{"id":19140,"date":"2016-05-20T07:25:35","date_gmt":"2016-05-20T05:25:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=19140"},"modified":"2016-05-20T08:09:10","modified_gmt":"2016-05-20T06:09:10","slug":"mein-chef-braucht-mich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2016\/mein-chef-braucht-mich\/","title":{"rendered":"<span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Aber mein Chef braucht mich!\u00ab"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-19142\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/chef_titel.jpg\" alt=\"chef_titel\" width=\"918\" height=\"726\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/chef_titel.jpg 918w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/chef_titel-150x119.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/chef_titel-450x356.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/chef_titel-379x300.jpg 379w\" sizes=\"(max-width: 918px) 100vw, 918px\">Vorauseilender Gehorsam. Untertanenmentalit\u00e4t. Sklavenmoral. Millionen von Lohnarbeitern in Deutschland wollen gerne daran glauben, dass sie auf der Arbeitsstelle unersetzlich sind. Sie seien doch so zuverl\u00e4ssig, loyal, motiviert und w\u00fcrden so au\u00dfergew\u00f6hnlich viel und einzigartiges leisten, was andere nie niemals k\u00f6nnten. Sie lechzen nach Lob, betteln nach Anerkennung. Doch w\u00e4hrend Unternehmen zwar vermeintlich <em>soziale<\/em> Methoden zur Motivationssteigerung anwenden, so sind sie nur selten an ihren Mitarbeitern <em>ernsthaft<\/em> interessiert. Das Menscheln ist in der Regel nur Mittel zum Zweck. F\u00fcr die Motivationsverbesserung der Untertanen und somit f\u00fcr die Produktionsoptimierung des Betriebes.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Typische Spr\u00fcche:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Ich arbeite echt viel und hart.\u00ab<\/em><br>\n<em>\u00bbEr wei\u00df schon, was er an mir hat.\u00ab<\/em><br>\n<em> \u00bbOhne mich w\u00fcrde alles zusammenbrechen.\u00ab<\/em><br>\n<em>\u00bbIch mein, er kann mich jederzeit anrufen, auch am Wochenende oder im Urlaub.\u00ab<\/em><br>\n<em>\u00bbSo zuverl\u00e4ssig, p\u00fcnktlich, sorgf\u00e4ltig und motiviert ist echt kaum einer da.\u00ab<\/em><br>\n<em>\u00bbIch habe das alles mit aufgebaut. Er w\u00e4re ja sch\u00f6n bl\u00f6d, mich jetzt raus zu werfen.\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Leidiges Lohnarbeitsleben<br>\n<\/strong>Wenn der Chef dem Mitarbeiter die Anerkennung versagt, und prim\u00e4r nur am n\u00f6rgeln und motzen ist (was gar nicht so selten der Fall ist), dann sucht man sich die Best\u00e4tigung f\u00fcr seine <em>harte Arbeit<\/em> eben im Privatleben. Es gibt kaum einen Stammtisch oder eine Gespr\u00e4chsrunde in der Kneipe, im Garten oder auf einer Familienfeier, auf der nicht mindestens einer oder eine \u00fcber seine\/ihre <em>harte Arbeit<\/em> und \u00fcber die verinnerlichte Sklavenmoral schwadroniert, die er\/sie als vorbildlich betrachtet. Schlie\u00dflich wollen wir uns alle <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2011\/die-uberflussigen\/\">geliebt und gebraucht<\/a> f\u00fchlen. Niemand m\u00f6chte eine \u00fcberfl\u00fcssige Ballastexistenz sein. Im Zeitalter von Hedgefonds, Heuschrecken, prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen, Zocker-Banken, korrupten Politikern und Unternehmern, Finanzmafia, Niedriglohnsektor und Massenentlassungen, sich die menschliche Daseinsberechtigung vom Lohnarbeitgeber wertsch\u00e4tzen zu lassen, beweist, wie tief die Untertanenmentalit\u00e4t schon verinnerlicht wurde.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Nur au\u00dferhalb der Arbeit hat der Arbeiter die M\u00f6glichkeit, pers\u00f6nliche Erf\u00fcllung und Selbstachtung zu finden \u2013und damit auch die Wertsch\u00e4tzung durch andere.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- David Harvey. \u00bbF\u00fcr einen revolution\u00e4ren Humanismus\u00ab. Bl\u00e4tter. Ausgabe September 2015. S. 83<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frostige Funktionsexistenz<br>\n<\/strong>Wir wissen zwar, dass jeder ersetzbar ist, im Angesicht von mehr als ungesch\u00f6nt 7 Millionen Erwerbslosen erst recht (und nein, die sind nicht alle unqualifiziert und\/oder ungebildetet!), aber wir wollen es nicht wahrhaben. Es wird verdr\u00e4ngt und geleugnet. Sich jahrzehntelang ausschlie\u00dflich f\u00fcr Geld kaputt zu schuften, wird sozio\u00f6konomisch und gesellschaftlich zwar gefordert, ist aber f\u00fcr die pers\u00f6nliche Motivation langfristig frustrierend. Und wenn der Chef unsere Wichtigkeit nicht erkennen will, dann reden wir uns eben selbst ein, wie ungeheuer einzigartig unsere Arbeit vor Ort doch sei. Wir sind die Lohnarbeit. Den schleichenden Prozess der Selbstentfremdung, durch das unausweichliche Unterdr\u00fccken der ureigenen Empfindungen, Gedanken und Bed\u00fcrfnisse (die zum funktionieren nicht ben\u00f6tigt werden oder gar st\u00f6ren), \u00fcberlebt man nur, indem man sein Rest-Seelenheil im Konsum versenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zudem ist es ein gro\u00dfer Trost, zu wissen, dass es anderen genauso beschissen geht, wie einem selbst. Daher r\u00fchrt wohl auch die gro\u00dfe Verachtung gegen\u00fcber Erwerbslosen. Denn diese seien nicht t\u00e4glich gezwungen, ihr authentisches Selbst zu verleugnen. Ob das Selbst nicht ohnehin schon l\u00e4ngst versch\u00fcttet ist und ob die Erwerbslosen, durch das menschenverachtende Hartz-System, nicht ohnehin schon intensiv schikaniert und geknechtet werden, steht auf einem anderen Blatt. Ja, die Lohnarbeit ist wichtig, um Einnahmen zu haben und um finanziell \u00fcber die Runden zu kommen. Mobbing, Burnout, Depressionen, Armutsl\u00f6hne und Massenentlassungen scheinen dennoch wenig daran ge\u00e4ndert zu haben, dass viele Menschen in Deutschland leben, um zu arbeiten, statt zu arbeiten, um zu leben.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Warum der Arbeit nachlaufen? Da steht man vor dem, der die Arbeit zu vergeben hat, und wird behandelt wie ein zudringlicher Bettler. [...] Wenn ich so untert\u00e4nig um Arbeit betteln muss, um sie zu erhalten, kann ich auch um \u00fcbriggebliebenes Mittagessen in einem Gasthof betteln.\u00ab<\/p>\n<p>- B. Traven. \u00bbDas Totenschiff\u00ab. Rowohlt Verlag. Hamburg 1954. S. 68<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorauseilender Gehorsam. Untertanenmentalit\u00e4t. Sklavenmoral. Millionen von Lohnarbeitern in Deutschland wollen gerne daran glauben, dass sie auf der Arbeitsstelle unersetzlich sind. 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