{"id":15738,"date":"2013-09-03T05:55:39","date_gmt":"2013-09-03T03:55:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=15738"},"modified":"2014-11-06T11:52:48","modified_gmt":"2014-11-06T10:52:48","slug":"kinder-in-deutschland-teil-27-verlassene-eltern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2013\/kinder-in-deutschland-teil-27-verlassene-eltern\/","title":{"rendered":"Kinder in Deutschland; Teil 27: Kontaktabbruch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-15742\" alt src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/th_DSCN0065-450x337.jpg\" width=\"450\" height=\"337\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/th_DSCN0065-450x337.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/th_DSCN0065-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/th_DSCN0065-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/th_DSCN0065-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\">Wenn Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, hat das meist ernste Gr\u00fcnde. Ein vermeintlich kleiner Streit kann das Fass zum \u00dcberlaufen bringen. Jahrelange zwischenmenschliche Differenzen, emotionale K\u00e4lte und eine Beziehung, die nicht auf Augenh\u00f6he basiert, kann vor allem erwachsene Kinder, dazu bewegen, den Kontakt komplett abzubrechen. Die Dunkelziffer verlassener Eltern wird in Deutschland auf \u00fcber 100.000 gesch\u00e4tzt. Nat\u00fcrlich sind Eltern nicht f\u00fcr alles allein verantwortlich, ihre Kinder werden auch von Freunden, Erziehern, Lehrern, Liebespartnern und den Medien gepr\u00e4gt. Dennoch sperren sich die meisten Eltern dagegen, die Kindheit der eigenen Kinder ernsthaft zu reflektieren.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eltern stehen \u00fcber den Kindern, sind \u00bbErziehungsberechtigte\u00ab. Sie haben sie in die Welt gesetzt, sich jahrelang um sie gek\u00fcmmert, das Essen auf den Tisch gebracht, viel Geld ausgegeben, sie angekleidet, mit ihnen Hausaufgaben gemacht, sie vor den Gefahren des Lebens besch\u00fctzt, ihnen Liebe gegeben und vieles mehr. Demzufolge m\u00fcssen die Kinder den Eltern ein Leben lang dankbar sein. Die erwachsenen Kinder haben sich zu melden und sollen auch ihre Hilfe f\u00fcr die \u00e4lter werdenden Eltern anbieten. Diese Einstellung ist weit verbreitet und gleicht mehr einem materialistisch-egoistischen Habitus, als einer ehrlichen Eltern-Kind-Liebe. Denn die Eltern sehen ihre Kinder hier als eine Art Investition an, die sich irgendwann, also besonders im Alter auszahlen soll. Die Qualit\u00e4t der Familienbeziehung h\u00e4ngt jedoch von vielen Faktoren ab und kann nicht einseitig eingefordert werden, weil man doch soviel <em>\u00bbgeleistet\u00ab<\/em> und <em>\u00bbinvestiert\u00ab<\/em> habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr viele Probleme zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern entstehen vor allem auch deshalb, weil die Eltern den Sprung von der Erziehung zur Beziehung nicht geschafft haben oder ihn bewusst nicht wollten. Erwachsene Kinder bleiben zwar rein genetisch immer die Kinder ihrer Eltern, wollen aber gleichberechtigt behandelt, also ernst genommen werden. Genau das machen Millionen von Eltern eben nicht. Sie entschuldigen sich nicht bei ihren Kindern f\u00fcr offensichtlich begangene Fehler (erwarten aber, dass die Kinder das tun), sie mischen sich in die Erziehung der Enkel ein, schreiben ihren erwachsenen Kindern vor, wie sie ihr Leben gestalten sollen, kommentieren jede Entscheidung, interessieren sich wenig f\u00fcr die Leidenschaften der Kinder und\/oder \u00fcben einen permanenten beruflichen Druck aus. Das Erwachsen werden der Kinder, bedeutet auch ein Reifeprozess der Eltern. Wer als Eltern seine Kinder immer nur von oben herab behandelt, ihnen nicht zuh\u00f6ren, ihre Meinung, Lebensweise und Entscheidungen nicht akzeptieren (oder zumindest tolerieren) will, darf sich nicht wundern, wenn die Kinder sich irgendwann von ihnen abwenden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die S\u00f6hne und T\u00f6chter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber. Sie kommen durch euch, aber nicht von euch. Und obwohl sie mit euch sind, geh\u00f6ren sie euch doch nicht. Ihr d\u00fcrft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Auszug aus einem Gedicht von Khalil Gibran, arabischer Dichter, 1883\u20131931.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft \u00e4u\u00dfern sich tiefe seelische Wunden, die in der Kindheit zugef\u00fcgt wurden, Jahre oder jahrzehntelang nicht. Kommen sie irgendwann an die Oberfl\u00e4che, entweder weil die Kinder \u00e4lter geworden oder weil die Kinder sogar selbst Eltern geworden sind und sich nun \u00fcber das Thema mehr Gedanken machen, dann wollen die eigenen Eltern davon h\u00e4ufig nichts mehr wissen: <em>\u00bbSchnee von gestern\u00ab<\/em>. Sicher, jeder ist irgendwann erwachsen und sollte nicht f\u00fcr jede Fehlentscheidung oder alle eigenen Probleme einseitig die Eltern daf\u00fcr verantwortlich machen. Sich selbst stets als Opfer zu sehen, ist bequem und entl\u00e4sst einen aus der pers\u00f6nlichen Verantwortung. Jeder hat die Chance, seine kindheitliche Pr\u00e4gung zu \u00fcberwinden und das eigene Leben aktiv zu gestalten. Dennoch ist die eigene Kindheit entscheidend mit daf\u00fcr verantwortlich, wie das sp\u00e4tere Eltern-Kind-Verh\u00e4ltnis sich entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um so \u00e4lter die Kinder werden, umso ernster wollen sie genommen werden. Sie entwickeln wom\u00f6glich eine andere Auffassung vom Leben und ihrer beruflichen Zukunft als die Eltern. Haben andere Ziele und andere Vorstellungen was die Partnerwahl betrifft. Vielen M\u00fcttern und V\u00e4tern f\u00e4llt es unheimlich schwer, ihre Kinder in ihrem So-Sein zu akzeptieren. St\u00e4ndig wird versucht, sie zu beeinflussen, zu manipulieren, ihnen den eigenen Lebensstil und die eigene Meinung aufzudr\u00fccken. Die eigenen Kinder zu lieben, bedeutet eben nicht nur, sie zu umarmen und ihnen st\u00e4ndig zu sagen, wie lieb man sie hat oder st\u00e4ndig Konsumgeschenke zu machen, sondern sie so zu akzeptieren, wie sie sich entwickeln und wie sie sein wollen.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Zusammenfassung der ersten zehn Teile der Kinderserie ist auf <a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/kinder\/kinder_in_deutschland.html\">www.zeitgeistlos.de<\/a> zu finden. Alle bisherigen 26 Folgen k\u00f6nnen im ZG-Blog in der Rubrik <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/category\/kinder-und-jugend\/\">Kindheit<\/a> gefunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014\u2014-<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>UPDATE:<\/strong> 6. November 2014: Auf SWR2 gibt es zu dem Thema eine tolle Radiosendung (rund 25 Minuten lang) mit dem Titel <i><a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swr2\/programm\/sendungen\/tandem\/swr2-tandem-fuer-mich-bist-du-gestorben\/-\/id=8986864\/nid=8986864\/did=14254602\/8b0c65\/index.html\">\u201eF\u00fcr mich bist Du gestorben!\u201c<\/a> <\/i>&nbsp;Unter anderem wurde auch meine Wenigkeit interviewt. Ein kleiner Auszug: <i>\u201eEpikur willigt ein, wir treffen uns. Er ist 36 Jahre alt, Politologe, Redakteur und Blogger und hei\u00dft im realen Leben Markus. Markus hat nach einem gro\u00dfen Streit vor zwei Jahren mit seiner Mutter und ihrem Lebensgef\u00e4hrten keinen Kontakt mehr mit ihr.\u201c<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Kinder den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen, hat das meist ernste Gr\u00fcnde. Ein vermeintlich kleiner Streit kann das Fass zum \u00dcberlaufen bringen. 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