-muesste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/haette-koennte-muesste\/","title":{"rendered":"H\u00e4tte. K\u00f6nnte. M\u00fcsste."},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_20065\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-20065\" class=\"size-full wp-image-20065\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/m\u00fcsste_titel.jpg\" alt=\"Man m\u00fcsste nur...wenn man k\u00f6nnte, wollte und sollte.\" width=\"1000\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/m\u00fcsste_titel.jpg 1000w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/m\u00fcsste_titel-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/m\u00fcsste_titel-450x338.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/m\u00fcsste_titel-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/m\u00fcsste_titel-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"><p id=\"caption-attachment-20065\" class=\"wp-caption-text\">Man m\u00fcsste nur...wenn man k\u00f6nnte, wollte und sollte.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im akademischen und wissenschaftlichen Betrieb ist es \u00fcblich, dass am Ende einer Meinung, eines Essays, einer Abhandlung, eines Kommentars oder einer Analyse eine Handlungsempfehlung stehen muss. L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge und Alternativen sollen formuliert werden. So haben es Akademiker und Wissenschaftler gelernt und so liest man es auch in etlichen Magazinen, Zeitungen und Fachpublikationen. Sie kommen damit der vielfach geforderten <em>konstruktiven Kritik<\/em> nach. Diese impliziert, dass alleine das Erkennen und Analysieren eines Sachverhaltes, noch keine Kritik mit Mehrwert sei. Zwar ist es richtig und wichtig, Alternativen und L\u00f6sungen zu formulieren und anzubieten, oft verbleiben diese jedoch im absurd-fiktiv-konjunktiven Paralleluniversum, weil sie realpolitische und tats\u00e4chliche Machtverh\u00e4ltnisse komplett ignorieren und an den <em>guten Willen<\/em> glauben und appellieren wollen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Vermachtete Freiheit<br>\n<\/strong>Die <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/\">Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/a> sind hierf\u00fcr ein gutes Beispiel. Zwar lese und sch\u00e4tze ich die Monatszeitschrift seit einigen Jahren, aber der immer wieder auftauchende unbedingte naive Glaube an den politischen Willen, st\u00f6rt mich zusehends. Dem Leser wird vermittelt, dass nur diese oder jene Partei, nur diese oder jene politische Figur an die Macht kommen m\u00fcsse und nur dieses oder jenes gesetzliche Vorhaben durchgesetzt werden m\u00fcsse, und dann w\u00fcrde sich alles zum Guten wenden. Der Kapitalismus werde gez\u00e4hmt, Ausbeutung einged\u00e4mmt, Umweltzerst\u00f6rung verhindert, Kriege unterbunden und so weiter. Dabei d\u00fcrfte dem aufmerksamen politisch interessierten B\u00fcrger mittlerweile aufgefallen sein, dass es v\u00f6llig unerheblich ist, welche Parteien in der Bundesregierung sitzen und welche Politiker in der \u00d6ffentlichkeit stehen. Denn die (globale) Macht haben stets Konzerne, Banken, Milliard\u00e4re, Massenmedien, Versicherungen, Geheimdienste, die Mafia, die Finanzindustrie und das Kapital. Es gilt nach wie vor der Satz: \u00bb<em>W\u00fcrden Wahlen (wirklich) etwas ver\u00e4ndern, w\u00e4ren sie verboten!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige Beispiele aus der Bl\u00e4tter M\u00e4rz-Ausgabe 2016:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Wir sollten massiv in Innovationen und in die Jugend investieren. Wir sollten eine Schuldenkonferenz [...] W\u00fcrde es erm\u00f6glichen [...] Ziel w\u00e4re es [...]\u00ab (S. 38)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Bedarf es einer Vision [...] Um all das anzugehen bedarf es einer Politik [...]\u00ab (S. 59)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Au\u00dferdem k\u00f6nnte man sich vorstellen, dass [...] Gesucht wird ein neues Wir [...] Eine Vision bedeutet auch [...]\u00ab (S. <sup class=\"numerator\">70<\/sup>\u2044<sub class=\"denominator\">71<\/sub>)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte. K\u00f6nnte. M\u00fcsste. W\u00fcrde. Sollte. Visionen und Prophezeiungen. Naive Staatsgl\u00e4ubigkeit. Politischer Wille als echter Entscheidungs- und Handlungsspielraum? Die Frage nach dem Warum wird hier nie beantwortet. Warum sollten politisch Verantwortliche \u00fcberhaupt jemals im Sinne des Volkes und der Allgemeinheit handeln, wenn sie selbst Opfer von vermachteten Strukturen sind? Ob P\u00f6stchen-Geschacher, Fraktionszwang, faule Kompromisse, Kl\u00fcngelei, Erpressungen, Intrigen oder Medienmacht \u2013 Parteien und Politiker sind alles andere als <em>frei<\/em> oder nur ihrem Gewissen unterworfen. Selbst wenn sie wollten, k\u00f6nnten sie nicht. Niemals. Und wer es in der Regierung wagen sollte, gegen das Kapital zu agieren, ist weg vom Fenster. Klingt banal, ist aber so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hoffnungsfrust statt Angriffslust<br>\n<\/strong>Betrachtet man beispielsweise nur die letzten 20 bis 30 Jahre, dann gibt es dutzende politische Entt\u00e4uschungen. Angefangen bei Rot-Gr\u00fcn unter SPD-Schr\u00f6der mit der Agenda 2010 und den ersten deutschen Kriegen nach dem Zweiten Weltkrieg. Oder das jahrzehntelange Theater um die Klimaschutzabkommen, die ihr Papier nicht wert sind, weil sie keine effektiven Sanktionsm\u00f6glichkeiten vorsehen. Dann die Piraten\u2011, Syriza- und Linkspartei. Und nat\u00fcrlich der Friedensnobelpreistr\u00e4ger: Barack Obama, der die CIA Foltergef\u00e4ngnisse sowie Guantanamo Bay schlie\u00dfen lassen wollte. Der erste schwarze US-Pr\u00e4sident! Und was gab es? Weitere Kriege in Libyen und Syrien und bis heute mehr als 4.000 Drohnentote weltweit. Denn es ist v\u00f6llig egal, ob ein \u00bbYes, we can\u00ab \u2014 Obama, ein vermeintlich linker Sanders oder ein rosa Hobbit US-Pr\u00e4sident ist: der industriell-milit\u00e4rische Komplex, die Wall Street und die Milliard\u00e4re bleiben stets an der Macht und bestimmen die US-Politik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Hoffnungstr\u00e4ger wurden hochgeschrieben. Wer einmal in den Archiven von linken Publikationen st\u00f6bert, wird unendlich viele Artikel, Beitr\u00e4ge und Analysen finden, die vor himmelhochjauchzender Hoffnung auf echte politische Ver\u00e4nderungen, nur so strotzen. Sie alle wurden restlos entt\u00e4uscht. Sie tun aber gleichzeitig so, als brauche man nur immer wieder und weiter im h\u00e4tte-k\u00f6nnte-m\u00fcsste-Modus verharren bleiben. Denn auch <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/2016\/02-25\/015.php?sstr=Ziviler|Ungehorsam\" target=\"_blank\">ziviler Ungehorsam<\/a> oder soziale Aufm\u00fcpfigkeit als Mittel der Strasse, um Druck auf die Politik auszu\u00fcben, wird von Akademikern und Wissenschaftlern eher nicht bef\u00fcrwortet. Stattdessen die Hoffnung auf eine politische Ver\u00e4nderung durch Zuschauerdemokratie und Parlamentarismustheater.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet nicht, den Kopf in den Sand zu stecken, zu verzweifeln oder gar fatalistisch zu werden. Aber man sollte (genau: <em>sollte<\/em>) sich weniger damit abm\u00fchen, v\u00f6llig unrealistische L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu formulieren, nur um dem Vorwurf der mangelhaften konstruktiven Kritik zu entgehen, daf\u00fcr aber mehr intensivere Analysen \u00fcber reale Machtstrukturen betreiben. Man kann auch die tollsten Alternativen, Perspektiven und Vorschl\u00e4ge laut in den Wald br\u00fcllen und hoffen, dass jemand antwortet. Solange man die realexistierenden Machtverh\u00e4ltnisse nicht konkret beachtet, analysiert, dekonstruiert und wom\u00f6glich aufbricht, sind alle L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge fiktives Utopia, formuliert von Denkern in wei\u00dfen Elfenbeint\u00fcrmen. Oder platter ausgedr\u00fcckt: traut euch endlich, Konzerne, Banken und Milliard\u00e4re deutlicher ins Visier zu nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im akademischen und wissenschaftlichen Betrieb ist es \u00fcblich, dass am Ende einer Meinung, eines Essays, einer Abhandlung, eines Kommentars oder einer Analyse eine Handlungsempfehlung stehen muss. L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge und Alternativen sollen formuliert werden. So haben es Akademiker und Wissenschaftler gelernt und \u2026 <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/haette-koennte-muesste\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":20064,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[5,4],"tags":[665,352,341,894,521,1633,1621,1366],"class_list":["post-20062","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medien","category-politik","tag-alternativen","tag-blatter","tag-freiheit","tag-hoffnung","tag-kritik","tag-politik","tag-staat","tag-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20062"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":20083,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20062\/revisions\/20083"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20064"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}