{"id":17455,"date":"2014-09-26T05:45:24","date_gmt":"2014-09-26T03:45:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=17455"},"modified":"2014-09-26T05:50:42","modified_gmt":"2014-09-26T03:50:42","slug":"der-gratis-schwindel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2014\/der-gratis-schwindel\/","title":{"rendered":"Der Gratis-Schwindel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-17468\" alt=\"gratis_titel\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gratis_titel-450x337.jpg\" width=\"450\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gratis_titel-450x337.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gratis_titel-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gratis_titel-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gratis_titel.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\">Ist man noch relativ jung, sagen wir, so unter 10 Jahren, spielt das Thema Geld nicht zwingend die Hauptrolle im Alltag. Familie, Freundschaften, gemeinsame Spiele und Unternehmungen, Schule und Hobbys sind meist deutlich wichtiger. Mit zunehmendem Alter \u00e4ndert sich das radikal. Partys, Kino- und Restaurantbesuche im Jugendalter erfordern Kohle. Sobald man das Elternhaus verlassen hat, sieht man dann das Leben vor lauter Kosten nicht mehr: Miete, Strom und Gas, Lebensmittel, Telefon und Internet, Kleidung, Kosmetik, Haushaltsger\u00e4te und M\u00f6bel, Versicherungen, Bus- und Bahnfahrkarte oder Auto, Rundfunkgeb\u00fchr und so weiter. Die Geldbeschaffung wird zum zentralen Thema der eigenen Existenz. Umso verf\u00fchrerischer werden dann die st\u00e4ndigen Versprechungen von: kostenlos, gratis und umsonst.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Facebook, Google und viele Smartphone App\u00b4s werben damit, unentgeltlich zu sein. Schokoriegel-Produkte geben einen elften Riegel kostenlos dazu. Nutella wirbt mit 100 Gramm gratis mehr pro Glas. Die digitale Spiele-Vertriebsplattform \u00bbsteam\u00ab behauptet: \u00bb<i>Melden Sie sich ganz einfach kostenlos an.\u00ab <\/i>Auch viele Zeitschriften und Magazine werben mit Gratis-Beilagen, sofern man ein Abonnement abgeschlossen hat. Newsletter und Kataloge darf man sich unentgeltlich zuschicken lassen. Zudem gibt es eine ganze Reihe kostenloser Programme und Tools. Auch gibt es immer mehr Events und Veranstaltungen, f\u00fcr die man keinen Eintritt bezahlen muss, wie beispielsweise gratis-in-berlin.de veranschaulicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommen Unternehmen also nur der Gratismentalit\u00e4t und dem \u00bbGeiz ist geil \u2013 Denken\u00ab nach? Wissen sie um die immer gr\u00f6\u00dfer werdende finanzielle Armut der Menschen und zeigen hier Mitgef\u00fchl? Und wie machen Unternehmen dann \u00fcberhaupt noch Gewinn?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Heuchelei. Verlogenheit. T\u00e4uschung.<br>\n<\/strong>Die meisten Menschen haben sich daran gew\u00f6hnt, dass sie von der kommerziellen Propaganda, also der Werbung, belogen und betrogen werden.&nbsp;Werbe\u2011, PR- und Marketingagenturen wissen um das wenige Werbe-Vertrauen der Verbraucher und setzen zunehmend auf getarnte Reklame-Artikel (\u00bbAdvertorials\u00ab) und PR-U-Boote, die gezielt Inhalte in den Massenmedien platzieren sollen. Es werden zudem riesige Summen f\u00fcr Marketing und Public Relation ausgegeben (in der Regel weit mehr als f\u00fcr die Produktentwicklung), Hypes werden initialisiert, gro\u00dfspurige Ank\u00fcndigungen und Versprechungen gemacht. F\u00fcr den Konsumenten bleibt am Ende vor allem eines: das leere Versprechen und die L\u00fcge. So auch bei der Gratis-Formel, die uns \u00fcberall um die Ohren gehauen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn h\u00e4ufig hat sich nur die W\u00e4hrung ge\u00e4ndert mit der man bezahlen muss. Bei Facebook, Google, Steam, Skype, den Smartphone-App\u00b4s und bei vielen anderen digitalen Produkten zahlt man vor allem mit seinen pers\u00f6nlichen Daten, die in einer Informations- und Wissensgesellschaft in der Regel auch deutlich mehr wert sind, als ein monet\u00e4rer Beitrag. Diese Daten werden von den Anbietern dann wiederum gewinntr\u00e4chtig verwendet oder verkauft. Ganz abgesehen davon, dass die Bezeichnung \u00bbgratis\u00ab oft nur ein K\u00f6deradjektiv ist. Denn wer einmal in einer Gratis-Veranstaltung gelandet oder sich ein Gratis-Tool beziehungsweise ein \u00bbFree to Play-Spiel\u00ab heruntergeladen hat, wird durch allerlei Hintert\u00fcrchen schnell die gierige Hand zu sp\u00fcren bekommen, die st\u00e4ndig an der eigenen Brieftasche fummelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nichts ist umsonst<br>\n<\/strong>In einem kapitalistischen Verwertungssystem \u2011in dem alles und jeder zu Geld gemacht wird, in dem weder die Geburt noch der Tod kostenlos sind- gibt es rein gar nichts ohne Bezahlung. Auch dass die eigenen Daten heute eine g\u00e4ngige W\u00e4hrung sind, ist immer noch nicht bei allen angekommen. Stattdessen freuen sich die Smartphone-Junkies \u00fcber jede \u00bbkostenlose\u00ab Anwendungssoftware und beschweren sich zugleich \u00fcber die immer st\u00e4rker werdende Zunahme von personalisierter Werbung und Daten-\u00dcberwachung. Denn wer heute seine IP-Adresse verschleiern oder sich nicht bei Facebook oder WhatsApp anmelden will, gilt nicht nur in den Augen der Beh\u00f6rden als verd\u00e4chtig, sondern auch im sozialen Umfeld schnell als exotischer Kauz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist man noch relativ jung, sagen wir, so unter 10 Jahren, spielt das Thema Geld nicht zwingend die Hauptrolle im Alltag. Familie, Freundschaften, gemeinsame Spiele und Unternehmungen, Schule und Hobbys sind meist deutlich wichtiger. 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