{"id":17835,"date":"2014-12-05T05:30:56","date_gmt":"2014-12-05T04:30:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=17835"},"modified":"2014-12-04T10:50:09","modified_gmt":"2014-12-04T09:50:09","slug":"kapitalismus-glueck-profit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2014\/kapitalismus-glueck-profit\/","title":{"rendered":"Marktgerechtigkeit und Verwertungsmoral"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_17837\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17837\" class=\"size-medium wp-image-17837\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/tempel_titel-450x337.jpg\" alt=\"Und t\u00e4glich sollt Ihr einkehren in unsere Konsumtempel!\" width=\"450\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/tempel_titel-450x337.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/tempel_titel-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/tempel_titel-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/tempel_titel.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\"><p id=\"caption-attachment-17837\" class=\"wp-caption-text\">Und t\u00e4glich sollt Ihr einkehren in unsere Konsumtempel!<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das oberste Gebot im Kapitalismus lautet: alles ist erlaubt und angemessen, was Profit bringt. L\u00fcgen, betr\u00fcgen, sparen und k\u00fcrzen, verschleiern, verheimlichen, abzocken, verschmutzen, verschwenden: solange es dem Wirtschaftswachstum dient \u2013also der heiligen G\u00f6tze des Marktes- ist es gut und richtig. Der Rendite muss sich alles unterordnen. Der Kapitalismus ist nicht daran interessiert, dass es der Bev\u00f6lkerung und der Umwelt gut geht, sondern einzig daran, dass die wenigen Reichen, noch reicher werden. Ganz im Gegenteil: umso mehr Menschen \u00e4ngstlich, unzufrieden, chronisch krank, ungebildet oder drogenabh\u00e4ngig sind, umso besser.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Verstimmung erh\u00f6ht Konsumlaune<\/strong><br>\nEs ist \u00f6konomisch wenig ergiebig, wenn zu viele Menschen ausgeglichen und zufrieden sind. Ob Seelenklempner, Welterkl\u00e4rer, Gurus, Lebensratgeber-Publizisten, die Unterhaltungs- und Entertainmentindustrie oder Sinnsuche-Schriftsteller \u2013 sie alle h\u00e4tten zu wenig oder gar keine Kundschaft mehr. Genauso wie die Produkthersteller, die ihre Waren mit Entspannungs- und Wohlbefinden-Adjektiven versehen. Wer bescheiden, gelassen und gen\u00fcgsam ist und mit sich selbst halbwegs im Reinen, der glaubt und braucht auch keine halbgaren Gl\u00fccks-Werbe-Versprechen. Enthaltsame Menschen kaufen weniger und sind damit schlechte Konsumenten. Sie schaden der Binnenkonjunktur. Es ist insofern auch nicht verwunderlich, dass bescheidene Menschen nicht nur wenig geachtet, sondern h\u00e4ufig auch semantisch diffamiert werden. Sie seien \u00bb<em>geizig, sparsam, anspruchs- und bed\u00fcrfnislos, spartanisch, durchschnittlich und eingeschr\u00e4nkt\u00ab.<\/em> Wer wenig besitzt, <em>hat<\/em> nur ein geringes soziales Kapital.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit haben die Marketing\u2011, PR- und Werbesoldaten nicht nur die vorrangige Aufgabe den Menschen unendlich viele Bed\u00fcrfnisse einzuimpfen, sondern sie auch subtil unzufrieden und ungl\u00fccklich zu machen. Ihnen einzureden, dass nur Produkt X oder Dienstleistung Y f\u00fcr Entspannung, Wohlbefinden und Zufriedenheit sorgen k\u00f6nnen. Und auch wenn instinktiv viele Menschen wissen, dass dies haltlose Versprechen oder gar L\u00fcgen sind, so ist die Kraft der Werbe-Verf\u00fchrung dennoch gro\u00df. Denn es ist um ein vielfaches bequemer, ein Produkt oder eine Dienstleistung k\u00e4uflich zu erwerben, um vermeintlich zufrieden und gl\u00fccklich zu sein, als sich authentisch mit sich selbst zu besch\u00e4ftigen. Ehrlich in den Spiegel zu schauen. Auf seine innere Stimme zu h\u00f6ren. Seinen ureigenen Weg zu gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Leiden sind gut f\u00fcrs Gesch\u00e4ft<\/strong><br>\nEin riesiger Wirtschaftszweig lebt davon, dass es viele kranke Menschen gibt. Ob chronische Leiden, seelische Probleme oder Suchtkrankheiten: Krankenh\u00e4user, Gesundheits-Unternehmen, Apotheker, \u00c4rzte, die Pharma\u2011, Tabak- und Alkoholindustrie machen damit ordentlich Kasse. Bezahlen tun das die Patienten, der Steuerzahler und die Krankenkassen. Was w\u00fcrde aber passieren, wenn tats\u00e4chlich immer mehr Menschen auf Alkohol, Zigaretten, Zuckerbomben, Junk Food und Medikamente verzichten w\u00fcrden? Wenn sie regelm\u00e4\u00dfig Sport treiben, dem Heilungsprozess des eigenen K\u00f6rpers vertrauen und keine Drogen mehr nehmen w\u00fcrden? Zwar w\u00fcrden sich Krankenkassen und Politik \u00fcber die Kostenentlastung wom\u00f6glich freuen, der privatwirtschaftlich organisierten Gesundheits- und Pharmaindustrie w\u00fcrden jedoch die (Patienten-)Kunden wegbrechen. Die Profite w\u00fcrden sinken. Insofern gibt es viele Interessensgruppen denen es \u00e4u\u00dferst wichtig ist, dass es immer genug S\u00fcchtige und Kranke gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist eher schwierig zu beweisen, dass gezielt versucht wird, Menschen krank zu machen. Erst wird an v\u00f6llig \u00fcberzuckerten Dickmacher-Lebensmitteln verdient und dann an den zahllosen Di\u00e4t- und Sportprogrammen, welche die Pfunde wieder abbauen sollen. Auch Krankenh\u00e4user machen beispielsweise nicht nur gesund:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>In Krankenh\u00e4usern sterben mehr Menschen an resistenten Keimen als bisher bekannt. Die Zahl der Toten soll weit \u00fcber den offiziellen Angaben liegen.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/gesundheit\/mehr-tote-durch-resistente-keime-in-krankenhaeusern-13275919.html\">- Faz.net<\/a> vom 20. November 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><\/blockquote>\n<div id=\"attachment_17838\" style=\"width: 127px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel.jpg\" rel=\"lightbox\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-17838\" class=\"wp-image-17838 size-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel-117x150.jpg\" alt=\"Menschen, die mit ihrem Aussehen zufrieden sind? Schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft! (click to enlarge)\" width=\"117\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel-117x150.jpg 117w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel-312x400.jpg 312w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel-801x1024.jpg 801w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel-234x300.jpg 234w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/figur_titel.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 117px) 100vw, 117px\"><\/a><p id=\"caption-attachment-17838\" class=\"wp-caption-text\">Menschen, die mit ihrem Aussehen zufrieden sind? Schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft! (click to enlarge)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pharmazeutisch hergestellte Medikamente haben teilweise extrem starke Nebenwirkungen, die, wenn sie auftreten \u2013wie sollte es auch anders sein- nat\u00fcrlich eine weitere medizinische und\/oder medikament\u00f6se Behandlung erfordern. Auch vermeintlich ungef\u00e4hrliche Pr\u00e4parate, wie beispielsweise Nasenspray, machen abh\u00e4ngig, beeintr\u00e4chtigen jedoch auf Dauer stark die Nasennebenh\u00f6hlen. Aber auch hier kann geholfen werden: mit einer Operation. Was auch auff\u00e4llt, ist, dass es kaum neue Impfungen gibt. Es ist viel profitabler, wenn Patienten ihr Leben lang auf Arzneien angewiesen sind, als wenn sie nur alle 5 bis 10 Jahre geimpft werden. Genau aus diesem Grund, so behaupte ich, wird es auch niemals eine Impfung gegen AIDS geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Frieden ist unprofitabel<\/strong><br>\nBanken und R\u00fcstungsindustrie haben keinerlei Interesse am weltweiten Frieden. Das ist schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Zwar gibt es vor allem dort, wo die Waffen hergestellt und die Kredite vergeben werden, also in den Industriel\u00e4ndern, meist keine Kriege, daf\u00fcr aber umso mehr in den Entwicklungsl\u00e4ndern. Waffen und Kriege werden exportiert, damit zuhause die Produktion und der Handel reibungslos funktionieren k\u00f6nnen. Andrew Feinstein schreibt hierzu in seinem Buch <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2013\/buchrezension-waffenhandel-von-andrew-feinstein\/\" target=\"_blank\">\u00bbWaffenhandel\u00ab:<\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Der Waffenhandel ist f\u00fcr mehr als 40 Prozent der Korruption im gesamten Welthandel verantwortlich [S. 25] Einfluss, den der milit\u00e4risch-industrielle Komplex auf alle Aspekte des Regierungshandelns hat, vor allem auf die Wirtschafts- und die Au\u00dfenpolitik sowie auf Entscheidungen \u00fcber Krieg oder Frieden [S. 27] Zwischen den beiden Weltkriegen agitierten alle gro\u00dfen R\u00fcstungsunternehmen einschlie\u00dflich Vickers-Armstrong gegen einen dauerhaften Frieden [S. 41]\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn also st\u00e4ndig argumentiert wird, der Mensch sei von Natur aus ein kriegerisches Wesen und eine Welt ohne Kriege werde es daher niemals geben, so gibt es vor allem auch handfeste wirtschaftliche Interessen dahinter. Erst wenn es diese nicht mehr geben w\u00fcrde, k\u00f6nnte man erst beurteilen, ob der Mensch von Natur aus wirklich kriegerisch sei. Hinzu kommt, dass viele bewaffnete Konflikte wegen Rohstoffen und Bodensch\u00e4tzen gef\u00fchrt werden. Auch international agierende S\u00f6ldner- und Sicherheitsfirmen, die in den letzten 20 Jahren sprunghaft angestiegen sind, h\u00e4tten ohne internationale Spannungen kein Gesch\u00e4ftsmodell mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Je D\u00fcmmer, desto besser<\/strong><br>\nSeit Jahren und Jahrzehnten gibt es nicht nur von linken Parteien und Organisationen, die Kritik am geringen Bildungsbudget in Deutschland:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im internationalen Vergleich der Bildungsausgaben der OECD-Staaten befindet sich Deutschland damit im letzten Drittel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/de.statista.com\/themen\/1115\/bildungsausgaben\/\">- Statista.com<\/a>. Dossier 2013.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Finanzadel, die Reichen und M\u00e4chtigen haben keinerlei Interesse daran, dass es zu viele gebildete Menschen in Deutschland gibt. Gerade soviel, um entsprechende Positionen im eigenen Unternehmen besetzen, und um eine ausreichend gro\u00dfe Reservearmee zu haben, d.h. um die Angestellten unter Druck setzen zu k\u00f6nnen (\u00bbJeder ist ersetzbar!\u00ab). Dar\u00fcber hinaus sind nicht mehr erforderlich, sondern f\u00fcr das Wirtschaftswachstum eher sch\u00e4dlich. Verbraucher, die nachdenken, hinterfragen oder kritisieren, statt einfach in einen Laden gehen und bedenkenlos jeden Mist kaufen? Angestellte, die sich in einer Gewerkschaft, im Betriebsrat oder in globalisierungskritischen Netzwerken, wie beispielsweise bei Attac engagieren und Hintergr\u00fcnde analysieren? Welches Unternehmen hat daran Interesse? Oder um es mit den Worten des Kabarettisten Georg Schramm zu sagen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Wer brauchen die Dummen, sonst frisst keiner das Gammelfleisch.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die sogenannten Bildungsaufsteiger sind auch so ein Mythos. Nirgendwo in Europa h\u00e4ngt der Grad der Bildung so stark vom Kontostand der Eltern ab, wie in Deutschland. Die Verm\u00f6genden reproduzieren sich vor allem selbst. Der Inzest-Adel des Mittelalters ist nie wirklich abgeschafft worden. Nicht wer kognitive oder intellektuelle F\u00e4higkeiten und Talente hat, macht Karriere, sondern wer reiche Eltern hat oder die richtigen Leute kennt. Wissen ist Macht und zu viele Wissende entmachtet die M\u00e4chtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch der sogenannte Fachkr\u00e4ftemangel, als mediales Klagelied der Wirtschaft, erweist sich als propagandistische Luftnummer. Denn es geht \u00fcberhaupt nicht darum, mehr Menschen (auszu-)bilden, sondern um ein \u00dcberangebot an Arbeitskr\u00e4ften, l\u00e4ngere Lebensarbeitszeit, Wochenarbeitszeit, Ausweitung der Zuwanderung und um niedrige L\u00f6hne. Hinzu kommt, dass im Bildungssektor (Schulen, Kinderg\u00e4rten, Universit\u00e4ten, Jugendeinrichtungen etc.) vor allem auch deshalb gerne gespart wird, weil dort keine schnellen Profite erwirtschaftet werden. Da werden lieber Banken mit Milliarden \u00bbgerettet\u00ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Denn Sie wissen, was Sie tun<\/strong><br>\nDas alles ist keine Verschw\u00f6rungstheorie eines pessimistischen Bloggers, sondern gnadenloser Alltag. Die st\u00e4ndige <a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/eigenverantwortung\/eigenverantwortung.html\">Eigenverantwortungs-Rhetorik<\/a> und der Slogan \u00bb<em>Jeder ist seines Gl\u00fcckes Schmied\u00ab<\/em> lenken gezielt von der systematisch organsierten Ungerechtigkeit ab. Das Gro\u00dfkapital <em>will<\/em> ungebildete, ungl\u00fcckliche und ungesunde Menschen \u2013 denn die sind besser formbar und die besseren Konsumenten. Es sind nicht die Kritiker oder vermeintlichen Schwarzseher, welche die Umwelt und die Menschen kaputt machen, weil sie doch <em>\u00bbimmer alles so negativ sehen\u00ab<\/em>, es ist die Finanz\u2011, Konzern- und Bankenelite, die durch ihre Profitgier die Welt in den Ruin treiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das oberste Gebot im Kapitalismus lautet: alles ist erlaubt und angemessen, was Profit bringt. 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