{"id":17770,"date":"2014-12-19T05:28:48","date_gmt":"2014-12-19T04:28:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=17770"},"modified":"2014-12-15T08:32:41","modified_gmt":"2014-12-15T07:32:41","slug":"neusprech-gesellschaftliche-teilhabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2014\/neusprech-gesellschaftliche-teilhabe\/","title":{"rendered":"Neusprech: Gesellschaftliche Teilhabe"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur wer ein regelm\u00e4\u00dfiges und ausreichendes Einkommen besitzt, ist in der Lage, sich in die Gesellschaft einzubringen und am kulturellen Leben teilzuhaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- <a href=\"https:\/\/www.piratenpartei.de\/politik\/gesellschaftliche-teilhabe\/\" target=\"_blank\">Piratenpartei<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/neusprech\/orwell.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-525\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/orwell_neusprech.jpg\" alt=\"ZG-Artikel: Neusprech Heute\" width=\"70\" height=\"90\"><\/a>Eine immer wiederkehrende Erz\u00e4hlung in Politik und Gesellschaft, ist die Redewendung von der \u00bbgesellschaftlichen Teilhabe\u00ab. Besonders Gewerkschaften, Parteien und linke Organisationen verwenden dieses Narrativ gerne, um auf existenzielle Armut und die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Schere zwischen Armut und Reichtum aufmerksam zu machen. Wer an Politik, Kultur und Gesellschaft <i>teilnehmen<\/i> will, so die Erkl\u00e4rung, braucht ein Mindestma\u00df an finanzieller Sicherheit. Wer nicht \u00fcber ausreichend monet\u00e4re Mittel bzw. ein regelm\u00e4\u00dfiges Einkommen verf\u00fcge, der w\u00fcrde ausgegrenzt werden. Diese Argumentation ist im (links-)politischen Diskurs weit verbreitet. Mir stellen sich hierzu jedoch einige Fragen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst definiert sich die Teilhabe an der Gesellschaft, bei vielen Organisationen, vor allem an der individuellen H\u00f6he des zur Verf\u00fcgung stehenden Geldes. Das Prinzip ist hier denkbar einfach: wer genug Kohle hat, ist ein produktives und wertvolles Mitglied der Gemeinschaft; wer zu wenig Geldmittel zur Verf\u00fcgung hat \u2011Erwerbslose, Obdachlose, Asylanten, Rentner, Behinderte, von Armut Betroffene- wird ausgegrenzt. Zwar orientieren sich gerade auch in Deutschland (fast) alle zwischenmenschlichen Verhaltensweisen \u2013auch und vor allem- anhand von \u00f6konomischen Verwertungskriterien (Eigennutz, Sozial Status, Vertragsdenken, Konsum), aber auch diese sind nicht v\u00f6llig frei vom eigenen Wertesystem oder pers\u00f6nlichen \u00dcberzeugungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn ich mich beispielsweise bewusst gegen die Anschaffung eines smartphones oder TV-Ger\u00e4tes entscheide, auch wenn ich die Finanzen dazu h\u00e4tte, grenze ich mich dann gesellschaftlich nicht auch aus? Bin ich dann noch dabei? Nun k\u00f6nnte man sagen, dies sei eine Art freiwilliger Ausgrenzung, aber ist nicht genau das \u00bbSelbstbestimmung\u00ab? Bedeutet Teilhabe immer und zwangsl\u00e4ufig, so zu sein wie alle sind? Mit dem finanziellen Mindest-Standard genau das zu machen, was alle machen? Massenkonsum bei Mcdonalds? Smartphone-Gedaller? Was soll beispielsweise die vielbeschworene Teilhabe am kulturellen Leben bedeuten? Mal ins Theater, ins Kino oder in ein Restaurant gehen zu k\u00f6nnen? In den Urlaub nach Mallorca fahren? Deutsche Kultur? Was soll das bitte sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Premiumexistenzen und Markthelden<\/strong><br>\nNehmen Reiche und Verm\u00f6gende etwa an der Gesellschaft teil, wenn sie sich ausschlie\u00dflich in elit\u00e4ren Zirkeln treffen, mit abgedunkelten Fensterscheiben durch die Stra\u00dfe fahren und abgeschottet in \u00bbGated Communities\u00ab leben? Nimmt also im Umkehrschluss automatisch jeder Verm\u00f6gende an der Gesellschaft teil, weil er ja \u00fcber ausreichend monet\u00e4re Mittel verf\u00fcgt? Auch wenn er <a title=\"ZG - sozialresistente Schichten\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2014\/sozialresistente-schichten\/\" target=\"_blank\">die Gemeinschaft verachtet, Steuern hinterzieht und dubiose Gesch\u00e4fte<\/a> betreibt? Was soll \u00bbdie Gesellschaft\u00ab eigentlich sein? Die Steuerzahler?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht, dass ich missverstanden werde: nat\u00fcrlich ist es gut, wenn die Mechanismen der Armut sichtbar gemacht und bek\u00e4mpft werden. Doch wenn das Narrativ der \u00bbgesellschaftlichen Teilhabe\u00ab und der Umverteilung mitunter auch bedeuten soll, sich stets der (Massen-)Konformit\u00e4t zu beugen, dem Konsumdenken zu fr\u00f6nen und immer so zu sein, wie alle sein wollen und andere es fordern, dann ist die Erz\u00e4hlung der sogenannten \u00bbTeilhabe an der Gesellschaft\u00ab nur ein Euphemismus f\u00fcr die (Lohnarbeits-)Massenkonditionierung aus linkspolitischer Perspektive. Erstrebsamer als unbedingtes Mitmachen-und-Haben-Wollen, w\u00e4re der (Komplett-)Ausstieg aus dem <a title=\"Le Monde\" href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2012\/04\/13.mondeText.artikel,a0025.idx,3\" target=\"_blank\">\u00bbIdiotenspiel\u00ab<\/a> der kapitalistischen Steigerungslogik, wie Prof. Hartmut Rosa es treffend formuliert hat:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Erst wenn die Linke die Frage nach der Entfremdung und ihrem Gegenteil, dem gelingenden Leben, zu ihrem ureigentlichen Thema macht, l\u00f6st sie sich aus dem unheilvollen Pakt mit dem Neoliberalismus und zieht den Stecker f\u00fcr dessen selbstzerst\u00f6rerisches Steigerungsspiel.\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur wer ein regelm\u00e4\u00dfiges und ausreichendes Einkommen besitzt, ist in der Lage, sich in die Gesellschaft einzubringen und am kulturellen Leben teilzuhaben. \u2014 Piratenpartei Eine immer wiederkehrende Erz\u00e4hlung in Politik und Gesellschaft, ist die Redewendung von der \u00bbgesellschaftlichen Teilhabe\u00ab. 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