{"id":16488,"date":"2014-01-21T06:00:10","date_gmt":"2014-01-21T05:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=16488"},"modified":"2014-01-21T06:05:00","modified_gmt":"2014-01-21T05:05:00","slug":"kinder-und-glueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2014\/kinder-und-glueck\/","title":{"rendered":"Kinder in Deutschland; Teil 30: Machen Kinder gl\u00fccklich?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-16499\" alt=\"kindergl\u00fcck_titel\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/kindergl\u00fcck_titel-450x337.jpg\" width=\"450\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/kindergl\u00fcck_titel-450x337.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/kindergl\u00fcck_titel-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/kindergl\u00fcck_titel-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/kindergl\u00fcck_titel.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\">In einer bei\u00dfenden Polemik kommentiert die Redakteurin Melanie M\u00fchl (Jahrgang 1976) auf <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/lebensentwuerfe-kinderlos-gluecklich-12748390.html\" target=\"_blank\">faz.net<\/a>, dass sie kinderlos gl\u00fccklich sei und Kinder sie eigentlich nur nerven w\u00fcrden: <em>\u00bbKinder sind l\u00e4stig. Ich bin froh, dass ich keins mehr bin und, vor allem: dass ich keins habe.\u00ab<\/em> Im Dezember 2012 habe ich <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/kinderlosigkeit\/\" target=\"_blank\">in einem Beitrag<\/a> schon versucht zusammenzufassen, warum viele keine Kinder wollen. Es liegt nicht nur daran, dass sie laut seien, Krach und Dreck machen und vor allem viel Geld kosten w\u00fcrden, sondern haupts\u00e4chlich am wirtschaftsfundamentalistischen Marktradikalismus (Konsum, Egoismus), den wir in Deutschland anbeten und verg\u00f6ttern, und auf dessen Schrein wir unsere Kinder opfern.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den bisher \u00fcber 250 Kommentaren liefern sich im besagten Artikel Kinderfreunde und Kinderhasser ein Ping-Pong-Gefecht. Niemand m\u00f6chte gesagt bekommen, wie er zu leben hat und welchen Lebensentwurf er pr\u00e4feriert. Die Kinderhasser betonen, dass Kinder f\u00fcr sie eine zu gro\u00dfe Last und Verantwortung bedeuten w\u00fcrden. Ihr eigenes Leben, die eigenen Interessen und Bed\u00fcrfnisse seien ihnen zu wichtig, als dass sie sie f\u00fcr Kinder aufgeben wollten. Kinder begrenzen jedoch nicht nur die eigene Freiheit, sondern erweitern sie auch. Im Kern k\u00f6nnen viele Kinderhasser das sch\u00f6pferische, spontane So-Sein und die Lebensfreude der Kinder, fernab von systemischer Funktionalit\u00e4t, nicht ertragen, da ihre eigene Lebensfreude schon lange im Konsum- und Lohnarbeitssumpf verk\u00fcmmert ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kinderfreunde schreiben oft <em>\u00bbKinder machen gl\u00fccklich\u00ab<\/em> ohne genau zu sagen, warum eigentlich. Kinder sind jedoch nicht per se gl\u00fccksstiftend. Auch wenn nicht wenige M\u00fctter es genie\u00dfen, wenn in den ersten f\u00fcnf Jahren die Kinder sehr mutterbezogen sind, sie viel Aufmerksamkeit verlangen, aber im Gegenzug auch viel Liebe geben \u2014 so sind Kinder auch keine Liebes-Automaten, bei denen man die eigene Unzul\u00e4nglichkeit durch die kindliche Liebe ausgleichen kann. Gerade Gro\u00dfeltern, denke ich, sehen in den Enkeln h\u00e4ufig kleine Zuneigungsquellen, bei denen sie sich die Liebe abholen, die ihnen ansonsten fehlt. Deshalb verw\u00f6hnen sie die Enkel auch h\u00e4ufig materiell und emotional (wider besseren Wissen), weil sie keine Konflikte mit ihnen wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, Kinder k\u00f6nnen gl\u00fccklich machen, aber nur wenn man es nicht durch die eigene Erziehung verbockt (Ja, auch Schule, Medien, Freunde und Umfeld pr\u00e4gen) und man sich mit ihnen ernsthaft besch\u00e4ftigt. Kinder sind keine (Prestige-)Objekte, Investitionsanlagen oder Roboter, die funktionieren und die man rumzeigen kann. Sie sind eigene Lebewesen, mit eigenem Charakter, eigenem Denken und F\u00fchlen. Wir k\u00f6nnen sie pr\u00e4gen, ihnen Werte vermitteln und ihnen die Welt zeigen, aber sie \u00bb<em>geh\u00f6ren uns nicht\u00ab, <\/em>wie Khalil Gibran es einmal treffend formuliert hat. Sie machen uns gl\u00fccklich, wenn wir selbst in der Lage sind, uns ehrlich zu reflektieren, auch und besonders gegen\u00fcber und mit unseren Kindern. Wenn wir versuchen die Welt mit ihren Augen zu sehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gl\u00fcck entsteht nur im Prozess der Interaktion mit unseren Kindern und nicht in der Inszenierung als harmonische Super-Familie inklusive tollen Kinder- und Babybildern auf Facebook. Denn die Lebenslust, Neugier, Fantasie, Kreativit\u00e4t und Authentizit\u00e4t, die Kinder noch leben, sind ein Fundament des Gl\u00fcckes, aber keine zwingende Garantie. Wer Kinder nur in die Welt setzt, um die eigene Leere und Langeweile zu verdr\u00e4ngen, also um Kinder zu <em>haben<\/em>, wird auch mit ihnen nicht gl\u00fccklich werden. Eigene Interessen, Leidenschaften und Hobbys sollten nicht wegen der Kinder aufgegeben, sondern gerade auch wegen ihnen aufrecht erhalten werden. Es gibt nichts langweiligeres f\u00fcr Kinder, als leidenschaftslose Eltern, die sich f\u00fcr gar nichts interessieren, au\u00dfer f\u00fcr ihre Kinder. Es ist ganz so, wie Adorno es einmal formuliert hat:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Gl\u00fcck ist es nicht anders als mit der Wahrheit: Man hat es nicht, sondern ist darin. [...] Wer sagt, er sei gl\u00fccklich, l\u00fcgt, indem er es beschw\u00f6rt und s\u00fcndigt so an dem Gl\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Theodor W. Adorno. Minima Moralia. Suhrkamp Verlag. 8. Auflage 2012. S. 126<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p><\/blockquote>\n<p>____________________________________________<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Zusammenfassung der ersten zehn Teile der Kinderserie ist auf <a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/kinder\/kinder_in_deutschland.html\">www.zeitgeistlos.de<\/a> zu finden. Alle bisherigen 29 Folgen k\u00f6nnen im ZG-Blog in der Rubrik <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/category\/kinder-und-jugend\/\">Kindheit<\/a> gefunden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer bei\u00dfenden Polemik kommentiert die Redakteurin Melanie M\u00fchl (Jahrgang 1976) auf faz.net, dass sie kinderlos gl\u00fccklich sei und Kinder sie eigentlich nur nerven w\u00fcrden: \u00bbKinder sind l\u00e4stig. 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