{"id":18817,"date":"2015-07-31T07:16:27","date_gmt":"2015-07-31T05:16:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=18817"},"modified":"2015-07-30T20:15:02","modified_gmt":"2015-07-30T18:15:02","slug":"arbeit-moral","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2015\/arbeit-moral\/","title":{"rendered":"<span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Wer wirklich arbeiten will, der findet auch eine Arbeit!\u00ab"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18818\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/work_titel.jpg\" alt=\"work_titel\" width=\"1000\" height=\"750\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/work_titel.jpg 1000w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/work_titel-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/work_titel-450x338.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/work_titel-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\"><\/strong>Typisches Realsatire-Gespr\u00e4ch zwischen einem Erwerbslosen (E) und einem Lohnarbeiter (L).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L: <\/strong>Und was machst Du so?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong>Viel Lesen, mich mit Freunden treffen, meine Gedanken aufschreiben, meinem Sohn die Welt zeigen, Fahrrad fahren, kulturelle Einrichtungen besuchen...<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L: <\/strong><em>(unterbricht)<\/em> Ach so, ich meinte jetzt aber wo Du arbeitest?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong>Ich bin derzeit erwerbslos.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(heuchelt Mitleid und f\u00fchlt sich gleichzeitig \u00fcberlegen) <\/em>Oh. Und wie lange schon?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><strong>E: <\/strong>Seit knapp sechs Monaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(herablassend)<\/em> Das geht ja noch. Was hast Du denn gelernt oder studiert?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E:<\/strong> <em>(selbstbewusst)<\/em> Ich habe Politikwissenschaft studiert. Und Du?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> Dann hast Du vielleicht das Falsche studiert. Geisteswissenschaftler sollen es ja generell sehr schwer haben. Ich bin Diplom-Ingenieur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong><em>(erkl\u00e4rt sich)<\/em> Ich habe das studiert was mich interessiert und was mir Spa\u00df macht. Ich richte mich nicht nach dem, was der Arbeitsmarkt, also was Unternehmen verlangen, sondern danach, was mir Freude und Erf\u00fcllung im Leben bringt. Deshalb w\u00fcrde ich auch nicht \u00fcberall arbeiten wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(leicht gereizt)<\/em> Du hast auch noch Anspr\u00fcche? Sei froh, wenn Du \u00fcberhaupt irgendeine Arbeit findest. Bewirbst Du Dich denn wenigstens?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong>Nat\u00fcrlich. Aber ich bekomme haupts\u00e4chlich Absagen und nur selten Einladungen zu Vorstellungsgespr\u00e4chen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(anklagend)<\/em> Dann machst Du irgendetwas falsch! Denn wer wirklich arbeiten will, der findet auch eine Arbeit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong><em>(argumentiert)<\/em> Dir ist schon bewusst, dass knapp 750.000 offene Stellen auf ungesch\u00f6nt mehr als sechs Millionen Erwerbslose treffen? Mindestens f\u00fcnf Millionen Menschen in Deutschland werden niemals eine Lohnarbeit finden. Ganz egal was sie machen oder wie sie sich verhalten. Und das ist auch so gewollt. Davon abgesehen, geht es mir nicht darum, <em>irgendeine<\/em> Lohnarbeit auszu\u00fcben. Lohnarbeit soll daf\u00fcr da sein, damit ich finanziell (\u00fcber-)leben kann, sie soll aber nicht mein Leben sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(ausweichend)<\/em> Ja, ist auch kein Wunder. Die ganzen Arbeitslosen sind alle geringqualifiziert, haben keinen oder nur einen Hauptschulabschluss, sind drogens\u00fcchtig, unzuverl\u00e4ssig, k\u00f6nnen sich nicht unterordnen oder sind einfach nur faul. Nat\u00fcrlich finden die dann auch keine Arbeit. Wer will die denn einstellen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong>Du glaubst wirklich, das trifft auf mehr als f\u00fcnf Millionen Erwerbslose zu? Du denkst, die seien alle selbst schuld an ihrer Situation? Und kaum einer von ihnen will lohnarbeiten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(\u00e4rgert sich)<\/em> Sorry, wer sich ordentlich anstrengt, auch mal in den sauren Apfel bei\u00dfen kann, seine Anspr\u00fcche mal ein wenig runter setzt und Eigeninitiative zeigt, der findet auf kurz oder lang auch eine Arbeit. Vielleicht nicht gleich den Traumjob, aber Hauptsache erstmal Arbeit. Rumn\u00f6rgeln und Jammern bringt einen nicht weiter. Man muss stets optimistisch bleiben und darf nicht aufgeben. So habe ich es schlie\u00dflich auch geschafft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong><em>(argumentiert) <\/em>Ich mecker \u00fcberhaupt nicht. Ich schildere nur ganz n\u00fcchtern die Tatsachen: knapp 750.000 offene Stellen treffen auf ungesch\u00f6nt mehr als sechs Millionen Erwerbslose. Die Massenerwerbslosigkeit ist und bleibt damit vor allem ein strukturelles und kein individuelles Problem. Auch, dass der Schul- und Uniabschluss sowie die berufliche Laufbahn in Deutschland, ganz wesentlich von der finanziellen Situation der Eltern und eben <em>nicht<\/em> von der individuellen Leistungsf\u00e4higkeit abh\u00e4ngen, belegen alle PISA- und viele andere Studien seit Jahren.<br>\n<strong><br>\nL: <\/strong><em>(hat langsam keine Lust mehr auf das Gespr\u00e4ch)<\/em> Ach, Studien sind doch eh alle gef\u00e4lscht. Ich arbeite ja bei einem gro\u00dfen Autozulieferer und manchmal brauchen wir da so Texter f\u00fcr die Homepage. Ist zwar meist nur so f\u00fcr einige Monate befristet auf Honorarbasis, aber ich kann mich ja mal umh\u00f6ren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong>Danke. Aber ich suche eine existenzsichernde Lohnarbeit, von der ich leben und meine Familie ern\u00e4hren kann sowie eine langfristige Planungssicherheit habe. Diese Nebenbei-Niedrig-Lohn-Jobs waren okay, als ich noch studiert habe und Anfang Zwanzig war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>L:<\/strong> <em>(herablassend)<\/em> Dann kann ich Dir leider auch nicht weiterhelfen. Und wieso sagst Du eigentlich immer \u00bbLohnarbeit\u00ab statt \u00bbArbeit\u00ab?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>E: <\/strong>Weil eigene Texte schreiben, handwerklich t\u00e4tig sein, Haushalt machen, den Rasen m\u00e4hen, Angeh\u00f6rige pflegen und so weiter auch <em>Arbeit<\/em> ist, die halt nur nicht finanziell entlohnt wird. Das was alle gemeinhin als <em>Arbeit<\/em> bezeichnen, wird prim\u00e4r ausge\u00fcbt, weil es einen Lohn daf\u00fcr gibt. Deshalb verwende ich diesen Begriff. Davon abgesehen habe ich jetzt auch keine Hilfe erwartet, sondern Dir nur auf die Frage geantwortet, \u00bb<em>was ich so mache\u00ab.<strong><br>\n<\/strong><\/em><strong><br>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fazit: einer Lohnarbeits-Sklavenmoral und einer neoliberalen Herrschaftsideologie ist mit Argumenten nicht beizukommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Typisches Realsatire-Gespr\u00e4ch zwischen einem Erwerbslosen (E) und einem Lohnarbeiter (L). L: Und was machst Du so? E: Viel Lesen, mich mit Freunden treffen, meine Gedanken aufschreiben, meinem Sohn die Welt zeigen, Fahrrad fahren, kulturelle Einrichtungen besuchen... 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