{"id":12867,"date":"2012-08-19T06:58:41","date_gmt":"2012-08-19T05:58:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=12867"},"modified":"2012-08-17T15:15:49","modified_gmt":"2012-08-17T14:15:49","slug":"verbissene-diskurshoheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/verbissene-diskurshoheit\/","title":{"rendered":"Verbissene Diskurshoheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-12875\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/warning-424x400.jpg\" alt width=\"203\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/warning-424x400.jpg 424w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/warning-150x141.jpg 150w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/warning-1024x963.jpg 1024w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/warning-318x300.jpg 318w, https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/warning.jpg 1176w\" sizes=\"(max-width: 203px) 100vw, 203px\">Wer \u00fcber politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen spricht, und dabei halbwegs ernst genommen werden will, der muss Zahlen und Fakten vorlegen, wirtschaftspolitische Modelle oder Theorien besprechen, die Finanzmarktindustrie ernst nehmen oder \u00f6konomisch argumentieren. Der herrschende \u00d6konomie-Diskurs, l\u00e4sst eine offene und konstruktive Wertedebatte, in welcher der Mensch im Mittelpunkt allen politischen und wirtschaftlichen Handelns steht, nicht zu. Ganz im Gegenteil, wer prim\u00e4r normativ argumentiert, gilt wahlweise als <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/neusprech-sozialromantik\/\" target=\"_blank\">Sozialromantiker<\/a>, Tr\u00e4umer, Esoteriker, realit\u00e4tsfremd, Spinner, <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/neusprech-regierungsfahigkeit\/\" target=\"_blank\">regierungsunf\u00e4hig<\/a> oder als wirtschaftspolitisch nicht tragbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der unausgesprochene Zwang, sich dem neoliberalen Wirtschaftsdiskurs zu unterwerfen, gibt den Rahmen vor, in welchem laut gedacht und diskutiert werden darf. Egal ob es um Schulen, Universit\u00e4ten, Museen, Schwimmb\u00e4der, Jugendprojekte, Kinderg\u00e4rten, Krankenh\u00e4user, den Klima- und Umweltschutz, die \u00f6ffentliche Daseinsf\u00fcrsorge oder um viele andere Bereiche geht \u2013 alles wird als ein Problem definiert, dass in erster Linie wirtschaftlich gel\u00f6st werden m\u00fcsse. Immer geht es um Kosten, Preise, \u00f6konomische Berechnungen, Ausgaben, Schulden \u2013 ergo: um Geld. Andere Denkweisen werden verp\u00f6nt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst viele vermeintlich linke Publikationen, Beitr\u00e4ge und blogs entziehen sich nur selten dem \u00d6konomie-Diktat. Eine Reichen- und\/oder eine Verm\u00f6genssteuer soll staatliche Mehreinnahmen schaffen, der Mindestlohn soll die Binnenwirtschaft ankurbeln und das Emissionsgesetz bzw. der&nbsp;Emissionsrechtehandel fungiert als ein wirtschaftliches Instrument, um vermeintlichen Umweltschutz zu f\u00f6rdern. Warum ist es, z.B., nicht m\u00f6glich als linkspolitisch engagierter Mensch zu sagen, dass es in erster Linie nicht wichtig ist, wieviel uns die Sanierung von Schulen oder Kinderg\u00e4rten kostet? Warum sieht man (auch als linker) Kinder stets durch die \u00f6konomische Brille: als zuk\u00fcnftiger Rohstoff f\u00fcr Unternehmen, als Steuerzahler, Familienversorger, Konsumenten, Rentenzahler, Leistungserbringer&nbsp;oder zuk\u00fcnftig verwertbares Humankapital? Weshalb bringen wir nicht den Mut auf, die \u00f6konomischen Berechnungen zun\u00e4chst ganz zur Seite zu schieben und zu sagen: wir wollen in einer sozial gerechten Welt leben und deshalb bezahlen wir es, egal wieviel es uns kostet?<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">...ist die massenhafte Erfahrung, dass es die Realpolitiker in allen Machtzentren der Gesellschaft, den Banken ebenso wie den Regierungen, gewesen sind, die eine hochentwickelte Gesellschaftsordnung an den Rand der Katastrophe getrieben haben \u2013 nicht die Utopisten, nicht die mit dem Vorwurf der Realit\u00e4tsferne geschlagenen Konstrukteure einer besseren Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">- Oskar Negt, \u00bbDas Europa von heute und die Wirklichkeit von morgen\u00ab, Bl\u00e4tter, Ausgabe August 2012, S. 75<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine stets einseitig wirtschaftspolitische Kommunikation und das alleinige Herumdoktern an bestehenden Gesellschaftsstrukturen wirkt systemstabilisierend und verhindert eine normative Diskussion \u00fcber eine Gesellschaft, in welcher der Mensch im Mittelpunkt jeglichen politischen Handelns stehen k\u00f6nnte. Werte wie Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit sollen sich heute vor allem am engen politischen Korsett der sog. <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2011\/neusprech-realpolitik\/\" target=\"_blank\">\u00bbRealpolitik\u00ab<\/a> orientieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das stets hochgehaltene Verfassungsgut der Meinungs- und Pressefreiheit unterschl\u00e4gt realexistierende Sanktionsmethoden und Mechanismen der Ausgrenzung. Politiker, Unternehmen, Banken, Konzerne und Massenmedien geben den Rahmen, der sog. Pressefreiheit direkt und indirekt vor. Wer jetzt denkt, dies w\u00e4re \u00dcbertreibung oder Verschw\u00f6rungstheorie, der denke nur an gesellschaftliche Tabus, Verhaltenskodexe, redaktionelle Kopfscheren, Vorzensuren, vorauseilenden Gehorsam in Unternehmen, Verschwiegenheitspflichten, \u00f6ffentliches Verunglimpfen von bestimmten Themen usw. usf. Die Presse- und Meinungsfreiheit unterliegt einem eng definierten, \u00f6konomisch dominierten Diskurs-Rahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich ist und bleibt die Untersuchung nach der Reichtumsverteilung sowie der Eigentumsgerechtigkeit eine elementar wichtige Frage. Dennoch sollten endlich einmal grunds\u00e4tzliche System- und Gesellschaftsfragen gestellt werden, anstatt detailverliebt und hoffnungslos am System herum zu schrauben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der Geld wichtiger ist, als Gl\u00fcck, Liebe und Gerechtigkeit? Ist eine Welt erstrebens- und bestehenswert, in der Gier, Egoismus, Neid und Konkurrenz die bestimmenden Werte sind?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>P:S:<\/strong> Es gibt in der Kategorie-Leiste (rechts) eine neue Rubrik: Gedichte. Ich bitte um rege Aufmerksamkeit! ;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer \u00fcber politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen spricht, und dabei halbwegs ernst genommen werden will, der muss Zahlen und Fakten vorlegen, wirtschaftspolitische Modelle oder Theorien besprechen, die Finanzmarktindustrie ernst nehmen oder \u00f6konomisch argumentieren. 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