{"id":19029,"date":"2015-09-04T06:33:35","date_gmt":"2015-09-04T04:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=19029"},"modified":"2015-09-04T10:43:10","modified_gmt":"2015-09-04T08:43:10","slug":"journalisten-vs-blogger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2015\/journalisten-vs-blogger\/","title":{"rendered":"Journalisten vs Blogger"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-19040 size-full\" title=\"Schwarmintelligenz\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/journa_titel.jpg\" alt=\"journa_titel\" width=\"1000\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/journa_titel.jpg 1000w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/journa_titel-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/journa_titel-450x338.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/journa_titel-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Medienjournalist Steffen Grimberg schreibt in den aktuellen \u00bbBl\u00e4ttern\u00ab (Ausgabe September 2015) \u00fcber <a title=\"Bl\u00e4tter\" href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2015\/september\/das-ende-der-deutungshoheit\" target=\"_blank\">\u00bb<em>das Ende der Deutungshoheit\u00ab<\/em><\/a> und meint damit prim\u00e4r die Massenmedien. Er wehrt sich gegen den Vorwurf der \u00bb<em>L\u00fcgenpresse\u00ab<\/em> vom rechten Rand der Pegida-Freunde sowie von linken \u00bb<em>biederen Familienv\u00e4tern\u00ab.<\/em> Zwar sei das Vertrauen in die Massenmedien \u00bb<em>empfindlich gest\u00f6rt\u00ab,<\/em> die Ursache sei jedoch nicht \u00bb<em>eine Art von Einheitsmeinung\u00ab<\/em> in den Leitmedien oder Journalisten die ideologisch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_von_Mitgliedern_der_Atlantik-Br%C3%BCcke\">von der Atlantikbr\u00fccke konditioniert<\/a> seien, sondern \u2013wie k\u00f6nnte es auch anders sein- \u00fcberspannte Verschw\u00f6rungstheoretiker, die glauben, Aliens w\u00fcrden an den Schalthebeln der Macht sitzen (S. 103).<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Grundhaltungsdefekt<br>\n<\/strong>Grimberg konstatiert, die Medienverdrossenheit habe ihren Ursprung, in einer \u00bb<em>ritualisierten, langweiligen und monotonen Berichterstattung\u00ab.<\/em> Beim Publikum w\u00fcrde, bei den st\u00e4ndigen Inszenierungen via Pressemitteilungen oder Pressekonferenzen, \u00bb<em>nicht mehr viel ankommen\u00ab,<\/em> weil nicht mehr viel drin sei. Das trifft jedoch nur zum Teil zu. Es stimmt zwar, dass bei Politiker-Statements, Advertorials und PR-Artikeln vor allem Bullshit-Bingo mit den \u00fcblichen Phrasen und Plastikw\u00f6rtern betrieben wird, dennoch sind auch die nicht frei von ideologischen Botschaften. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel sich zur Fl\u00fcchtlingsfrage \u00e4u\u00dfert oder auf einer Veranstaltung der Deutschen Bank spricht, und diese Reden von den Massenmedien kritik- und kommentarlos \u00fcbernommen werden, dann betreiben sie keine Aufkl\u00e4rung oder journalistische (Recherche-)Arbeit, sondern Hofberichterstattung. Sie machen sich zu Komplizen der herrschenden Ideologie. Ob die entsprechenden Journalisten diese wirklich teilen oder nicht, spielt dabei erst einmal keine Rolle.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Die erste Freiheit der Presse ist es, kein Gewerbe zu sein\u00ab<br>\n\u2014 Karl Marx<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dferdem w\u00fcrden die etablierten Medien keine gezielten \u00bb<em>Hirnwaschungen\u00ab<\/em> (er f\u00fchrt das Beispiel Ukraine an) betreiben oder seien besonders parteiisch, sondern es handele sich um \u00bb<em>handwerkliche Ungenauigkeiten, Zuspitzungen und Fehler im hektischen Gesch\u00e4ft\u00ab.<\/em> Sicher, niemand ist frei von Fehlern. Erst recht keine Redaktionen, die gnadenlos zusammengek\u00fcrzt werden und in der Journalisten nun in der gleichen Zeit doppelt soviel abliefern sollen wie vorher (Copy&amp;Paste von Agenturmeldungen). Dennoch ist gerade die Berichterstattung beispielsweise \u00fcber Putin und Russland, die Griechenland-Krise, Weselsky und den Streik der GdL oder eben auch \u00fcber den Ukraine-Konflikt mehr als einseitig. Das kann jeder, jenseits aller politischen Vorlieben und Lager, beobachten. Ob dahinter redaktionelle Vorgaben (beispielsweise die <a href=\"http:\/\/www.axelspringer.de\/artikel\/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html\">Leitlinien des Axel-Springer-Verlages<\/a>), ideologisch konditionierte Journalisten (<a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/38\/38515\/1.html\">Atlantikbr\u00fccke<\/a>), Selbstzensur und Kopfscheren oder \u00f6konomischer Anpassungsdruck&nbsp; stehen, sei erst einmal dahin gestellt. Fakt ist, dass es bei immer mehr Themen eine zunehmende Gleichschaltung der Berichterstattung gibt. Diesen offensichtlichen Vorgang als \u00bb<em>handwerklichen Fehler\u00ab<\/em> zu bezeichnen, ist pure Verharmlosung der Tatsachen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Marktkonformit\u00e4t als Wirklichkeitsargument<br>\n<\/strong>Weiterhin h\u00e4lt er \u00bb<em>die Abkopplung von den Mainstreammedien\u00ab<\/em> f\u00fcr keine gute Entwicklung. Schlie\u00dflich w\u00fcrden die Menschen dann Opfer von \u00bb<em>Extremisten, ideologisch gef\u00e4rbten Kampagnen und Verschw\u00f6rungstheoretikern\u00ab. <\/em>Der gro\u00dfe Befreiungsschlag durch das Internet sei eben auch eine gro\u00dfe Gefahr, so Grimberg. Die Lobhudelei auf die eigene Zunft h\u00e4lt auch hier keiner realistischen Betrachtung stand. Auch wenn noch so oft, die sog. \u00bb<em>vierte Gewalt\u00ab<\/em> oder die Aufkl\u00e4rungs- und Vermittlert\u00e4tigkeit von Leitmedien und Journalisten beschworen wird, sie selbst sind und k\u00f6nnen auch niemals frei sein von Subjektivit\u00e4t, \u00dcberzeugungen, \u00f6konomischen Abh\u00e4ngigkeiten, redaktionellen Vorgaben und von Anpassungsdruck. Und nebenbei ist und bleibt die wohl gr\u00f6\u00dfte Verschw\u00f6rungstheorie, dass der freie Markt weltweit f\u00fcr Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit sorgen w\u00fcrde.<\/p>\n<blockquote><p><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Es ist halt ein fruchtbarer Boden f\u00fcr die Zensur, wenn man als Journalist eine Familie mit zwei Kindern ern\u00e4hren mu\u00df und auf Basis von Zeitvertr\u00e4gen arbeitet. Irgendwann ertappt man sich bei der Selbstzensur \u2013 weil man seinen Job behalten will.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Anonymer Redakteur des deutschen Auslandssenders Deutsche Welle (DW) im Interview mit der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2014\/05-15\/065.php\" target=\"_blank\">Jungen Welt<\/a> am 15. Mai 2014<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer im journalistischen Gesch\u00e4ft Karriere machen will, so berichten es immer wieder Mitarbeiter, die jahrelang in Redaktionen besch\u00e4ftigt waren, muss sich marktkonforme Verhaltensweisen und einen vorauseilenden Gehorsam aneignen. Oder anders ausgedr\u00fcckt: wer allzu kritisch gegen\u00fcber Interviewpartnern, dem Chefredakteur oder der Regierung ist, der fliegt raus. Welche deutschen Journalisten verdienen denn heute noch das Attribut \u00bbinvestigativ\u00ab? Das \u00fcbernehmen heute Whistleblower und Blogger, wie Snowden, Assange, Deltour (#luxleaks) und netzpolitik.org, die daf\u00fcr verklagt und verfolgt werden. Grimberg sieht sie jedoch nur als \u00bb<em>Kooperationspartner\u00ab <\/em>der Leitmedien. Dabei erledigen die Whistleblower heute die Hauptarbeit, gerade weil sie weniger \u00f6konomischen und politischen Abh\u00e4ngigkeiten ausgesetzt sind, wie die angestellten Journalisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Grenzen der Meinungsfreiheit bestimmen wir!<\/strong><br>\nEs ist auch bezeichnend, dass mit keinem Wort inhaltlich auf die Argumente von Bloggern eingegangen wird, sie aber im gleichen Atemzug (mit wenigen Ausnahmen wie netzpolitik.org) als <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2015\/verschwoerungstheorie-zum-entwoehnen\/\" target=\"_blank\"><em>\u00bbVerschw\u00f6rungstheoretiker\u00ab<\/em> <\/a>diffamiert werden, weil sie h\u00e4ufig nicht im Mainstream-Konsens (mit-)schwimmen wollen. Letztere seien dann auch daf\u00fcr verantwortlich, warum die gro\u00dfen Online-Ausgaben der \u00fcberregionalen Tageszeitungen ihre Kommentarfunktion deaktiviert h\u00e4tten. Die uneinsichtigen Leser seien schuld daran und nicht die einseitige Berichterstattung zum Thema Russland\/Ukraine und die vielen Gegenargumente der User im Kommentarbereich. Denn genau in dieser Zeit wurde die Kommentarfunktion, beispielsweise von der Online-Ausgabe der S\u00fcddeutschen Zeitung, gesperrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gleichzeitig w\u00fcrden die etablierten Medien umdenken und \u00bb<em>ihre Nutzer ernst nehmen\u00ab<\/em> so der ZAPP-Medienjournalist. Indem sie als Trolle, Putinversteher, Verschw\u00f6rungstheoretiker, Halbwissende und Extremisten beschimpft werden? Indem man die Kommentare abschaltet? Ist es nicht eher so, dass Journalisten jahrzehntelang in der komfortablen Situation der Welterkl\u00e4rer waren und sich dabei keinen Deut um andere Thesen und Argumente scheren mussten? Und sie nun mit der gelebten Meinungsfreiheit, von Usern, Kommentierern und Bloggen v\u00f6llig \u00fcberfordert sind? Wer hat eigentlich den Mythos in die Welt gesetzt, Journalisten seien die uneingeschr\u00e4nkt, parteilosen W\u00e4chter der absoluten Wahrheit?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P:S:<\/strong> \u00dcbrigens w\u00fcrde es den \u00bbBl\u00e4ttern\u00ab auch gut stehen, wenn sie in ihrer Printausgabe gelegentlich Leserbriefe ver\u00f6ffentlichen und\/oder eine Kommentarfunktion in ihrer Online-Ausgabe einrichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beitr\u00e4ge zum Thema:<br>\n<a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2013\/personalisierung-ist-entpolitisierung\/\">-\u00bb Personalisierung ist Entpolitisierung<br>\n<\/a><a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2014\/gemietete-blogjournalisten\/\">-\u00bb Gemietete Blogjournalisten<br>\n<\/a><a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2013\/das-medium-ist-die-botschaft-2\/\">-\u00bb Das Medium ist die Botschaft<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Medienjournalist Steffen Grimberg schreibt in den aktuellen \u00bbBl\u00e4ttern\u00ab (Ausgabe September 2015) \u00fcber \u00bbdas Ende der Deutungshoheit\u00ab und meint damit prim\u00e4r die Massenmedien. 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