{"id":11686,"date":"2012-03-14T08:30:31","date_gmt":"2012-03-14T07:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/?p=11686"},"modified":"2012-03-13T19:40:52","modified_gmt":"2012-03-13T18:40:52","slug":"neusprech-wettbewerbsfahigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/neusprech-wettbewerbsfahigkeit\/","title":{"rendered":"Neusprech: Wettbewerbsf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #993300;\"><em><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Deutschland hat in den letzten zehn Jahren hervorragende Arbeit geleistet [...} Es hat seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessert und die Lohnkosten deutlich gedr\u00fcckt\u00ab<\/em><\/span><\/p>\n<p>- Christine Lagarde, frz. Politikerin und Direktorin des IWF in \u00bbLe Figaro\u00ab am 30. M\u00e4rz 2010<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.zeitgeistlos.de\/neusprech\/orwell.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-525\" title=\"ZG-Artikel: Neusprech Heute\" src=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-content\/uploads\/orwell_neusprech.jpg\" alt width=\"70\" height=\"90\"><\/a>Mit der \u00bbVerbesserung der deutschen Wettbewerbsf\u00e4higkeit\u00ab meint Frau Lagarde die Agenda 2010: Lockerung des K\u00fcndigungsschutzes, Hartz 4, Ausweitung des Niedriglohnsektors, Sozialabbau, Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben, Steigerung von Alters- und Kinderarmut, Ausweitung der Leiharbeit und von prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen, Rentenk\u00fcrzungen, Abbau von B\u00fcrgerrechten, K\u00fcrzungen im \u00f6ffentlichen Sektor usw. Die \u00bbWettbewerbsf\u00e4higkeit\u00ab ist hier ein krasser Euphemismus f\u00fcr eine einseitige Interessenpolitik im Sinne der Verm\u00f6genden und Reichen in Deutschland.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/popup\/popup_lemmata.html?guid=VJ6X9I\"> Lexikon<\/a> der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung definiert die Wettbewerbsf\u00e4higkeit wie folgt:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>die gegenw\u00e4rtige Stellung und die zuk\u00fcnftigen Aussichten eines  Unternehmens, einer Branche oder einer Volkswirtschaft im Wettbewerb an  nationalen und internationalen M\u00e4rkten. In diesem weiten Sinn reicht der  Begriff von der Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Arbeitslosen am Arbeitsmarkt  \u00fcber die F\u00e4higkeit eines Unternehmens, sich in Konkurrenz mit anderen  Anbietern am Markt zu behaupten, bis zur Leistungsf\u00e4higkeit und  wirtschaftlichen Dynamik einer Volkswirtschaft in der Weltwirtschaft\u00ab<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff \u00bbWettbewerbsf\u00e4higkeit\u00ab ist bewusst schwammig und dehnbar gehalten, sodass unter ihm alle wirtschaftspolitischen Ma\u00dfnahmen, die zur Profitsteigerung gerade gebraucht werden, subsumiert werden k\u00f6nnen. Denn wer bestimmt, ob ein Unternehmen, ein Staat oder ein Lohnarbeiter f\u00e4hig zum Wettbewerb ist oder nicht? Der Zusatz \u00bbF\u00e4higkeit\u00ab unterstellt, dass es an der individuellen, unternehmerischen oder staatlichen Kompetenz liegt, ob man im Wettbewerb teilnehmen kann oder nicht. Dabei wird verschleiert, dass es einen Marktzwang gibt. Wer sich nicht erfolgreich selbst verwertet und dem Arbeitsmarkt anpasst, der gilt als <a title=\"ZG - Neusprech\" href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2010\/neusprech-modernisierungsverlierer\/\">\u00bbModernisierungsverlierer\u00ab<\/a>. Wer als Regierung nicht neoliberal handelt, der gilt als zur\u00fcckgeblieben, populistisch und unmodern, wie z.B. Venezuela oder Bolivien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff verschleiert zudem die Verantwortung von Akteuren, welche den Markt&nbsp; steuern, gestalten und ma\u00dfgeblich regeln. Zu nennen w\u00e4ren hier die europ\u00e4ische Zentralbank, der internationale W\u00e4hrungsfond und die EU-Kommission. Zudem wird die Behauptung aufgestellt, es g\u00e4be einen Wettbewerb. Bei genauerer Betrachtung gibt es den aber nur marginal. Eine zunehmende Marktkonzentration bzw. Marktverdichtung von finanzstarken Unternehmen, Banken und Konzernen bestimmen und regeln weite Teile des Marktgeschehens:<\/p>\n<blockquote><p><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Nach  einer aktuellen Untersuchung aus der Schweiz beherrschen vor allem 50 einflussreiche  Superunternehmen die Weltm\u00e4rkte. [...] Die Regeln der Preisbildung aus  Angebot und Nachfrage vieler kleiner Marktteilnehmer spielen keine  Rolle.\u00ab<\/p>\n<p>- \u00d6konomie-Professor Rudolf Hickel, \u00bbSch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung\u00ab in \u00bbBl\u00e4tter\u00ab, Ausgabe M\u00e4rz 2012, S. 65<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Patentregelungen, Urheberrechte und Lizenzen benachteiligen die Entwicklungsl\u00e4nder. In Deutschland haben sich z.B. vier gro\u00dfe Stromkonzerne den Markt aufgeteilt. Preisabsprachen, die in Deutschland verboten sind, finden immer wieder zwischen gro\u00dfen Unternehmen statt. Monopolisten, wie z.B. Microsoft, sorgen daf\u00fcr dass es in bestimmten Segmenten erst gar nicht zu einem Wettbewerb kommt. Von Bestechungen, Korruption und Kl\u00fcngelei ganz zu schweigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den sog. freien Markt gibt es nur in der Theorie. Insofern geht es nicht um die F\u00e4higkeit zum Wettbewerb, sondern um die F\u00e4higkeit zum Zwang, sich dem vorgeschriebenen Rahmen anzupassen, zu unterwerfen und zu f\u00fcgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"dquo\">\u00bb<\/span>Deutschland hat in den letzten zehn Jahren hervorragende Arbeit geleistet [...} Es hat seine Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessert und die Lohnkosten deutlich gedr\u00fcckt\u00ab \u2014 Christine Lagarde, frz. Politikerin und Direktorin des IWF in \u00bbLe Figaro\u00ab am 30. M\u00e4rz 2010 Mit der \u00bbVerbesserung \u2026 <a href=\"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/2012\/neusprech-wettbewerbsfahigkeit\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"wp_typography_post_enhancements_disabled":false,"footnotes":""},"categories":[33],"tags":[43,1638,1015],"class_list":["post-11686","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-neusprech","tag-marktwirtschaft","tag-neusprech","tag-wettbewerbsfahigkeit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11686","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11686"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11686\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11798,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11686\/revisions\/11798"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zeitgeistlos.de\/zgblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}