{"id":13420,"date":"2012-10-15T07:54:57","date_gmt":"2012-10-15T05:54:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=13420"},"modified":"2012-10-15T10:13:08","modified_gmt":"2012-10-15T08:13:08","slug":"die-grosse-kommunikationsluege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/die-grosse-kommunikationsluege\/","title":{"rendered":"Die gro\u00dfe Kommunikationsl\u00fcge"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_13422\" style=\"width: 639px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-13422\" class=\" wp-image-13422\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/fb_satire.jpg\" alt width=\"629\" height=\"449\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/fb_satire.jpg 629w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/fb_satire-150x107.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/fb_satire-450x321.jpg 450w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/fb_satire-420x300.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 629px) 100vw, 629px\"><p id=\"caption-attachment-13422\" class=\"wp-caption-text\">by epikur<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor einiger Zeit hat mein gesch\u00e4tzter Kollege flatter von feynsinn einen <a href=\"http:\/\/feynsinn.org\/?p=15491\" target=\"_blank\">Beitrag<\/a> mit einem beeindruckenden Satz enden lassen: <em>\u00bbKommunizieren ist mehr als senden\u00ab<\/em>. Im folgenden Artikel stelle ich die These auf, dass im vermeintlichen digitalen Zeitalter, in der ein \u00dcberangebot an Kommunikationsinstrumenten herrscht, fast ausschlie\u00dflich nur noch gesendet wird. Die F\u00e4higkeit zuh\u00f6ren zu k\u00f6nnen, Aussagen zu reflektieren oder gar zwangsfrei offen f\u00fcr neues zu sein, ist gesamtgesellschaftlich gesehen kaum noch vorhanden. Kommunikation wird nicht mehr als ein Akt der zwischenmenschlichen ehrlichen und offenen Interaktion, sondern vor allem als ein Instrument der eigenen Ziele und Interessen verstanden.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Globalisierung, handys, smartphones und das Internet haben die Welt kleiner gemacht. Wir k\u00f6nnen immer und \u00fcberall kommunizieren. Das ist ein gro\u00dfer Gewinn f\u00fcr die Menschheit. Unternehmen und auch Arbeitnehmer profitieren beide von diesen neuen Herausforderungen. So oder so \u00e4hnlich lesen und h\u00f6ren wir es st\u00e4ndig in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen. Das \u00dcberangebot an Kommunikationsinstrumenten suggeriert, als w\u00e4re zugleich die Qualit\u00e4t des zwischenmenschlichen Austausches gestiegen. Untersucht man jedoch die einzelnen Diskursm\u00f6glichkeiten, stellt man fest, dass sich die ganze Schreib- und Sprechbegeisterung vor allem in einer oberfl\u00e4chlichen Selbstdarstellung, Selbstinszenierung und Selbstbest\u00e4tigung ergie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Selbstinszenierung als Diskursargument<\/strong><br>\nNehmen wir z.B. die hochgelobten sog. \u00bbsozialen Netzwerke\u00ab. Weder als Privatmensch, noch als Unternehmen ist es einem verg\u00f6nnt, daran vorbeizukommen. Die virtuellen Orte fungieren wie pers\u00f6nliche Ersatzb\u00fchnen, in denen sich jeder bestm\u00f6glich profilieren und verkaufen will. Sicher k\u00f6nnen facebook, xing, twitter, studiVZ und wie sie alle hei\u00dfen, auch dazu genutzt werden, seinen Horizont zu erweitern, seinen Wissensschatz zu vergr\u00f6\u00dfern oder ernsthaft an anderen Menschen und ihren Leidenschaften interessiert zu sein. Ich denke aber, der \u00fcberwiegende Teil betreibt in den sozialen Netzwerken, wissentlich oder unwissentlich, vor allem Selbstmarketing.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Get\u00f6se beweist gar nichts. Eine Henne, die gerade ein Ei gelegt hat, gackert h\u00e4ufig so, als h\u00e4tte sie einen Asteroiden gelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Mark Twain<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Marketing, Werbung, PR und \u00d6ffentlichkeitsarbeit jedoch, haben von Grund auf, eine sehr beschr\u00e4nkte und eingeschr\u00e4nkte Vorstellung von Kommunikation. So gut wie alle Instrumente, mit Ausnahme von Umfragen oder Studien, sind darauf ausgelegt, etwas zu vermitteln. Man m\u00f6chte Meinungen erzeugen, Stimmungen beeinflussen, Wertvorstellungen festigen, Bilder pr\u00e4gen, Sachverhalte verschleiern oder besch\u00f6nigen und so weiter. <a title=\"ZG_Neusprech\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/neusprech-marketing\/\" target=\"_blank\">Marketing<\/a> reduziert Kommunikation allein auf den Sender. Die pseudowissenschaftliche M\u00f6chtegernphilosophie betreibt, genau genommen, gar keine Kommunikation. Es fehlen h\u00e4ufig Antwort, feedback, Meinung, Kritik und Reflexion. Dies verdeutlichen beispielsweise sog. \u00bbKunden-Hotlines\u00ab von Unternehmen, welche in den meisten F\u00e4llen ein regelrechter Hohn an Service, Kundenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft darstellen, wenn man die Qualit\u00e4t dieser Hotlines als Kriterium heranzieht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zerst\u00fcckeltes Senden<\/strong><br>\nHinzu kommt, dass Botschaften oft nur bruchst\u00fcckhaft, fragmentarisch, stark reduziert oder verk\u00fcrzt serviert werden. <a title=\"ZG_abschalten\" href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/tvabschalten\/tvnews_tv.html\" target=\"_blank\">TV-News<\/a> und auch viele Printmedien haben einen eng vorgegebenen Rahmen, in denen sie ihre Beitr\u00e4ge platzieren m\u00fcssen. Tagesschau-Beitr\u00e4ge sind beispielsweise selten l\u00e4nger als 30 Sekunden. Boulevard-Zeitungen vereinfachen und reduzieren gnadenlos Sachverhalte. Die Kurzmitteilungen von handys (sog. \u00bbsms\u00ab) sind meist auf 180 Zeichen beschr\u00e4nkt. Bei Youtube gibt es Ausschnitte, Trailer und millionenfache Schnipsel. Die Chat- und Internet-Sprache f\u00fcllt mittlerweile einen ganzen Duden voller Abk\u00fcrzungen (lol, afk, wtf und so weiter). Viele Kommunikationsformen werden so aufbereitet, so dass sie in m\u00f6glichst kurzer Zeit verstanden und konsumiert werden k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich haben wir alle keine Zeit und vor allem auch keine Lust, uns intensiver mit einer Sache oder einem Menschen zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch unser Bildungssystem fungiert in weiten Teilen, wie Radio, Fernsehen, B\u00fccher und Werbung; ergo: wie einseitige Sendeanstalten. Ob im Kindergarten, in der Schule, der Berufsschule oder der Universit\u00e4t: den Kindern und Sch\u00fclern sollen Lerninhalte vermittelt werden, sie sollen Wissen aufnehmen und auswendig lernen. In der Regel ohne darauf unabh\u00e4ngig und individuell reagieren zu k\u00f6nnen oder zu d\u00fcrfen. Wie menschliche Computer sollen sie Daten, Fakten, Verhaltens- und Denkweisen sowie Sachverhalte speichern, auf Abruf parat haben und ansonsten nur das denken und fragen, was im vorgegebenen Rahmen zugelassen ist. Wer abseits der definierten Strukturen Dinge kritisiert oder sich benimmt, gilt schnell aus verhaltensauff\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><br>\nWir m\u00f6gen vielleicht die meisten Kommunikationsm\u00f6glichkeiten und Kan\u00e4le in der Geschichte der Menschheit besitzen, deshalb ist aber die Qualit\u00e4t unserer zwischenmenschlichen Kommunikation nicht reifer geworden. Eher im Gegenteil. Es wird reduziert, vereinfacht, verk\u00fcrzt, polarisiert, emotionalisiert \u2013 und das alles vornehmlich im Sendemodus. Kommunikation bedeutet eben auch Antwort, feedback, Austausch, Diskussion, Reflexion, Selbstkritik, Debatte und Meinung. Und zwar in einem offenen und vorher nicht festgelegten Rahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Kompromissbereitschaft ist ein wesentliches Element der Kommunikation. Im Zeitalter des grenzenlosen Eigennutzes, des Egoismus und des <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/verabredung\/\" target=\"_blank\">Narzissmus<\/a> verwundert es wenig, dass diese Charaktereigenschaft immer mehr verk\u00fcmmert. Denn genau wie die Empathie, lebt und gedeiht die Kompromissbereitschaft durch R\u00fccksichtnahme, Verst\u00e4ndnis und Respekt zu unseren Mitmenschen. Die aber, interessieren uns immer weniger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einiger Zeit hat mein gesch\u00e4tzter Kollege flatter von feynsinn einen Beitrag mit einem beeindruckenden Satz enden lassen: \u00bbKommunizieren ist mehr als senden\u00ab. 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