{"id":16074,"date":"2013-11-06T05:50:35","date_gmt":"2013-11-06T04:50:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=16074"},"modified":"2014-06-26T10:02:24","modified_gmt":"2014-06-26T08:02:24","slug":"der-gute-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2013\/der-gute-kapitalismus\/","title":{"rendered":"Der gute Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-16078\" alt=\"gutkapi_titel\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gutkapi_titel-450x337.jpg\" width=\"450\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gutkapi_titel-450x337.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gutkapi_titel-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gutkapi_titel-400x300.jpg 400w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/gutkapi_titel.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\">Nach dem Mauerfall und dem weltweiten Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, hat der Kapitalismus sein Gegenmodell verloren, vielleicht mit Ausnahme heutiger lateinamerikanischer Sozialismus-Formen. In diesem Zusammenhang behauptet er, die einzige wirtschaftspolitische Alternative zu sein. Da aber jedes System als Abgrenzung, Legitimation und Polarisation ein Gegenmodell ben\u00f6tigt, wird nun mehr und mehr versucht innerhalb des Kapitalismus selbst, zwischen vermeintlich guten (Biokonsum, Fair Trade, Emissionshandel, \u00d6ko-Siegel etc.) und schlechten Auspr\u00e4gungen (Finanzkapitalismus, Hedge Fonds, Heuschrecken, Neoliberalismus etc.)&nbsp; zu unterscheiden. Dabei ist und bleibt das gesellschaftliche Eigentum stets ungerecht verteilt und das Dogma der Profitorientierung sowie des unendlichen Wachstums bleiben immer unangetastet.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Greenwashing<\/strong><br>\nDas Gesch\u00e4ft mit Bio-Produkten und \u00d6ko-Siegeln l\u00e4uft in Deutschland pr\u00e4chtig. Auch wenn es immer mehr Kritik an der Qualit\u00e4t der Bio-Produkte, deren Herstellung, Nachhaltigkeit und dem h\u00e4ufigen Etikettenschwindel gibt, so vermindert das wenig den Glauben der Bio-Anh\u00e4nger. Denn diese sind mit sachlichen Argumenten kaum zu \u00fcberzeugen. Bei Bio geht es oft weniger um das Produkt selbst, auch wenn das nat\u00fcrlich alle behaupten, sondern mehr um den Glauben daran, mit einem guten Gewissen konsumiert zu haben. Diesen Glauben will man sich nicht nehmen lassen. Schlie\u00dflich ist es f\u00fcr Gutverdienende \u00e4u\u00dferst bequem, einfach ein paar Euros mehr auszugeben, um dann behaupten zu k\u00f6nnen, man habe nun seinen Beitrag zur Weltgerechtigkeit, geleistet. Sich politisch zu engagieren ist dann beispielsweise nicht mehr zwingend notwendig bzw. durch den Bio-Konsum ja dann schon abgedeckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mikrokredite<\/strong><br>\nMithilfe von Krediten, Sparkonten und Versicherungen sollen die Armen der Welt sich selbst aus der Armut befreien. Sogenannte Mikrokredite sollen hier die Menschen zur Selbstst\u00e4ndigkeit, zum H\u00e4ndler oder Handwerker erziehen, wie beispielsweise in Indien. International erfreuen sich die Mikrokredite gro\u00dfer Beliebtheit (Kreditsumme: weltweit \u00fcber 90 Milliarden US-Dollar) und sie werden als bevorzugtes Mittel zur Bek\u00e4mpfung der weltweiten Armut betrachtet. Meist mit enormen Zinss\u00e4tzen von bis zu 30 Prozent. Statt also der weltweiten Schieflage der ungerechten Ver- und Zuteilung von Ressourcen, Eigentum, Lebens- und Finanzmitteln, entgegen zu steuern, sollen die Menschen marktkonform und zur <a title=\"ZG_tag: Eigenverantwortung\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/tag\/eigenverantwortung\/\" target=\"_blank\">Eigenverantwortung<\/a> erzogen werden. Statt also die Ursache der Armut zu bek\u00e4mpfen, werden nur die Folgen behandelt. Wer dann selbst mit Kredit immer noch arm bleibt, ist fortan selbst schuld.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fortschritt gibt es nur in Solidarit\u00e4t. Dann aber darf die Umverteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen oder ein Finanzausgleich zwischen Regionen und Nationen nicht zum Tabu erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Elmar Altvater, \u00bbDas falsche Modell\u00ab, Le Monde diplomatique, Ausgabe September 2012, S. 3<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Share Economy<\/strong><br>\nDas Business-Konzept bezeichnet das Mieten oder Tauschen von G\u00fctern oder Dienstleistungen. Mittlerweile gibt es hierzu zahlreiche Unternehmen und Webseiten. Ob Carsharing, Waschmaschinen, Campingausr\u00fcstung, Markenkleidung, R\u00e4ume oder Mitfahrzentralen: die relativ neue Konsum-Form erfreut sich breiter Beliebtheit. Man w\u00fcrde damit dem Wegwerf-Kapitalismus entgegentreten, \u00f6kologisch handeln, Zwischenh\u00e4ndler \u00fcberfl\u00fcssig machen und auch weniger finanzstarken Konsumenten die M\u00f6glichkeit einr\u00e4umen, bestimmte Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Was auf den ersten Augenblick sozial gerecht klingt, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen nur als eine weitere Kommerzialisierung einer vermeintlich alternativen Idee. Das Unternehmen Airbnb beispielsweise, das Privatzimmer und Wohnungen vermietet, hat 2012 einen Umsatz von rund 180 Millionen Dollar erwirtschaftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Social Entrepreneurship<\/strong><b><br>\n<\/b>Als \u00bbSozial-Unternehmen\u00ab gelten Firmen, die in erster Linie soziale und \u00f6kologische Probleme l\u00f6sen und weniger Profit erwirtschaften wollen. Sie bezeichnen sich selbst als innovativ, pragmatisch und nachhaltig. Das Social Business ist popul\u00e4r, beliebt und wird vielfach finanziell gef\u00f6rdert. Das Wirtschaften f\u00fcr das vermeintlich Gute setzt h\u00e4ufig auf Ehrenamtliche, Praktikanten, Geringverdiener und dem b\u00fcrgerschaftlichem Engagement. Unterst\u00fctzt somit unfreiwillig das System der prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigung und den Status Quo. Sozial-Unternehmer leben letztendlich auch davon, dass der Staat Sozialabbau betreibt, denn ansonsten g\u00e4be es hier &nbsp;eher weniger Bedarf (Beispiel: Tafelbewegung). Auch hier wird davon ausgegangen, alle menschlichen Probleme seien mit marktwirtschaftlichen Methoden zu l\u00f6sen. Solidarit\u00e4t, Mitgef\u00fchl und Empathie vertragen sich nicht mit marktwirtschaftlichem Wettbewerbs\u2011, Leistungs- und Konkurrenzdenken. Eigenschaften, die jedem Unternehmer inh\u00e4rent sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><br>\nDer vermeintlich gute Kapitalismus zeichnet sich dadurch aus, dass er Attribute wie fair, nachhaltig, sozial gerecht, ethisch und\/oder \u00f6kologisch f\u00fcr sich in Anspruch nimmt und sich somit vom profitorientierten Manchester-Kapitalismus abgrenzen will. Ganz so, als w\u00fcrde es einen grenzenlosen Konsum ohne Umweltzerst\u00f6rung geben. Er bietet allen Menschen eine vermeintliche Alternative innerhalb des marktwirtschaftlichen Systems an. F\u00fcr ein bisschen mehr Aufwand oder ein paar Euros mehr, kann man sich ein gutes Gewissen kaufen und ansonsten so weiter leben und konsumieren wie bisher. Wichtig sei immer, eine Marktkonformit\u00e4t herzustellen. Ob der Handel mit Verschmutzungsrechten (Emissionshandel), Mikrokredite, die Tafelbewegung, das sog. <a title=\"ZG_Neusprech\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/neusprech-authentisches-marketing\/\" target=\"_blank\">\u00bbauthentische Marketing\u00ab<\/a>, Sozialunternehmer, Bio- oder Fair Trade- Produkte, Public Private Partnerships (PPP) oder das sog. \u00bbshare economy\u00ab \u2013 immer geht es darum, die Fratze des Kapitalismus mit einer sozial-\u00f6kologisch-nachhaltigen Maske zu \u00fcberdecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig w\u00e4re es, beim <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/der-marktmaske-entsagen\/\" target=\"_blank\">\u00bbIdiotenspiel\u00ab<\/a> (Hartmut Rosa) des grenzenlosen Wachstums und des immer h\u00f6her, schneller und weiter \u2013 Prinzips, komplett auszusteigen. Es bringt wenig, zu versuchen, das Profite-vor-Menschen-System sozialer gestalten zu wollen, wenn die Grundprinzipien sich dabei nicht ver\u00e4ndern. Unser <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/entmarktet-die-gedanken\/\" target=\"_blank\">Denken und Handeln sollte entmarktet werden<\/a>, wenn wir wieder das menschliche Wohlbefinden und den Menschen in das Zentrum aller politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen stellen wollen. Denn viel zu oft ist der sog. \u00bbMarkt\u00ab nicht die L\u00f6sung, sondern die Ursache all unserer Probleme.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Mauerfall und dem weltweiten Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus, hat der Kapitalismus sein Gegenmodell verloren, vielleicht mit Ausnahme heutiger lateinamerikanischer Sozialismus-Formen. In diesem Zusammenhang behauptet er, die einzige wirtschaftspolitische Alternative zu sein. 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